Warum dominiert das Prinzip Leben-frisst-Leben?

Das Wichtigste in Kürze

Ein gütiger schöpferischer Geist lässt sich kaum mit der Dominanz räuberischer Lebensformen vereinbaren. Die Existenz von Raubtieren basiert auf evolutionärer Selektion und Variation, einem Prinzip das durch keinen Geist aus der Quantenwelt beeinflusst werden kann. Und dennoch gibt es eine sanfte Lebensform, die die Erde sogar noch stärker dominiert als die Menschheit.


Wieso lässt der schöpferischer Geist Raubtiere zu?

Im Beitrag „Kann etwas allmächtig und gut zugleich sein?“ haben wir zwar recht überzeugende Belege dafür gesammelt, dass der allumfassende Geist wirklich für das Gute stehen müsste. Und dennoch, so ganz überzeugend ist der Gedanke nicht, wenn man bedenkt, dass mit uns Menschen Raubtiere unseren Planeten dominieren, die sich vom Leben anderer ernähren. Wenn der schöpferische Geist aber wirklich gut ist, und auf der anderen Seite über durchaus große Macht verfügt, wieso hat er es dann überhaupt so weit kommen lassen?

Der Geist wirkt nur durch den Zufall

Zunächst einmal sollten wir uns noch einmal vor Augen führen, wie diese geistige Macht wirkt. Es handelt sich dabei um den Zufall aus der Quantenwelt, ein Zufall, der ohne Verletzung von Naturgesetzen lediglich über Mutationen die Innovation in der Evolution beeinflussen kann. Auf das wesentlich dominantere evolutionäre Gesetz von Zucht und Auslese hat dieser Quantenzufall jedoch keinen Einfluss, denn hier regieren kausale und logische Zusammenhänge, also Ursache und Wirkung. Es gilt nun zu prüfen, ob sich das Prinzip von Leben-frisst-Leben mit einem evolutionären Vorteil rein über Variation und ohne jegliche Mutation erklären lässt oder ob dafür das innovative Prinzip nötig ist, auf das ein geistiger Schöpfer aus der Quantenwelt Einfluss nehmen könnte. Wäre das der Fall, so würde das massive Zweifel an der Güte des schöpferischen Geistes aufwerfen.

Durch Variation zu Leben-frisst-Leben

Dafür müssen wir ganz bis zum Anfang des Lebens reisen, als es lediglich Einzeller gab. Da es anfangs noch keine anderen Lebewesen gab, die diese ersten Einzeller fressen konnten, waren sie auf eine friedliche Ernährung (autotroph) durch die Aufnahme anorganischer Nährstoffe begrenzt. Sicher war es ein Unfall, als die ersten autotrophen Einzeller begannen sich räuberisch (heterotroph) zu ernährten und sich andere Einzeller einverleibten. Wahrscheinlich bekam ihnen diese Nahrung zunächst nicht besonders, doch es genügt ein entsprechend hoher Selektionsdruck, einerseits in Form eines Nährstoffmangels und andererseits in Form eines Überangebots an anderen Einzellern um diese Variation zu erklären. Die Einzeller, deren Verdauungstrakt sich entsprechend variiert hatte und nun auch in der Lage war, andere Einzeller zu verdauen, hatten einen Vorteil und konnten sich besser vermehrten als die, denen dies nicht gelang. Darüber hinaus bekamen die räuberischen Einzeller einen weiteren evolutionären Vorsprung, da sie für die Aufbereitung organischer Nährstoffe nun weniger Energie benötigten und ihnen somit mehr Energie für die Nahrungssuche zur Verfügung stand. Soweit können wir schon mal einen klaren evolutionären Vorteil ausmachen. Und der Weg dahin lässt sich rein durch die Variation bestehender Prinzipien erklären.

 Wie dominant ist die Menschheit?

Doch ist dem wirklich so? Blicken wir auf uns Menschen, so ist uns klar, dass wir die dominierende Spezies auf diesem Planeten sind. Und warum, weil wir fast jede erdenkliche Lebensform fressen, derer wir habhaft werden können. Pflanzen, Fische, Wirbellose, Wirbeltiere, Säugetiere, selbst vor süßen Kuschelhäschen machen wir nicht halt. Eigentlich muss man fast Angst vor der eigenen Art bekommen. Aber ich behaupte, dass Leben-frisst-Leben nicht das dominante Prinzip ist.

Gleichgewicht der Räuber-Beute-Beziehung

Zum einen kann sich das Prinzip Leben-frisst-Leben nicht zum absolut dominierenden Modell entwickeln, da das Angebot an organischer Nahrung limitiert ist. Es müsste sich somit ein Gleichgewicht in der Räuber-Beute-Beziehung einstellen, bei dem es aufs Jahr gerechnet mehr Beutetiere geben muss, als die Räuber zum Überleben benötigen. Wenn ein Löwe mit 200 kg Körpergewicht pro Tag 7 kg Nahrung zu sich nimmt, so benötigt er jährlich etwa das 13-fache seines Körpergewichts an Beutetieren. Das Gewichtsverhältnis Räuber zu Beute müsste grob gerechnet im einstelligen Prozentbereich liegen. Steigt die Räuberpopulation geht den Räubern rasch die Nahrung aus und sie verenden, somit kann die Beute sich wieder erholen und der Zyklus geht von vorne los. Dennoch können wir von einer Dominanz der Raubtiere sprechen, da sie sich beliebig bei ihrer Beute bedienen können.

Suche nach einem sanften Gegenmodell

Obwohl dieses grausame Fressen-und-gefressen-werden eigentlich einen gewaltigen evolutionären Vorteil bietet, gibt es jedoch ein sanftes Gegenmodell das in Wirklichkeit unsere Biosphäre beherrscht. Doch welche Art soll das sein? Wie wäre es mit Bienen und Schmetterlingen, die sich zwar von Pflanzen ernähren, aber dabei nicht töten und sogar noch einen Nutzen liefern. Dann haben wir da noch ein paar Großwale, die sich von Kleinorganismen ernähren, aber auch das ist Leben. Und selbst Pflanzenfresser fressen Leben. Nicht nur meine Nachbarin mit dem grünen Daumen ist davon überzeugt, dass auch Pflanzen eine Art Gefühlsleben besitzen, es handelt sich höchstwahrscheinlich um fühlende Wesen, die positiv auf Streicheleinheiten und Musik reagieren und sogar Schmerz und Angstreaktionen aufweisen (mehr dazu im Artikel Pflanzen mit Gefühl, Seele und Verstand). Daher sind auch Pflanzenfresser nicht das Gegenmodell von dem ich spreche.

Dominanz der Anzahl der Individuen

Es sind die Pflanzen selbst, die ich meine. Und trotz ihrer Friedfertigkeit und ihrer Wehrlosigkeit haben sie es zur wirklich dominanten Spezies geschafft. Lassen Sie mich das etwas genauer erklären. Woran sollen wir Dominanz fest machen? An der Anzahl von Individuen? Da hätten die Ameisen wohl die beste Aussicht darauf, das Rennen zu machen. Es gibt auf unserem Planeten immerhin etwa 100 Billiarden davon. Doch sind sie wirklich die dominante Spezies? Eigentlich nicht, denn im Vergleich zu uns Menschen haben sie nur verhältnismäßig geringe Auswirkungen auf unseren Planeten.

Dominanz der Umweltbeeinflussung

Von daher sind die Auswirkungen auf die Umwelt sicher ein vernünftiger Ansatz. Womit wir wieder beim Menschen wären. Allein unser CO2-Ausstoß führt zu massiven Klimaveränderungen, welche Spezies hat so etwas schon angerichtet? Es waren die Pflanzen und die haben damit ein ernsthaftes Problem bekommen. Ursprünglich war weit mehr CO2 in unserer Atmosphäre. Vor 500 Millionen Jahren war der CO2-Anteil gut 20-mal höher als heute. Damals gab es als Pflanzen nur planktonische Algen. Doch mit dem Siegeszug der Pflanzen veränderte sich die Atmosphäre dramatisch. Heute leiden sie unter Atemnot. Aus Sicht der Pflanzenwelt ist somit das Ausgraben und Verfeuern der fossil gespeicherten Kohlenstoffe eher Segen als Fluch. Aber trotzdem, es ist der Mensch, der die Erdoberfläche mit Straßen zubetoniert und sie mit Staudämmen und Städten überzieht. Er ist es, der die Erde am nachhaltigsten verändert. Schauen Sie sich die Erde doch aus dem Weltall an. In der Nacht ist der einst dunkle Planet zu einem Meer aus Lichtpunkten geworden. Doch tagsüber sehen wir gerade einmal die ganz großen Städte, die Chinesische Mauer und ein paar Staudämme, eingebettet in das Grün der Pflanzenwelt.

Dominanz der Biomasse

Aber um die Diskussion abzukürzen, es gibt eine ganz einfache Berechnung, um herauszufinden, welche Spezies die dominante ist, nämlich die, wie viel lebende Biomasse sie angehäuft hat. Raten Sie doch einmal, wer ist schwerer, die 100 Billiarden Ameisen oder die 7,2 Milliarden Menschen? Es dürfte Unentschieden ausgehen, sowohl die Menschheit, als auch die Ameisen wiegen in Summe jeweils etwa 400 Millionen Tonnen. Beides zusammen macht schon mal knapp 20 Prozent der gesamten tierischen Biomasse aus. Alle Tiere an Land und in den Ozeanen besitzen zusammen etwa ein Gewicht von 3,5 Milliarden Tonnen. Und nun kommt die große Preisfrage, was bringen die Grünpflanzen auf die Waage?

Mit Wehrlosigkeit zur Dominanz

Es sind satte 1000 Milliarden Tonnen. Mit anderen Worten, das „Böse“, die Fleisch- und Pflanzenfresser, machen gerade einmal 3,5 Promille der Grünpflanzen aus. Und da glauben wir allen Ernstes, Leben-frisst-Leben wäre das dominante Prinzip auf unserem Planeten. So stark auch der evolutionäre Vorteil dieses grausamen Systems sein mag, es dominiert ganz klar ein gütiges, friedliches Prinzip, das nur aus Licht, Luft, Wasser und anorganischen Nährstoffen Leben erschafft. Natürlich könnte man als Ursache hierfür die oben beschriebene Tatsache ins Feld führen, dass die Pflanzenwelt einfach nicht mehr Menschen und Tiere ernähren kann. Diese Theorie könnte vielleicht stimmen, würde sich die Tiermasse irgendwo im Prozentsatz der Pflanzenmasse bewegen. Aber wir sprechen gerade mal von 3,5 Promille und die Pflanzen regenerieren sich teilweise bereits nach wenigen Monaten, sodass der Zyklus nicht auf Jahre sondern deutlich kürzer gerechnet werden muss. Ich denke, es hat einen anderen Grund. Obwohl die Pflanzen so schwach sind, hat irgendein Prinzip sie erfolgreicher gemacht, als das böse Leben-frisst-Leben. Ich überlasse es Ihnen zu bewerten, wer hinter diesem Prinzip steckt.

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