Gibt es Himmel und Hölle?

Das Wichtigste in Kürze

Unsere Hoffnung auf Gerechtigkeit im Jenseits führte zur Vorstellung von Himmel und Hölle. Aus Sicht eines mitfühlenden Geistes macht eine Hölle jedoch keinen Sinn. Ganz anders aber eine Weiterentwicklung der Seele durch Reinkarnation. Nur Momente, in denen wir eins mit dem allumfassenden Geist sind, hinterlassen eine Erinnerung, die ewig bleibt. Alles andere vergeht mit unserer sterblichen Hülle. Es bleibt die Essenz unserer Seele im Moment des Erlebens. Somit lösen sich alle Wiedersprüche hinsichtlich dem Wiedersehen geliebter Menschen und dem zeitlichen Einfluss schlimmer Taten auf unser Seelenheil im Jenseits.


Ein Himmel voller Widersprüche

Im vorangegangenen Beitrag „Ist ein Leben nach dem Tod möglich?“ habe ich gezeigt, dass ein Jenseits durchaus mit aktuellen Forschungsergebnissen vereinbar wäre, doch die damit verbundenen Widersprüche lassen seine Existenz höchst unwahrscheinlich erscheinen. Was passiert mit einer Seele bei einer Wiederbelebung? Kommt unsere Seele als Kind, als Erwachsener oder als Greis in den Himmel? Wem davon begegnen unsere Großmutter, unsere früh verstorbenen Partner, unsere Kinder und Enkel? Können wir unsere verdorbene Seele durch die Beichte auf dem Sterbebett schnell noch in den Himmel retten?

Das Ziel gnadenloser Gerechtigkeit

Doch bevor wir uns dem Paradies widmen, werfen wir erst einmal einen Blick in den tiefsten Höllenschlund. Wie bereits im Beitrag „Welche Ziele hat der Geist, der uns beseelt?“ erwähnt, ist die Seelenprüfung ein zentrales Thema in fast allen Religionen. Gute Seelen werden belohnt, schlechte bestraft. Die Religionen des Mittelmeerraums setzen dabei ganz auf das Herstellen von Gerechtigkeit. Es wird ein einmaliges und unumkehrbares Urteil gefällt. Bereits die Ägypter hatten die Vorstellung einer Seelenwaage auf der entschieden wurde, ob eine Seele ins Reich der Toten einziehen darf, oder ob sie aufgrund ihrer Schandtaten von der Dämonin Ammit vernichtet wird. Da Vernichtung aber als Strafe zu kurz und letztendlich auch eine Art der Erlösung darstellt, erfanden die Perser im Mithras-Kult das Jüngste Gericht mit einer ersten rudimentären Form der Hölle, in der die verdammten Seelen in einem Feuerschlund in Pech und Schwefel versinken. Die abrahamitischen Religionen, also Juden, Christen und Moslems haben dieses Jüngste Gericht mit himmlischen Freuden und Höllenqualen übernommen und zum Teil phantasievoll ausgebaut. Auf Dauer war das schwarz-weiße Modell von ewiger Belohnung im Paradies oder nie endenden Höllenqualen dann wohl doch etwas zu abschreckend für die sündige Mehrheit der Gläubigen und so erfand Papst Gregor mit dem Fegefeuer eine Art Bestrafung auf Zeit für nicht ganz so schlechte Seelen. Immerhin war die Hölle ein hervorragendes Drohmittel, um selbst mächtige Fürsten, die sich sonst niemandem zu verantworten hatten, zu einem halbwegs christlichen Leben zu motivieren.

Die Hölle: Masochismus oder Sachbeschädigung

Wenn wir aber davon ausgehen, dass wir es mit einem mitfühlenden Geist zu tun haben, der uns alle beseelt und dessen innerer Funke für bewusstes Erleben nötig ist, bekommen wir mit der Vorstellung eines Jüngsten Gerichts und der damit verbundenen Bestrafung in einer Hölle ein Problem. Denn um eine Strafe zu empfinden, muss die Seele von einem Geist erfüllt sein. Doch nachdem der Körper gestorben ist, müsste die zu bestrafende Seele direkt aus dem allumfassenden Geist gespeist sein und so würde das Leid der Strafe letztendlich den strafenden Geist selbst treffen. Entzieht der allumfassende Geist der zu bestrafenden Seele jedoch den inneren Funken, so wäre sie nur noch eine tote, fühllose Hülle. Sie im ewigen Höllenfeuer brennen zu lassen, wäre witzlos und bestenfalls Sachbeschädigung. Wenn wir also von einem allesbeseelenden, mitfühlenden Geist ausgehen, dann verliert jegliche Bestrafung schlechter Seelen ihren Sinn.

Reinkarnation: Ehrenrunde für schwache Seelen

Bedeutet das aber nicht auch gleichzeitig, dass eine Belohnung guter Seelen im Himmel genauso wenig Sinn macht, wie eine Bestrafung in der Hölle? Denn nach dem kosmischen Prinzip der Gegensätze also von Yin und Yang kann es ohne Licht, keinen Schatten geben, ohne männlich kein weiblich, ohne heiß kein kalt, ohne Antimaterie keine Materie und ohne gut kein böse. Wenn es keine Hölle gibt, kann es nach diesem polaren Prinzip also auch keinen Himmel geben. Ebenfalls hat das Modell von Himmel und Hölle für uns aufgeklärte Bildungsbürger schon lange seinen Reiz aber auch seine Schrecken verloren. Selbst 72 Jungfrauen (oder sind es vielleicht doch bloß eine Hand voll Perlen?) reichen nicht mehr aus, um uns für mögliche paradiesische Freuden zu kasteien. Wesentlich überzeugender erscheint uns da die Vorstellung, die Seelen während ihres irdischen Daseins einer Reifung zu unterwerfen. Aus diesem Grund gewinnen Religionen, die an die Reinkarnation glauben, wie beispielsweise der Buddhismus in unserer westlichen Zivilisation immer mehr an Attraktivität. Denn hier dient die irdische Probe als Entscheidung, ob die Seele endlich aus dem Kreislauf des leidvollen Lebens in ein Nirvana der Fühllosigkeit, der Erlösung entlassen wird, oder ob sie noch einmal eine Ehrenrunde drehen muss. Je nach den Leistungen, die sie im Leben erbracht hat, auf einer höheren oder aber auf einer niedrigeren Lebensstufe. Hier spielt die Reifung und Weiterentwicklung der Seelen die zentrale Rolle.

Gänsehautmomente bringen uns dem allumfassenden Geist nahe

Eigentlich könnten wir hier den Beitrag beenden. Es gibt keine Hölle und der Himmel widerspricht unserer Logik. Doch auch der Welle-Teilchen-Dualismus und noch viele andere Effekte aus dem Reich der Quanten widersprechen unserer Alltagslogik. Und nachdem der Himmel sicher nicht in der physischen Realität sondern im Reich der Metaphysik zu suchen ist, sollten wir nicht so schnell aufgeben. Gehen wir die Sache daher von der metaphysischen Seite an. Wann spielt der mitfühlende Geist, der uns beseelt die größte Rolle? Genau, immer dann, wenn wir ganz bewusst, ganz intensiv erleben. Und gerade in den Momenten, in denen wir großes erleben, ist es nicht nur unser Intellekt, der fühlt. Ganz im Gegenteil, jede Faser unseres Körpers ist beteiligt, wenn wir Begeisterung, Freude aber auch Angst und Furcht empfinden, nichts anderes ist es, wenn uns eine Gänsehaut überkommt oder wir meinen, Schmetterlinge im Bauch zu haben. Das sind Momente der ganz großen, der ganz innigen Gefühle. Eben dieser Gefühle, die uns an einem übergreifenden Geist teilhaben lassen. Sei es die intensive Verbundenheit mit der Natur, die uns am Gipfel eines Berges erfüllt, sei es die Liebe, die wir für einen wundervollen Menschen empfinden oder die Ergriffenheit, die uns an spirituellen Orten erfasst, sie alle fegen unsere alltäglichen Gedanken hinweg und verbinden unseren Geist mit etwas Höherem. Was auch immer das ist, es geht über unsere physische Existenz hinaus.

Wahrhaft unvergessliche Momente

Doch das bedeutet, dieses Erleben ist Teil eines höheren Erlebens und findet außerhalb der physischen Welt statt. Und dieses Erleben wird nicht nur der Vergänglichkeit physischer Speicher anvertraut, sondern könnte auch immateriell in einer metaphysischen Ebene gespeichert werden. Und dass hier nahezu unendlich viel Information hinterlegt sein kann, habe ich bereits im Beitrag „Ist ein Gedächtnis ohne Materie denkbar?“ gezeigt. Wenn also all die großen Momente, die uns Eins mit dem allumfassenden Geist werden ließen, nicht verloren gehen, so erlaubt uns das einen kleinen Blick aufs Paradies. Denn diese Momente können nicht als abstrakte Erinnerung im immateriellen Gedächtnis des Universums abgelegt werden, sondern nur in der Form, wie wir sie erlebt haben, als wir uns Eins mit dem universalen Geist fühlten. Denn nur das, was der beseelende Funke in uns wahrgenommen hat, kann dort auch als Erinnerung festgehalten werden, nicht mehr und nicht weniger. Stehen wir also staunend vor den Gipfeln des Himalaya wird dort nicht das Bild auf unserer Netzhaut gespeichert, sondern das, was davon unseren Geist erreicht hat. Und das sind innere Bilder, die sich mit Begriffen wie majestätische Größe, strahlender Sonnenschein, tiefe Ergriffenheit und überwältigende Schönheit umschreiben lassen (mehr dazu im Beitrag „Wie können wir mit dem allumfassenden Geist kommunizieren?“). Und somit könnte das, was unsere Seele in jedem dieser Momente als Summe all unserer bewusster Emotionen ausgemacht hat, im immateriellen Gedächtnis weiterexistieren.

Was wird bleiben?

Angenommen, es ist tatsächlich so, dass nur die Momente in denen wir uns eins mit dem allumfassenden Geist fühlten in dessen immaterielle Erinnerung übergehen, so stellt sich die Frage, würde da überhaupt noch viel von uns bleiben? Und es ist eine ganze Menge, das wir von ganzem Herzen und somit gemeinsam mit dem allumfassenden Geist erlebt haben. Es sind die Erinnerungen an geliebte Wesen, seien es glückliche Momente mit unseren Kinder, seien es die lang schon verstorbenen Großeltern, sei es der geliebte Hund. Es sind all die Glücksmomente in denen wir uns mit der Natur eins gefühlt haben, seien es die ersten selbst gepflückten Kirschen, sei es der traumhafte Wintermorgen mit glitzerndem Schnee, sei es ein unglaublich schöner Sonnenuntergang. Es sind all unsere Abenteuer und spannenden Erlebnisse, sei es eine ganz besondere Höhlenwanderung, sei es eine wilde Raftingtour, sei es der Flug über schneebedeckte Gipfel oder der erste Motorradausflug. Es sind aber auch die wundervollen Musikstücke, die unsere Seele berührt haben, sei es das erste große Konzert, sei es die Ballade, die wir während der ersten Verliebtheit gehört haben, sei es die Arie, die uns Tränen in die Augen gezaubert hat. Selbstverständlich sind das auch die Sinneswahrnehmungen, die unser Herz berührt haben, sei es der Geruch eines geliebten Menschen, sei es der Geschmack eines wundervollen Essens, sei es das warme Knistern eines Kaminfeuers. Und nicht zu vergessen sind das auch die großen Momente der Liebe, sei es der erste Kuss, sei es eine innige Umarmung, sei es ein wundervoller erotischer Höhepunkt. Wenn also ausschließlich diese Momente der Einheit mit dem allumfassenden Geist tatsächlich unsterblich werden, so bleibt von jedem von uns eine wundervolle Erinnerung zurück.

Große Momente können auch ganz klein sein

Aber es geht dabei nicht darum, besonders exotische und ausgefallene Erlebnisse zu sammeln, sondern nur darum, bewusst wahrzunehmen um sich in Einklang mit dem allumfassenden Geist zu befinden. So kann ein Millionär eine Reise zu allen Naturdenkmälern dieser Welt unternehmen ohne dabei auch nur ein einziges Mal einen wirklich großen Moment zu verspüren, da er all das völlig abgestumpft abhakt, während sein Innerstes bereits den nächsten Vertragsabschluss vorbereitet. Andererseits kann ein Kind in den Slums von Mumbai Tag für Tag beim Anblick der Wolken, beim Spiel mit den Straßenhunden und bei den Erzählungen seines Großvaters Momente der Einheit mit dem allumfassenden Geist und der Welt empfinden.

Der Tod als Befreiung von allem irdischen Ballast

All das Selbstbezogene, das Egoistische, das Oberflächliche, all das, was wir getan haben, ohne mit unserem Herz und unserer Seele dabei zu sein, all das Unbedachte, all der gedankenlose Konsum, all die schnellen Vergnügungen, die nicht unser Herz berührt haben und die einen schalen Nachgeschmack in uns hinterlassen haben, wird wahrscheinlich nicht die Schwelle hin zum allumfassenden Geist überwinden. Somit werden diese Erinnerungen vergehen ohne eine Spur im immateriellen Gedächtnis des Universums zu hinterlassen. All diese Teile unserer Persönlichkeit sind nur in unserem physischen Gedächtnis gespeichert, so werden sie unseren Tod nicht überleben und gemeinsam mit unserer vergänglichen Hülle sterben. Es ist so, als würde unsere Seele von all dem irdischen Ballast befreit und nur das wirklich Große, Reine, Schöne, Liebevolle ins immaterielle Gedächtnis des Universums übergehen.

Rückführungserlebnisse sind wirklich denkbar

Nun stellt sich natürlich die Frage, wer holt sich denn überhaupt die Erinnerungen aus diesem immateriellen Gedächtnis des Universums? Es ist natürlich eben dieser allumfassende Geist, der auch uns während unseres gesamten Lebens erfüllt hat. Von eben dem Geist, der uns die elektromagnetische Strahlung der Sonne als wunderschönen Frühlingstag erleben ließ, dem Geist, der akustische Schwingungen in unserem Inneren in eine mitreißende Melodie verwandelte, dem Geist, der unsere Kinderaugen an Weihnachten mit ungläubigem Staunen erfüllt hat. Denkbar ist aber auch, dass dieser Geist indirekt durch ein von ihm beseeltes Wesen, diesen Blick ins immaterielle Gedächtnis des Universums wagt; zum Beispiel im Rahmen einer Rückführung unter Hypnose, bei der wir auf der Suche nach einer früheren eigenen Existenz sind. Somit erklärt sich auch, warum sich unser physisches Hirn nicht an frühere Leben erinnern kann, denn die Erinnerung ist dort ja gar nicht vorhanden. Es bedarf schon eines besonderen Geisteszustands, wie z.B. unter Hypnose, der das Tor hinüber zum immateriellen Gedächtnis des Universums eröffnet.

Die Lösung des paradiesischen Paradoxons

Dabei sind im immateriellen Gedächtnis des Universums all unsere Empfindungen nicht als nüchterne Fakten gespeichert, sondern sie bleiben mit all dem verbunden, was damals, als wir sie erlebten, unsere Seele ausgemacht hat. Und unsere Seele ist beileibe kein statischer Gegenstand sondern ein stets im Wandel befindliches Phänomen. Derselbe Blick auf eine wunderschöne junge Frau hinterlässt in unserer Seele jeweils eine völlig andere Erinnerung, wenn wir sie mit den Augen des Kindes, den des verliebten Ehemanns oder den des stolzen Vaters betrachten. Wenn sich der allumfassende Geist jede einzelne dieser Erinnerungen zurückruft, dann müsste er exakt dasselbe empfinden, das er damals empfand, als er das Kind, den Ehemann oder den Vater beseelte. Somit ist dieses geistige Erinnern eine Auferstehung der jeweils erinnerten Seele in der jeweiligen Lebensphase. Und diese während der Erinnerung wiederauferstandenen Seelen sind nichts anderes wir selbst. Denn wir sind als Erinnerung vom selben Geist erfüllt, der uns auch damals in exakt dem Moment an den er sich nun erinnert erfüllt. Wir werden somit im Jenseits stets unsere Großmutter mit den Augen des Kindes und unsere Kinder mit den Augen der liebevollen Eltern sehen. Durch den allumfassenden Geist würden wir somit jedes Mal aufs Neue das Prickeln des ersten Mals erfahren, egal wie oft wir das Erlebte verinnerlichen. Auch wäre es völlig egal, ob unser Körper nach langer Zeit wiederbelebt wurde, denn der allesumfassende Geist beseelt gleichermaßen alle Lebewesen. Das ist ähnlich, wie wir durch jeden einzelnen unserer Finger die Welt ertasten. Wenn wir einen Finger verlieren und er uns nach Stunden wieder angenäht wird, fühlt dieser Finger mit demselben Geist, wie alle anderen Finger unserer Hand.

Wir bestimmen, wie viel von uns im Jenseits bleibt

Warum aber sollen wir uns dann überhaupt noch mit dem Leben herumschlagen, wenn schon ein paar große Momente genügen, damit unsere Seele ins Jenseits Einzug findet? Warum machen wir nicht einfach Schluss mit unserer mühe- und leidvollen Existenz und flüchten uns in dieses ach so tolle Paradies? Zum einen ist das natürlich nur eine Hypothese, ob es tatsächlich so ist, kann kein Lebender jemals sagen. Falls diese Hypothese aber tatsächlich zutrifft, würde von unserer Seele nur das bleiben, was wir bis dahin an großen Emotionen erfahren und an liebevollen Taten vollbracht haben. Und je negativer und emotionsärmer unser Leben bis dahin war, desto weniger würde von unserer Seele bleiben. Statt also in schlechten Momenten alles hinzuschmeißen sollte es unser eigennützigstes Bedürfnis sein, unserer Seele so viel Gewicht wie nur möglich zu verleihen, so viel Liebe, so viele große Emotionen, so viele tolle Momente zu verinnerlichen und so viele schöne Taten zu vollbringen wie nur irgend möglich. Je mehr große, ergreifende und liebevolle Momente wir erlebt haben, desto mehr geht vermutlich von unserer Seele ein in dieses immaterielle Gedächtnis des Universums, in dieses Jenseits, in dieses Paradies. Ohne Leben, ohne Liebe, ohne große Gefühle wäre das immaterielle Gedächtnis des Universums leer wie ein unbeschriebenes Blatt. Erst das Erleben schafft Erinnerungen, schafft ein reiches Paradies voller großer Momente.

Doch wo bleibt die Gerechtigkeit?

So schön es ist, dass die großen Momente erhalten bleiben, so unbefriedigend ist die Vorstellung, dass das Böse und Verbrechen im Jenseits nicht gesühnt werden sollen. Doch ganz so ist es nicht. Wenn wir gemein sind und Verbrechen begehen schweigt unsere Seele, unser Herz ist hart und unempfänglich für die Gefühle von Liebe und Mitgefühl. In diesen Momenten sind wir taub für das Zwitschern der Vögel, blind für das Glitzern des Schnees und für das Strahlen der Sonne. Das sind Momente, in denen wir einfach nur funktionieren, dies können aber auch Momente sein, in denen wir böse oder aggressiv sind, Momente in denen das Animalische, das Egoistische überwiegen. In den kalten, selbstbezogenen Momenten des Bösen fühlen wir uns trotz der Lust die wir genießen verloren, kalt und leer. Dann sind wir von blinder Wut erfüllt, verschließen uns gegenüber den Gefühlen anderer, haben den Eindruck, außer uns zu sein oder neben uns zu stehen. Nein, das ist etwas völlig anderes, als die tiefen Gefühle, die uns mit dem allumfassenden Geist in Verbindung bringen. Je mehr ein Mensch auf sich selbst bezogen ist, desto weniger nimmt seine Seele an dem großen und unsterblichen Ganzen teil. Somit finden diese Erinnerungen wohl auch keinen Einzug ins immaterielle Gedächtnis des Universums.

Es gibt keine Hölle, jedoch das Vergessen

Nach dieser Hypothese wird das allumfassende Ganze unabhängig von unserer physischen Existenz weiterbestehen, während all das, was wir an Gefühlen und Erlebnissen in uns eingeschlossen haben, zusammen mit unserer sterblichen Hülle vergeht. Denn diese fleischliche Hülle war es, die uns in dieser ganz egoistischen Form mit einem sprichwörtlich beschränkten Geist belebt hat. Es ist davon auszugehen, dass die Seele eines Menschen, der möglichst intensiv in Einklang mit der alles beseelenden Harmonie gelebt hat, nicht vergehen wird, da sie Teil des großen Ganzen geworden ist. Stirbt jedoch ein Mensch, dessen Streben nur die Befriedigung seiner eigenen, egoistischen Begierden war und der nie im großen Ganzen aufgegangen ist, so wird wohl dessen Seele zusammen mit seiner Existenz enden. So bedarf es für Gerechtigkeit also keiner Hölle und keiner Strafen im Jenseits. Da es aber keine rein guten und auch keine rein bösen Wesen gibt, werden wahrscheinlich die Teile, die ichbezogen waren mit uns vergehen, die aber, die liebevoll und in Einklang mit dem allumfassenden Geist standen, werden wohl in ihm weiterexistieren. So wird vermutlich von der einen Seele vielleicht nur ein winziger Schatten bleiben, während eine andere als leuchtender Stern weiterstrahlt.

Das Paradies lässt sich nicht austricksen

In diesem Zusammenhang klärt sich auch eine der spannendsten moralischen Fragen. Was ist mit den Seelen derer, die schlimme Verbrechen begangen, später jedoch zum Guten gefunden haben? Werden die Seelen von einst so reinen Kindern, die sich im Erwachsenenalter zum Bösen entwickelt haben, vollständig vergehen? Ganz besonders kompliziert wird es bei Menschen, die immer wieder zwischen gut und böse pendeln. Zwischen bösen Taten liegen stets Phasen aufrechter Reue und tiefen Bedauerns. Doch was passiert mit so einer Seele? Nach christlicher Vorstellung kann nur ein reuiger Sünder, der seine Taten aufrichtig sühnt und Buße tut, seine Seele vor der ewigen Verdammnis retten. Der Einzug seiner Seele in den Himmel würde also hauptsächlich davon abhängen, in welcher Phase ihn der Tod gerade ereilt. Besonders clever hat Kaiser Konstantin diese christliche Regelung ausgenutzt, indem er mit der Taufe und somit mit der Tilgung aller Sünden bis aufs Totenbett gewartet hat. Trotz zahlloser Verbrechen u.a. der Ermordung seines eigenen Sohnes und seiner Frau hätte er sich mit diesem Trick einen Platz im Paradies ergattert. Viele Christen werden jetzt argumentieren, dass so ein Trick nicht funktionieren kann, da nur aufrichtige Reue zum Sündenerlass berechtigt. Doch bei der Angst, die die Menschen damals vor der Hölle hatten, muss man davon ausgehen, dass Konstantins Beweggründe am Ende tatsächlich aufrichtig waren. Doch wenn es stimmt – und davon bin ich fest überzeugt – dass nur die Teile einer Seele Einzug ins immaterielle Gedächtnis des Universums und somit ins Paradies halten, die so rein sind, dass sie sich mit dem allumfassenden Ganzen verbinden, dann führt das zu wahrhafter Gerechtigkeit, die sich nicht austricksen lässt. Denn nur das Reine, das Liebevolle und Großherzige bleibt, das Böse, das Verschlagene aber auch das Hartherzige und Oberflächliche vergeht zusammen mit der sterblichen Hülle. Nach dieser Hypothese wird von Konstantins Seele – wenn überhaupt – wohl nur ein kleines Fünkchen den Sprung ins Paradies geschafft haben.

2 Gedanken zu „Gibt es Himmel und Hölle?“

  1. Die Hypothese, nur positive Dinge „die liebevoll und in Einklang mit dem allumfassenden Geist standen, werden wohl in ihm weiterexistieren“…
    steht irgendwie in Widerspruch mit dem Erleben von Schmerz:
    “ egal wie viel Leid wir empfinden, wir sind nicht allein, denn der Geist, der uns in die Lage versetzt, Gefühle, Freude und Liebe zu empfinden, ist in so einer Situation ganz bei uns,“
    Was soll nun bewirken, dass trotz intensiver Anteilnahme des mitfühlenden Geistes die schmerzvolle Episode „vergessen“ wird? Bleibt sie nicht ebenso im universalen Gedächtnis?

    1. Ja, das ist eine durchaus berechtigte Anmerkung. Schmerz, Leid und Trauer, die wir bei vollem Bewusstsein ertragen sind auch Teil des geistigen Erlebens und müssten demnach genauso als Erinnerung im universalen Gedächtnis verbleiben. Ganz so klar ist die Trennung zwischen dem guten Prinzip des Geistigen und der bösen materiellen Welt offensichtlich doch nicht. Vielleicht hilft ja folgender Beitrag ein wenig, dieses Dilemma aufzulösen: http://sinn-frage.de/wie-sehr-verantwortet-der-geist-das-leid/

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