Gibt es einen allumfassenden Geist?

Das wichtigste in Kürze

Viele Religionen gehen von einem allumfassenden Geist aus. Aufgrund der großen Distanzen im Universum kann er jedoch nicht über elektromagnetische Wellen kommunizieren. Eine instantane Kommunikation über verschränkte Quanten liefert die Lösung. Dies wird auch seitens der großen Quantenphysiker bestätigt. Doch wir merken nur in ganz besonderen Momenten etwas davon.


Alles ist eins

Viele Religionen glauben weltweit an einen allumfassenden Gott. So finden wir entsprechende Aussagen bei Christen, Hindus, Zen-Buddhisten, den Ureinwohnern Hawaiis bis hin zu den Indianern Nordamerikas:

  • Korintherbrief des Paulus: „Alles ist in allem!“
  • Hildegard von Bingen: „Alles ist mit allem verbunden“
  • Apostelgeschichte des Lukas: „Gott wohnt in jedem Menschen“
  • Matthäus Evangelium: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan“
  • Hinduismus: „Tat Tvam Asi – du und ich: wir sind eins, ich kann dir nicht wehtun ohne mich zu verletzen“
  • Zen-Buddhismus: „Eins ist alles und alles ist eins!“
  • Ureinwohner Hawaiis: „Alles was Du der Natur antust, tust Du letztendlich auch Dir selbst an, denn alles ist eins!“
  • Indianer: „Alle Geschöpfe der Natur sind eins mit dem Großen Geist, Manitou“

Dieses Phänomen ist durchaus erstaunlich und es stellt sich die Frage, wie die Religionen und ihre Mystiker zu dieser Einsicht kommen. Zudem passt es eigentlich sehr schön zu dem Schluss zu dem ich in meinem Beitrag „Wie real ist unser Geist“ gekommen bin, nämlich, dass die Fähigkeit zu erleben nichts anderes ist, als der göttliche Funke, der allem Leben innewohnt. Auch wenn wir nicht wissen, in welcher Beziehung dieser göttliche Funke tatsächlich zu diesem allumfassenden Geist steht, so muss aber irgendeine Verbindung, also eine Kommunikation zwischen uns und dem Geist stattfinden. Eigentlich doch eine schöne Vorstellung, dass wir alle eins, dass wir alle Teil eines großen Geistes sein sollen.

Gott ist wohl kein Schnelldenker

Würde sich Gott nur auf unsere Erde beschränken wäre das mit dem alles ist eins überhaupt kein Problem, doch insbesondere die monotheistischen Religionen erheben Anspruch darauf, dass Gott das gesamte Universum umfasst. Doch damit kommen wir in arge Schwierigkeiten. Denn ein allumfassender, also ein das All umfassender Gott hat ein ernstes Kommunikationsproblem. Denn spätestens seit Einsteins spezieller Relativitätstheorie wissen wir, jede Information, selbst unsere Gedanken können maximal mit Lichtgeschwindigkeit übertragen werden.

Theoretisch müsste dieser Effekt also auch für Gottes Gedanken gelten. Wenn also Gott das gesamte Universum umfasst, dann müssen auch seine Gedanken quer durchs All reichen. Die Dauer dieser göttlichen Gedanken können wir somit einfach anhand der Lichtlaufzeiten ermitteln. Sie benötigen:

  • Quer durch unser Sonnensystem ca. 10 Stunden
  • Quer durch die Milchstraße 100.000 Jahre
  • Quer durchs bekannte Universum ca. 80 Milliarden Jahre
    (Alter des Universums ca. 14 Milliarden Jahre!)

Doch da sich das Universum expandiert genügt es nicht nur, die Distanz von einem Ende zum anderen zu überwinden, sondern der Gedanke müsste auch noch während seiner langen Reise die Expansion überwinden und das hat zur Folge, dass Gottes ganz große All-umfassende Gedanken nie ankommen würden. Somit müsste ich als Naturwissenschaftler folgern, es kann keinen allumfassenden Gott geben, da er zu keinem vernünftigen Gedanken fähig wäre.

Falsche Grundannahmen liefern falsche Ergebnisse

Warum aber der Konjunktiv? Weil wir denselben Fehler begehen, wie die Naturwissenschaftler vor 150 Jahren. Damals war die Kernenergie noch nicht entdeckt und man ging davon aus, dass der Brennstoff der Sonne eigentlich nur Kohle sein könne. Die Forscher berechneten anhand der Sonnenmasse, dass sie damit aber nur für ca. 6.000 Jahre leuchten würde. Das deckte sich hervorragend mit den biblischen Zeitangaben der Schöpfungsgeschichte. Somit waren Wissenschaftler und Kirche zufrieden und keiner stellte weitere Fragen. Erst mit der Entdeckung der Kernfusion änderte sich das Bild. Man stellte fest, dass die Sonne bereits seit 4,6 Milliarden Jahren leuchtet und noch weitere 5 Milliarden Jahre Lebenserwartung hat, bevor sie sich zum Roten Riesen aufblähen und die Erde vernichten wird.

Die Lösung liegt in der Quantenverschränkung

Und auch bei der Kommunikation stehen wir vor einem gewaltigen Durchbruch. Wie beim Übergang von Physik zur Metaphysik beschrieben, gibt es den Effekt der Quantenverschränkung. Miteinander verschränkte Quanten tauschen unsichtbar und instantan Informationen miteinander aus. Bisher galt dieser als spukhafte Fernwirkung benannte Effekt aber nicht wirklich als Informationsübertragung. Doch bei Versuchen am Institut des Wiener Quantenphysikers Anton Zeilinger wurden nicht nur Informationen ohne Zeitverlust zwischen verschränkten Quanten teleportiert, sondern es können mit verschränkten Quanten sogar Dinge sichtbar gemacht werden, die sonst nie das Licht der Welt erblickt hätten.

Eine Katze spukt durchs All

Die Idee dahinter ist simpel aber genial. Vereinfacht beschrieben, wird an einem speziellen Strahlteilerkristall ein grüner Laserstrahl in einen infraroten und einen sichtbar roten Lichtstrahl aufgespalten. Die Photonen beider Strahlen sind nun jedoch miteinander verschränkt, das heißt sie teilen ein gemeinsames Schicksal. In dem Moment, in dem die infraroten Photonen z.B. auf die Silhouette einer Katze treffen, verändern sich zeitgleich die Eigenschaften ihrer sichtbaren roten Zwillingsphotonen. Mit einem speziellen Trick gelingt es, in theoretisch beliebig großer Entfernung nur mit dem roten Lichtstrahl die Silhouette der Katze zu rekonstruieren. Letztendlich könnten die Katze und ihr Abbild Milliarden Lichtjahre voneinander entfernt sein. Zwar benötigen in unserem Bild die Strahlen vom Strahlteiler, der sich in der Mitte befindet, zur Katze und ihrem Abbild jeweils eine halbe Milliarde Jahre, doch sobald diese Strecke überwunden ist, wird die Information zwischen Katze und Abbild instantan übertragen. So weiß der Experimentator, sobald eine Katze auf seinem Schirm erscheint, dass zeitgleich das Original den infraroten Strahl passiert hat (eine genaue Beschreibung des Versuchs inkl. Trick finden Sie hier).

instantane Verschränkung
Bildquelle: Katzensilhoutten Patrizia Enigl, IQOQI, eigene Darstellung

 

Ein reiner Geist der Quantenwelt

Mithilfe der spukhaften Fernwirkung ist in der Informationsübertragung ein ähnlich bahnbrechendes Phänomen entdeckt worden, wie seinerzeit mit der Kernenergie. Da nun Gedanken ohnehin nicht mit elektromagnetischen Wellen übertragen werden, das ließe sich durch Abschirmung und Messungen nachweisen, ist es wahrscheinlich, dass die Verbindung zwischen allumfassenden Geist und den Wesen, die von ihm beseelt sind, auf Quantenebene erfolgt. Auch ermöglicht diese Form der Informationsübertragung einen Geist, der das gesamte Universum umfasst. Wie schon im Beitrag „Kann das Universum einen Geist besitzen“ beschrieben, dürfte sich das Geheimnis des allumfassenden Geistes in der Welt der Quanten verbergen. Das passt sehr gut zur Tatsache, dass die Kommunikation für einen allumfassenden Geist ohne Zeitverlust auch nur in der Welt der Quanten möglich ist.

Was sagen die Quantenphysiker dazu?

Nun stellt sich die Frage, ist das alles nur Wunschdenken eines Sinnsuchenden, der sich da seine eigene Theorie zusammengebastelt hat, oder sitze ich Zwerg auf den Schultern von Riesen, die ein weitaus größeres Verständnis über die Welt der Quanten haben. Deshalb möchte ich hier einige der ganz großen ‚Riesen‘ zu Wort kommen lassen:

  • Albert Einstein: „Alles im Universum hängt mit allem zusammen“
  • John Archibald Wheeler, »Vater« der Schwarzen Löcher: „Alles, aber auch Alles ist mit Allem verbunden“
  • Hans-Peter Dürr: „Materie als auch die Vorstellung von der Getrenntheit sind eine reine Illusion. Alle Atome des Universums sind im Hintergrund miteinander verbunden.“
  • Max Planck: „Es gibt keine Materie, sondern nur ein Gewebe von Energien, dem durch intelligenten Geist Form gegeben wurde.“
  • Erwin Schrödinger: „Bewusstsein gibt es seiner Natur nach nur in der Einzahl. Ich möchte sagen: die Gesamtzahl aller »Bewusstheiten« ist immer bloß »eins«.“ und an anderer Stelle: „Der Grund dafür, daß unser fühlendes wahrnehmendes und denkendes Ich in unserem naturwissenschaftlichen Weltbild nirgends auftritt, kann leicht in fünf Worten ausgedrückt werden: Es ist selbst dieses Weltbild. Es ist mit dem Ganzen identisch und kann deshalb nicht als ein Teil darin enthalten sein.“
  • Anton Zeilinger: „Es stellt sich letztlich heraus, dass Information ein wesentlicher Grundbaustein der Welt ist. Wir müssen uns wohl von dem naiven Realismus, nach dem die Welt an sich existiert, ohne unser Zutun und unabhängig von unserer Beobachtung, irgendwann verabschieden.“

Hier bestätigt die Quantenphysik das Bild vom allumfassenden Bewusstsein des Universums. Es ist schon höchst erstaunlich, wie sehr sich doch die Aussagen dieser nüchternen Wissenschaftler mit den Botschaften der Religionen und Mystiker decken.

Warum merken wir nichts davon?

Doch so schön das alles klingen mag, es hat einen kleinen aber wesentlichen Haken. Die These vom ‚Alles ist in Allem‘ widerspricht unserem täglichen Erleben: „Ich bin nicht Du, Du bist nicht ich. Ich sehe nicht mit Deinen Augen, Du nicht mit meinen.“ Wir können mit unseren Liebsten Arm in Arm sitzen, uns tief in die Augen schauen und dennoch die gemeinsten Dinge denken, ohne dass der andere davon etwas merkt. Wo ist sie denn diese tolle Verbindung? Aber auch die Verbindung zu Gott, wo ist sie? Wie sehnsüchtig zitieren Christen im Gottesdienst die Bibelstelle: „Herr, ich bin nicht würdig, dass Du eingehst unter mein Dach aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.” Doch zu wem hat er schon gesprochen? Als Kind hab ich immer darauf gehofft, dass er mal zu mir spricht, genauso wie Jesus zu Don Camillo. Aber Gott schweigt und der Gesundheitszustand unserer Seelen lässt zu wünschen übrig. Was helfen uns die schlauen Lehren der Religionen und die noch schlaueren Thesen der Quantenphysiker, wenn in der Praxis nichts von alledem zu merken ist?

Alles nur eine Frage der richtigen Sprache

Aber vielleicht merken wir durchaus etwas, nur wir verstehen es nicht, weil der uns beseelende Geist in einer völlig anderen Sprache spricht. Doch welche Sprache soll das sein? Wie schon im Beitrag „Wie real ist unser Geist?“ beschrieben handelt es sich hier um so etwas wie die Ursprache, also eine Sprache, die jeder Mensch, ja sogar jedes beseelte Wesen versteht. Nehmen wir einmal an, dass zumindest all die Wesen beseelt sind, die über ein nachweisbares Selbstbewusstsein verfügen. Doch welche Sprache haben sie alle gemeinsam, Menschen, Affen, Elefanten, Delphine, Raben, Papageien, Hunde, Katzen? Keine, werden Sie vielleicht sagen. Doch das stimmt nicht. Wir können mit ihnen allen kommunizieren. Wären wir dazu nicht in der Lage, könnten wir ihnen nichts beibringen. Ihre Besitzer wissen, wenn sie aggressiv, fröhlich, müde, neugierig, ängstlich, zutraulich oder traurig sind. Aber auch unsere tierischen Freunde spüren, wenn es uns nicht gut geht und versuchen uns sogar aufzumuntern oder zu trösten. Letztendlich sind es Gefühle, die eine Artenübergreifende Kommunikation ermöglichen.

Es sind die ganz großen Momente

Also probieren wir es noch einmal mit Gefühlen aus. Immer noch nichts? Dann denken wir doch mal an diese ganz besonderen Momente; Momente, in denen etwas anders ist:

  • „Beim Anblick der Berge könnte ich die Welt umarmen“
  • „Auf Skiern fühle ich mich wie ein junger Gott“
  • „Die Begegnung mit dem Delfin war das Größte überhaupt“
  • „Unsere Zärtlichkeiten gestern waren einfach göttlich“

Das sind Momente, in denen wir uns eins fühlen mit dem Universum. Wenn wir in tiefer Meditation versunken sind, wenn wir von Liebe erfüllt sind, wenn wir großer Musik lauschen, wenn wir der Natur ganz nahe sind, körperlich über uns hinauswachsen oder außergewöhnliche Ideen und Erkenntnisse haben. Das sind Momente in denen wir unseren Körper, all unsere Probleme, alles um uns herum vergessen. Wenn wir nach stundenlangem Aufstieg unseren Blick glücklich über Berggipfel schweifen lassen, spüren wir das verschwitzte T-Shirt, das uns unangenehm am Rücken klebt, plötzlich nicht mehr. Wir haben dann das Gefühl, rein zu sein, die Welt umarmen zu können, Teil von etwas Großem zu sein, vielleicht sogar eins mit Gott und der Welt zu sein. In diesen Momenten spüren wir, dass es einen allumfassenden Geist gibt, der das gesamte Universum durchdringt.

Alles nur Chemie?

Wesentlich fortgeschrittener sind die Erlebnisse von Menschen mit jahrelanger Meditationspraxis, die vom Gefühl berichten, eins mit Gott zu sein. Weniger zeitaufwändig, dafür ungleich riskanter sind Probanten bei empirischen Versuchen an der Johns Hopkins Universität mithilfe psychedelischer Drogen zu ihrem Gotteserlebnis gekommen. Ein anderer Weg zu künstlich erzeugten spirituellen Visionen ist der sogenannte Persinger-Helm, der durch magnetische Felder das Gehirn entsprechend stimuliert. Nüchterne Hirnforscher lassen so etwas natürlich nicht als Beweis für die Existenz des Übernatürlichen gelten. Vielmehr sehen sie in dieser vielfältigen Möglichkeit, entsprechende Erlebnisse zu erzielen, eher den Beweis, dass unser Gehirn eine neuronale Disposition zu Religiosität aufweist, und wir können es als [Zitat]: „ein evolutionäres, artenspezifisches Merkmal des Menschen betrachten, das vermutlich Vorteile bei der natürlichen oder sexuellen Selektion brachte.“ (hier finden Sie den entsprechenden Quelltext) Letztendlich ist das Phänomen damit aber nicht erklärt, genauso wenig, wie wir das Internet als Illusion und lokales Programm unseres Computers entlarven, nur weil wir auf seiner Festplatte die Dateien unseres Web-Browsers entdeckt haben.

Ein Beweis oder doch nur Zeichensprache?

Was fehlt, ist ein empirischer Beweis für die Einheit mit dem allumfassenden Geist der nicht auf eine Person beschränkt ist. Meines Erachtens gibt es ihn tatsächlich und er wird gezielt in der Psychotherapie und im Coaching eingesetzt. Es handelt sich dabei um Familienaufstellung, Systemaufstellung oder Psychodrama. Dabei übernehmen Teilnehmer die Rolle nicht anwesender Personen eines Systems. Es entstehen bei den Teilnehmern sogenannte „repräsentative Wahrnehmungen“ deren Gültigkeit in empirischen Versuchen an der Universität Witten verifiziert wurde. Dadurch treten z.T. sogar dunkle Geheimnisse bereits Verstorbener an den Tag. Für repräsentative Wahrnehmung gibt es bis heute keine schlüssige Erklärung. Theorien, dass die räumliche Stellung im Raum eine Art Zeichensprache ist, die alle Repräsentanten gleichermaßen interpretieren, greift nur bei typischen Konfliktsituationen in Teams, sobald aber komplexere Sachverhalte treffend geklärt werden, sprengt das den Rahmen einer Zeichensprache. Ich persönlich habe hier schon höchst erstaunliche Effekte erlebt, die sicher nichts mit einer Zeichensprache zu tun haben. Weitaus befriedigender ließen sich repräsentative Wahrnehmungen mit dem Zugang zu einem allumfassenden kollektiven Gedächtnis erklären.

Auch wenn all diese Indizien vor Gericht als überzeugender Beleg für einen allumfassenden Geist gewertet würden, liegt es in der Natur der Sache, dass wir bei psychologischen Phänomenen nie mit absoluter Sicherheit Beweise liefern können. Und so können wir entweder an einen allumfassenden Geist glauben oder eben nicht.

Ein Gedanke zu „Gibt es einen allumfassenden Geist?“

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