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Was ist nun der Sinn unseres Lebens?

Das Wichtigste in Kürze

Ohne ein höheres Wesen gibt es keinen echten Sinn. Ein alles beseelender, mitfühlender Geist lässt sich tatsächlich mit den Naturgesetzen vereinbaren. Im Sinne eines mitfühlenden Geistes gilt es, Schmerz und Leid zu verhindern und so viel Freude und Liebe wie möglich zu verbreiten. Dies ist auch die Basis für den Sinn des Lebens, nämlich das Hier und das Jenseits dem Paradies einen Schritt näherzubringen.


Wir hatten den Sinn verloren

Bisher war es für uns Menschen nahezu unmöglich, einen echten Sinn im Leben zu finden. Die Naturwissenschaften erklären zwar die Funktionsweise unserer physischen Welt, aber der einzige Sinn den sie uns anbieten, ist die Arterhaltung. Auf der anderen Seite haben wir die Religionen, deren Antworten auf die Sinnfrage nur so vor Widersprüchen strotzen und so gar nicht zu unseren wissenschaftlichen Erkenntnissen passen. Während dieses Blogs haben wir daher ein völlig neues Bild eines allesumfassenden Geistes erlangt, das im Einklang mit den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen steht. Wir haben einen mitfühlenden, alles beseelenden Geist aus der Quantenwelt entdeckt, der durch Kreativität und Hartnäckigkeit die treibende Kraft hinter der Schöpfung ist. Gemeinsam mit der Evolution, die sich strikt an die Gesetze von Ursache und Wirkung hält, ist es ihm gelungen, aus dem Nichts ein materielles Universum voller Leben zu erschaffen.

Sinn dank eines mitfühlenden Geistes

Während für die Evolution Schmerz nichts als ein praktisches Mittel zur Vermeidung von Verletzungen ist und somit zur Arterhaltung dient, muss der mitfühlende Geist all das damit verbundene Leid und Elend ertragen. Doch so groß die Macht des schöpferischen Geistes über Äonen hinweg auch sein mag, von seinem metaphysischen Reich aus kann er nichts gegen all das Leid im Hier und Jetzt tun. So wird es wohl ein zentrales Ziel der Schöpfung sein, Wesen hervorzubringen, mit deren Hilfe der allumfassende Geist direkt in unsere Welt eingreifen kann. Der Mensch ist eine erste Vorstufe dieser Wesen. Gottglaube, Sendungsbewusstsein, Gebete, um mit Gott in Kontakt zu treten und das Bedürfnis Gutes zu tun sind klare Indizien für diesen Einfluss. So schwierig es bisher für uns war, einen Sinn im Leben zu finden, wird dieser klar ersichtlich, wenn wir unser Leben aus Sicht dieses alles beseelenden, mitfühlenden Geistes betrachten.

1. Sinn: Unterlasse, was Schmerz & Leid bringt

Wir haben es mit einem Geist zu tun, der jedes Leid, jeden Schmerz mitfühlt – mitfühlen muss. Wenn wir also ein Leben führen, das Leid und Schmerz zur Folge hat, sei es bei unseren Nächsten oder aber bei anderen fühlenden Wesen (das sind nahezu alle Tiere aber auch höhere Bewusstseinsformen wie z.B. Völker oder die Biosphäre), dann kann das nicht im Sinne des allumfassenden Geistes sein. Mit anderen Worten müssen wir uns so verhalten, dass wir möglichst keinen Schmerz und kein Leid verursachen. Falls das nicht möglich ist, sollten wir versuchen, den Schmerz und das Leid, das wir durch unser Handeln verursachen, so gering wie möglich zu halten.

Globale Verschlimmerung aber auch Hoffnung

So simpel es klingt, dieses sinnstiftende Prinzip ist alles andere als leicht zu realisieren. Ganz klar geht daraus hervor, dass wir niemanden physisch quälen oder seelische Schmerzen zufügen dürfen. Bitter ist, dass wir in den letzten Jahren weltweit eine dramatische Verschlimmerung beobachten und das vor allem seitens religiöser Fanatiker. Es ist schon absurd, dass diese sogenannten Gläubigen die vom allumfassenden Geist beseelten Wesen und somit indirekt, das was ihrem Gott am nächsten kommt in seinem eigenen Namen aufs Grausamste quälen. Andererseits hat sich gerade in einem so säkularen Land wie Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten ein gewaltiger Bewusstseinswandel vollzogen. In meiner Kindheit war es völlig okay, dass unsere Mütter den neuen Wohlstand der Wirtschaftswunderzeit mit Pelzmänteln und Elfenbeinschmuck zur Schau gestellt und unsere Väter uns den Anstand mit dem Rohrstock eingebläut haben. Heute ist beides absolut Tabu und das ist auch gut so.

Fast jede Handlung verursacht Leid

Dennoch verbreiten wir auch heute noch mit fast jeder unserer Handlungen irgendwo auf der Welt Leid und Elend. Was ist mit den Kinderarbeitern, die in indischen Fabriken Fußbälle von Hand nähen müssen, damit wir uns für kleines Geld am Bolzplatz vergnügen können? Was ist mit den Hennen, die für unser billiges Frühstücksei unter jämmerliche Bedingungen in Legebatterien ausgebeutet und wenn sie ihr Soll nicht mehr erfüllen, geschlachtet werden? Was ist mit den Urwaldtieren am Amazonas, die für unseren schicken Dielenboden ihre Heimat und ihr Leben verlieren? Selbst so etwas Harmloses wie ein Sonntagsausflug mit dem Auto hinterlässt Leid und Elend in Form von zahllosen getöteten Insekten an unserer Windschutzscheibe und so manch einem totgefahrenen Igel oder Vögelchen. Ganz zu schweigen von den dadurch verursachten Umweltschäden, die bei der Rohölgewinnung beginnen und beim Abschmelzen der Polkappen aufgrund unserer CO2-Emission enden. Da stellt sich dann doch die Frage, wie weit wollen und können wir mit unserer Rücksichtsname gehen?

Sollen wir stubenhockende Veganer werden?

Sicherlich ist hier der Weg der Jain-Mönche lobenswert, die sich ausschließlich so ernähren, dass keine Tiere und Pflanzen dafür sterben müssen und die, wenn sie überhaupt das Haus verlassen, mit Besen alle Tiere vor ihren Füßen wegkehren um sie nicht zu zertreten. Doch ich glaube kaum, dass die Menschheit heute schon so weit ist. Meines Erachtens gibt es derzeit weit wichtigeres, als auf ein Stück Fleisch oder den Waldspaziergang zu verzichten um einzelne Wesen nicht zu töten. Denn wenn ein Jain sich, statt als Landwirt zu arbeiten (er könnte ja Würmer beim Pflügen töten), lieber in der Finanzwirtschaft betätigt, kann er durch eine falsche Investition weit mehr Tiere töten, als er in seinem ganzen Leben je zertreten und essen könnte.

2. Sinn: Lindere aktiv so viel Leid & Elend wie möglich

Beschränken wir uns aus Sicht des mitfühlenden Geistes nur auf die Unterlassung von Leid und Elend, so ist das eindeutig zu wenig. Denn es gibt überall um uns herum zahlloses Leid und Elend, für das wir weder direkt noch indirekt verantwortlich sind. Wie leicht fällt es uns, da einfach wegzuschauen? Was ist mit dem Kind, das auf dem Heimweg von Klassenkameraden bedroht wird? Stehen wir ihm bei oder denken wir uns, dass die das schon untereinander regeln werden? Wenn wir bedenken, dass die Selbstmordrate bei gemobbten Kindern erschreckend hoch ist, sollten wir vielleicht doch einschreiten. Was ist mit den Wirtschaftsflüchtlingen, deren Unterkunft in unserer Wohngegend die Immobilienpreise ruiniert und die wir ganz schnell wieder aus unserem Land abschieben wollen, da sie ja eh nur Schmarotzer sind? Während wir uns um unser hart erarbeitetes Hab- und Gut sorgen, sind das Menschen, die alles verloren haben und denen nichts als das nackte Leben geblieben ist. Aber Gottseidank werden sie in ihren Heimatländern ja nicht verfolgt. Also zurück ins Elend mit ihnen, wo sie mangels Arbeit, Alters- und Gesundheitsversorgung sicher nicht alt genug werden, um unsere Wohlstandsprobleme von Pflegenotstand und Altersdemenz erleben zu müssen.

Die Schere von Reich und Arm geht weiter auf

Egal, wo wir heute auf unserem Planeten hinschauen, finden wir gequälte und ausgebeutete Wesen, während zeitgleich der Reichtum auf dieser Welt ins Unermessliche wächst. Wir bewegen uns unaufhaltsam auf Verhältnisse wie kurz vor der französischen Revolution zu. Auch wenn sich so mancher eine gewaltsame Umverteilung herbeisehnt, aus Sicht des mitfühlenden Geistes kann auch das keine Lösung sein, denn gerade Revolutionen sind an Grausamkeiten kaum zu überbieten. Andererseits kann und darf es so wie es heute läuft nicht weitergehen. Es gibt nur sehr wenige Beispiele auf der Welt, wo ein so grundsätzlicher Wandel weitgehend friedlich vonstattengegangen ist. Selbst bei der friedlichen Abschaffung der Apartheid in Südafrika, bei der die allgemein befürchtete blutige Vertreibung der Weißen ausblieb, kamen bei Unruhen unter rivalisierenden schwarzen Gruppierungen 7.000 Menschen ums Leben.

Das Wichtigste zuerst!

Solange wir Tiere als Sache behandeln, solange wir grausamste Massentierhaltung zulassen, solange Tag für Tag bis zu 130 Arten aussterben, solange Jahr für Jahr 130.000 Quadratkilometer Wald vernichtet werden (das ist Jahr für Jahr die Fläche Griechenlands), solange Menschen wegen ihrer religiösen Überzeugung verfolgt, vertrieben und terrorisiert werden, solange wegen Rohstoffen und Öl Kriege geführt werden, um damit dann weiterhin die Klimakatastrophe voranzutreiben, solange die Überbevölkerung u.a. aufgrund religiöser Dogmen weiter steigt und nicht zuletzt deshalb Jahr für Jahr knapp 3 Millionen Kinder verhungern, solange es solche und noch viele andere Probleme auf unserem Planten gibt, können wir mit relativ einfachen Mitteln weit mehr Leid und Elend lindern, als wir durch den mäßigen Genuss eines Bioschnitzels oder den sonntäglichen Ausflug ins Grüne verbreiten.

Geiz ist nicht Geil!

Nicht jeder von uns muss dazu in Krisenregionen sei Leben aufs Spiel setzen. Nicht jeder Haushalt muss dafür eine Flüchtlingsfamilie aufnehmen. Oft genügt es schon, bewusst zu konsumieren. Statt nach dem Motto: „Geiz ist Geil“, nur das Billigste zu kaufen, sollten wir nur Dinge kaufen, deren Herkunft mit unserem Ziel, Leid und Elend zu vermeiden, auch vereinbar ist. Ein Biorind, das ein Leben auf grünen Wiesen genossen hat und dem ein stressfreier, schneller Tod vergönnt war, hat weit weniger Leid und Elend erlitten, als die meisten Tiere in freier Wildbahn. Ich gebe zu, das kann sich nicht jeder regelmäßig leisten, aber müssen wir wirklich jeden Tag und das meist ohne bewussten Genuss Fleisch in uns hineinstopfen?

Gutes muss nicht teuer sein

Natürlich ist es toll, wenn wir durch großzügige Spenden Organisationen unterstützen, die aktiv Leid und Elend bekämpfen. Etwas persönlicher aber meist noch ein bisschen teurer und aufwändiger sind Patenschaften von Kindern in Krisenregionen. Wer sich das leisten kann, der sollte das auch tun. Doch auch für den ganz kleinen Geldbeutel gibt es Möglichkeiten, etwas zu ändern. Natürlich kann man statt Geld seine Zeit opfern und sich aktiv in der Politik oder ehrenamtlich betätigen. Doch ist das oft auch mit Frust und Ernüchterung verbunden. In Zeiten von Big-Data gewinnen unsere Stimmen und die unseres Netzwerks immer mehr an Bedeutung. So können Online-Petitionen wesentlich größeren Druck auf Politiker, Konzerne und Staaten ausüben, als dies durch eigenes politisches Engagement möglich wäre. Es gibt zahllose Plattformen wie www.change.org, www.ifaw.org oder www.fuenf-minuten-welt-retten.de auf denen Sie Ihre Stimme genau gegen die Dinge erheben können, die Sie am liebsten auf dieser Welt verändern würden. Auf manchen Plattformen können Sie sogar eigene Petitionen starten und an ein gewaltiges Unterstützernetzwerk verteilen. Das ist meines Erachtens eine weitaus effektiver Form der Demokratie, als alle vier Jahre zur Wahlurne zu gehen, um dort zwischen dem parteipolitischen und von Lobbyisten weichgekochten Einheitsbrei zu wählen

3. Sinn: Verbreite so viel Freude und Liebe wie möglich

Die Vermeidung von Leid und Elend ist aus heutiger Sicht sicher eines der vordringlichsten Lebensziele, die uns die Existenz eines mitfühlenden Geistes gebietet. Doch so wenig es für einen Menschen ausreicht, satt und sauber zu sein, sowenig ist es für einen mitfühlenden Geist ausreichend, vor Schmerz und Leid bewahrt zu werden. Herzenswärme, Freude und Liebe sind ganz wesentliche Bedürfnisse jeder Seele. Sei es nun die greise Seele eines dementen Menschen, die dankbar jedes freundliche Wort aufsaugt, selbst dann, wenn sie nicht mehr in der Lage ist, den Urheber als das eigene Kind zu erkennender oder aber auch der winzige Funke einer Seele, der in einer jungen Kakerlake glimmt und der sie besser gedeihen lässt, wenn sie bei der Brutpflege ausgiebig gestreichelt wird (siehe „Sind Gefühle mehr als nur Elektrochemie?“). So ist es aus Sicht eines mitfühlenden Geistes ein weiterer Sinn unseres Lebens, so viel Freude und Liebe zu verbreiten, wie nur irgend möglich.

Alles nur altbekannte Gemeinplätze?

Bis hierhin ist das im Großen und Ganzen nichts Neues, nichts, was wir nicht schon seit Jahrtausenden in verschiedenen Variationen von nahezu jeder Religion gepredigt bekommen. Ein wesentlicher Unterschied ist vielleicht, dass wir die gesamte Schöpfung und nicht nur den Mensch einbeziehen. Aber dazu hätten wir uns den ganzen Aufwand sparen können, auf hunderten von Seiten die Möglichkeit der Existenz eines allumfassenden Geistes im Einklang mit den Wissenschaften zu belegen. Doch nun kommt das Besondere an diesem neuen Ansatz. Religionen predigen, dass wir uns selbst in den Dienst der Gemeinschaft stellen, Gutes tun und dabei unsere Bedürfnisse hintanstellen. Ein wahrer Heiliger, also ein Mensch, der ein absolut gottgefälliges Leben führt, ist ein Asket, der ausschließlich für den Glauben und gute Taten lebt. Er ist ein Mensch, der sich kasteit, seine Bedürfnisse und Triebe unterdrückt, gerne auch mit Gewalt. So gibt es zahlreiche Heilige, die sich durch das schmerzhafte Tragen von dornenbesetzten Gürteln und Büßerhemden ganz besonders über uns schwache Sterbliche gestellt haben.

Tue Gutes aus Freude, nicht aus Zwang heraus

Doch will das der mitfühlende Geist wirklich? Will ein mitfühlender Geist wirklich, dass wir ein lustfreies, schmerzhaftes Leben führen, nur damit es anderen besser geht oder gar um der Heiligkeit selbst willen? Letztendlich ist das die Umkehrung des Prinzips, dass einzelne zu Lasten vieler leben. Viele müssen leiden, damit es einem gut geht. Hier ist es eben umgekehrt, einer leidet, und vielleicht profitieren andere davon. Sicher ist das schon mal besser, doch ein mitfühlender Geist will gar kein Leiden. Zumindest kein vermeidbares Leiden. Dass ich mich beim Sport quäle, damit ich mir einen gesunden Körper bewahre ist notwendig und vermeidet dauerhaft Leid hervorgerufen durch vermeidbare Zivilisationskrankheiten. Doch was soll es bringen, dass ich mir physische Qualen zufüge und auf alles, was mir und somit dem mitfühlenden Geist in mir Freude bereitet, verzichte? Gutes kann ich auch dann tun, wenn es mir gut geht. Vielleicht tue ich dann dieses Gute sogar mit weitaus mehr Freude, als wenn ich mich dazu mit Geißelhieben zwingen muss.

4. Sinn: Vermeide auch bei Dir selbst Leid & Elend

Eigentlich ist dieser Lebenssinn bereits im ersten enthalten: „Unterlasse, was Schmerz und Leid bringt“. Für einen mitfühlenden Geist besteht kein Unterschied zwischen mir als Individuum und allen anderen Wesen, er beseelt uns alle gleichermaßen. Doch für uns Menschen sind Eigennutz und Gemeinnutz diametrale Gegensätze. Von daher ist es nötig, diesen Auftrag des mitfühlenden Geistes explizit als Sinn und Ziel hervorzuheben. Somit ist es ein weiteres wichtiges Sinnelement unseres Lebens, auch den mitfühlenden Geist in uns vor Leid und Elend zu bewahren. Kurzfristig durch Vermeidung unnötiger Qualen, langfristig durch ein gesundes und möglichst befriedigtes Leben. Wenn kurzfristig etwas unangenehm ist, langfristig aber Schmerz und Leid verhindert, dann ist das natürlich absolut im Sinne des mitfühlenden Geistes.

5. Sinn: Strebe große Momente an und genieße bewusst

Und es geht sogar noch weiter. Nachdem dieser mitfühlende Geist all das, was wir bewusst erleben, miterlebt, sollten wir uns darum bemühen, ihm auch ganz bewusst eine Freude zu bereiten. Denn letztendlich sind wir auch Sinnesorgane, durch die der mitfühlende Geist diese Welt erlebt und bereist. Das bedeutet, wir sollten uns bemühen, so oft es geht, große, schöne und erfüllte Momente herbeizuführen. Jeder Moment, in dem wir ganz bewusst aufgehen, großes empfinden, uns rein fühlen und all unsere Befindlichkeiten vergessen, ist ein Moment, in dem wir ganz nah bei dem uns beseelenden Geist sind. Das können Momente sein, in denen uns vor Freude die Tränen in die Augen steigen, in denen wir die Welt umarmen könnten, in denen wir Gänsehaut bekommen, in denen wir das Gefühl absoluter Größe verspüren oder in denen wir tatsächlich das Gefühl haben, eins mit Gott und der Welt zu sein. Einem lustfreien und selbstgerechten „Heiligen“, der jede Sinnenfreude verabscheut, ist dieser Weg zu zum allumfassenden Geist versperrt, denn wie kann er ein Sinnesorgan des mitfühlenden Geistes sein, wenn er seine Sinne verschließt?

Es gibt keinen idealen Weg zum allumfassenden Geist

Dabei ist zu betonen, dass es keinen idealen Weg zur Einheit mit dem allumfassenden Geist gibt. Solange die Wege hin zu diesen großartigen Momenten im Einklang mit den ersten vier Lebenssinnen stehen, ist jeder Weg der richtige. Jeder von uns muss dabei selbst herausfinden, wie er persönlich am ehesten zu einem solch einzigartigen Gefühl findet. Das können Momente sein, in denen wir eins sind mit der Natur, Momente großer Liebe, Momente, in denen wir körperlich über uns hinauswachsen, Momente, die uns und den göttlichen Funken in uns vor Freude jubeln lassen oder in denen wir ganz in einer befriedigenden Arbeit aufgehen. Ob wir diese Momente nun beim Hören eines Orgelkonzerts, beim Besuch einer gotischen Kathedrale, in tiefer Meditation, bei tollem Sex, wilden sportlichen Aktivitäten, großartigen Naturabenteuern oder beim Erschaffen eines Kunstwerks erleben, ist dabei egal. Alles, was uns mit einem strahlenden Lächeln und ohne faden Nachgeschmack beglückt, ist im Sinne dieses mitfühlenden Geistes.

Genuss ja, aber vermeidet Schmerz & Leid

Wer den genussvollen Sinn des Lebens in weltlichen Dingen sucht, der muss dies jedoch sehr bewusst und mit großer Vorsicht tun. Dieser Sinn bedeutet nämlich keinesfalls, dass wir uns gehen lassen und unkontrolliert unseren Trieben hingeben dürfen. Denn über diesem Sinn steht das Prinzip, weder Schmerz noch Leid zu verbreiten. Wer auf der Suche nach tollem Sex zerbrochene Seelen hinterlässt, der handelt nicht im Sinne des mitfühlenden Geistes. Wer großartige Momente an Bord einer Luxusjacht erlebt, die er sich nur deswegen leisten konnte, weil er andere übervorteilt hat, der handelt nicht im Sinne des mitfühlenden Geistes. Wer nach jeder seiner ekstatischen Feiern mit einem Filmriss aufwacht und seien Körper dauerhaft schadet, der handelt nicht im Sinne des mitfühlenden Geistes. Wer glaubt, dass ein Naturabenteuer mit dem Töten von Tieren, am liebsten in Form einer Großwildjagd verbunden sein muss, der handelt nicht im Sinne des mitfühlenden Geistes.

Genuss als Weg zur Unsterblichkeit

Wie wir im Beitrag „Gibt es Himmel und Hölle?“ gesehen haben, sind diese großen Momente nicht einfach nur Genuss für uns und den mitfühlenden Geist in uns. Nein, sie sind womöglich sogar das, was von uns und unseren Lieben über unseren Tod hinaus Bestand haben wird und unserer Seele Unsterblichkeit verleiht. Denn nur Momente, die uns das Gefühl einer Einheit mit dem allumfassenden Geist verschaffen, können Einzug ins immaterielle Gedächtnis des Universums nehmen. Alles andere wird wohl gemeinsam mit unserer sterblichen Hülle vergehen. Von daher ist dieser Sinn vielleicht sogar einer der wichtigsten überhaupt.

6. Sinn: Lebe für das, wofür Du auch bereit bist, zu sterben

Im Beitrag „Gibt es einen Sinn ohne höheres Wesen?“ habe ich mich durchaus kritisch über den Tod als Sinnstifter geäußert, denn die Bereitschaft, für seine Ziele in den Tod zu gehen, finden wir leider vor allem bei fanatischen Selbstmordattentätern. Doch wer sich die ersten fünf Elemente, die hier als Sinn des Lebens beschrieben sind, zu Herzen nimmt, der wird sicher kein Selbstmordattentat begehen. Doch es gibt vieles, was es wert ist, sein Leben zu riskieren und was trotzdem oder gerade deshalb mit dem Sinn des Lebens aus Sicht eines mitfühlenden Geistes im Einklang steht. Wer beispielsweise seine Kinder oder seinen Partner von ganzem Herzen liebt, wird nicht zögern, unter Einsatz seines Lebens seine Lieben zu retten.

Letztendlich muss jeder sein Leben opfern

Es gibt zwar zahllose Berufe, die eine solche Opferbereitschaft erfordern. Seien es Feuerwehrleute, Bergretter, Katstrophenschützer, Helfer und Ärzte in Krisenregionen, Blauhelmsoldaten und noch viele mehr. Doch es kann nicht jeder ein Held sein, auch ein Maler, eine Kinderschwester oder ein Florist können so von ihrem Beruf – von ihrer Berufung – überzeugt sein, dass sie ihn als absolut lebenswert erachten. Und genau darum geht es bei diesem Sinn-Element, nämlich Dinge zu tun, die es wert sind, am Ende unserer Tage dafür mit dem Leben bezahlen zu müssen. Ein Mensch, der von ganzem Herzen für seine Berufung, für seine Familie oder auch für seine Hobbies brennt, ist ein gutes Zuhause für einen mitfühlenden Geist. Ganz anders als ein gelangweilter, saturierter oder auf Sicherheit bedachter Mensch ohne Ziele, ohne Inhalte – ohne Sinn.

7. Sinn: Bring Deinen Nächsten den Sinn des Lebens näher

Es gibt kaum etwas lästigeres, als religiös motivierten Missionseifer. Wer kennt sie nicht, die eifrigen Sektenvertreter, die uns zur Unzeit herausklingeln, oder an belebten Straßenecken auf uns lauern, um unsere Seelen mit süßlich verzücktem Lächeln und rhetorischen Spitzfindigkeiten vor den Qualen ewigen Höllenfeuers zu erretten. Missionare waren stete Begleiter christlicher Eroberer. Was der Goldgier der Konquistadoren nicht gelang, das gelang diesen Seelenfängern, indem sie uralte Kulturen auslöschten. Unter diesem Gesichtspunkt ist es ein höchst diffiziles Unterfangen, seine Nächsten vom wahren Sinn des Lebens überzeugen zu wollen. Wir können es niemandem übel nehmen, wenn er mit großer Skepsis und Ablehnung auf jeglichen noch so gut gemeinten Missionierungsversuch reagiert. Letztendlich muss jeder selbst den Wunsch und die Bereitschaft verspüren, sich mit dem Sinn des Lebens auseinanderzusetzen. Von daher können wir nicht mehr tun, als einem Suchenden Denkanstöße zu liefern. Nur wenigen von uns wird es gelingen, die Botschaft mit Worten zu vermitteln, doch am überzeugendsten ist es, diese Sinnbotschaften aktiv vorzuleben.

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Der siebenfache Sinn des Lebens

So führt die Existenz eines alles beseelenden, mitfühlenden Geistes nicht nur zu einem Sinn sondern zu einem siebenfachen Sinn des Lebens. Jedes Element für sich genommen ist wichtig, wenn es uns aber gelingt, alle sieben zu leben, bringt uns das in Einklang mit dem allumfassenden Geist, belohnt uns mit großartigen Momenten sowie einem wahrhaft erfüllten Leben und rückt unsere Welt einen winzigen Schritt näher ans Paradies heran:

  1. Sinn: Unterlasse, was Schmerz & Leid bringt
  2. Sinn: Lindere aktiv so viel Leid & Elend wie möglich
  3. Sinn: Verbreite so viel Freude und Liebe wie möglich
  4. Sinn: Vermeide auch bei Dir selbst Leid & Elend
  5. Sinn: Strebe große Momente an und genieße bewusst
  6. Sinn: Lebe für das, wofür Du auch bereit bist, zu sterben
  7. Sinn: Bring Deinen Nächsten den Sinn des Lebens näher

Nicht immer die andere Wange hinhalten

Im Gegensatz zu so vielen fanatisch vorgetragenen religiösen Überzeugungen darf dieser Lebenssinn auf keinen Fall dazu dienen, Gottes Namen für Zwang, Unfreiheit, Unterdrückung, Verfolgung, Hass, Missbrauch, Krieg, Folter, Verstümmelungen, Mord, Terror, Hinrichtungen, Zerstörung von Kulturgütern oder sonstigen Akten der Barbarei zu missbrauchen. Dennoch stellt er kein weichgespültes Verbot jeglicher Gewalt dar. Denn es geht ja darum, dass der mitfühlende Geist so wenig Leid und Elend wie möglich erleiden muss. Das erreichen wir nicht, indem wir stets nur die andere Wange hinhalten. Wenn beispielsweise Aggressoren uns, unsere Familie, Dritte oder ein Volk bedrohen und diesen Leid und Elend zufügen wollen, gilt es das abzuwenden. Und wenn alle friedlichen Möglichkeiten ausgeschöpft sind, ist eine gewaltsame Verteidigung nicht nur zulässig sondern sogar geboten. Wer aber meint, darin eine Rechtfertigung für die radikale Beseitigung unliebsamer Gegner zu finden, der täuscht sich gewaltig. Durch die Auslöschung des vermeintlich „Bösen“ endet nicht die Spirale von Leid und Elend, sondern sie wird nur noch mehr angefeuert. Wenn die akute Bedrohung abgewandt ist, gilt es, durch Vergeben und Versöhnung den Hass zu begraben und den Frieden wieder herzustellen.

Allgemeingültig selbst für Atheisten

Das Besondere an diesem Lebenssinn ist, dass er mit den wichtigsten Glaubensrichtungen vereinbar ist. Ob ich nun Christ, Jude, Moslem, Hindu, Jain oder Buddhist bin, ich muss meinen Glauben nicht aufgeben, um meinem Leben einen tieferen und mit Gott vereinbaren Sinn zu geben. Ich muss lediglich die Glaubensprinzipien unterlassen, die zu Leid und Elend führen, wie beispielsweise grausame Leibesstrafen, die ohnehin von der Staatengemeinschaft geächtet sind. Und selbst für den, meines Erachtens unwahrscheinlichen Fall, dass es keinen allumfassenden Geist gibt, ist dieser Lebenssinn durchaus erfüllend und im wahrsten Sinne des Wortes sinnvoll, denn es bedarf nicht einmal eines Gottglaubens, sondern es genügt bereits ein wenig Mitgefühl, um die Sinnhaftigkeit dieser Ziele zu begreifen. Aus atheistischer Sicht ist zwar ein allgemeingültiger Lebenssinn schwer definierbar, da es einem alleinlebenden Atheist egal sein kann, wie es seinen Mitmenschen geht, Hauptsache, ihm geht es gut – nach dem Motto, wenn jeder an sich selbst denkt, ist an alle gedacht. Doch wenn sich eine atheistische Staatengemeinschaft als Gegenkonzept zu den Religionen zum Ziel setzt, das Paradies nicht in einem vagen Jenseits zu suchen, sondern auf Erden zu errichten, dann gelingt das nur mit den sieben Prinzipien des Sinns des Lebens. Lasse ich eines davon weg, dann lösche ich entweder weiterhin Tag für Tag zig Arten aus, zerstöre meine Umwelt und führe weiterhin Kriege, oder das Leben bereitet den Individuen keine Freude mehr, da Liebe, Freude und Erleben keine Rolle spielen.

Für ein Paradies auf Erden und im Jenseits

Wer sich diese sieben Elemente des Lebenssinns zu Herzen nimmt, der trägt auf jeden Fall dazu bei, den Menschheitstraum von einem Paradies auf Erden einen Schritt näher zu kommen. Vielleicht sorgt er aber auch dafür, dass die großen Momente, die er selbst erlebt und die er anderen geschenkt hat, Einzug nehmen ins immaterielle Gedächtnis des Universums und somit auch in ein Paradies im Jenseits.

Somit lautet der Sinn des Lebens:

„Bring durch Dein Leben das Hier und das Jenseits dem Paradies ein wenig näher.“

Gibt es Himmel und Hölle?

Das Wichtigste in Kürze

Unsere Hoffnung auf Gerechtigkeit im Jenseits führte zur Vorstellung von Himmel und Hölle. Aus Sicht eines mitfühlenden Geistes macht eine Hölle jedoch keinen Sinn. Ganz anders aber eine Weiterentwicklung der Seele durch Reinkarnation. Nur Momente, in denen wir eins mit dem allumfassenden Geist sind, hinterlassen eine Erinnerung, die ewig bleibt. Alles andere vergeht mit unserer sterblichen Hülle. Es bleibt die Essenz unserer Seele im Moment des Erlebens. Somit lösen sich alle Wiedersprüche hinsichtlich dem Wiedersehen geliebter Menschen und dem zeitlichen Einfluss schlimmer Taten auf unser Seelenheil im Jenseits.


Ein Himmel voller Widersprüche

Im vorangegangenen Beitrag „Ist ein Leben nach dem Tod möglich?“ habe ich gezeigt, dass ein Jenseits durchaus mit aktuellen Forschungsergebnissen vereinbar wäre, doch die damit verbundenen Widersprüche lassen seine Existenz höchst unwahrscheinlich erscheinen. Was passiert mit einer Seele bei einer Wiederbelebung? Kommt unsere Seele als Kind, als Erwachsener oder als Greis in den Himmel? Wem davon begegnen unsere Großmutter, unsere früh verstorbenen Partner, unsere Kinder und Enkel? Können wir unsere verdorbene Seele durch die Beichte auf dem Sterbebett schnell noch in den Himmel retten?

Das Ziel gnadenloser Gerechtigkeit

Doch bevor wir uns dem Paradies widmen, werfen wir erst einmal einen Blick in den tiefsten Höllenschlund. Wie bereits im Beitrag „Welche Ziele hat der Geist, der uns beseelt?“ erwähnt, ist die Seelenprüfung ein zentrales Thema in fast allen Religionen. Gute Seelen werden belohnt, schlechte bestraft. Die Religionen des Mittelmeerraums setzen dabei ganz auf das Herstellen von Gerechtigkeit. Es wird ein einmaliges und unumkehrbares Urteil gefällt. Bereits die Ägypter hatten die Vorstellung einer Seelenwaage auf der entschieden wurde, ob eine Seele ins Reich der Toten einziehen darf, oder ob sie aufgrund ihrer Schandtaten von der Dämonin Ammit vernichtet wird. Da Vernichtung aber als Strafe zu kurz und letztendlich auch eine Art der Erlösung darstellt, erfanden die Perser im Mithras-Kult das Jüngste Gericht mit einer ersten rudimentären Form der Hölle, in der die verdammten Seelen in einem Feuerschlund in Pech und Schwefel versinken. Die abrahamitischen Religionen, also Juden, Christen und Moslems haben dieses Jüngste Gericht mit himmlischen Freuden und Höllenqualen übernommen und zum Teil phantasievoll ausgebaut. Auf Dauer war das schwarz-weiße Modell von ewiger Belohnung im Paradies oder nie endenden Höllenqualen dann wohl doch etwas zu abschreckend für die sündige Mehrheit der Gläubigen und so erfand Papst Gregor mit dem Fegefeuer eine Art Bestrafung auf Zeit für nicht ganz so schlechte Seelen. Immerhin war die Hölle ein hervorragendes Drohmittel, um selbst mächtige Fürsten, die sich sonst niemandem zu verantworten hatten, zu einem halbwegs christlichen Leben zu motivieren.

Die Hölle: Masochismus oder Sachbeschädigung

Wenn wir aber davon ausgehen, dass wir es mit einem mitfühlenden Geist zu tun haben, der uns alle beseelt und dessen innerer Funke für bewusstes Erleben nötig ist, bekommen wir mit der Vorstellung eines Jüngsten Gerichts und der damit verbundenen Bestrafung in einer Hölle ein Problem. Denn um eine Strafe zu empfinden, muss die Seele von einem Geist erfüllt sein. Doch nachdem der Körper gestorben ist, müsste die zu bestrafende Seele direkt aus dem allumfassenden Geist gespeist sein und so würde das Leid der Strafe letztendlich den strafenden Geist selbst treffen. Entzieht der allumfassende Geist der zu bestrafenden Seele jedoch den inneren Funken, so wäre sie nur noch eine tote, fühllose Hülle. Sie im ewigen Höllenfeuer brennen zu lassen, wäre witzlos und bestenfalls Sachbeschädigung. Wenn wir also von einem allesbeseelenden, mitfühlenden Geist ausgehen, dann verliert jegliche Bestrafung schlechter Seelen ihren Sinn.

Reinkarnation: Ehrenrunde für schwache Seelen

Bedeutet das aber nicht auch gleichzeitig, dass eine Belohnung guter Seelen im Himmel genauso wenig Sinn macht, wie eine Bestrafung in der Hölle? Denn nach dem kosmischen Prinzip der Gegensätze also von Yin und Yang kann es ohne Licht, keinen Schatten geben, ohne männlich kein weiblich, ohne heiß kein kalt, ohne Antimaterie keine Materie und ohne gut kein böse. Wenn es keine Hölle gibt, kann es nach diesem polaren Prinzip also auch keinen Himmel geben. Ebenfalls hat das Modell von Himmel und Hölle für uns aufgeklärte Bildungsbürger schon lange seinen Reiz aber auch seine Schrecken verloren. Selbst 72 Jungfrauen (oder sind es vielleicht doch bloß eine Hand voll Perlen?) reichen nicht mehr aus, um uns für mögliche paradiesische Freuden zu kasteien. Wesentlich überzeugender erscheint uns da die Vorstellung, die Seelen während ihres irdischen Daseins einer Reifung zu unterwerfen. Aus diesem Grund gewinnen Religionen, die an die Reinkarnation glauben, wie beispielsweise der Buddhismus in unserer westlichen Zivilisation immer mehr an Attraktivität. Denn hier dient die irdische Probe als Entscheidung, ob die Seele endlich aus dem Kreislauf des leidvollen Lebens in ein Nirvana der Fühllosigkeit, der Erlösung entlassen wird, oder ob sie noch einmal eine Ehrenrunde drehen muss. Je nach den Leistungen, die sie im Leben erbracht hat, auf einer höheren oder aber auf einer niedrigeren Lebensstufe. Hier spielt die Reifung und Weiterentwicklung der Seelen die zentrale Rolle.

Gänsehautmomente bringen uns dem allumfassenden Geist nahe

Eigentlich könnten wir hier den Beitrag beenden. Es gibt keine Hölle und der Himmel widerspricht unserer Logik. Doch auch der Welle-Teilchen-Dualismus und noch viele andere Effekte aus dem Reich der Quanten widersprechen unserer Alltagslogik. Und nachdem der Himmel sicher nicht in der physischen Realität sondern im Reich der Metaphysik zu suchen ist, sollten wir nicht so schnell aufgeben. Gehen wir die Sache daher von der metaphysischen Seite an. Wann spielt der mitfühlende Geist, der uns beseelt die größte Rolle? Genau, immer dann, wenn wir ganz bewusst, ganz intensiv erleben. Und gerade in den Momenten, in denen wir großes erleben, ist es nicht nur unser Intellekt, der fühlt. Ganz im Gegenteil, jede Faser unseres Körpers ist beteiligt, wenn wir Begeisterung, Freude aber auch Angst und Furcht empfinden, nichts anderes ist es, wenn uns eine Gänsehaut überkommt oder wir meinen, Schmetterlinge im Bauch zu haben. Das sind Momente der ganz großen, der ganz innigen Gefühle. Eben dieser Gefühle, die uns an einem übergreifenden Geist teilhaben lassen. Sei es die intensive Verbundenheit mit der Natur, die uns am Gipfel eines Berges erfüllt, sei es die Liebe, die wir für einen wundervollen Menschen empfinden oder die Ergriffenheit, die uns an spirituellen Orten erfasst, sie alle fegen unsere alltäglichen Gedanken hinweg und verbinden unseren Geist mit etwas Höherem. Was auch immer das ist, es geht über unsere physische Existenz hinaus.

Wahrhaft unvergessliche Momente

Doch das bedeutet, dieses Erleben ist Teil eines höheren Erlebens und findet außerhalb der physischen Welt statt. Und dieses Erleben wird nicht nur der Vergänglichkeit physischer Speicher anvertraut, sondern könnte auch immateriell in einer metaphysischen Ebene gespeichert werden. Und dass hier nahezu unendlich viel Information hinterlegt sein kann, habe ich bereits im Beitrag „Ist ein Gedächtnis ohne Materie denkbar?“ gezeigt. Wenn also all die großen Momente, die uns Eins mit dem allumfassenden Geist werden ließen, nicht verloren gehen, so erlaubt uns das einen kleinen Blick aufs Paradies. Denn diese Momente können nicht als abstrakte Erinnerung im immateriellen Gedächtnis des Universums abgelegt werden, sondern nur in der Form, wie wir sie erlebt haben, als wir uns Eins mit dem universalen Geist fühlten. Denn nur das, was der beseelende Funke in uns wahrgenommen hat, kann dort auch als Erinnerung festgehalten werden, nicht mehr und nicht weniger. Stehen wir also staunend vor den Gipfeln des Himalaya wird dort nicht das Bild auf unserer Netzhaut gespeichert, sondern das, was davon unseren Geist erreicht hat. Und das sind innere Bilder, die sich mit Begriffen wie majestätische Größe, strahlender Sonnenschein, tiefe Ergriffenheit und überwältigende Schönheit umschreiben lassen (mehr dazu im Beitrag „Wie können wir mit dem allumfassenden Geist kommunizieren?“). Und somit könnte das, was unsere Seele in jedem dieser Momente als Summe all unserer bewusster Emotionen ausgemacht hat, im immateriellen Gedächtnis weiterexistieren.

Was wird bleiben?

Angenommen, es ist tatsächlich so, dass nur die Momente in denen wir uns eins mit dem allumfassenden Geist fühlten in dessen immaterielle Erinnerung übergehen, so stellt sich die Frage, würde da überhaupt noch viel von uns bleiben? Und es ist eine ganze Menge, das wir von ganzem Herzen und somit gemeinsam mit dem allumfassenden Geist erlebt haben. Es sind die Erinnerungen an geliebte Wesen, seien es glückliche Momente mit unseren Kinder, seien es die lang schon verstorbenen Großeltern, sei es der geliebte Hund. Es sind all die Glücksmomente in denen wir uns mit der Natur eins gefühlt haben, seien es die ersten selbst gepflückten Kirschen, sei es der traumhafte Wintermorgen mit glitzerndem Schnee, sei es ein unglaublich schöner Sonnenuntergang. Es sind all unsere Abenteuer und spannenden Erlebnisse, sei es eine ganz besondere Höhlenwanderung, sei es eine wilde Raftingtour, sei es der Flug über schneebedeckte Gipfel oder der erste Motorradausflug. Es sind aber auch die wundervollen Musikstücke, die unsere Seele berührt haben, sei es das erste große Konzert, sei es die Ballade, die wir während der ersten Verliebtheit gehört haben, sei es die Arie, die uns Tränen in die Augen gezaubert hat. Selbstverständlich sind das auch die Sinneswahrnehmungen, die unser Herz berührt haben, sei es der Geruch eines geliebten Menschen, sei es der Geschmack eines wundervollen Essens, sei es das warme Knistern eines Kaminfeuers. Und nicht zu vergessen sind das auch die großen Momente der Liebe, sei es der erste Kuss, sei es eine innige Umarmung, sei es ein wundervoller erotischer Höhepunkt. Wenn also ausschließlich diese Momente der Einheit mit dem allumfassenden Geist tatsächlich unsterblich werden, so bleibt von jedem von uns eine wundervolle Erinnerung zurück.

Große Momente können auch ganz klein sein

Aber es geht dabei nicht darum, besonders exotische und ausgefallene Erlebnisse zu sammeln, sondern nur darum, bewusst wahrzunehmen um sich in Einklang mit dem allumfassenden Geist zu befinden. So kann ein Millionär eine Reise zu allen Naturdenkmälern dieser Welt unternehmen ohne dabei auch nur ein einziges Mal einen wirklich großen Moment zu verspüren, da er all das völlig abgestumpft abhakt, während sein Innerstes bereits den nächsten Vertragsabschluss vorbereitet. Andererseits kann ein Kind in den Slums von Mumbai Tag für Tag beim Anblick der Wolken, beim Spiel mit den Straßenhunden und bei den Erzählungen seines Großvaters Momente der Einheit mit dem allumfassenden Geist und der Welt empfinden.

Der Tod als Befreiung von allem irdischen Ballast

All das Selbstbezogene, das Egoistische, das Oberflächliche, all das, was wir getan haben, ohne mit unserem Herz und unserer Seele dabei zu sein, all das Unbedachte, all der gedankenlose Konsum, all die schnellen Vergnügungen, die nicht unser Herz berührt haben und die einen schalen Nachgeschmack in uns hinterlassen haben, wird wahrscheinlich nicht die Schwelle hin zum allumfassenden Geist überwinden. Somit werden diese Erinnerungen vergehen ohne eine Spur im immateriellen Gedächtnis des Universums zu hinterlassen. All diese Teile unserer Persönlichkeit sind nur in unserem physischen Gedächtnis gespeichert, so werden sie unseren Tod nicht überleben und gemeinsam mit unserer vergänglichen Hülle sterben. Es ist so, als würde unsere Seele von all dem irdischen Ballast befreit und nur das wirklich Große, Reine, Schöne, Liebevolle ins immaterielle Gedächtnis des Universums übergehen.

Rückführungserlebnisse sind wirklich denkbar

Nun stellt sich natürlich die Frage, wer holt sich denn überhaupt die Erinnerungen aus diesem immateriellen Gedächtnis des Universums? Es ist natürlich eben dieser allumfassende Geist, der auch uns während unseres gesamten Lebens erfüllt hat. Von eben dem Geist, der uns die elektromagnetische Strahlung der Sonne als wunderschönen Frühlingstag erleben ließ, dem Geist, der akustische Schwingungen in unserem Inneren in eine mitreißende Melodie verwandelte, dem Geist, der unsere Kinderaugen an Weihnachten mit ungläubigem Staunen erfüllt hat. Denkbar ist aber auch, dass dieser Geist indirekt durch ein von ihm beseeltes Wesen, diesen Blick ins immaterielle Gedächtnis des Universums wagt; zum Beispiel im Rahmen einer Rückführung unter Hypnose, bei der wir auf der Suche nach einer früheren eigenen Existenz sind. Somit erklärt sich auch, warum sich unser physisches Hirn nicht an frühere Leben erinnern kann, denn die Erinnerung ist dort ja gar nicht vorhanden. Es bedarf schon eines besonderen Geisteszustands, wie z.B. unter Hypnose, der das Tor hinüber zum immateriellen Gedächtnis des Universums eröffnet.

Die Lösung des paradiesischen Paradoxons

Dabei sind im immateriellen Gedächtnis des Universums all unsere Empfindungen nicht als nüchterne Fakten gespeichert, sondern sie bleiben mit all dem verbunden, was damals, als wir sie erlebten, unsere Seele ausgemacht hat. Und unsere Seele ist beileibe kein statischer Gegenstand sondern ein stets im Wandel befindliches Phänomen. Derselbe Blick auf eine wunderschöne junge Frau hinterlässt in unserer Seele jeweils eine völlig andere Erinnerung, wenn wir sie mit den Augen des Kindes, den des verliebten Ehemanns oder den des stolzen Vaters betrachten. Wenn sich der allumfassende Geist jede einzelne dieser Erinnerungen zurückruft, dann müsste er exakt dasselbe empfinden, das er damals empfand, als er das Kind, den Ehemann oder den Vater beseelte. Somit ist dieses geistige Erinnern eine Auferstehung der jeweils erinnerten Seele in der jeweiligen Lebensphase. Und diese während der Erinnerung wiederauferstandenen Seelen sind nichts anderes wir selbst. Denn wir sind als Erinnerung vom selben Geist erfüllt, der uns auch damals in exakt dem Moment an den er sich nun erinnert erfüllt. Wir werden somit im Jenseits stets unsere Großmutter mit den Augen des Kindes und unsere Kinder mit den Augen der liebevollen Eltern sehen. Durch den allumfassenden Geist würden wir somit jedes Mal aufs Neue das Prickeln des ersten Mals erfahren, egal wie oft wir das Erlebte verinnerlichen. Auch wäre es völlig egal, ob unser Körper nach langer Zeit wiederbelebt wurde, denn der allesumfassende Geist beseelt gleichermaßen alle Lebewesen. Das ist ähnlich, wie wir durch jeden einzelnen unserer Finger die Welt ertasten. Wenn wir einen Finger verlieren und er uns nach Stunden wieder angenäht wird, fühlt dieser Finger mit demselben Geist, wie alle anderen Finger unserer Hand.

Wir bestimmen, wie viel von uns im Jenseits bleibt

Warum aber sollen wir uns dann überhaupt noch mit dem Leben herumschlagen, wenn schon ein paar große Momente genügen, damit unsere Seele ins Jenseits Einzug findet? Warum machen wir nicht einfach Schluss mit unserer mühe- und leidvollen Existenz und flüchten uns in dieses ach so tolle Paradies? Zum einen ist das natürlich nur eine Hypothese, ob es tatsächlich so ist, kann kein Lebender jemals sagen. Falls diese Hypothese aber tatsächlich zutrifft, würde von unserer Seele nur das bleiben, was wir bis dahin an großen Emotionen erfahren und an liebevollen Taten vollbracht haben. Und je negativer und emotionsärmer unser Leben bis dahin war, desto weniger würde von unserer Seele bleiben. Statt also in schlechten Momenten alles hinzuschmeißen sollte es unser eigennützigstes Bedürfnis sein, unserer Seele so viel Gewicht wie nur möglich zu verleihen, so viel Liebe, so viele große Emotionen, so viele tolle Momente zu verinnerlichen und so viele schöne Taten zu vollbringen wie nur irgend möglich. Je mehr große, ergreifende und liebevolle Momente wir erlebt haben, desto mehr geht vermutlich von unserer Seele ein in dieses immaterielle Gedächtnis des Universums, in dieses Jenseits, in dieses Paradies. Ohne Leben, ohne Liebe, ohne große Gefühle wäre das immaterielle Gedächtnis des Universums leer wie ein unbeschriebenes Blatt. Erst das Erleben schafft Erinnerungen, schafft ein reiches Paradies voller großer Momente.

Doch wo bleibt die Gerechtigkeit?

So schön es ist, dass die großen Momente erhalten bleiben, so unbefriedigend ist die Vorstellung, dass das Böse und Verbrechen im Jenseits nicht gesühnt werden sollen. Doch ganz so ist es nicht. Wenn wir gemein sind und Verbrechen begehen schweigt unsere Seele, unser Herz ist hart und unempfänglich für die Gefühle von Liebe und Mitgefühl. In diesen Momenten sind wir taub für das Zwitschern der Vögel, blind für das Glitzern des Schnees und für das Strahlen der Sonne. Das sind Momente, in denen wir einfach nur funktionieren, dies können aber auch Momente sein, in denen wir böse oder aggressiv sind, Momente in denen das Animalische, das Egoistische überwiegen. In den kalten, selbstbezogenen Momenten des Bösen fühlen wir uns trotz der Lust die wir genießen verloren, kalt und leer. Dann sind wir von blinder Wut erfüllt, verschließen uns gegenüber den Gefühlen anderer, haben den Eindruck, außer uns zu sein oder neben uns zu stehen. Nein, das ist etwas völlig anderes, als die tiefen Gefühle, die uns mit dem allumfassenden Geist in Verbindung bringen. Je mehr ein Mensch auf sich selbst bezogen ist, desto weniger nimmt seine Seele an dem großen und unsterblichen Ganzen teil. Somit finden diese Erinnerungen wohl auch keinen Einzug ins immaterielle Gedächtnis des Universums.

Es gibt keine Hölle, jedoch das Vergessen

Nach dieser Hypothese wird das allumfassende Ganze unabhängig von unserer physischen Existenz weiterbestehen, während all das, was wir an Gefühlen und Erlebnissen in uns eingeschlossen haben, zusammen mit unserer sterblichen Hülle vergeht. Denn diese fleischliche Hülle war es, die uns in dieser ganz egoistischen Form mit einem sprichwörtlich beschränkten Geist belebt hat. Es ist davon auszugehen, dass die Seele eines Menschen, der möglichst intensiv in Einklang mit der alles beseelenden Harmonie gelebt hat, nicht vergehen wird, da sie Teil des großen Ganzen geworden ist. Stirbt jedoch ein Mensch, dessen Streben nur die Befriedigung seiner eigenen, egoistischen Begierden war und der nie im großen Ganzen aufgegangen ist, so wird wohl dessen Seele zusammen mit seiner Existenz enden. So bedarf es für Gerechtigkeit also keiner Hölle und keiner Strafen im Jenseits. Da es aber keine rein guten und auch keine rein bösen Wesen gibt, werden wahrscheinlich die Teile, die ichbezogen waren mit uns vergehen, die aber, die liebevoll und in Einklang mit dem allumfassenden Geist standen, werden wohl in ihm weiterexistieren. So wird vermutlich von der einen Seele vielleicht nur ein winziger Schatten bleiben, während eine andere als leuchtender Stern weiterstrahlt.

Das Paradies lässt sich nicht austricksen

In diesem Zusammenhang klärt sich auch eine der spannendsten moralischen Fragen. Was ist mit den Seelen derer, die schlimme Verbrechen begangen, später jedoch zum Guten gefunden haben? Werden die Seelen von einst so reinen Kindern, die sich im Erwachsenenalter zum Bösen entwickelt haben, vollständig vergehen? Ganz besonders kompliziert wird es bei Menschen, die immer wieder zwischen gut und böse pendeln. Zwischen bösen Taten liegen stets Phasen aufrechter Reue und tiefen Bedauerns. Doch was passiert mit so einer Seele? Nach christlicher Vorstellung kann nur ein reuiger Sünder, der seine Taten aufrichtig sühnt und Buße tut, seine Seele vor der ewigen Verdammnis retten. Der Einzug seiner Seele in den Himmel würde also hauptsächlich davon abhängen, in welcher Phase ihn der Tod gerade ereilt. Besonders clever hat Kaiser Konstantin diese christliche Regelung ausgenutzt, indem er mit der Taufe und somit mit der Tilgung aller Sünden bis aufs Totenbett gewartet hat. Trotz zahlloser Verbrechen u.a. der Ermordung seines eigenen Sohnes und seiner Frau hätte er sich mit diesem Trick einen Platz im Paradies ergattert. Viele Christen werden jetzt argumentieren, dass so ein Trick nicht funktionieren kann, da nur aufrichtige Reue zum Sündenerlass berechtigt. Doch bei der Angst, die die Menschen damals vor der Hölle hatten, muss man davon ausgehen, dass Konstantins Beweggründe am Ende tatsächlich aufrichtig waren. Doch wenn es stimmt – und davon bin ich fest überzeugt – dass nur die Teile einer Seele Einzug ins immaterielle Gedächtnis des Universums und somit ins Paradies halten, die so rein sind, dass sie sich mit dem allumfassenden Ganzen verbinden, dann führt das zu wahrhafter Gerechtigkeit, die sich nicht austricksen lässt. Denn nur das Reine, das Liebevolle und Großherzige bleibt, das Böse, das Verschlagene aber auch das Hartherzige und Oberflächliche vergeht zusammen mit der sterblichen Hülle. Nach dieser Hypothese wird von Konstantins Seele – wenn überhaupt – wohl nur ein kleines Fünkchen den Sprung ins Paradies geschafft haben.

Ist ein Leben nach dem Tod möglich?

Das Wichtigste in Kürze

Reiner Geist kommt ohne Erinnerung aus, erst durch Erinnerung wird aus Geist eine individuelle Seele. So wundervoll das meditative Vergessen auch sein mag, sehnen wir uns nach einer Weiterexistenz des Individuums und ein Wiedersehen mit unseren Lieben. In der Welt der Quanten wäre eine körperlose Erinnerung denkbar, doch spricht die Logik dagegen. Was passiert mit der Seele bei einer späten Reanimation? Werden wir als Kind, Erwachsener oder Greis im Jenseits weiterexistieren? Werden wir dann noch unsere Lieben wiedererkennen oder werden wir herb enttäuscht?


Braucht eine Seele Erinnerung?

Obwohl die Seele stets im Wandel ist wird sie dennoch in vielen Kulturen als etwas Unsterbliches gesehen, das nach dem Tod eines Menschen den Körper verlässt. Je nach Religion kann die Seele wandern und in einem anderen Wesen wiedergeboren werden. Aber wenn die Seele in einem anderen Menschen wiedergeboren wird, verliert sie all ihre Erinnerungen und somit auch all die negativen Taten und Erfahrungen, die sie beispielsweise zu einer schwarzen Seele gemacht haben. Können wir dann überhaupt noch von einer Seele sprechen? Denn eigentlich fehlt ihr dann all das, was zuvor Ihre Persönlichkeit ausgemacht hat.

Meditation ein Vorgeschmack aufs Jenseits?

Ähnliches erleben wir, während der Meditation in der wir den Geist leeren und alles vergessen, was unsere Persönlichkeit ausmacht. In diesen Momenten ist der Meditierende nur noch reiner spiritueller Geist, dennoch endet damit nicht sein bewusstes Erleben, sondern ganz das Gegenteil, er ist reines Bewusstsein, ohne Denken, ohne Werten. Interessanterweise verliert man in solch einem intensiven meditativen Zustand weitgehend das Ich-Gefühl. Der reine Geist kennt keine Abgrenzung mehr und wie wir ja schon in früheren Beiträgen ausführlich diskutiert haben, entsteht das Empfinden, eins mit dem Universum zu sein. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir in einem Moment der tiefen Meditation, in dem wir unseren Geist geleert haben, auch gleichzeitig die Seele verloren haben. Zumindest haben wir jedoch für kurze Zeit all das überwunden, was uns als Individuum ausmacht. Was bleibt, ist nur noch die reine Essenz der Seele. Ich denke, im Zustand höchster Meditation sind Seele und Geist eins geworden. Meines Erachtens ist das auch genau der Teil von uns, der unsterblich ist.

Ist eine Erinnerung trotzdem möglich?

Doch was ist mit all den Erinnerungen an unsere Lieben, alles, was uns im Leben Freude bereitet hat, alles, was uns als Individuum ausmacht? Was bringt uns so eine Form der Unsterblichkeit wenn wir dabei alles vergessen? Nicht nur aus diesem Grund glauben viele Religionen und Esoteriker durchaus an die Unsterblichkeit der individuellen Seele. Viele glauben an eine Reinkarnation und die Möglichkeit einer Rückführung in die Erinnerungen an ein früheres Leben. Rückführungstherapien gehören mittlerweile sogar zum Standardprogramm zahlreicher Hypnosepraxen. Ich persönlich habe so etwas noch nicht ausprobiert, ich bin schon genug damit beschäftigt, mich an alles Wichtige aus meinem jetzigen Leben zu erinnern, da möchte ich mich nicht auch noch mit meiner dunklen Vergangenheit aus früheren Leben rumschlagen müssen.

Die Gnade des Vergessens

Vielleicht ist es ja auch eine Gnade, vergessen zu können, wieder von vorne beginnen zu können ohne die Last bitterer Enttäuschungen, schlimmer Taten und alter Treueschwüre. Nicht nur, dass wir durch das Vergessen unsere Seele von all unseren bösen Taten reinwaschen, wir gewinnen dadurch auch wieder die Freuden des Ersten Mals zurück. Wer ewig lebt und sich ewig erinnert, der hat auch nur je ein einziges Mal das besondere Erlebnis des Ersten Mals. Ich wollte beispielsweise nach abgeschlossenem Studium noch einmal dieses Lebensgefühl heraufbeschwören, das ich in den ersten Semestern hatte und begann ein Zweitstudium und das sogar in meinem Traumfach. Doch das Prickeln, die Begeisterung der wilden Studentenfeten und der Reiz, endlich auf eigenen Beinen zu stehen, waren verflogen. Dem Studentenwohnheim haftete nicht mehr der Hauch von großer weiter Welt, Party und Freiheit an, sondern mich erdrückte seine Enge, ich sah nur noch den Syph und störte mich an der lauten Musik, die nicht mehr die meine war. Im Studium betrachtete ich die Professoren nicht mehr mit naiver Ehrfurcht sondern ihre lustlosen Vorlesungen langweilten mich und zu meinen jüngeren Kommilitonen konnte ich einfach keinen Draht mehr aufbauen.

Gibt es eine himmlische Cloud?

Doch nehmen wir einmal an, es bliebe nicht nur der reine Geist, sondern auch unsere Seele würde sich der Unsterblichkeit erfreuen, dann stellt sich die Frage, wo sollen die Erlebnisse aus diesen früheren Leben gespeichert werden? Wo bleiben unsere Erinnerungen, wenn unser Hirn zu Staub zerfallen ist, wenn unsere biologische Festplatte vernichtet wurde? Vielleicht ist es ja genauso wie mit der Festplatte. Wenn wir nicht wollen, dass die Informationen auf unserem Computer verloren gehen, dann sichern wir die wichtigen Daten eben auf einem Server oder in der Cloud. Bloß wo soll dieser metaphysische Server stehen, der all die Abermilliarden Lebenserinnerungen seit Anbeginn intelligenten Lebens speichert? Und wo bitteschön ist unsere Vernetzung hin zu dieser himmlischen Cloud? Wie im Beitrag „Ist ein Gedächtnis ohne Materie denkbar?“ beschrieben, muss das Universum tatsächlich über ein Erinnerungsvermögen verfügen, das nicht an die Existenz physischer Speicher gebunden ist. Denn wo sollen all die Naturkonstanten und Naturgesetze gespeichert sein? Und auch in der Quantenphysik stoßen wir immer wieder auf Phänomene, die eine Art Gedächtnis auf immaterieller Ebene voraussetzen. Und die Kommunikation mit der himmlischen Cloud kann wie auch bei verschränkten Quanten instantan und ohne die Nutzung elektromagnetischer Wellen funktionieren. (mehr dazu im Beitrag „Gibt es einen allumfassenden Geist?“).

Wo bleibt die Seele von Frankensteins Monster?

Eine unsterbliche Seele wäre zumindest aus naturwissenschaftlicher Sicht der Dinge denkbar. Doch damit sind beileibe nicht alle Probleme gelöst. 2005 gelang es US-Forschern am Safar Zentrum für Reanimationsforschung, tote Hunde wieder zum Leben zu erwecken. Ihr Blut war durch eine Salzlösung ersetzt worden. Nach drei Stunden pumpten die Forscher das Blut zurück in ihre Adern und es gelang mit Elektroschocks die Hunde zu reanimieren und erfolgreich zum Leben zurückzuholen – Frankenstein lässt grüßen. Dieses Verfahren wirft spannende philosophische Fragen auf. Angenommen es gelingt, diesen Zustand beliebig zu verlängern, was passiert dann mit der Seele eines Lebewesens? Wird sie, solange der Körper theoretisch doch noch wiederbelebt werden kann, auf Halde gelegt? Falls ja, welche Instanz entscheidet, ab wann dieser wiederbelebbare Zustand endet und wird dabei auch der aktuelle Stand der Technik berücksichtigt? Oder entschwindet die Seele nach Eintritt des klinischen Todes in eine höhere Dimension aus der sie bei der Wiederbelebung zurückgerissen wird.

Was passiert mit reanimierten Buddhisten?

Was geschieht mit den Seelen von Buddhisten, die an eine Reinkarnation glauben? Man stelle sich nur vor, was passiert, wenn die Seele schon in einem neuen Körper wieder auf die Welt gekommen ist und dann der alte Körper wieder belebt wurde. Entsteht dann in Ermangelung einer Seele ein Zombie? Oder ist es gar umgekehrt, dass die Seele zum alten Körper zurückkehrt (der hat ja die älteren Rechte) und der neue Körper wandelt dann als seelenloses Etwas durch die Welt? Oder wird der alte Körper einfach mit einer neuen Seele versorgt? Das wäre dann das Gegenteil vom Menschheitstraum, den Geist zu behalten und den alten Körper durch einen neuen zu ersetzen.

Völlig neue Möglichkeiten der Todesstrafe

Der Justiz bietet das Verfahren auch ungeahnte Möglichkeiten. Es könnten mehrfache Todesstrafen ausgesprochen und auch noch vollstreckt werden. Und ruck zuck wird aus dem Menschheitstraum der absolute Albtraum. Stellen Sie sich nur vor, Sie werden irrtümlicher Weise für einen Terroristen gehalten, der für den Tod tausender von Menschen verantwortlich ist. Was liegt näher, als Sie abhängig von der Anzahl der Opfer entsprechend oft zur Todesstrafe zu verurteilen. Und überhaupt, war die Todesstrafe bisher eine ultimative Strafe, die nicht zuletzt wegen ihrer Unwiderrufbarkeit von den meisten zivilisierten Staaten abgeschafft wurde, kann mit diesem Verfahren eine einstweilige Todesstrafe verhängt werden. Sollte man sich geirrt haben, wird der Delinquent einfach wiederbelebt.

Herbe Enttäuschungen im Jenseits

Und es gibt noch ein weiteres Problem mit der Unsterblichkeit der Seele. In welchem Zustand geht sie ins Jenseits ein? Schweben da oben dann hauptsächlich greise, verwirrte oder verbiesterte und vom Altersstarrsinn gezeichnete Seelen herum? Welch eine Enttäuschung muss das für die früh verstorbene Liebe sein, für die sich der Partner den Rest seines langen Lebens aufgehoben hat. Statt einem strahlenden Jüngling, den die im Jenseits immer noch jugendliche Seele einst geliebt hat, bekommt sie nach langem Warten vielleicht einen alten, unausstehlichen Griesgram. Was ist mit den Menschen, die mehrere Partner durch Krankheit verloren haben, gibt es dann im Jenseits Eifersuchtsdramen unter den immer noch liebenden Verstorbenen? Egal für welches Alter sich eine Seele entscheidet, es wird immer jemand enttäuscht sein. Wählt sie seine besten Jahre, so wird das Kind nie mehr die geliebte Großmutter erleben und die früh verstorbene Mutter, nie mehr ihr geliebtes Kind. Das mit dem erhofften Wiedersehen im Jenseits könnte also für alle Beteiligten zur herben Enttäuschung werden.

Hoffnung für die Seele von Frankensteins Monster

Doch ich kann Sie beruhigen, es ist sogar ein Jenseits wahrscheinlich, das sowohl die Unsterblichkeit des reinen Geistes, beliebige Seelenwanderungen als auch das freudige Wiedersehen mit genau den Seelen im Jenseits ermöglicht, die wir einst geliebt haben. Das Wunderbare an diesem Jenseits ist, dass es auf all den Erkenntnissen basiert, die wir bisher im Blog erarbeitet haben und das in sich absolut widerspruchsfrei ist. Selbst für die Seele von Frankensteins Monster gibt es Hoffnung, egal nach welcher Zeit verrückte Forscher nun meinen, sie aus dem Jenseits zurückholen zu müssen. Mehr dazu im nächsten Beitrag: „Gibt es Himmel und Hölle?“

Was ist die Ursache für den Geist?

Das Wichtigste in Kürze

Der Geist stammt aus einer faszinierend anderen Welt, doch er stammt nicht von außen. Die Welt der Quanten ist nicht nur Keimzelle aller Materie sondern auch des Geistes, der sich parallel mit dem Universum entwickelt hat. Dieser Geist ist wahrscheinlich die treibende Kraft, die mit „Buchhaltertricks“ ohne Verletzung der Hauptsätze der Thermodynamik aus Quantenfluktuationen Materie bis hin zum Urknall erschaffen hat.


Der Geist stammt aus einer anderen Welt

Wenn es einen schöpferischen Geist gibt, dann stammt er aus einer Welt der Phantasie, einer Welt, in der Ursache und Wirkung keine Rolle spielen, einer Welt des brodelnden Zufalls, in der Dinge aus dem Nichts entstehen können, einer Welt, in der Gedanken ohne Zeitverlust vom einen Ende des Universums zum anderen reisen können, einer Welt, in der Raum und materielle Barrieren keine Hürden sind, einer Welt, in der alles mit allem verbunden, in der alles Eins ist. Es ist eine Welt, die außerhalb unserer physischen Realität liegt, einer Welt der Metaphysik. Bis vor hundert Jahren war uns der Zugang zu dieser Welt verschlossen, wir hielten sie für eine Illusion, eine Welt der Märchen, der Zauberer und des naiven Glaubens. Doch mit der Entdeckung der Quantenphysik ist es uns gelungen, den Mantel der Realität einen winzigen Spalt zu heben und einen staunenden Blick auf das zu werfen, was die Ursache allen Seins ist. Im Beitrag „Wo ist der Übergang von Physik zu Metaphysik?“ finden Sie eine ausführliche Beschreibung der Welt der Quanten und ihrer seltsamen Phänomene.

Kommt Gott tatsächlich von außen?

Bereits im Beitrag „Kann der allumfassende Geist allmächtig und gut zugleich sein?“ haben wir uns mit unterschiedlichen Schöpferbildern auseinandergesetzt. Dem alttestamentarischen Gott, der wie ein Töpfer seine Wesen aus Lehm geformt und Leben eingehaucht hat. Dem Gott der Aufklärung, der das Universum als eine Art Uhrmacher als präzise Himmelsmaschine erschaffen hat. Und heute als Programmierer, der wie im Film Matrix das Universum als virtuelle Welt gestaltet hat. Ich persönlich halte alle drei Ansätze für grundsätzlich falsch. Dass der schöpferische Geist weder ein Töpfer noch Uhrmacher sein kann, darüber brauchen wir heute nicht mehr diskutieren. Die Vorstellung, er könnte ein Programmierer sein, klingt aus unserer heutigen Weltsicht jedoch erst einmal plausibel. Ein solcher Schöpfer wäre absoluter Herrscher in seiner virtuellen Welt, er wäre allmächtig. Im Beitrag „Kann etwas allmächtig und gut zugleich sein?“ mussten wir jedoch mit Ernüchterung feststellen, dass nichts auf eine göttliche Allmacht hindeutet. Hinzu kommt, dass ein göttlicher Programmierer ein Überwesen sein müsste, das außerhalb seiner virtuellen Welt steht und genau da liegt das Problem.

Wer hat den Töpfer erschaffen?

Wenn wir einen Schöpfer von außen erfinden, haben wir eigentlich nichts gewonnen, denn statt den Ursprung allen Seins zu entdecken, haben wir die Frage nur auf eine Ebene außerhalb unserer Welt verschoben. Denn wer hat den Programmierer, wer hat den Mechaniker, wer hat den Töpfer erschaffen? Es ist ähnlich, wie bei den Theorien, das Leben sei durch Außerirdische auf die Erde gebracht worden. Damit soll etwas schwer Erklärbares mit etwas noch viel schwerer Erklärbaren begründet werden. Denn letztendlich muss bei den Außerirdischen das Leben ja auch irgendwie entstanden sein, hinzu kommt jetzt aber auch noch das Problem zu erklären, wie um Himmels Willen sind die Außerirdischen überhaupt auf die Erde gekommen? Meines Erachtens ist es plausibler, dass der schöpferische Geist aus der gleichen Welt stammt, aus der auch unserem Universum heraus entstanden ist und nicht von außen kommt.

Geist so unerklärbar wie Elektromagnetismus

Doch wie soll etwas Metaphysisches wie ein allumfassender schöpferischer Geist gemeinsam mit dem Universum von selbst entstanden sein? Das ist ja noch unbegreiflicher als die Entstehung der Arten ohne göttliche Einflussnahme. Statt das Dilemma des rein auf Zufall basierenden Darwinismus zu lösen, vergrößern wir es noch, indem wir auch noch den Geist auf etwas reduzieren, das sich mehr oder minder zufällig gebildet hat. Doch wenn wir den Gedanken zu Ende denken, gewinnt er an Charme. Nehmen wir einmal an, dass Geist eine prinzipielle Eigenschaft der Materie ist. Also etwas, das ähnlich grundsätzlich wie Masse, elektromagnetische Ladung oder Energiegehalt sind. Also einfach eine Eigenschaft, die genauso wenig erklärbar ist, wie die anderen Eigenschaften der Materie. Oder hat Ihnen schon jemand die wahre Natur von Masse oder Elektromagnetismus erklären können? Aber was haben wir damit gewonnen? Eine ganze Menge, denn nun enthält Materie alles, was die Phänomene unseres Daseins erklärt. So, wie jede Zelle all die Erbinformationen des gesamten Wesens enthält, so enthält das kleinste Materieteilchen alle Prinzipien des Universums. Wie es dazu gekommen ist, werde ich später noch erklären.

Geist braucht Vernetzung um zu wirken

Mit einer Materie, die bereits die Grundlage des Geistes beinhaltet wird nun aber sowohl die Evolutionslehre als auch die Existenz jeglichen geistartigen Phänomens plausibel. Das ist ähnlich wie beim Magnetismus. Bereits kleinste Teilchen verfügen über elektromagnetische Eigenschaften. Diese werden nach außen aber erst dann als Magnet in Erscheinung treten, wenn unfassbar viele Teilchen in gleicher Polarität ausgerichtet sind. Und genauso wirkt auch dieser Geist der Materie erst, wenn eine ausreichend große Anzahl von Partikeln in einer bestimmten Konstellation miteinander verbunden ist. Wie im Beitrag „Gibt es höhere Formen von Bewusstsein?“ beschrieben, ist eine hohe Vernetzung nötig um eine nach außen hin wahrnehmbare Form von Bewusstsein zu erreichen.

Alles ist im Nichts bereits vorangelegt

Die nach außen wirkenden Eigenschaften der Materie entstehen jedoch nicht ausschließlich durch diese Anordnung, sie werden wahrscheinlich noch nicht einmal durch die Materie selbst hervorgerufen. Wie im Beitrag „Ist ein Gedächtnis ohne Materie denkbar?“ beschrieben, müssen die grundsätzlichsten Eigenschaften der Materie bereits vor dem Urknall materielos vorhanden gewesen sein. Mit anderen Worten, die Ideen von Masse, von Elektromagnetismus und somit auch von Geist waren schon im Nichts, im leeren Raum oder was auch immer vor dem großen Knall gewesen ist, angelegt. Doch erst durch die Materie haben diese Ideen den Sprung hin zu dem geschafft, was wir als Realität bezeichnen. Und durch die Evolution von Materie und Leben haben sie Schritt für Schritt immer konkreter Gestalt angenommen.

Geist im Einklang mit den Naturgesetzen

Es ist somit denkbar, dass das, was wir als schöpferischen Geist bezeichnen, am Anfang auch nur ein erster Funke war, der sich stets weiterentwickelt hat. Ein solcher Geist kann also durchaus gemeinsam mit unserem Universum entstanden sein, ohne dass es eines Überwesens von außen bedarf. Der große Nachteil für einen solchen Geist, der aus dem Universum selbst heraus erwachsen ist, ist, dass er den Gesetzen des Universums, den Naturgesetzen unterworfen ist. Und genau so erleben wir ja auch den Geist in unserer Welt, nicht allmächtig, sondern im Einklang mit den Naturgesetzen.

Was war vor dem Urknall?

Doch wann hat dieser Geist begonnen? Ist er wirklich erst mit dem Urknall entstanden oder gab es ihn schon viel früher? Wie im Beitrag „Kann es einen schöpferischen Geist geben?“ beschrieben, ist der Urknall die größtmögliche Verletzung gültiger Naturgesetze. Dass so etwas ohne plausible Vorgeschichte stattgefunden hat, kann als ausgeschlossen gelten. Es ist nur die Frage, was war davor? Was hat zum Urknall geführt? Unser Problem ist, dass mit dem Urknall alle für uns verwertbaren Informationen ausgelöscht wurden, die Rückschlüsse auf seine möglichen Ursachen zulassen. Vielen Wissenschaftlern wird es daher zu hypothetisch über ein Davor zu spekulieren. Wir bewegen uns in einem höchst spekulativen Bereich, wohl eher in der Science Fiction denn in verlässlicher Wissenschaft. Das nachfolgende Gedankenexperiment dient daher lediglich dazu, aufzeigen, dass es durchaus ein Davor gegeben haben kann und dass dies wahrscheinlich auch nötig war, um zu all den perfekten Gesetzen zu führen, die zum Zeitpunkt des Urknalls bereits vorgelegen haben.

Am Anfang war die Quantenfluktuation

Es ist sehr wahrscheinlich, dass auch schon vor dem Urknall quantenphysikalische Phänomene wie die Quantenfluktuation, also das spontane Auftauchen und Verschwinden von Quanten im leeren Raum, aufgetreten sind. Was sich genau dahinter versteckt, können Sie im Beitrag „Wo ist der Übergang von Physik zu Metaphysik?“ nachlesen. Ein Ansatz den in unterschiedlichsten Ausprägungen verschiedene Physiker vertreten. Einer der ersten der diese Theorie publiziert hat war Isaak Asimov, der davon ausgegangen ist, dass ein Universum nach unglaublichen 10^500 Jahren aus Quantenfluktuationen entstehen könnte. Lesch und Gaßner (hier geht’s zum Buch) vertreten die Ansicht, dass es nur einer einmaligen exotischen aber auch höchst unwahrscheinlichen Quantenfluktuation bedurfte, die zum Urknall geführt hat. Nach dem Motto, man muss nur lang genug warten und schon kann es passieren, dass nicht nur ein Teilchen sondern ausnahmsweise mal ein kompletter Urknall so völlig unerwartet aus dem Nichts entsteht. Über die genauen Prozesse und die Dauer die unendlich vielen Affen auf ihrer Quantenschreibmaschine einhacken mussten um zu diesem Ereignis zu kommen schweigen sie sich jedoch aus. Rein statistisch gesehen kann man sowas durchaus berechnen, doch wenn Sie sich an den Beitrag „Kann Geist ewig sein?“ zurückentsinnen, so halte ich sehr wenig von solchen Zahlenspielereien. Denn auch wenn es die Mathematik zulässt, liefert dieser Ansatz keine Erklärung für das, was da passiert ist. Zudem verstößt es immer noch gegen den ersten Hauptsatz der Thermodynamik und alle Theorien, die auf einem derart fundamentalen Bruch mit den Grundprinzipien der Physik basieren, sollten mit größter Vorsicht behandelt werden, selbst wenn sie anerkannte Lehrmeinung sind.

Buchhaltertrick überlistet den ersten Hauptsatz

Auch ich glaube, dass sich die Schöpfung das Phänomen der Quantenfluktuation zunutze gemacht hat, um aus dem Nichts die Welt zu erschaffen. Doch mit dem kleinen Unterschied, dass sie einen kleinen Buchhaltertrick dazu genutzt hat, etwas aus dem Nichts zu erzeugen, ohne dabei den ersten Hauptsatz der Thermodynamik zu verletzen. Nach der Theorie der Quantenfluktuation findet selbst im abgeschirmten Vakuum und an den entlegensten und materieärmsten Ecken des Universums ein ständiges Entstehen und sofort wieder Vergehen von virtuellen Teilchen statt. Diese Quantenfluktuation arbeitet mit eben diesem Buchhaltertrick. Statt einfach Quanten aus dem Nichts zu zaubern, zaubert sie Quanten und Antiquanten aus dem Nichts. In Summe löschen sich die beiden aus und es wurde weder Energie noch Materie geschaffen.

Casimir der quantenphysikalische Buchprüfer

Das ist genauso wie bei einem Buchhalter, der zwei Konten verwaltet auf denen kein Geld ist. Überweist er nun von einem aufs andere eine Million Euro, so hat er auf dem einen Konto eine Million Euro Schulden, auf dem anderen eine Million Guthaben. Und nachdem keine Bank da mitspielt, werden beide Konten gleich wieder ausgeglichen und in Summe ist nichts passiert. Auf den ersten Blick erscheint das ziemlich witzlos und solange es völlig wirkungslos vonstattengeht eine sinnfreie Gedankenspielerei. Unser Buchhalter versucht Geld zu überweisen und noch bevor er etwas damit anfangen kann, sind die Konten wieder bei null. Und genauso funktioniert die Quantenfluktuation, nur haben wir es da mit virtuellen Teilchen zu tun, die sich gleich wieder auslöschen. Eigentlich sollte dieses ständige Auftauchen und Verschwinden von Quanten und Antiquanten auch völlig unbemerkt bleiben, doch so ganz können die Teilchen ihr Treiben nicht verbergen. Es war der niederländische Physiker Hendrik Casimir, der sich als quantenphysikalischer Buchprüfer betätigte und einen Versuchsaufbau ersann, um dem unzulässigen Treiben auf die Spur zu kommen. Im Beitrag „Wo ist der Übergang von Physik zu Metaphysik?“ können Sie nachlesen, mit welchem Trick es ihm gelungen ist, die Quantenfluktuation experimentell nachzuweisen.

Millionär mit 1 Cent Schulden

Aber wenn diese Teilchen ständig wieder vergehen, stellt sich immer noch die Frage, wo dann all die Materie herkommen soll, aus der unser Universum heute besteht. Wir haben damit das Problem lediglich vom Großen ins Kleine übertragen. Aber offensichtlich ist es im Universum ähnlich wie in der Bankenwelt. Unser Geist, der hinter der Quantenfluktuation steckt, ist ein ziemlich cleverer Buchhalter. Statt dass er riesige Beträge hin- und herschiebt – ich sage nur Urknall – überweist er jeweils nur eine klitzekleine Summe, einen Cent vielleicht. Das interessiert keine Bank, dann ist halt das eine Konto um einen Cent überzogen und auf dem anderen ist ein Cent plus. Nun kann man mit einem Cent nicht einkaufen gehen, also eröffnet unser Buchhalter statt zwei Konten zweihundert Millionen Konten. Wenn er nun sein Spiel treibt, dann hat er in Summe eine Million Euro Guthaben aber auch eine Million Schulden. Und jetzt kommt der Trick, die Schulden lässt er auf den kleinen Konten zu je einem Cent, wo sie niemanden stören, das Guthaben überweist er jedoch auf ein einziges Konto und schon kann er beliebig einkaufen gehen.

Ein Universum ganz auf Pump erworben

Eigentlich sollte der erste Hauptsatz der Thermodynamik solche buchhalterischen Tricks unterbinden, doch gelingt mit dem Casimir-Effekt genau so eine buchhalterische Trickserei. Es wird eine Kraft zwischen zwei Platten im Vakuum aufgebaut. Wenn wir die Platten nicht fixieren, werden sie um eine Winzigkeit zusammengedrückt, die Platten bewegen sich etwas. Unsere virtuellen Teilchen haben in diesem Fall Arbeit verrichtet, was sie ja gemäß erstem Hauptsatz überhaupt nicht hätten tun dürfen. Nachdem aber keine Arbeit aus dem Nichts verrichtet werden darf, müssen irgendwo energetische Schulden entstehen, Schulden, die früher oder später zurückgezahlt werden müssen. Aber erst mal kauft sich unser Buchhalter von seinem Trick einen Porsche und die Platten nähern sich im Vakuum einander etwas an. Nur ewig kann das nicht gutgehen, irgendwann müssen die Schulden beglichen werden, außer wir haben einen entsprechend cleveren Buchhalter, der sich immer wieder neue Tricks einfallen lässt und am Ende hat er nicht nur einen Porsche, sondern auch eine Villa, Ländereien, Kontinente, Meere, Planeten, Galaxien, vielleicht sogar ein ganzes Universum.

Die Theorie vom „Upps“

Nun würde ich nicht davon ausgehen, dass mit dem ersten Teilchenpaar bereits von Anfang an all die unzähligen Naturkonstanten, die unsere Welt heute zusammenhalten, in der uns bekannten Form schon existiert haben. Denn dann hätten wir ja wieder das Problem, wer hat sich das alles in dieser perfekten Form ausgedacht. Und auch unser kosmischer Buchhalter hat am Anfang genauso wenig existiert, wie der Töpfer, der Uhrmacher oder der Programmierer. Ich glaube, am Anfang gab es keinen Buchhalter sondern nur ein kleines unbedeutendes ‚Upps‘. Stellen Sie sich das absolute Nichts vor, ein völlig undefinierter Zustand, in dem nichts bekannt ist über Zeit, Raum, Materie und Geist. Selbst die Naturgesetze und Naturkonstanten sind ohne Bedeutung, einfach nur Nichts. Und plötzlich taucht da etwas auf. Nichts großes, kein so komplexes und vollendetes Teilchen wie ein Photon, einfach nur eine kleine Anomalie ohne Masse ohne nennenswerte Eigenschaften, einfach nur ein Upps und sein Anti-Upps. Und diese Uppse sind auch ganz schnell wieder verschwunden, haben sich gegenseitig neutralisiert und wieder in Nichts aufgelöst.

Upps, da war was!

Vielleicht werden Sie sagen: „Ja und?“ – Die Antwort lautet: „Ganz gewaltig UND!“ Plötzlich hat das Nichts einen ganz mächtigen Knacks abbekommen. Statt dröge dimensionslos vor sich hinzudösen hat sich eine Menge getan. Plötzlich war da etwas. Ein Anfang und ein Ende. Davor gab es nichts dergleichen, keinen Anfang, kein Ende. Eine Zahl, nämlich 2, denn es war ein Upps-Pärchen das da aufgetaucht ist. Und Zeit, denn zwischen Anfang und Ende liegt eine Dauer. Und Raum, denn die beiden Uppse hatten einen Abstand zueinander. Und Gegensätze, denn wir haben es mit einem Upps und seinem Anti-Upps zu tun. Zu diesem allerersten Zeitpunkt schon waren also Yin und Yang geboren. Und vielleicht sogar ein Gefühl, so etwas wie Überraschung: „Upps, da war was!“

Bewusstsein als Eigenschaft der Materie

Sie werden vielleicht jetzt einwenden, dass Sie das mit Teilchen gerade noch akzeptieren können, das ist erst einmal glaubhafter, als dass alles gleich mit dem Urknall begonnen hat. Darüber hinaus ist es erwiesene Tatsache, dass Teilchen existieren und auch aus dem Nichts entstehen können. Aber woher soll in Gottes Namen der Geist dabei kommen? Und genau da liegt der Clou an meiner Hypothese. Denn wenn wir unsere Welt heute ansehen, haben wir beides, Materie und Geist. Warum soll das ganz zu Anfang anders gewesen sein? Wie im Beitrag „Wie real ist unser Geist?“ schon gezeigt, gibt es keinen zwingenden Grund, dass ein Gehirn Bewusstsein benötigt. Wenn also Bewusstsein entbehrlich ist, kann es durchaus anderen Ursprungs als neurologischer Natur sein. Im Beitrag „Wo ist der Übergang von Physik zu Metaphysik?“ hatte ich schon gezeigt, dass namhafte Physiker vermuten, dass bereits Quanten eine Art primitives Bewusstsein besitzen könnten. Und genau das ist es, was ich diesem ersten Upps zuschreibe. So wie Elementarteilchen einen Spin, Polarisation oder Masse besitzen, könnten sie auch über ein Fünkchen Bewusstsein verfügen.

Das Upps vermiest dem Nichts die Ruhe

Schön, wir hatten ein Upps, das ist jetzt weg und das Nichts kann weiterdösen. Doch ganz im Gegenteil, mit dem Dösen war es ab jetzt vorbei. Wenn einmal etwas passiert, kann es immer wieder geschehen. Unsere Upps-Pärchen begannen dem Nichts ganz mächtig die Ruhe zu vermiesen. Mal tauchte eins auf, dann gleichzeitig mehrere und bald schon viele. Der Raum der Zahlen vergrößerte sich und vielleicht hatten die dabei auftretenden Uppse unterschiedliche Eigenschaften. Die einen lebten etwas kürzer, die anderen hatten einen größeren Abstand zueinander und wiederum andere wollten gar nicht mehr vergehen.

Energie, Materie, Raum, Zeit und Information sind eins

Aber selbst wenn diese Uppse eine Form von Geist besaßen, müsste bei ihrer Auslöschung all ihr Wissen wieder verloren gehen. Wie soll es dann also eine Entwicklung gegeben haben? Dafür müssen wir wieder einen genaueren Blick auf unsere Quanten werfen. Es handelt sich dabei um Elementarteilchen, mal mit, mal ohne Masse bei denen es sich letztendlich um reine Energieeinheiten handelt, die sich in Form von Wellen manifestierten. Sie sind also nichts weiter als eine Eigenschaft des Raum-Zeit-Kontinuums und keine isolierten Teilchen. Energie, Materie, Raum und Zeit sind eins. Nichts kann ohne das andere existieren. Materie ist eine besondere Form der Energie und beides lässt sich ineinander überführen. Ohne Materie macht Raum keinen Sinn und ohne Bewegung gibt es keine Zeit. Auch wenn ein Teilchen in seiner Wellenfunktion eine Information speichert, so ist diese Information letztendlich ein Teil des Raum-Zeit-Kontinuums. Und wenn auch die Wellenfunktion ausgelöscht wird, die unser Teilchen ausgemacht hat, bleiben die Informationen im Raum-Zeit-Kontinuum erhalten. Es ist eine grundlegende mathematische Eigenschaft der Quantentheorie, dass Information nie ganz verloren gehen kann. Somit müssen wir unsere Einheit erweitern und sagen: Energie, Materie, Raum, Zeit und Information sind eins. Mit anderen Worten, mit dem Auftauchen des ersten Uppses ist nicht nur einfach ein Teilchenpaar entstanden und wieder verschwunden, sondern sie haben ein kleines Energie-Raum-Zeit-Informations-Kontinuum erschaffen.

Der geistige Drang zur Weiterentwicklung

Und dann haben wir noch etwas, nämlich den Drang zur Weiterentwicklung, den Drang, aus vergänglichen virtuellen Teilchen stabile Materie zu erschaffen. Und spätestens mit diesem Drang zur Weiterentwicklung ist der Geist zu dieser Einheit hinzugekommen. Er ist die treibende Kraft, die mit ihren buchhalterischen Tricks aus vergänglichen Quantenfluktuationen stabile Materie und letztendlich unser Universum erschaffen hat. Doch wie sollen wir uns diesen Geist, diese treibende Kraft vorstellen? Wie hat er es geschafft, dass es nicht immer wieder zur vollständigen Auslöschung gekommen ist? Eine klare Antwort, wie unser kosmischer Buchhalter es geschafft hat, Teilchen zu erschaffen, die sich nicht mehr ausgelöscht haben, gibt es nicht. Vielleicht, weil sie während der kurzen Zeit ihres Seins mit anderen kollidiert sind und so auseinandergedriftet sind, vielleicht sogar mit einer bevorzugten Richtung, so dass sich im einen Teil des Universums die Uppse und im anderen die Anti-Uppse sammeln konnten. Die nun räumlich getrennten Teilchen konnten sich nicht mehr gegenseitig auslöschen und wurden stabil. Genauso, wie unsere Ein-Cent-Haben-Konten nicht mehr durch die Ein-Cent-Schulden-Konten ausgeglichen werden.

Ohne Geist, keine Materie

Ich bin davon überzeugt, dass ohne diesen buchhalterischen Geist überhaupt keine stabile Materie hätte entstehen können. Es stellt sich meines Erachtens nicht die Frage: Ist in einer materiellen Welt überhaupt die Existenz eines Geistes möglich? Sondern: Ist Materie überhaupt ohne das Vorhandensein eines Geistes denkbar? Und ich behaupte ganz klar – nein. Ohne einen treibenden Geist hätte sich nie und nimmer Materie bilden können.

Zeit genug für mehrere Urknalle

Nun ist in diesem Modell überhaupt kein Urknall nötig. Alles würde kontinuierlich aus Quantenfluktuationen entstehen. Dazu müssen wir uns überhaupt einmal darüber klar werden, über welche Dimensionen wir hier sprechen. Denn zwischen dem ersten Upps und dem Urknall ist eine nahezu unendlich lange Spanne vergangen. Dazu eine kleine Zahlenspielerei. Unser Universum hat ein geschätztes Volumen von mehr als 2,5-mal 1029 Kubiklichtjahren und wenn man dunkle Materie mit einbezieht, besteht es aus gut 1090 Quanten. Wenn wir davon ausgehen, dass in diesem Volumen nur einmal alle 100 Jahre pro Kubikmeter aus der Quantenfluktuation ein stabiles Teilchen entsteht, so bräuchte man gerade einmal 500 Billionen Jahre, um diese Menge an Teilchen zu erzeugen. Das klingt jetzt verdammt lang, aber im Vergleich dazu nehmen heutige Astrophysiker an, dass es immerhin noch 100 Billionen Jahre dauern soll, bis alle Sonnen erloschen sind. Und wer mit einem Teelöffel die Weltmeere ausschöpfen möchte, der bräuchte selbst wenn er ohne Pause jede Sekunde ein Löffelchen verschwinden ließe 5 Trillionen Jahre, also 10.000 Mal so lange. Das sind aus astronomischer Sicht alles noch fassbare Dimensionen. Auch wenn wir es ‚nur‘ mit einer Dauer von 500 Billionen Jahre zu tun haben, ist das genug Zeit, während der ein bisschen was passiert ist, wie zum Beispiel der ein oder andere Urknall.

Stillstand oder Zeitumkehr?

Aber woher soll der Urknall gekommen sein? Im Gegensatz zu allen Sternenexplosionen unterscheidet sich der Urknall dadurch, dass anfangs keinerlei Materie, sondern nur Energie daran beteiligt war. Letztendlich gehe ich in dieser Diskussion von einem zyklischen Universum aus, auch hierzu gibt es natürlich widersprüchliche Theorien. In einem zyklischen Universum wird alle Materie aufgrund der Gravitationskräfte am Ende von einem gigantischen schwarzen Loch verschlungen. In diesem schwarzen Loch geschehen nun unvorstellbare Dinge. Ein schwarzes Loch entsteht immer dann, wenn so viel Masse zusammenkommt, dass die Gravitation dieses kosmischen Monsters selbst das Licht nicht mehr entfliehen lässt. Die Grenze an der das geschieht, bezeichnet man auch als Schwarzschildradius oder Ereignishorizont. Wenn aber das Licht still steht, dann bedeutet das, dass auch die Zeit still steht. Doch was passiert, wenn wir tiefer ins schwarze Loch eindringen? Was passiert mit der Zeit? Wird sie einfach stehen bleiben oder wird sie vielleicht sogar rückwärts ablaufen?

Alles andere als finstere Flecken am Himmel

Sie werden vielleicht sagen, dass das Unsinn ist, das würde ja bedeuten, dass ein Mensch, der in ein solches schwarzes Loch stürzt, immer jünger wird. Er müsste sein Leben im Rückwärtsgang durchlaufen, sein Essen hervorwürgen, seine Kleidung saubertragen, seine Zähne würden ihm vom Zahnarzt wieder eingesetzt und er würde in einer Eizelle implodieren. Das ist natürlich Quatsch. Nur weil die Richtung der Zeit umgekehrt wird, bedeutet das nicht, dass wir es mit einer Reise in die Vergangenheit zu tun haben. Denn dafür müsste ja die Zeit im gesamten Universum rückwärts ablaufen. Nein, es bedeutet, dass Ursache und Wirkung umgekehrt werden. Für Atomare und subatomare Teilchen bedeutet das jedoch tatsächlich eine Umkehr ihrer Prozesse. Und nichts anderes als atomare und subatomare Teilchen können überhaupt in ein Schwarzes Loch eindringen. Denn kurz vor dem Schwarzschildradius, nämlich dem Radius an dem gerade noch ein Lichtstrahl dem Schwarzen Loch entfliehen kann, herrschen so extreme Bedingungen aus Hitze und Gravitation, dass jegliche Materie in seine Grundbausteine zerlegt wird. Die Energie, die dabei frei wird und der Gravitationskraft entfliehen kann wird als Strahlung abgegeben. Somit sind Schwarze Löcher alles andere als dauerhaft unsichtbare, finstere Flecken am Himmel. Immer dann, wenn sie Materie einsaugen, beginnen sie gewaltige Mengen Energie wieder abzustrahlen.

Wenn die Zeit still steht

Nun herrscht die landläufige Meinung vor, dass alles, was schwarze Löcher einmal eingesogen haben, nie mehr freigeben werden kann. Das wird durch die Tatsache untermauert, dass am Schwarzschildradius, also an dem Punkt an dem die Gravitation so stark ist, dass nicht einmal das Licht mehr entweichen kann, die Zeit still steht. Wie also soll etwas ein schwarzes Loch wieder verlassen, wenn es in einer Zeitfalle gefangen ist. Doch ganz so starr sind diese kosmischen Monster dann doch nicht. Sie bewegen sich wie jeder andere Himmelskörper auch und drehen sich vermutlich mit hoher Geschwindigkeit um die eigne Achse. Beides spricht eindeutig gegen einen tatsächlichen Stillstand der Zeit, denn wo sich Dinge bewegen vergeht auch Zeit. Zum anderen geht die heutige Lehrmeinung davon aus, dass schwarze Löcher aufgrund quantenphysikalischer Effekte Strahlung abgeben, sie also quasi verdampfen. Nachgewiesen wurde dieser als Hawking-Strahlung bezeichnete Effekt aber noch nicht.

Jungbrunnen des Universums

Während Sterne langsam die Materie zu immer stabileren und energetisch niederwertigeren Elementen verschmelzen, scheint es so, als würden Schwarze Löcher genau die Umkehrung vollbringen. Sterne schleudern verschwenderisch Strahlung und Materie von sich, Schwarze Löcher hingegen saugen diese gierig in sich auf. Und innerlich vollzieht sich keine Fusion sondern eine Zerlegung der Materie in seine Grundbausteine. Alles wird erst einmal so weit verdichtet, dass wir nicht mehr von Elementen sondern nur noch von Elementarteilchen, hauptsächlich von Neutronen, sprechen können. Was aber wäre, wenn schwarze Löcher so etwas wie umgekehrte Sterne wären, sowohl nach außen hin, als auch innerlich. Und was, wenn es sogar noch weiter ginge, wenn die Elementarteilchen ebenfalls einer Zeitumkehr unterworfen wären? Sie wären dann eine Art Jungbrunnen des Universums in dem jede Materie, die hineingeraten ist, sozusagen rückabgewickelt wird. Die Materie würde dann zu dem Urquell allen Seins, zu reiner, masseloser Energie zerfallen. In diesem Fall würde das schwarze Loch kontinuierlich an Masse verlieren. Und irgendwann einmal wird der Strahlungsdruck wieder größer als die Gravitationskraft und das schwarze Loch würde explodieren. Eine solche Explosion würde sich grundlegend von allen bekannten Supernovae und Hypernovae unterscheiden, denn in ihren Spektrallinien würden wir keinerlei höhere Elemente finden. Bisher wurde zwar so ein Ereignis nicht beobachtet, aber dazu wissen wir auch noch einfach zu wenig über die Prozesse innerhalb eines schwarzen Lochs.

Mit jedem Urknall etwas perfekter

Sie erinnern sich noch an unseren kosmischen Buchhalter, der so lange Schulden aufbaut, bis er irgendwann seine energetischen Schulden zurückzahlen muss. Er verliert auf einen Schlag sein gesamtes erschlichenes Vermögen. Und genau das passiert meines Erachtens in der Niedergangszeit vor dem Urknall. Doch unser cleverer Buchhalter hat zwar das Vermögen verloren, kann aber auf seinem erworbenen Wissen weiter aufbauen, denn die Quantenphysik lehrt uns, dass das Universum nichts vergisst. Somit glaube ich sogar, dass das gesamte Universum mit jedem Urknall etwas perfekter wird. Mit jedem Urknall haben wir einen Neuanfang an dem womöglich auch die Naturkonstanten stets ein wenig verfeinert werden womit wir von einer Art evolutionärer Entwicklung des gesamten Universums sprechen können. Und auch der Geist, der diesem Universum innewohnt, wächst und entwickelt sich mit jedem Zyklus weiter.

Ein Geist mit unendlich viel Geduld

Auch wenn es sich bei diesem Modell natürlich nur um eine Hypothese handelt – jede Theorie über das, was vor dem Urknall passiert ist, kann nur reine Hypothese sein, egal wie renommiert ihr Urheber auch sein mag – verhilft sie uns dennoch zu einem neuen und in sich schlüssigen Bild des schöpferischen Geistes. Ein treibender Geist, der Teil des Universums ist und nicht der allmächtige und unerklärliche Schöpfer von außen. Viele gläubige Menschen werden diesen Ansatz empört von sich weisen. Doch sollten Sie dabei bedenken: wäre unsere Welt das Werk eines allmächtigen Schöpfers von außen, so ist seine Güte höchst fraglich, denn wieso hat er dann eine so grausame und unvollkommene Welt erschaffen? Handelt es sich aber um einen Geist, der aus der selben Quelle wie das Universum heraus entstanden und mit ihm gewachsen ist, dann hat er es geschafft, einer kalten, materiellen Welt, die nach dem gnadenlosen Gesetz von Ursache und Wirkung abläuft, Gefühl, Liebe und Hoffnung einzuhauchen. Ich finde diesen Geist, der aus dem Nichts entstanden ist und der dem Nichts über unfassbare Zeiträume hinweg mit undendlicher Geduld Materie und Leben abgetrotzt hat, weitaus überzeugender und sympathischer als einen strengen und prüfenden Gott, der unsere Fehler mit ewigen Höllenqualen bestraft.

Verfügt der Geist über ein Werkzeug in unserer Welt?

Das Wichtigste in Kürze

Nur mithilfe eines Werkzeugs kann der schöpferische Geist aktiv in unsere Welt eingreifen. Dazu müsste er geeignete Lebensformen dazu bringen, seinen Willen physisch umzusetzen. Der Mensch wäre unter allen irdischen Lebensformen das am besten geeignete Werkzeug, doch scheinbar ist der alles erfüllende Geist an ihm gescheitert. Evolutionäre Triebe sind stärker als geistige Botschaften, hinzu kommt, dass die Evolutionstheorie Gott ins Reich der Mythen verdrängt hat. Trotzdem ist noch nicht alle Hoffnung verloren.


Als Lösung ein Überwesen

Im vorangegangen Beitrag „Welche Ziele hat der Geist, der uns beseelt?“ haben wir sowohl eine geistig-seelische, als auch eine physische Weiterentwicklung der Welt hin zum Vollkommenen als Ziel des Geistes identifiziert. Ein wesentlicher Faktor der Vollkommenheit ist eine Welt, die frei von Leid und Elend und reich an Freude und Liebe ist. Der Mensch stellt hier als ein Wesen, das die Welt mit Leid und Elend im großen Stil überzieht, das größte Problem dar. Da er selbst durch biblische Plagen nicht zu bremsen ist, benötigt der Geist ein Werkzeug auf Erden, mit dem er seine Ziele durchsetzen und auch dem menschlichen Treiben Einhalt gebieten kann.

Doch wie müsste ein solches Werkzeug, ein solches Überwesen aussehen, was müsste es alles können?

  1. Zunächst sollte es umfassende physische Fähigkeiten besitzen, um aktiv in den Lauf der Welt einzugreifen, denn es soll ja in der Lage sein, selbst Katastrophen zu verhindern.
  2. Dann sollte es eine Vorstellung von seinem Auftraggeber, also dem allumfassenden Geist, haben, denn es soll ja in dessen Auftrag und nicht für andere oder nach eigenem Gutdünken handeln.
  3. Es muss über eine hohe Intelligenz verfügen, um möglichst eigenständig die Aufträge des Geistes zu erfüllen, denn der allumfassende Geist kann über seine geringen Einflussmöglichkeiten hin zur physischen Welt nicht jeden Handgriff dieses Überwesens direkt steuern.
  4. Dafür benötigt es eine konkrete Vorstellung von den Zielen des schöpferischen Geistes, damit es auch das Richtige in dessen Sinne tut.
  5. Es sollte aber auch in der Lage sein, direkte Aufträge aus dem Reich schöpferischen Geistes zu empfangen und zu verstehen, denn ganz ohne geistigen Rat wird selbst das intelligenteste Werkzeug auf Dauer in die Irre laufen.
  6. Auch muss es über die nötige Hartnäckigkeit verfügen, um diese Aufträge selbst unter ungünstigsten Bedingungen Realität werden zu lassen, denn die Evolution schaut nicht tatenlos zu, wenn ihr ins Handwerk gepfuscht wird.
  7. Dazu müsste dieses Überwesen auch schneller sein, als die Evolution, deren kalte, skrupellose Logik es immer wieder schaffen wird, aus den Bemühungen des schöpferischen Geistes hin zum Guten Nutzen zu ziehen und somit wieder alles zunichte zu machen.
  8. Hinzu kommt, dass es möglichst langlebig sein sollte, um auch große Projekte zu Ende führen zu können.
  9. Dann bedarf es vieler dieser Überwesen, da es noch so undendlich viel auf der Erde zu tun gibt, dass selbst ein Supermann oder ein Erzengel alleine zum Scheitern verurteilt wäre
  10. Diese vielen Wesen sollten auch untereinander abgestimmt und koordiniert handeln, damit ihre gemeinsame Kraft nicht wirkungslos verpufft.

Wunschzettel für ein Werkzeug des schöpferischen Geistes

Kurz gefasst benötigt der Geist ein Werkzeug mit folgenden Eigenschaften:

  1. Es kann aktiv eingreifen
  2. Es glaubt an diesen alles beseelenden Geist
  3. Es verfügt über hohe Intelligenz
  4. Es vertritt die Werte des absolut Guten
  5. Es versteht Botschaften aus der Welt des Geistes
  6. Es ist hartnäckig
  7. Es ist schneller als die Evolution
  8. Es ist langlebig
  9. Es gibt viele davon
  10. Sie alle handeln koordiniert

So, das wäre also der Wunschzettel, wie ein Werkzeug zum Erreichen der Ziele des schöpferischen Gesites aussehen müsste.

Kein Geschöpf vom Reißbrett

Doch ganz so einfach wird dieser Wunschzettel nicht Realität, denn unser Geist aus der Quantenwelt hat ja überhaupt keine Möglichkeiten, so ein Wesen vom Reißbrett weg zu erschaffen. Er kann nur indirekt über die Manipulation der Evolution durch Mutationen auf Quantenebene bestehende Lebensformen so verändern, dass sie diesem Überwesen nahekommen. Doch welche irdischen Kreaturen eignen sich überhaupt für seine Ziele?

Mögliche Werkzeuge aus dem Meer

Wale und Delphine verfügen über hohe Intelligenz, Bartenwale sind ohnehin bereits friedliche und soziale Wesen, die den Zielen von einer besseren Welt wohl am nächsten kommen. Doch obwohl Wale über gewaltige Kräfte verfügen, fehlen ihnen die Greifwerkzeuge, um aktiv in den Lauf der Dinge einzugreifen. Es ist auch schwer vorstellbar, wie diese Kolosse das Meer verlassen wollen, um der Menschheit an Land Paroli zu bieten. Und wie wir von evolutionären Prozessen wissen, braucht es Jahrmillionen um aus Flossen effiziente Greifwerkzeuge zu formen. Von daher müssen wir schweren Herzens diese friedlichen Riesen der Ozeane von der Kandidatenliste streichen. Ebenfalls sehr attraktive Kandidaten wären Oktopoden. Sie sind clever und mit ihren Greifarmen können sie sogar Schraubgläser öffnen. Doch ihre Lebenserwartung von nurmaximal zwei Jahren macht es unmöglich, sie mit großen, komplexen Aufgaben zu beauftragen. Noch während sie sich darauf vorbereiten sind sie schon wieder gestorben.

Mögliche Werkzeuge aus der Luft

Bei den Vögeln sieht es schon deutlich besser aus. Beispielsweise sind Papageien und Krähen hochintelligent und sie werden zum Teil über hundert Jahre alt. Zwar sind ihre Flügel zum Greifen ungeeignet, aber mit Schnabel und Krallen können sie Werkzeuge nutzen und sie tun das zum Teil sehr erfolgreich. Vögel, insbesondere Krähen gibt es in großer Zahl, darüber hinaus sind ihre Fähigkeiten zu fliegen eine hervorragende Möglichkeit, schnell an jeden Ort der Welt zu gelangen. Alfred Hitchcock hat in seinem Film „Die Vögel“ eindrucksvoll gezeigt, dass es durchaus denkbar wäre, dass Vögel dem menschlichen Treiben Einhalt gebieten. Und das alleine nur aufgrund ihrer Masse und ihrer Fähigkeit zu fliegen. In wie weit sie jedoch bereits einen höheren Geist glauben, in der Lage sind, seine Botschaften zu verstehen und diese auch umzusetzen, können wir nicht sagen. Langfristig wären sie jedoch hervorragende Kandidaten, um sie in Richtung eines Werkzeug des Geistes weiterzuentwickeln. Vielleicht sind ja die Berichte über geflügelte Engel nichts weiter als Sichtungen derartigerWerkzeuge aus dem Reich der Vögel? Aber Spaß beiseite, der Weg von heutigen Vögeln hin zu Überwesen, die die Schäden menschlichen Handelns korrigieren und Naturkatastrophen verhindern können, ist noch ein sehr, sehr weiter.

Mögliche Werkzeuge an Land

Bei den Landlebewesen haben wir gleich mehrere Kandidaten. Naheliegend sind natürlich die Primaten. Sie sind intelligent, schnell, langlebig, in Sippen gemeinschaftlich handelnd und mit ihren Greifhänden besitzen sie wunderbare Werkzeuge. Es wäre somit vor allem eine geistige Herausforderung, den wilden und aggressiven Menschenaffen den Glauben an einen Schöpfer zu vermitteln und sie für dessen Botschaften zu sensibilisieren. Doch ihre Zahl ist gering, sie stehen kurz vor dem Aussterben und der Mensch hat bereits alle Lebensnischen an Land besetzt. Jeder Versuch, aus dieser Richtung dem menschlichen Treiben Einhalt zu gebieten, würde im Keim erstickt werden. Erfolgversprechender erscheinen hingegen die Ratten. Ihre Zahl übersteigt die des Menschen um ein Vielfaches, sie sind zäh, intelligent, sozial und besitzen ähnlich feine Greifwerkzeuge wie Affen. Nur ihre kurze Lebenserwartung von eineinhalb bis drei Jahren stellt ein Problem dar. Dennoch ist es den Ratten indirekt mithilfe der Pest bereits mehrfach gelungen, die Population der Menschheit dramatisch zu reduzieren. Bei der großen Pandemie im vierzehnten Jahrhundert starb ein Drittel der europäischen Bevölkerung. In Florenz überlebte gar nur ein Fünftel der Einwohner. Doch um ehrlich zu sein, glaube ich nicht daran, dass Ratten geeignet sind, die Ziele des Geistes auf Erden durchzusetzen. Denn ähnlich wie der Mensch sorgen sie aufgrund ihrer eigenen Aggressivität und der Verbreitung von Krankheiten wohl eher zur Vermehrung von Leid und Elend.

Vielleicht ist gar der Mensch dieses Werkzeug?

Und dann wäre aber auch noch der Mensch selbst ein möglicher Kandidat. Doch wie kann es sein, dass das Wesen, das diesem Planeten am meisten Schaden zufügt, ein Werkzeug des schöpferischen Geistes sein soll? Andererseits treffen eigentlich alle Voraussetzungen für ein Werkzeug des Geistes hervorragend auf uns zu. Es sieht fast so aus, als hätte der schöpferische Geist versucht, uns in Richtung eines solchen Werkzeugs zu entwickeln. Parallel mit der Ausprägung von Sprache entstanden vor ca. 60.000 Jahren bei den Neandertalern erste Bestattungsriten. Bald schon folgten religiöse Verehrung von Gottheiten und die Entwicklung von Schrift und Kultur, die sich ganz zentral um das Phänomen Gott drehen. Dabei wurden nicht nur Tempel gebaut, sondern auch göttliche Botschaften in heiligen Schriften festgehalten. Propheten und weise Männer wie Jesus, Buddha oder Franz von Assisi lehrten Güte, Nächstenliebe und ein Leben in Einklang mit der Natur. Die immer noch wilde und kriegerische Menschheit entwickelte Mitgefühl auch für andere Geschöpfe, Liebe zur Natur und erkannte Frieden als höchstes Gut an. Und auch die Fähigkeit, die Kräfte der Natur zu bändigen, hat die Menschheit hervorragend gemeistert. Klimatisierte Gebäude trotzen extremsten Witterungen, Getreidespeicher helfen Hungersnöte zu vermeiden, Deiche und Staudämme verhindern Überschwemmungen, Feuerwehren und Katastrophenschutz gelingt es, Plagen aller Art zu verhindern oder zumindest deren Auswirkungen zu lindern. Eigentlich sah es lange Zeit so aus, als würde der Plan des schöpferischen Geistes, die Menschheit zu seinem Werkzeug auf Erden zu machen, glatt aufgehen.

Doch der Versuch scheiterte kläglich

Doch dann lief etwas ganz gewaltig schief. Auch wenn die Menschheit mit reichlich Verstand und sogar mit Mitgefühl gesegnet ist, den Willen des allumfassenden Geistes hat sie in den letzten Jahrtausenden mächtig missverstanden. Auch wenn die meisten Religionen sanfte Nächstenliebe predigen, versuchen wir gerade unsere religiösen Überzeugungen mit der Gewalt einer wilden Affenhorde und selbstmörderischem Fanatismus durchzusetzen. Und auch unsere Fähigkeiten, die Welt bewusst zu formen, setzen wir nur in den seltensten Fällen dafür ein, Leid und Elend zu bekämpfen. Wir holzen Wälder ab, versiegeln Böden, rotten zahllose Arten aus und nutzen jede unserer neuen technologischen Erfindungen, um noch wirksamere Foltergeräte, Waffen und Massenvernichtungsmittel zu schaffen.

Die Evolution schlägt zurück

Den größten Rückschlag hat dem schöpferischen Geist bei seinen Bemühungen, sich klammheimlich die Menschheit zum Werkzeug zu machen, die Evolution höchstpersönlich zugefügt, nämlich in Form der Darwinschen Evolutionslehre. Plötzlich waren die Schöpfungsgeschichten aller Religionen Makulatur. Gemeinsam mit Newtons neuer Lehre von Ursache und Wirkung gelang es, Gott und damit auch den schöpferischen Geist ins Reich der Märchen, Legenden und Mythen zu verbannen. Es begann das Zeitalter der Säkularisierung, des Sinnverlusts und der Pseudoreligionen von Kommunismus bis Turbokapitalismus. In Folge dessen haben wir im zwanzigsten Jahrhundert das blutigste und grausamste Zeitalter der Menschheitsgeschichte eingeläutet. Zwei Weltkriege, konsequente Umweltzerstörung durch die industrielle Revolution und der Bau von über 70.000 Atombomben brachten unseren Planeten an den Rand des Untergangs. Und auch heute ist die Situation kritisch. Die Staatengemeinschaft verhält sich wieder wie eine zerstrittene Affenhorde und egoistische Vetomächte blockieren jede Initiative, Krisenregionen dauerhaft zu befrieden.

Doch der schöpferische Geist gibt nicht auf

Müssen wir also davon ausgehen, dass der alles umfassende Geist mit seinen Bemühungen gescheitert ist, den Menschen zu einem Werkzeug gegen Leid und Elend zu machen? Ich denke nicht. Unsere Welt würde nicht existieren, wenn der schöpferische Geist so schnell aufgeben würde. Trotz zahlloser Versuche, die Existenz Gottes wissenschaftlich zu widerlegen, glauben heute immer noch 70 Prozent der Menschheit an die Idee eines wie auch immer gearteten Gottes. Der Drang, sich in den Dienst des göttlichen Willens zu stellen, ist weiterhin unbestreitbar. Wir erkennen das selbst heute noch am Bau zahlloser Tempel und Gotteshäuser, die seit jeher zu den gewaltigsten und aufwändigsten Bauwerken ihrer Zeit zählen. Bauten, wie die Pyramiden, oder die gotischen Kathedralen gehören lange noch nicht der Vergangenheit an. Eines der beeindruckendsten und wohl aktuellsten Beispiele ist die gewaltige Sagrada Familia in Barcelona, deren Fertigstellung trotz Wirtschaftskrise für 2026 geplant ist.

Noch gigantischer ist der Akshardham Tempel in Delhi, der in absoluter Rekordzeit von 2000 bis 2005 erbaut wurde und selbst das Taj Mahal in den Schatten stellt.

Und offensichtlich ist dieser unerschütterliche Gottglaube nicht unbegründet. Wie in diesem Blog mehrfach beschrieben, verhilft uns insbesondere die Quantenphysik zu einem neuen, mit der Wissenschaft vereinbaren Gottesbild (siehe die Beiträge „Wo ist der Übergang von Physik zu Metaphysik?“, „Kann das Universum einen Geist besitzen?“ und „Gibt es einen Gottesbeweis?“). Wir sind gerade dabei, Gott aus dem Reich der Sagen in die Realität zurückzuholen und langsam fangen wir an, diesen alles beseelenden Geist wirklich zu verstehen.

Unser hässliches Spiegelbild lässt uns Handeln

Und trotz der schrecklichen Nachrichten über Terror, Krieg, Flüchtlingskatastrophen und Umweltzerstörung aufgrund von Profit- und Machtgier gibt es auch Entwicklungen, die Hoffnung machen. Tiere werden immer mehr als fühlende Mitgeschöpfe wahrgenommen. Der Widerstand gegen Massentierhaltung, alle Formen von Tierquälerei und Umweltzerstörung steigt von Tag zu Tag. Die Vorschriften für nachhaltiges Wirtschaften werden weltweit immer schärfer. Dabei nimmt das Internet eine wichtige Rolle ein, indem es in Enthüllungsplattformen die Lügen von Politikern, Konzernen und Geheimdiensten genauso anprangert, wie grausame Menschenrechtsverletzungen in allen Diktaturen weltweit. Das hat einerseits zur Folge, dass wir die hässlichsten Seiten unserer Zivilisation in einer noch nie dagewesenen Form vor Augen gehalten bekommen, was den Glauben an die Menschheit massiv erschüttert. Andererseits ist es gerade dieser gnadenlose Spiegel, der uns da vorgehalten wird, der das Volk aufrüttelt und die Mächtigen zum Handeln zwingt. Von daher halte ich es auch für besonders wichtig, es nicht nur bei der persönlichen Betroffenheit zu belassen, sondern seine Stimme gegen all die Missstände zu erheben, für die wir uns als Menschheit schämen müssen. Dazu muss man im Zeitalter von sozialen Netzwerken und Online-Petitionsplattformen nicht mehr auf die Straße gehen oder sich in unsäglich langweiligen parteipolitischen Veranstaltungen engagieren. Teilen Sie in den sozialen Netzwerken Ihre Wut, Ihren Ärger und unterstützen Sie diejenigen, die etwas gegen diese Missstände tun. Erhöhen Sie den Druck auf die Mächtigen, indem Sie mithilfe von Online-Peitionen Ihre Stimme und die Stimmen Ihres Netzwerks gegen sie erheben. Auch wenn es oft nicht den Eindruck macht, letztendlich geht alle Macht vom Volk aus, und das sind Sie und Ihr Netzwerk.

Menschheitsträume sind nicht aufzuhalten

Wir Menschen dürfen aber auch eines nicht vergessen, wir sind nicht die Krone der Schöpfung, wir sind bestenfalls ein erster Schritt hin in diese Richtung. Das ist es auch, was uns so unglücklich macht. Ein Löwe ist nicht unglücklich darüber, dass er ein Raubtier ist. Er lebt seine Bestimmung. Wir aber sind gefangen zwischen unseren evolutionär gewachsenen Trieben und dem Auftrag des alles beseelenden Geistes, die Welt zum Guten zu verändern. Im Gegensatz zum Löwen hat uns dieser Geist nämlich eine Vision gegeben, den Traum vom Paradies auf Erden. Und bei allen Schwächen, die wir Menschen haben, besitzen wir eine Stärke, die uns von allen anderen Daseinsformen unterscheidet: wir ruhen nicht, solange es uns nicht gelungen ist, einen derartigen Menschheitstraum wahr werden zu lassen. Wer hätte vor lächerlichen zweihundert Jahren ernsthaft geglaubt, dass es der Menschheit gelingen würde, zu fliegen, auf den Mond zu reisen oder virtuelle Welten am heimischen Computer Realität werden zu lassen?

Nicht mehr als eine Petrischale

Und was ist, wenn die Menschheit versagt? Was ist, wenn wir uns vorher in einem atomaren Feuersturm selbst auslöschen werden? Hat dann der schöpferische Geist endgültig versagt? Wohl kaum. Dann wird er seine Bemühungen mit anderen Wesen weiterführen. Und wenn nicht auf der Erde, dann auf einer unter Abermilliarden anderen Welten. Denn so wichtig wir uns auch vorkommen, im Vergleich zum Universum ist unsere Zivilisation nicht mehr, als eine winzige Petrischale unter den unzähligen Petrischalen, die sich in allen Labors der Welt befinden. So wie parallel im Universum Sonnen und Planeten entstanden sind, dürfte dort überall auch beseeltes Leben entstanden sein, das sich nach den Gesetzen der Evolution entwickelt. Und überall da werden wir das Streben des Geistes nach einem Werkzeug finden, das für eine Welt ohne Leid und Elend sorgt.

Herr im eigenen Haus oder nur Marionette?

So lobenswert die Ziele des schöpferischen Geistes auch sein mögen, mit uns als Werkzeug die Welt nach seinen Vorstellungen zu prägen, so sehr stellt sich aber auch die Frage, warum sollen wir uns von einem Geist, der uns nicht hilft und der über keine echte Macht in unserer Welt verfügt, als Werkzeug vor seinen Karren spannen lassen? Um das zu beantworten müssen wir wieder an den Anfang dieses Blogs zurückkehren. Wie im Beitrag „Wie real ist unser Geist?“ beschrieben, ist das, was uns als fühlendes Wesen ausmacht, dieser göttliche Funke, der uns beseelt. Ohne diesen Funken wären wir nichts weiter, als fühllose Bioroboter. Somit ist der Geist, der unseren physischen Körper zu einem Werkzeug seiner Ziele machen möchte, und der Geist, der uns als fühlendes Individuum beseelt, ein und derselbe. Wenn wir also die Welt verbessern wollen, sind wir nicht willenlose Marionetten, die von göttlichen Fäden gelenkt werden, sondern wir handeln als Herr im eigenen Haus. Wenn wir aber den lieben Gott einen guten Mann sein lassen und uns ganz dem Egoismus unserer Triebe hingeben, dann erst sind wir willenlose Marionetten, die ganz nach der Pfeife der seelenlosen Logik der Evolution tanzen. Um herauszufinden, wann wir Herr und wann wir Marionette sind, brauchen wir nur im Nachhinein zu prüfen, welche Gefühle unser Handeln hinterlassen hat. Wenn wir ein Gefühl großer Zufriedenheit, Erfüllung und Stolz in uns tragen, dann haben wir als Herr im eigenen Haus gehandelt. Fühlen wir uns aber mies, schmutzig, unglücklich mit dem, was wir getan haben, dann waren wir nichts weiter als eine willfährige Marionette.

Welche Ziele hat der Geist, der uns beseelt?

Das Wichtigste in Kürze

Für einen alles beseelenden Geist macht eine irdische Seelenprüfung nur wenig Sinn. Wahrscheinlicher ist eine Weiterentwicklung der Seelen hin zur Vollkommenheit. Insgesamt hat sich die gesamte Schöpfung immer mehr in Richtung Komplexität und Ordnung entwickelt. Das Ziel scheint eine vollkommene Welt zu sein. Doch das Auftauchen des Menschen scheint dieses Ziel zunichte zu machen. Selbst durch biblische Plagen lässt er sich nicht stoppen.


Um dem Sinn des Lebens näherzukommen, müssen wir erst einmal herausbekommen, was überhaupt die Ziele des schöpferischen Geistes sind. Diese Frage stellt sich die Menschheit schon seit Erfindung der Religionen.

Das Ziel der Seelenprüfung

Quer durch viele Religionen besteht die einhellige Meinung, dass Gott mit dem entbehrungsreichen Leben auf Erden die Seelen prüft und danach entscheidet, wie es mit ihnen weitergehen soll. Doch wenn es Gottes Funke ist, der den Lebewesen die Seele einhaucht, dann ist es sehr fraglich, ob das mit der Probe wirklich das Hauptziel des allumfassenden Geistes ist. Wenn doch der physische Körper, der durch die Evolution geprägt wurde mit all seinen Trieben und schlechten Eigenschaften mit dem Tod vergeht und nur noch der reine göttliche Funke bleibt. Doch dazu mehr im Beitrag „Gibt es Himmel und Hölle?“

Das Ziel: Weiterentwicklung zum Vollkommenen

Mit der Reinkarnation liefern die östlichen Religionen wie der Buddhismus ein völlig anderes Konzept. Hier geht es darum, die Seelen während des Durchlaufens zahlloser Leben hin zur Vollkommenheit weiterzuentwickeln. Was Reifung und Weiterentwicklung aus unserer heutigen Weltsicht so attraktiv macht, ist die Tatsache, dass es sich beim Drang zur Weiterentwicklung um ein universales Grundprinzip handelt. Im Gegensatz zu den Vätern des Alten und Neuen Testaments wissen wir heute, dass wir es nicht mit einer statischen Welt zu tun haben, die in einem einzigen Schöpfungsakt in ihrer heutigen Form geschaffen wurde, sondern dass es sich um einem kontinuierlichen Prozess handelt. Wie schon im Beitrag „Ist der schöpferische Geist mit der Evolutionstheorie vereinbar?“ beschrieben, haben sich sowohl die Materie als auch das Leben hin zu immer komplexeren, vollkommeneren Formen entwickelt. Warum also nicht auch die Seelen, die sich durch die Reinkarnation immer mehr dem schöpferischen Ziel des Vollkommenen annähern?

Was ist eigentlich dieses Vollkommene?

Der Begriff Vollkommenheit steht für etwas, dem weder etwas hinzugefügt noch weggenommen werden muss, damit es perfekt funktioniert. Wir umschreiben das auch mit Begriffen wie Schönheit und Harmonie. Doch aus Sicht eines mitfühlenden Geistes ist seine Welt erst dann vollkommen, wenn Sie nicht nur perfekt funktioniert und alles schön und harmonisch ist, sondern wenn alles Leid und Elend aus ihr verschwunden ist. Denn erst dann ist der Geist, der alles Leben erfüllt, auch selbst frei von Schmerz und Leid. Doch perfekt wird die Welt aus seiner Sicht erst dann sein, wenn sie auch von Glückseligkeit und Liebe erfüllt ist, denn auch ohne Leiden ist in ihr sonst nur ein Zustand von satt und sauber erreicht.

Der Mensch ein Triumph der Evolution über Gott?

Entgegen der grausamen Logik der Evolutionstheorie ist es dem schöpferischen Geist durchaus gelungen, in diese Richtung Einfluss zu nehmen. Nicht das Prinzip Leben-frisst-Leben, sondern friedliche Pflanzen haben sich zur dominanten Spezies auf Erden entwickelt (mehr dazu im Beitrag „Warum dominiert das Prinzip Leben-frisst-Leben?“). Es ist ihm gelungen, selbst grausame Jäger mit Liebe und Mitgefühl zu erfüllen. Doch der Mensch ist ihm offensichtlich entglitten, trotz Gaben wie Verstand, Mitgefühl und Glauben zerstört er in unvergleichlicher Weise die Schöpfung und verbreitet auch noch in Gottes Namen Leid, Elend und Terror. Es kann nicht der Sinn des Lebens sein, in Gottes Namen vom göttlichen Funken erfüllte Geschöpfe zu quälen und zu töten. Ist also der Mensch der endgültige Triumph kalter Evolution über Gott?

Versetzen Sie sich an die Stelle des schöpferischen Geistes

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir ein höchst ketzerisches Gedankenexperiment wagen. Stellen Sie sich vor, Sie wären der treibende Geist der Schöpfung. Das ist kein allmächtiger Gott, sondern der in diesem Blog beschriebene, mitfühlende, alles beseelende, schöpferischer Geist, wie er auch mit den Naturwissenschaften vereinbar ist. Ihr Einfluss auf den Lauf der Evolution ist minimal. Die Naturgesetze hindern Sie am direkten Eingreifen. Wenn Sie von Ihrer geistigen Welt aus etwas verändern wollen, bleibt ihnen nur der Einfluss über winzige Quanteneffekte. Hie und da gelingt es Ihnen, so eine Mutation gezielt zu beeinflussen. Ganz selten gibt es auch einmal die Gelegenheit, extrem instabile Systeme über den Schmetterlingseffekt in eine Ihnen genehme Richtung zu verändern. Um auf diese Weise etwas im Lauf der Evolution zu verändern benötigen Sie hunderttausende wenn nicht gar millionen von Jahren. In der Zwischenzeit müssen Sie hilflos miterleben, und vor allem mitfühlen, wie Ihre Schöpfung leidet. Sie stehen mit diesen Mitteln der grausamen Logik der Evolution gegenüber, die schon nach wenigen Generationen Zucht und Auslese wieder all Ihre Bemühungen zunichtemacht. Es ist Ihnen in den letzten Jahrmilliarden nicht gelungen, dem Leben-frisst-Leben Einhalt zu gebieten. Und nun taucht mit dem Menschen auch noch ein Wesen auf, das an Grausamkeit und Zerstörungskraft alles in den Schatten stellt, was je diesen Planeten belebt hat. Wie würden Sie Ihren Einfluss geltend machen, um dem ein Ende zu bereiten?

Gegen den Mensch hilft keine biblische Plage

Was also tun? Eine Sintflut wirken, die diese Bedrohung vom Planeten fegt? Ohne massive Verletzung der Naturgesetze geht das natürlich nicht. Darüber hinaus würden Sie damit ja auch alle anderen von Ihnen beseelten Geschöpfe auslöschen. Gleiches gilt auch für einen Asteroiden, dessen Bahn Sie Jahrtausende hinweg durch winzige Schmetterlingseffekte so manipulieren könnten, dass er in ferner Zukunft auf der Erde einschlägt und dem Leid ein Ende bereitet. Doch mit einer so massiven und zeitaufwändigen Maßnahme laufen Sie auch noch Gefahr, dass sich das Problem Menschheit bis zum Einschlag von selbst erledigt hat und Sie mit ihrer eigenen göttlichen Fliegenklatsche den Rest ihrer eigenen Schöpfung vernichten. Etwas cleverer sind da natürlich Epidemien wie die Pest, Aids oder Ebola. Zu guten alten Zeiten, als die Evolution viele Generationen benötigt hat, um Resistenzen auszubilden, hätte das vielleicht noch ganz gut funktioniert. Doch dieser clevere Schädling Mensch wird Ihren biblischen Plagen schon nach einem Bruchteil dieser Zeit Herr.

Aussichtslos, wie Materie aus dem Nichts zu erschaffen

Sie kämpfen jetzt also nicht mehr nur einen Kampf gegen die Prinzipien der Evolution, sondern auch noch gegen Forschung und Technik. Bleibt eigentlich nur noch die Hoffnung, dass sich die Menschheit mit ihren eigenen Waffen selbst auslöscht. Aber soll ich Ihnen etwas verraten, als alles beseelender Geist wollen Sie auch das nicht. Denn sie beseelen ja nicht nur die Natur, die unter dieser Plage zu leiden hat, sie beseelen auch die Menschheit. Sie hoffen, freuen, lieben und leiden mit jedem einzelnen dieser schrecklichen und gleichzeitig wundervollen Geschöpfe mit. Hier eine Lösung zu finden, ist eine mindestens genauso aussichtslose Situation, wie aus dem Nichts Materie zu erschaffen oder das absolute Chaos nach dem Urknall in ein geordnetes Universum voller Leben zu verwandeln (siehe dazu „Was ist die Ursache für den Geist?“ und „Ist der schöpferische Geist mit der Evolutionstheorie vereinbar?“).

Als Lösung ein Überwesen

Und mit genau denselben trickreichen Methoden agiert dieser faszinierende, mitfühlende Geist, um eine Lösung für das Problem Menschheit zu finden. Statt mit brachialer göttlicher Gewalt Wunder zu wirken, nutzt er die Gesetzeslücken in den Naturgesetzen um seine Ziele zu realisieren. Was würden Sie also tun, wenn Sie persönlich in dieser grausamen materiellen Welt so gut wie keine Einflussmöglichkeiten besäßen? Richtig, es müsste ein Werkzeug her. Etwas, das in der Lage wäre, Ihre immateriellen Ziele in einer materiellen Welt Realität werden zu lassen. Am besten wäre ein Erzengel oder ein Überwesen, das mit übernatürlichen Kräften Ihren Willen auf Erden durchsetzt. Ob ein solches Überwesen, also ein physisches Werkzeug des Geistes auf Erden möglich ist, erfahren Sie im nächsten Beitrag „Verfügt der Geist über ein Werkzeug in unserer Welt?“.

Wie können wir mit dem allumfassenden Geist kommunizieren?

Das Wichtigste in Kürze

Über Quanteneffekte in unseren Zellen können wir unter idealen Bedingungen Botschaften aus der Quantenwelt wahrnehmen, die mit starken Emotionen einhergehen. Umgekehrt erreichen die wenigsten unserer Gebete den allumfassenden Geist, obwohl er selbst unsere intimsten Geheimnisse aufmerksam mitverfolgt. Beim Eintritt des Hirntods ist maximale Kommunikation hinein in die metaphysische Welt der Quanten möglich.


Große Momente lassen sich nicht in Worte fassen

Wie wir bereits im Beitrag „Wie real ist unser Geist?“ festgestellt haben, ist es nicht das Wort sondern sind es Gefühle über die der Geist mit uns kommuniziert. Nicht umsonst sind die großen Momente des „Alles in Allem“ Momente die wir nicht in Worte fassen können, Momente die wir nur selbst erleben, selbst erfühlen können.

1. Der Dialog aus der Quantenwelt hin zu uns

Der allumfassende Geist hat (fast) nichts zu melden

Im Beitrag „Wie kann der Geist unseren Körper beeinflussen? “ haben wir innerhalb unserer Zellen den Übergang zur Welt der Quanten und somit des Geistes bzw. hin zum göttlichen Funken in uns identifiziert. Dieser Übergang ist extrem sensibel und kann durch äußere Reize, Drogen und Genussmittel, eingefahrene Denkmuster, Stresshormone und vieles mehr gestört werden. Wie auch im Beitrag „Gibt es überhaupt einen freien Willen?“ gezeigt, fährt deshalb unser Gehirn fast die gesamte Zeit auf Autopilot. Deshalb nehmen wir auch nur 0,0004 Prozent aller Sinneswahrnehmungen bewusst wahr und unser bewusstes Eingreifen beschränkt sich auf das Allerwichtigste. Und selbst beim bewussten Eingreifen handelt es sich in der Regel nicht um ein bewusst durch den göttlichen Funken ausgelöstes Veto sondern nur um ein Veto aufgrund unbewusster Prozesse deren Ablaufen wir jedoch bewusst beobachten. Genau das ist auch das, was Kühn und Brass in ihren neurologischen Tests nachgewiesen haben.

Jesus spricht nicht mit Don Camillo!

Um eine geistige Botschaft aus der Quantenwelt wahrzunehmen müssen ideale Voraussetzungen gegeben sein. Es ist so, wie die Fähigkeit unserer Augen, einzelne Photonen wahrzunehmen. Dazu bedarf es absoluter Dunkelheit. Die Kommunikation von allumfassenden Geist zu uns Menschen findet nur in Momenten großer Gefühle und innerer Einkehr statt. Erst wenn wir ganz bei uns sind, wenn wir zur Ruhe kommen, finden wir zu unserer Seele, erst dann hören wir das leise Flüstern des Mitgefühls, der Liebe und sind sogar in der Lage, ganz große Gefühle der Einheit mit dem allumfassenden Geist und seiner Schöpfung zu empfinden. Aber auch Momente des kreativen Flows können eine Form des Dialogs mit diesem Geist sein. Das sind dann die Momente, in denen wirklich große Kunst entsteht. Nur im absoluten Ausnahmefall ist unser ruheloses Gehirn in der Lage, echte Botschaften aus der Quantenwelt zu empfangen. Aber der allumfassende Geist spricht nicht in Worten oder Fakten zu uns, wie Jesus zu Don Camillo, sondern er kommuniziert mit uns in der Ursprache. So können uns seine Botschaften nur in Form von Gefühlen, Bildern und Ideen erreichen.

Besser als Schuhe kaufen: Glücksgefühle, Gänsehaut und Tränen

Diese Botschaften sind daher keine ausformulierten abstrakten Gedanken sondern eher wie bildhafte Erinnerungen an längst Vergessenes. Es ist, als würde ein Schleier gehoben und man könne kurzzeitig auf die wahre Natur der Dinge blicken. Erst das anschließende, analytische Durchdenken führt zu einer konkret formulierten Erkenntnis. Es ist also meist nur ein winziger göttlicher Funke, der dann von der deterministischen Logik des Hirns zur kommunizierbaren Erkenntnis ausgearbeitet wird. Darin liegt natürlich die große Gefahr, dass man die falschen Schlussfolgerungen zieht, oder dass man eigene Wünsche und Erinnerungen mit echten Botschaften des allumfassenden Geistes verwechselt. Es ist eben leider nicht so, dass wir solche Erkenntnisse und unsere eigenen Schlussfolgerungen beim nächsten Mal Meditieren mit dem allumfassenden Geist durchdiskutieren und auf seine Richtigkeit hin überprüfen können. Je abstrakter eine Idee vorformuliert ist, desto größer ist aber die Gefahr, dass sie aus dem eigenen Hirn (z.B. Erinnerung an einen Film, Erzählung o.ä.) stammt. Andere Erkenntnisse brauchen keine geistige Inspiration, da sie durch logisches Kombinieren bekannter Faktoren entstanden sind. Echte Botschaften des allumfassenden Geistes hingegen sind meist mit einem intensiven Glücksgefühl, Tränen vor Freude, Gänsehaut oder einem Kribbeln verbunden, das unseren gesamten Körper erfasst.

2. Kommunikation in Richtung Quantenwelt

Die wenigsten Gebete erreichen den allumfassenden Geist

Bei unserer Kommunikation hin zum allumfassenden Geist handelt es sich beileibe nicht nur um Gebete sondern jedes bewusste Erleben ist eine Kommunikation mit dem alles beseelenden Geist. Denn Erleben ist Leben und das geht über alles hinaus, was seelenlose Maschinen jemals zu leisten vermögen. Maschinen können Musik speichern, wiedergeben, ja sogar komponieren, aber niemals können sie die Gefühle empfinden, die Musik in unserem Herzen erweckt. Gleiches gilt für alle anderen Sinneswahrnehmungen und Gefühle. Somit ist ein automatisch heruntergeleiertes Gebet keine Kommunikation mit dem allumfassenden Geist. Denn unsere bewussten Gedanken und somit der göttliche Funke sind ganz woanders, während unbewusste Hirnareale die Worte ohne Begreifen automatisch herunterspulen. Dennoch können uns endlose Gebetsrezitationen in einen geistigen Schwebezustand versetzen, der wiederum einen intensiven Dialog mit dem allumfassenden Geist ermöglicht, doch der erfolgt dann auf ganz anderer Ebene als der Wortlaut der Gebete.

Big Brother Geist beobachtet uns

Je intensiver und bewusster ein Gefühl ist, desto näher sind wir somit dem alles beseelenden Geist. Doch bedeutet dieses bewusste Erleben nicht auch, dass dieser Geist unsere geheimsten und unangenehmsten Gedanken stets mitliest? So eine Art Big Brother in unserem Kopf? Viele Gläubige geben sich der Hoffnung hin, dass Gott nur unsere Taten und die an ihn gerichteten Gebete wahrnimmt, aber nicht den Rest unserer Gedanken. Wenn es aber der uns beseelende Geist ist, der in uns sitzt und durch uns fühlt, dann gibt es nicht den geringsten Funken Intimität mehr. Doch keine Angst, dieser Geist ist kein heimlicher Spion, sondern es ist ja genau unser bewusstes Erleben, das diesem Beobachter aus der Quantenwelt entspricht. Wir selbst sind es in Form unseres Bewusstseins, die da all unsere dunklen Gedanken und Handlungen beobachten und uns vielleicht auch mal dafür schämen.

Wenn der Geist nicht zuschaut, laufen wir auf Autopilot

Wenn der alles beseelende Geist nicht zuhört, hören auch wir nicht zu, dann läuft unser Körper auf Autopilot und tut Dinge, die wir weder steuern noch bewusst miterleben. Auch das klingt unheimlich, so wie Schlafwandeln, fast wie ein Zombie, der Dinge tut, an die wir uns nicht erinnern können. Aber mal ehrlich gesagt, können Sie sich an den letzten Griff zu ihrer Tasse erinnern, oder wann Sie im Auto geschaltet, gebremst oder den Blinker gesetzt haben. Das geht alles ohne bewusstes Erleben, dennoch hat ihr Gehirn alles gespeichert und wenn Sie sich ganz arg anstrengen, können Sie sich sogar daran erinnern, ohne dass sie es im entsprechenden Moment bewusst wahrgenommen haben.

Warum fühlt der Täter nicht den Schmerz der Opfer?

Eine ganz zentrale Frage ist in diesem Zusammenhang, wieso erleben wir nur subjektiv das, was wir bewusst tun und nicht alles was der allumfassende Geist erlebt? Wäre das so, müsste jeder Verbrecher, der jemanden bedroht oder verletzt sofort seine Tat abbrechen, da er ja gleichermaßen die Schmerzen und das Leid spüren müsste, die er seinen Opfern antut. Warum ist das nicht so? Im Beitrag „Kann etwas allmächtig und gut zugleich sein?“ hatten wir das Beispiel mit den Fingern, die versuchen einen stacheligen Igel aufzuheben. Wir haben das Gefühl, dass wir in jedem Finger einzeln den Schmerz spüren. Es findet eine ständige Rückkopplung zwischen unseren Fingern und unserem Gehirn statt. Zum Teil reagieren die Finger noch bevor der Schmerz das Bewusstsein erreicht hat. Und ähnlich bidirektional dürfte die Kommunikation zwischen uns und dem alles beseelenden Geist stattfinden. Dieser Geist spürt in jedem bewussten Moment genau das, was auch wir spüren. In Gegenrichtung müssen wir aber überhaupt erst einmal empfänglich für die Botschaften des Geistes aus der Quantenwelt sein. Sind wir abgestumpft, können wir schreckliche Dinge tun, ohne dabei die Gefühle des alles beseelenden Geistes zu empfangen. Sind wir hingegen sensibilisiert, fühlen wir intensiv mit unseren Mitmenschen mit und können keiner Fliege etwas zuleide tun.

Ohne Gefühle erlischt der göttliche Funke

Alle bewussten Empfindungen, an die wir uns erinnern können, müssen irgendwie den Weg in unser Gehirn und unser Gedächtnis finden. Wie aber soll ein Verbrecher die Gefühle des allumfassenden Geistes erfahren, die auch die Empfindungen seiner Opfer umfassen, wenn sein Gehirn für alle geistigen Botschaften abgestumpft ist? Es ist gerade noch so viel Bewusstsein da, dass ein dumpfes Erlebnis seines eigenen Tuns in Erinnerung bleibt. Und je abgestumpfter der Täter ist, desto weniger Gefühle empfindet er bei seinen Taten. Am Ende bleiben Gefühle, die nichts mit dem allumfassenden Geist zu tun haben, sondern sich klar von ihm abgrenzen. Täter sind außer sich vor Raserei, haben es mit einem blindwütigen Ausrasten zu tun, sind wie von Sinnen vor Wut. Das sind Momente, in denen wesentliche Teile des Bewusstseins komplett ausgeschaltet sind. Nicht umsonst heißt es, dass wir in so einer Verfassung total neben uns stehen. Ich glaube nicht, dass da der alles beseelende Geist wirklich bei uns ist. Noch schlimmer sind die Momente in denen wir mit kaltem Verstand ohne jegliches Gefühl handeln. Nicht fühlen bedeutet letztendlich, den Kontakt zum göttlichen Funken vollständig verloren zu haben. Ohne Gefühle ist der schärfste Verstand tot und seelenlos. Nicht umsonst war es möglich, dass hochintelligente Ärzte in Konzentrationslagern zu unsäglichen Grausamkeiten fähig waren. Sie haben ihre Gefühle, ihre Seele komplett abgeschaltet und nur noch als herzlose Naziroboter funktioniert.

Hirntot, aber trotzdem bei vollem Bewusstsein

Wie aber erklären sich dann Nahtoderfahrungen. Auch die müssen ja den Weg zurück in das physische Gedächtnis desjenigen finden, der darüber berichtet. Wie soll das aber möglich sein, wenn alle elektrochemischen Prozesse zwischen den Nervenzellen zum Erliegen kommen. Wir sprechen nämlich genau dann von Hirntod, wenn keinerlei Hirnströme mehr messbar sind. Aus Sicht der Kritiker ist das der größte Widerspruch bei den Berichten zu Nahtoderfahrungen. Bedenken wir aber, dass die Quantenempfänger in unseren Zellen üblicherweise durch Hirnaktivitäten überlagert werden, so ist der Zustand des Null-Linien-EEGs, also wenn keine Hirnströme mehr messbar sind, der ideale Zustand, um die schwachen Botschaften aus der Quantenwelt wahrzunehmen. Denn die Zellen mit ihren Quantenempfängern sind ja noch am Leben, nur alle Störfaktoren von außen sind verschwunden. So ist es also nicht verwunderlich, wenn im Zustand der absoluten Dunkelheit und Funkstille die Quantenrezeptoren in den Nervenzellen die geistigen Signale am klarsten empfangen können. Dass die ja immer noch lebenden Zellen diese beeindruckenden Erlebnisse dann auch als physischen Eindruck abspeichern ist nicht mehr weiter verwunderlich.

Wir müssen es lernen, mit dem alles beseelenden Geist zu sprechen

Zusammenfassend können wir also feststellen, wenn es eine Kommunikation zum allumfassenden Geist gibt, dann erfolgt sie auf rein emotionaler Basis und wird meist durch den geistigen Lärm und Stress des Alltags übertönt. Wir müssen es also wieder lernen, in Dialog mit dem Geist der uns beseelt zu treten. Gedankenlos heruntergeleierte Gebete und Rituale helfen uns dabei jedoch nicht.

Wie kann der Geist unseren Körper beeinflussen?

Das wichtigste in Kürze

Um den göttlichen Funken, also bewusstes Erleben zu ermöglichen ist in unseren Zellen ein Übergang in die Quantenwelt nötig. Das ist jedoch aufgrund der gewaltigen Größe und Komplexität von Zellen im Vergleich zu Quanten eher unwahrscheinlich. Derzeit gibt es mehrere, experimentell kaum untersuchte Theorien zur Funktionsweise des sogenannten Quantenbewusstseins. Am überzeugendsten ist dabei die Fähigkeit von Sehzellen, einzelne Quanten in Form von Photonen wahrzunehmen.


Zu groß für den göttlichen Funken

Wenn unser Bewusstsein, unsere Seele ein göttlicher Funke sein soll, dann würde das bedeuten, dass unser makroskopischer Körper in irgendeiner Form mit einem Geist außerhalb der materiellen Welt in Verbindung stünde. Doch wie soll das funktionieren? Wir gehen ganz selbstverständlich davon aus, dass irgendwo in unserem Gehirn irgendein metaphysischer Empfänger sitzt, der diese Herausforderung bewältigt. Doch ganz so einfach ist es nicht, denn unser Körper gehört dem Makrokosmos an. Selbst eine mikroskopisch kleine Zelle ist im Vergleich zu Botschaften aus der metaphysischen Welt der Quanten – und hier vermuten wir ja die Ursache für den Geist – nahezu unendlich groß.

Unbedeutender, als ein Sack Reis

Wie wir im Beitrag „Kann ein Geist alle fühlenden Wesen beseelen?“ bereits gesehen haben, ist eine Zelle aus Sicht von Atomen groß wie eine Millionenstadt. Nun sind für Quanten bereits Atome riesige Objekte. Ein Photon ist im Vergleich zur „Großstadt“ Zelle nicht mehr, als ein winziges Reiskorn. Nun wissen wir, dass selbst das Umfallen eines ganzen Sacks voll Reis in einer Großstadt keine Reaktionen hervorrufen wird. Was soll dann erst ein winziges Reiskorn ausrichten?

Theorien zum Quantenbewusstsein

In einer halbwegs allgemeinverständlichen Übersicht hat Prof. Günther Ewald einige der plausibelsten Theorien zusammengetragen, wie eine Kommunikation zwischen masseloser Quantenwelt und der materiellen Struktur unseres Gehirns möglich ist.

1. Wahrscheinlichkeitsfelder der Vesikelöffnung

Der australische Hirnforscher und Nobelpreisträger John C. Eccles hat in seinen Arbeiten Lösungen für die Problematik gesucht, dass “materiefrei” auch “energiefrei” bedeutet. Er sah eine mögliche Lösung in der Tatsache, dass bei der Weitergabe elektrischer Impulse in den Endknöpfchen der Nervenzellen (den sogenannten Vesikelöffnungen) Wahrscheinlichkeitsfelder und somit Quantenprozesse eine Rolle spielen und deren Veränderung energiefrei ist. Somit könnte an der Schnittstelle zwischen den Nervenzellen der gesuchte Quantenempfänger sitzen.

2. Die Hameroff-Penrose-Theorie

Eine andere Theorie haben der amerikanische Hirnbiologe Stuart Hameroff und der englische Physiker Roger Penrose bereits in den 90er Jahren entwickelt, nach der das Bewusstsein durch Quanteneffekte an winzigen Eiweißröhrchen (Mikrotubuli) in den Gehirnzellen ausgelöst wird. In ihrer als „Orch-OR“ bezeichneten Theorie sollen die Mikrotubuli innerhalb von Zellen aufgrund ihres geringen Durchmessers von etwa 20 Nanometern auf so genannte Quantenkohärenzen (orchesterartige “Zusammenklänge” von Quantenschwingungen) reagieren können. Mittlerweile ist die Orch-OR-Theorie noch einmal grundlegend aktualisiert und in einer Fachpublikation von Hameroff und Penrose ausführlich besprochen worden (hier finden Sie einen kostenlosen Download der Publikation).

3. Der Quanten-Zenon-Effekt bei Stapp

Der Physiker Henry Stapp hat die Verflechtung von Beobachter und Beobachtetem bei quantenphysikalischen Experimenten aus neurologischer Sicht untersucht. Stapp geht davon aus, dass der Geist über den sogenannten Quanten-Zenon-Effekt auf das Gehirn wirkt. Beim Quanten-Zenon-Effekt kann der Ablauf eines Quantensystems durch kurz aufeinanderfolgende Beobachtungen festgehalten werden. Stapp geht davon aus, dass sich damit erklären lässt, wie durch Konzentration ein Gedanke bewusst gemacht werden kann ohne dass er sofort wieder vergessen wird.

4. Chaostheoretischer Ansatz

Der Frankfurter Neuroforscher Wolf Singer sieht eine Besonderheit im Gehirn in seiner nichtlinearen Komplexität. Denkvorgänge in einem neuronalen Netz lassen sich nicht durch klassische mathematische Gleichungen (lineare Gleichungen) beschreiben. Damit gilt für die mathematische Betrachtung von geistigen Prozessen die Chaostheorie. Chaotische Prozesse neigen aber dazu, dass sie sich aufgrund kleinster Einflussfaktoren hin zu diametral unterschiedlichen Zuständen entwickeln können. Dieser als Schmetterlingseffekt bekannte Effekt geht davon aus, dass theoretisch der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien einen Tornado in Texas auslösen könnte. Auf die chaotischen Prozesse im neuronalen Netz unseres Gehirns übertragen bedeutet das, selbst einzelne Quanten müssten ausreichen, um eine bewusste Handlung auszulösen.

Über die Liste von Prof. Ewald hinaus habe ich bei meinen Recherchen noch zwei weitere Ansätze pro quantenphysikalischer Verknüpfung von Gehirn und Geist gefunden:

5. Die Proteinverstärker des Bruce Lipton

Es gibt noch einen weiteren, bisher wenig beachteten Ansatz, der aber meines Erachtens mindestens genauso relevant ist, wie die zuvor gelisteten. Er stammt vom Zellbiologen Bruce Lipton. In seinem Buch Intelligente Zellen zeigt er auf, wie riesige Proteinmoleküle durch winzige Ladungsänderungen und sogar durch Quanteneffekte an ihren Enden ihre Form schlagartig und grundlegend verändern können. Nun sind Proteine die zentralen Schaltstellen in unseren Zellen. Sie müssen sich Proteine als molekulare Maschinen vorstellen, die Stoffwechselprodukte transportieren, chemische Reaktionen katalysieren, Signalstoffe erkennen und sogar für unsere Muskelbewegungen verantwortlich sind. Wenn Sie den Wasseranteil einer Zelle entfernen, dann besteht die verbleibende Zellsubstanz zur Hälfte aus Proteinen. Sie sind somit Hauptbestandteil der Zelle. Aus ihnen bilden sich die wichtigsten Zellstrukturen und sie sind an nahezu allen Aktivitäten innerhalb der Zelle und auch nach außen hin entscheidend beteiligt. Somit haben Proteine einen ungleich stärkeren Einfluss auf unsere Zellen, als die Mikrotubuli, die ihrerseits übrigens auch wieder aus Proteinen bestehen (siehe oben die Hameroff-Penrose-Theorie).

Am Ende ein Quantenverstärker

Dabei ist bemerkenswert, dass die Steuerung der Proteine über ihre ladungssensitiven Enden erfolgt, die dabei wie ein Verstärker funktionieren. Geringste Veränderungen können beispielsweise zum Zusammenrollen eines stäbchenförmigen Proteins führen. Das ist so, wie bei diesen Schnappbändern für Fahrradfahrer mit denen Hosenbeine gesichert werden. Da genügt ein leichtes Antippen und das flache Band rollt sich schlagartig um den Knöchel. Das Spannende daran ist nun, dass sich das experimentell ermittelte Proteinverhalten nicht mit klassischen Modellen sondern nur mit der Mathematik der Quantenmechanik berechnen lässt. Mit anderen Worten, die Prozesse in unseren Zellen können an entscheidender Stelle durch Quanteneffekte beeinflusst werden.

Wo die Gefühle entstehen

Das bedeutet natürlich nicht, dass Proteine Gefühle empfinden. Vielmehr verhalten sie sich als eine Art Antenne hinüber in die geisterhafte Welt der Quanten. Wenn, dann entstehen Gefühle in unseren Zellen. Was auch erklärt, warum sich die Fähigkeit, Gefühle zu empfinden, in unterschiedlichsten Tiergattungen jeweils parallel entwickeln konnten, ähnlich wie die Fähigkeit zu sehen (siehe dazu auch „Ist der schöpferische Geist mit der Evolutionstheorie vereinbar?“). Zum anderen finden wir bei Zellen alle Eigenschaften eigenständiger Lebewesen vor. Daher tendiere ich ganz klar dazu, auch ihnen prinzipiell Gefühle zuzuschreiben. Beachtenswert finde ich in diesem Zusammenhang das Buch „Wie einzigartig ist der Mensch“ über die Evolution von Gehirn und Geist des Neurobiologen Gerhard Roth, der darlegt, dass Einzeller zwar kein Nervensystem besitzen, aber von der Informationsaufnahme und deren Verarbeitung höheren Lebensformen gleichen, sie haben sogar ein Gedächtnis und sind alles andere als reine Reflexmaschinen.

6. Der Ein-Photonen-Effekt

Egal, welcher Mechanismus den Zellen nun tatsächlich den Übergang in die geistige Welt der Quanten ermöglicht. Ihr Auge tut es auf jeden Fall gerade in diesem Moment, in dem Sie diese Zeilen lesen. Ein menschliches Auge ist in der Lage, bei absoluter Dunkelheit bereits das Auftreten eines einzigen Photons wahrzunehmen. Nun sind aber Photonen masselose Teilchen, die dem Reich der Quanten zuzuschreiben sind. Allein diese Tatsache beweist, dass unsere Zellen prinzipiell in der Lage sind, winzigste Quantenbotschaften zu empfangen und beliebig zu verstärken.

Licht als Quelle von Spiritualität

Dabei ist bemerkenswert, dass dem Licht eine besondere spirituelle Funktion beigemessen wird. So war ganz zu Beginn das Schöpfungswort: „Fiat Lux“ – es werde Licht. Auch war der Sonnengott in zahlreichen Religionen die höchste Gottheit (z.B. bei Ägyptern und Inkas). Engel werden als Lichtgestalten beschrieben (aber auch der gestürzte Engel Luzifer, dessen Name Lichtbringer bedeutet). Das Lebenslicht, das verlischt, wenn die Seele den Körper verlässt und das Licht am Ende des Tunnels dem unsere Seele bei Nahtoderfahrungen entgegenstrebt. Und wenn wir eine göttliche Eingabe haben, sprechen wir von einer Erleuchtung. Laut Kabbala ist Licht spirituelle Essenz, es ist die Eigenschaft des Einen, der uns geschaffen hat – des Schöpfers.

Wir müssen wissen, wo wir zu suchen haben

Die Funktionsweise, wie unsere Augen diese einzelnen Lichtquanten wahrnehmen können, ist sehr genau erforscht, denn alles, was wir zum Verstehen dieses Prozesses benötigen, ist bekannt: das Medium, nämlich sichtbares Licht, die Quelle, z.B. ein Bildschirm, als auch die Empfänger auf zellulärer Ebene, das sind die Sehzellen der Netzhaut in unserem Auge. Ohne diese Kenntnis hätten wir sicher niemals verstanden, wozu der Farbstoff Rhodopsin und die Ionenkanäle in den Stäbchenzellen unserer Netzhaut dienen. Sollte es in unserem Gehirn Rezeptoren für geistige Quantenbotschaften geben, wird es uns daher nicht möglich sein, sie zu finden, ohne dass wir genau wissen, wonach wir überhaupt suchen müssen.

Quanteneffekte und strahlende Kinderaugen

Was wir aber sicher sagen können ist, dass Quanteneffekte bei den Funktionen innerhalb von Zellen nur eine untergeordnete Rolle spielen. Es dominieren Prozesse der klassischen Elektrochemie. Nur wenn diese ausbleiben, können Quanteneffekte überhaupt zum Tragen kommen. Je mehr wir unseren Geist mit Medien, Genussmitteln und den starren Programmen des rationellen Denkens blockieren, desto weniger Chance besteht, Botschaften aus der Quantenwelt und somit auch vom allumfassenden Geist zu empfangen. Das deckt sich mit der Tatsache, dass Erleuchtungsmomente vor allem in Phasen innerer Ruhe und Meditation auftreten. Dies ist ganz anders bei Kindern, die viel intensiver erleben und die weit öfter das Gefühl von Einheit mit Gott und der Welt erfahren. Dies liegt vor allem daran, dass sie über nur wenig eingefahrene Denkprozesse und abstumpfende Erfahrungen verfügen. Das ist auch der Grund für die leuchtenden Kinderaugen, die mit zunehmendem Alter immer seltener strahlen.

Sind Gefühle mehr als nur Elektrochemie?

Das wichtigste in Kürze

Viele Forscher leiten Gefühle und Gotteserlebnisse auf elektrochemische Prozesse im Gehirn zurück. Doch die Tatsache, dass Gefühle über nahezu alle Arten hinweg auftreten, lässt Zweifel daran aufkommen. Und auch chemische Botenstoffe sind eben nur Botenstoffe und keine Gefühle an sich. Gefühle sind wie auch das Bewusstsein reine Metaphysik, sie sind eine artenübergreifende Ursprache und stehen für den göttlichen Funken in uns.


Der Beweis für Elektrochemie?

Im Beitrag „Gibt es einen allumfassenden Geist?“ haben wir uns mit den großen Momenten auseinandergesetzt, in denen wir uns eins fühlen mit dem Universum. Sei es in tiefer Meditation, in Momenten großer Gefühle, beim Lauschen ergreifender Musik, bei intensiven Naturerlebnissen und bei körperlicher oder geistiger Ektase. Auch lassen sich solche Einheits- oder Gottesgefühle künstlich mit Hilfe psychedelischer Drogen oder magnetischer Felder hervorrufen. Für Gläubige ist das ein Gottesbeweis, für Skeptiker genau das Gegenteil, denn wenn man etwas künstlich erzeugen kann, dann ist das ja ein Beleg dafür, dass es eine Illusion sei, die uns durch reine Elektrochemie vorgegaukelt wird. Und überhaupt, alle Gefühle lassen sich auf Gehirnareale und elektrochemische Prozesse zurückführen.

Unterschiedliche Hardware, gleiche Wirkung

Bei Säugetieren konnte das Gefühlszentrum im Limbischen System lokalisiert werden. Verletzungen in diesem Hirnareal führen zu Persönlichkeitsveränderungen bis hin zu vollständiger emotionaler Fühllosigkeit. So weit so gut, doch betrachten wir das grundlegend anders aufgebaute Hirn von Vögeln, so findet sich auch hier an ganz anderer Stelle, nämlich dem dorsalen ventrikulären Kamm, ein Zentrum für Gefühle. Wer einen Papagei oder Wellensittich besitzt, der weiß, dass dieser mindestens genauso intensiv auf menschliche Gefühle reagiert und über dasselbe emotionale Repertoire wie höhere Säugetiere verfügt.

Von Schmusekatzen zu Schmusemuränen

Und es kommt sogar noch besser. Bisher galten Fische als gefühllose Reflexmaschinen. Doch auch hier haben mittlerweile spanische Forscher nachgewiesen (10/2011 – Neuronengeflüster im Endhirn), dass der Mantel ihres Vorderhirns (Pallium) der Sitz von Gefühlen ist. Fischer beobachten diese Entdeckung mit großer Beunruhigung, denn sollte sich herausstellen, dass Fische genauso intensiv Angst und Schmerz empfinden wie Säugetiere, so könnte es beim Fischfang zu ähnlich scharfen Auflagen wie für das Schlachten von Säugetieren kommen. Wenn Sie der Meinung sind, dass das wohl nicht sein kann, dann schauen Sie sich folgendes Video an:

Die dort gezeigte, frei lebende Muräne schmust und kuschelt mit der Taucherin ähnlich intensiv, wie wir es von Hunden oder Katzen kennen. Um sich so zu verhalten muss sie auch ähnlich fühlen wie wir und unsere nächsten Verwandten aus dem Reich der Säugetiere. Das bedeutet aber auch, dass trotz völlig unterschiedlicher Gehirnstrukturen ähnliche Gefühle existieren.

Von gierigen und neu-gierigen Fischen

Und wer ein Aquarium sein Eigen nennt, der weiß genau, dass jeder seiner Fische ein anderes Verhalten an den Tag legt. Der eine ist am gierigsten, der nächste am neugierigsten, ein dritter am ängstlichsten, ein anderer am aggressivsten, ein weiterer am anhänglichsten und so weiter und so fort. Und das hat nichts damit zu tun, dass wir ihnen in unzulässiger Weise menschliche Eigenschaften zuschreiben die sie nicht haben, sondern es sind Verhaltensweisen die sich klar beschreiben und prognostizieren lassen. Wenn es ums Füttern geht werden die Gierigen, die Aggressiven und die Neugierigen als erste da sein, die Schüchternen, Ängstlichen und Anhänglichen werden erst später zum Zug kommen. Und wenn wir mit der Hand ins Aquarium greifen werden die Gierigen versuchen sie anzuknabbern, die Aggressiven sie zu beißen und die Neugierigen werden sie interessiert untersuchen. Die Ängstlichen werden sich verbergen, die Schüchternen sich erst nach einiger Zeit annähern und die Anhänglichen werden wir so schnell nicht mehr los. Egal welche Lebenssituation wir anschauen, Hunde, Katzen, Papageien aber auch Fische werden sich je nach ihrer Persönlichkeit ähnlich verhalten.

Artenübergreifende Persönlichkeiten

Vor ca. 400 Mio. Jahre trennten sich die evolutionären Wege von Fischen und heutigen Wirbeltieren. Der letzte gemeinsame Vorfahr von Säugetieren und Vögeln dürfte vor 280 Millionen Jahren gelebt haben. Die Hirnstrukturen dieser Tiere sind also keine Variationen ähnlich gebauter Strukturen sondern haben sich grundsätzlich unabhängig voneinander entwickelt. Dennoch zeigen diese Tiere gleiche und durchaus individuelle Emotionen. So einfach können wir das weder auf reine Elektrochemie noch auf evolutionäre Selektion zurückführen. Denn in diesem Fall müssten alle Tiere einer Gattung sehr einheitliche Gefühle an den Tag legen. Doch haben wir bei allen Tierarten die komplette Bandbreite aller Charaktere. Es gibt bei jeder Gattung Gierige, Aggressive, Neugierige, Schüchterne, Ängstliche, Anhängliche usw. So gibt es Gänse, die aggressiver als ein Großteil frei lebender Löwen sind, so manch ein Hase hat schon eine Schlange in die Flucht geschlagen und ich kenne Pitbullterrier, die wesentlich gutmütiger sind als die meisten Schmusekatzen.

Das Liebesleben der Weinbergschnecke

Noch seltsamer ist das Verhalten gewöhnlicher Schnecken. Diese ja doch sehr primitiven Tiere vergnügen sich in einem bis zu 20-stündigen Liebesakt, der, wer es einmal mit eigenen Augen gesehen hat, an Innigkeit kaum zu überbieten ist. Ich hatte einmal das Vergnügen, mir gute 10 Minuten das Liebesspiel zweier Weinbergschnecken anzusehen, wobei sie sich fest umschlangen und sich ausgiebig und zärtlich mit ihren Fühlern betasteten, was meine Einstellung gegenüber diesen schleimigen Gesellen komplett verändert hat. Auch hier versagen die Erklärungen Darwins jämmerlich, denn die Schnecken hatten sich einen Wanderweg als Liebesnest ausgesucht auf dem sie völlig ungeschützt vor Fressfeinden und den Fußsohlen großer Tiere ihrer Leidenschaft frönten. Aus evolutionärer Sicht macht es überhaupt keinen Sinn, sich so lange und lustvoll mit dem einfachen Austausch von Samenpaketen aufzuhalten und letztendlich sein Leben aufs Spiel zu setzen:

Zärtliche Brutpflege bei Kakerlaken

Und es geht noch weiter, selbst die von uns so verhassten Kakerlaken sind alles andere als gefühlslose biochemische Roboter. Sie kümmern sich außergewöhnlich zärtlich um ihre Brut. In Laborversuchen konnte gezeigt werden, dass junge Kakerlaken mit Streicheleinheiten wesentlich besser gedeihen als isolierte Tiere (mehr dazu hier). Nun sind die Nervenzentren von Schnecken und Kakerlaken unendlich weit von Gehirnen höherer Wesen entfernt. Dennoch spielt für diese Wesen so etwas Sinnloses wie Zärtlichkeit – letztendlich also Gefühle – eine zentrale Rolle.

Artenübergreifende Kommunikation

Wie bereits im Beitrag „Gibt es einen allumfassenden Geist?“ beschrieben, sind es Gefühle, die eine Artenübergreifende Kommunikation ermöglichen. Sie sind sozusagen eine allgemeingültige Ursprache zwischen allen beseelten Geschöpfen. Denn nicht nur wir Menschen spüren, in welcher Stimmung sich Tiere, egal welcher Gattung, befinden. Auch Tiere spüren, ob wir ihnen wohlgesonnen sind oder ob wir Angst vor ihnen haben. Nicht umsonst werden Menschen die Angst vor Tieren haben, egal ob vor Hunden, Raubfischen oder Instekten wesentlich häufiger angegriffen als solche, die den Tieren furchtlos gegenüber stehen. Und selbst wenn wir traurig sind, spüren das unsere tierischen Freunde worauf hin sich die Einfühlsameren unter ihnen darum bemühen, uns zu trösten.

Gefühle sind keine Erfindung des Gehirns

Die Bandbreite unterschiedlichster Emotionen die über nahezu alle tierischen Lebensformen beobachtet werden kann belegt, dass es sich bei Gefühlen nicht um einen isolierten Effekt handeln kann, der nur aufgrund spezieller Hirnstrukturen erklärbar ist. Die Hardware kann somit als Ursache ausgeschlossen werden. Doch was ist mit der Elektrochemie? Ist es nicht denkbar, dass Gefühle sich immer wieder auf dieselben chemischen Botenstoffe zurückführen lassen?

Botenstoffe sind keine Gefühle

Nachdem wir bereits im Beitrag „Ist der schöpferische Geist mit der Evolutionstheorie vereinbar?“ bei der parallelen Entwicklung von Augen feststellen mussten, dass der Ursprung des Sehens bereits in Einzellern zu suchen ist, können wir auch bei den Emotionen davon ausgehen, dass diese ebenfalls bereits von den Einzellern „erfunden“ wurden. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass artenübergreifend die gleichen oder ähnlichen Botenstoffe die Gefühle vermitteln. Doch sowenig das Internet in der Hardware meines Rechners zu lokalisieren ist, nur weil ich dort den Internetbrowser und seinen Cache finden kann, so wenig lässt es sich auf die IP-Datenpakete reduzieren, die zwischen den Rechnern ausgetauscht werden. Und das gleiche gilt für die Botenstoffe des Gefühlslebens. Nur weil ich ihre Wirkung analysieren, reproduzieren und somit Gefühle künstlich auslösen kann, habe ich noch lange nicht die eigentliche Natur der Gefühle entdeckt.

Übergang in die Welt des Metaphysischen

Wie in dem Beitrag „Wie real ist unser Geist?“ hergeleitet, ist das, was in uns fühlt nicht durch Chemie, Physik oder Naturgesetze beschreibbar. Gefühle und Bewusstsein stehen außerhalb der Physik. Sie sind Metaphysik. Sie sind die Ursprache, die uns mit allen Lebewesen verbindet, sie sind der göttliche Funke in uns. Wenn es also gelingt, ein Gotteserlebnis künstlich durch psychedelische Drogen oder magnetische Felder hervorzurufen, so ist das Erlebnis dennoch alles andere als künstlich. Es ist und bleibt metaphysisch. Somit ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein metaphysisches Erleben eines metaphysischen Überwesens auch tatsächlich einen Kontakt zu diesem Wesen herstellt durchaus gegeben und somit weitaus größer, als dass sich dies ein fühlloser Biocomputer alles nur einbildet. Denn eines steht fest, damit sich ein fühlloser Biocomputer etwas einbilden kann, muss er das auch empfinden und somit fühlen, womit wir wieder die Welt des Physischen verlassen und uns ins Metaphysische begeben.

Warum dominiert das Prinzip Leben-frisst-Leben?

Das Wichtigste in Kürze

Ein gütiger schöpferischer Geist lässt sich kaum mit der Dominanz räuberischer Lebensformen vereinbaren. Die Existenz von Raubtieren basiert auf evolutionärer Selektion und Variation, einem Prinzip das durch keinen Geist aus der Quantenwelt beeinflusst werden kann. Und dennoch gibt es eine sanfte Lebensform, die die Erde sogar noch stärker dominiert als die Menschheit.


Wieso lässt der schöpferischer Geist Raubtiere zu?

Im Beitrag „Kann etwas allmächtig und gut zugleich sein?“ haben wir zwar recht überzeugende Belege dafür gesammelt, dass der allumfassende Geist wirklich für das Gute stehen müsste. Und dennoch, so ganz überzeugend ist der Gedanke nicht, wenn man bedenkt, dass mit uns Menschen Raubtiere unseren Planeten dominieren, die sich vom Leben anderer ernähren. Wenn der schöpferische Geist aber wirklich gut ist, und auf der anderen Seite über durchaus große Macht verfügt, wieso hat er es dann überhaupt so weit kommen lassen?

Der Geist wirkt nur durch den Zufall

Zunächst einmal sollten wir uns noch einmal vor Augen führen, wie diese geistige Macht wirkt. Es handelt sich dabei um den Zufall aus der Quantenwelt, ein Zufall, der ohne Verletzung von Naturgesetzen lediglich über Mutationen die Innovation in der Evolution beeinflussen kann. Auf das wesentlich dominantere evolutionäre Gesetz von Zucht und Auslese hat dieser Quantenzufall jedoch keinen Einfluss, denn hier regieren kausale und logische Zusammenhänge, also Ursache und Wirkung. Es gilt nun zu prüfen, ob sich das Prinzip von Leben-frisst-Leben mit einem evolutionären Vorteil rein über Variation und ohne jegliche Mutation erklären lässt oder ob dafür das innovative Prinzip nötig ist, auf das ein geistiger Schöpfer aus der Quantenwelt Einfluss nehmen könnte. Wäre das der Fall, so würde das massive Zweifel an der Güte des schöpferischen Geistes aufwerfen.

Durch Variation zu Leben-frisst-Leben

Dafür müssen wir ganz bis zum Anfang des Lebens reisen, als es lediglich Einzeller gab. Da es anfangs noch keine anderen Lebewesen gab, die diese ersten Einzeller fressen konnten, waren sie auf eine friedliche Ernährung (autotroph) durch die Aufnahme anorganischer Nährstoffe begrenzt. Sicher war es ein Unfall, als die ersten autotrophen Einzeller begannen sich räuberisch (heterotroph) zu ernährten und sich andere Einzeller einverleibten. Wahrscheinlich bekam ihnen diese Nahrung zunächst nicht besonders, doch es genügt ein entsprechend hoher Selektionsdruck, einerseits in Form eines Nährstoffmangels und andererseits in Form eines Überangebots an anderen Einzellern um diese Variation zu erklären. Die Einzeller, deren Verdauungstrakt sich entsprechend variiert hatte und nun auch in der Lage war, andere Einzeller zu verdauen, hatten einen Vorteil und konnten sich besser vermehrten als die, denen dies nicht gelang. Darüber hinaus bekamen die räuberischen Einzeller einen weiteren evolutionären Vorsprung, da sie für die Aufbereitung organischer Nährstoffe nun weniger Energie benötigten und ihnen somit mehr Energie für die Nahrungssuche zur Verfügung stand. Soweit können wir schon mal einen klaren evolutionären Vorteil ausmachen. Und der Weg dahin lässt sich rein durch die Variation bestehender Prinzipien erklären.

 Wie dominant ist die Menschheit?

Doch ist dem wirklich so? Blicken wir auf uns Menschen, so ist uns klar, dass wir die dominierende Spezies auf diesem Planeten sind. Und warum, weil wir fast jede erdenkliche Lebensform fressen, derer wir habhaft werden können. Pflanzen, Fische, Wirbellose, Wirbeltiere, Säugetiere, selbst vor süßen Kuschelhäschen machen wir nicht halt. Eigentlich muss man fast Angst vor der eigenen Art bekommen. Aber ich behaupte, dass Leben-frisst-Leben nicht das dominante Prinzip ist.

Gleichgewicht der Räuber-Beute-Beziehung

Zum einen kann sich das Prinzip Leben-frisst-Leben nicht zum absolut dominierenden Modell entwickeln, da das Angebot an organischer Nahrung limitiert ist. Es müsste sich somit ein Gleichgewicht in der Räuber-Beute-Beziehung einstellen, bei dem es aufs Jahr gerechnet mehr Beutetiere geben muss, als die Räuber zum Überleben benötigen. Wenn ein Löwe mit 200 kg Körpergewicht pro Tag 7 kg Nahrung zu sich nimmt, so benötigt er jährlich etwa das 13-fache seines Körpergewichts an Beutetieren. Das Gewichtsverhältnis Räuber zu Beute müsste grob gerechnet im einstelligen Prozentbereich liegen. Steigt die Räuberpopulation geht den Räubern rasch die Nahrung aus und sie verenden, somit kann die Beute sich wieder erholen und der Zyklus geht von vorne los. Dennoch können wir von einer Dominanz der Raubtiere sprechen, da sie sich beliebig bei ihrer Beute bedienen können.

Suche nach einem sanften Gegenmodell

Obwohl dieses grausame Fressen-und-gefressen-werden eigentlich einen gewaltigen evolutionären Vorteil bietet, gibt es jedoch ein sanftes Gegenmodell das in Wirklichkeit unsere Biosphäre beherrscht. Doch welche Art soll das sein? Wie wäre es mit Bienen und Schmetterlingen, die sich zwar von Pflanzen ernähren, aber dabei nicht töten und sogar noch einen Nutzen liefern. Dann haben wir da noch ein paar Großwale, die sich von Kleinorganismen ernähren, aber auch das ist Leben. Und selbst Pflanzenfresser fressen Leben. Nicht nur meine Nachbarin mit dem grünen Daumen ist davon überzeugt, dass auch Pflanzen eine Art Gefühlsleben besitzen, es handelt sich höchstwahrscheinlich um fühlende Wesen, die positiv auf Streicheleinheiten und Musik reagieren und sogar Schmerz und Angstreaktionen aufweisen (mehr dazu im Artikel Pflanzen mit Gefühl, Seele und Verstand). Daher sind auch Pflanzenfresser nicht das Gegenmodell von dem ich spreche.

Dominanz der Anzahl der Individuen

Es sind die Pflanzen selbst, die ich meine. Und trotz ihrer Friedfertigkeit und ihrer Wehrlosigkeit haben sie es zur wirklich dominanten Spezies geschafft. Lassen Sie mich das etwas genauer erklären. Woran sollen wir Dominanz fest machen? An der Anzahl von Individuen? Da hätten die Ameisen wohl die beste Aussicht darauf, das Rennen zu machen. Es gibt auf unserem Planeten immerhin etwa 100 Billiarden davon. Doch sind sie wirklich die dominante Spezies? Eigentlich nicht, denn im Vergleich zu uns Menschen haben sie nur verhältnismäßig geringe Auswirkungen auf unseren Planeten.

Dominanz der Umweltbeeinflussung

Von daher sind die Auswirkungen auf die Umwelt sicher ein vernünftiger Ansatz. Womit wir wieder beim Menschen wären. Allein unser CO2-Ausstoß führt zu massiven Klimaveränderungen, welche Spezies hat so etwas schon angerichtet? Es waren die Pflanzen und die haben damit ein ernsthaftes Problem bekommen. Ursprünglich war weit mehr CO2 in unserer Atmosphäre. Vor 500 Millionen Jahren war der CO2-Anteil gut 20-mal höher als heute. Damals gab es als Pflanzen nur planktonische Algen. Doch mit dem Siegeszug der Pflanzen veränderte sich die Atmosphäre dramatisch. Heute leiden sie unter Atemnot. Aus Sicht der Pflanzenwelt ist somit das Ausgraben und Verfeuern der fossil gespeicherten Kohlenstoffe eher Segen als Fluch. Aber trotzdem, es ist der Mensch, der die Erdoberfläche mit Straßen zubetoniert und sie mit Staudämmen und Städten überzieht. Er ist es, der die Erde am nachhaltigsten verändert. Schauen Sie sich die Erde doch aus dem Weltall an. In der Nacht ist der einst dunkle Planet zu einem Meer aus Lichtpunkten geworden. Doch tagsüber sehen wir gerade einmal die ganz großen Städte, die Chinesische Mauer und ein paar Staudämme, eingebettet in das Grün der Pflanzenwelt.

Dominanz der Biomasse

Aber um die Diskussion abzukürzen, es gibt eine ganz einfache Berechnung, um herauszufinden, welche Spezies die dominante ist, nämlich die, wie viel lebende Biomasse sie angehäuft hat. Raten Sie doch einmal, wer ist schwerer, die 100 Billiarden Ameisen oder die 7,2 Milliarden Menschen? Es dürfte Unentschieden ausgehen, sowohl die Menschheit, als auch die Ameisen wiegen in Summe jeweils etwa 400 Millionen Tonnen. Beides zusammen macht schon mal knapp 20 Prozent der gesamten tierischen Biomasse aus. Alle Tiere an Land und in den Ozeanen besitzen zusammen etwa ein Gewicht von 3,5 Milliarden Tonnen. Und nun kommt die große Preisfrage, was bringen die Grünpflanzen auf die Waage?

Mit Wehrlosigkeit zur Dominanz

Es sind satte 1000 Milliarden Tonnen. Mit anderen Worten, das „Böse“, die Fleisch- und Pflanzenfresser, machen gerade einmal 3,5 Promille der Grünpflanzen aus. Und da glauben wir allen Ernstes, Leben-frisst-Leben wäre das dominante Prinzip auf unserem Planeten. So stark auch der evolutionäre Vorteil dieses grausamen Systems sein mag, es dominiert ganz klar ein gütiges, friedliches Prinzip, das nur aus Licht, Luft, Wasser und anorganischen Nährstoffen Leben erschafft. Natürlich könnte man als Ursache hierfür die oben beschriebene Tatsache ins Feld führen, dass die Pflanzenwelt einfach nicht mehr Menschen und Tiere ernähren kann. Diese Theorie könnte vielleicht stimmen, würde sich die Tiermasse irgendwo im Prozentsatz der Pflanzenmasse bewegen. Aber wir sprechen gerade mal von 3,5 Promille und die Pflanzen regenerieren sich teilweise bereits nach wenigen Monaten, sodass der Zyklus nicht auf Jahre sondern deutlich kürzer gerechnet werden muss. Ich denke, es hat einen anderen Grund. Obwohl die Pflanzen so schwach sind, hat irgendein Prinzip sie erfolgreicher gemacht, als das böse Leben-frisst-Leben. Ich überlasse es Ihnen zu bewerten, wer hinter diesem Prinzip steckt.

Wie sehr verantwortet der Geist das Leid?

Das Wichtigste in Kürze

Der allumfassende Geist muss auch Leid und Elend miterleiden und dürfte somit prinzipiell nach dem Guten streben. Und obwohl er nicht allmächtig ist, lässt sich die Verantwortung für das Böse in unserer Welt nicht rein auf das seelenlose Prinzip von Ursache und Wirkung abschieben. Der Geist trägt mit Verantwortung, denn eine absolut heile Welt, wäre eine Welt ohne Gegensätze, eine todlangweilige Welt ohne Entwicklung. Erst die Gegensätze schaffen das herausragend Gute.


 

Eher gut, aber deshalb gleich absolut gut?

Im Beitrag „Ist der allumfassende Geist nun gut oder allmächtig?“ habe ich aufgezeigt, dass ein alles umfassender und mitfühlender Geist zwangsläufig dem Guten zustrebt, er andererseits aber sicher nicht allmächtig sein kann. Wir könnten es uns nun einfach machen und sagen, der allumfassende Geist steht für das absolut Gute, alles Böse stammt aus der materiellen Welt von Ursache und Wirkung. Alles Leid entsteht aufgrund des rücksichtslosen und gefühllosen Ablaufens deterministischer Prozesse. Wenn ich mich einem herabfallenden Fels in den Weg stelle, wird er mich erschlagen. Daran kann auch der wohlwollendste Geist aus der Quantenwelt nichts ändern. Und es ist leider wahr, es gibt im Leben Situationen, da könnte uns nur ein Wunder vor Leid und Elend bewahren, da alle Optionen, die im Einklang mit den Naturgesetzen stehen, zwangsläufig zu Verletzungen führen. Doch ganz so leicht kann sich der allumfassende Geist nicht aus der Verantwortung stehlen.

Wer trägt die Verantwortung für das Böse?

Ein Weltbild in dem das absolut Gute geistig ist und das Fleisch, also die physische Welt mit ihrem gnadenlosen Darwinismus als Gegenprinzip das Böse ist, gab es bereits im Mittelalter. Die sogenannten Gnostiker gingen von einem vollkommenen, allumfassenden Gott aus und von einem weniger vollkommenen, physischen Weltenschöpfer, den Demiurg, der das All mit all seinen negativen Seiten geschaffen hat. Einige Gnostiker gingen dabei so weit, die gesamte materielle Welt und somit auch den menschlichen Körper dem Bösen zuzuordnen. Doch wenn wir an den Beitrag „Gibt es einen allumfassenden Geist?“ zurückdenken, so lehren uns sowohl die Quantenphysiker als auch die Weltreligionen, dass alles mit allem verbunden ist. Eine so strikte Trennung von Geist und physischer Welt entspricht nicht diesem Prinzip. Irgendwie scheint also die Wurzel allen Übels doch auch zu einem gewissen Maß dem Geist innezuwohnen.

Schöpfungsprinzip der Gegensätze

Eigentlich hatten die Gnostiker es schon ganz richtig erkannt, unser Universum existiert nur aufgrund der Gegensätze. Ohne Gegensätze wäre alles ein fühlloser Einheitsbrei. Ohne Licht kein Schatten, ohne Oben kein Unten und ohne Heiß kein Kalt. Die chinesische Philosophie bezeichnet dieses Prinzip als Yin und Yang, Und dieses Prinzip ist nicht nur auf unsere erlebbare Welt beschränkt. Auch im Allerkleinsten, beim Entstehen von Elementarteilchen bildet sich stets ein gegensätzliches Teilchenpaar aus, zu jedem Teilchen gibt es ein entsprechendes Antiteilchen. Kommen sie zusammen, löschen sie sich gegenseitig aus. Und selbst in kosmischen Dimensionen gibt es diese Gegensätze. So ist der Kosmos nicht nur von hell strahlenden Sternen erfüllt, sondern auch von finsteren Antisternen, den schwarzen Löchern, die alles Licht absorbieren. Das besondere an diesen Gegensätzen ist, dass sie trotz ihrer Verschiedenheit von gleicher Natur sind. Sie können sich gegenseitig auslöschen oder ineinander übergehen. Nur ein besonders hell strahlender Stern kann, wenn er kollabiert, zu einem schwarzen Loch werden. Doch ein absolut guter Geist hat keine Verwandtschaft mit absolut böser Materie.

Es gibt keine böse Materie

Determinismen unbeseelter Materie können nicht böse sein. Sie laufen einfach ab, egal welche Folgen sie haben. Eine einmal abgefeuerte Kugel zerstört ihr Ziel, egal ob dies dazu dient, einen Terroristen die Waffe aus der Hand zu schießen und so Leben zu retten oder um eine wehrlose Geisel zu ermorden. Gut und Böse, Freud und Leid entstehen erst durch die bewusste Betrachtung seitens eines fühlenden Geistes. Erst die Intention des Täters in Kombination mit der empfundenen Auswirkung auf fühlende Wesen entscheiden darüber, ob eine Tat gut oder böse ist. Das Zerstören eines unbelebten Gegenstandes ist somit erst einmal keine böse Tat. Erst wenn diese Zerstörung von einem Mensch oder Tier als Verlust, Frevel oder Beeinträchtigung seines Wohles wahrgenommen wird, wird die Tat zu etwas Negativen. Umgekehrt kann so manch gut gemeinte Handlung unbeabsichtigt anderen maßloses Leid zufügen und somit als böse empfunden werden. Doch wie kann etwas böse sein, dessen Intention eigentlich war gut? Und wie kann etwas gut oder böse sein, dem überhaupt keine Intention zugrunde liegt?

Warum müssen wir den Igel anfassen?

Kehren wir auf der Suche nach dem absolut Guten wieder zu dem Beispiel mit dem Igel, den wir mit bloßen Händen hochnehmen wollen, zurück. Wir sind bemüht, unseren Fingern so wenig Leid wie nur möglich zuzufügen und so verteilen wir den Schmerz gleichmäßig auf alle Finger. Die Intention ist also gut, doch was in Gottes Namen zwingt uns dazu, überhaupt den Igel anzufassen? Würden wir ihn nicht anfassen, gäbe es überhaupt keinen Schmerz, kein Leid. Doch Fürsorge oft aber vielleicht auch nur Lust und Neugierde treiben uns zu diesem Handeln. Auf einen schöpferischen Geist übertragen, bedeutet das, wieso hat er überhaupt diese grausame Maschinerie der Evolution angestoßen? Warum hat er überhaupt diesen Urknall angezettelt und warum hat er danach nicht alles der Entropie überlassen und entspannt dabei zugesehen, wie sich alles gleichmäßig im All verteilt hat und das ohne dabei irgendjemandem ein Leid zuzufügen. Aber nein, er musste ja dafür sorgen, dass sich entgegen aller Naturgesetze aus dem Nichts Materie gebildet hat und sich daraus anstatt der zu erwartenden Gleichverteilung Ordnung, Struktur und somit Leben entwickelt hat. Denn erst mit dem beseelten Leben kamen Tod, Leid und Elend.

Was sind die Triebfedern der Schöpfung?

Wozu Materie und Leben erschaffen, wenn sich der allumfassende Geist damit nur selbst quält. Warum unternehmen wir in unserer Freizeit etwas, anstatt bequem und sicher daheim zu sitzen und zu warten, dass die Zeit vergeht? Weil diese Alternative furchtbar langweilig ist. Was treibt den Esel aufs Eis, anstatt seine Zeit am sicheren Ufer zu verbringen? Was veranlasst uns, fremd zu gehen? Was treibt uns in Abenteuer? Letztendlich sind es Langweile, Lust und Neugierde, die uns zu den verrücktesten und unvernünftigsten Dingen anstiften. Doch gilt das wirklich auch für den schöpferischen Geist? Begehen wir da nicht einen unzulässigen Antropomorphismus, indem wir unser eigenes Verhalten dem allumfassenden Geist unterstellen? Ich behaupte nein. Zum einen ist das Erleben des allumfassenden Geistes von der Summe aller erlebenden Einzelindividuen geprägt. Wie könnte ihm also etwas fremd sein, das die Summe vieler Individuen aus denen er besteht, gleichermaßen umtreibt? Zum anderen ist die Vorstellung eines Geistes, der in einem fühllosen Nichts ohne Eigenschaften dahinvegetiert und darauf wartet, wie die Ewigkeit an ihm vorbeizieht unerträglich. Das ist, wie lebendig in einem Sarg eingeschlossen zu sein, ohne Chance, je herauszukommen aber auch ohne Chance, dem Eingesperrtsein durch den Tod entfliehen zu können. Dann lieber Schmerz und Leid im Kauf nehmen, als ein solches Schicksal erdulden zu müssen. Aus der Psychologie kennen wir das Phänomen der Selbstverletzung und des Ritzens. Ein solches Verhalten tritt sowohl bei Menschen aber auch bei Tieren in Gefangenschaft auf. Es ist unter anderem ein Versuch, der inneren Leere zu entfliehen, etwas zu spüren, selbst wenn das Gefühl Schmerz ist, Hauptsache fühlen! Somit dürften wichtige Triebfedern des schöpferischen Geistes Langeweile, Lust und Neugierde sein, Triebfedern, die auf jeden Fall stärker sind, als der Wunsch nach Friede, Sicherheit und Wohlgefühl.

Wie erstrebenswert ist eine perfekte Welt?

Doch was schließen wir aus dieser Erkenntnis? Ist böse und gemein sein vielleicht gar im Sinn des Schöpfers? – Das vielleicht nicht gerade, aber wo es kein Böse, keine Gefahr, kein Leid gibt, gibt es auch keine Helden. Es ist ein wenig wie in den Alpen, ohne Täler keine Berge, nur durch die Gegensätze wird das Herausragende herausragend. Superhelden brauchen Superschurken und in einer perfekten Welt wäre Mutter Theresa nichts weiter als eine nette alte Dame ohne rechte Aufgabe gewesen. Nicht umsonst tun wir uns so schwer mit Utopien von einer heilen Welt, einer Welt in der alle gleichgeschaltet sind, einer Welt in der kein Platz für individuelle Schwächen ist. Nun würde ich niemandem empfehlen, böse zu sein, damit die Guten eine Aufgabe haben, aber vielleicht sollten wir uns ja an die zehn Gebote des Billy Wilder halten von denen neun lauten: „Du sollst nicht langweilen.“ Wagen Sie doch einmal das ketzerische Experiment und stellen Sie sich vor, Sie sind der alles umfassende, mitfühlende Geist; wem würden Sie lieber innewohnen, einem Buchhalter oder einem Abenteurer?

Zumindest ich habe für meinen Teil beschlossen, zwar so wenig Leid wie möglich zu verbreiten, aber gleichzeitig den Geist der mir innewohnt nicht zu langweilen. Oder um es ein wenig biblischer zu formulieren:

Du sollst Gott nicht langweilen!

Wozu dienen Schmerz und Leid?

Das Wichtigste in Kürze

Schmerz und Leid verhindern Verletzungen und bieten einen evolutionären Vorteil. Nur bewusst empfundener Schmerz ermöglicht es uns intelligent auf seine Ursachen zu reagieren. Schmerz und Leid müssen intensivere Gefühle sein, als Wohlgefühl und Freude, sonst würden wir sie ignorieren. Selbstmord ist ein fehlgeleiteter Fluchtinstinkt aus einer gefühlt ausweglosen Situation. Schmerz und Leid verschaffen uns einen evolutionären Vorteil, der keine göttliche Ursache als Erklärung benötigt. Doch gerade in Momenten von größten Schmerz und Leid ist der mitfühlende göttliche Geist ganz bei uns.


Die gemeinste Erfindung der Schöpfung

Schmerz und Leid sind wohl die rätselhaftesten Eigenschaften der belebten Natur. Wie oft fragen wir uns, warum wir und unsere Mitgeschöpfe leiden müssen. Leiden ist dabei nicht nur physischer Natur sondern oft viel schlimmer noch das Leid, das bewusst oder unbewusst unseren Seelen angetan wird. Ein Leid, das Menschen erschreckend häufig soweit treibt, entgegen aller Überlebensinstinkte ihrem Leben ein Ende zu setzen. Laut WHO waren 2014 in wohlhabenden Ländern Suizide in der Altersgruppe zwischen 15 und 29 Jahren die häufigste Todesursache. Das ist besonders erschreckend, wenn man aus der Warte eines fortgeschrittenen Lebensalters neidvoll auf genau diese Altersgruppe blickt. Wenn es tatsächlich einen göttlichen Schöpfer gibt, warum hat er sich so etwas Gemeines wie tobende Schmerzen, panische Angst und tiefe Trauer einfallen lassen?

Schmerz ist unser wichtigstes Gefühl

Um hierauf eine Antwort zu finden, werfen wir einen Blick auf die Urform des Leids, den Schmerz. Was wäre, wenn wir keinen Schmerz empfinden? Die Antwort darauf gibt die Krankheit Lepra. Allgemein ist sie als schrecklicher Aussatz bekannt, der unbehandelt zu Wundfäule bis hin zum Verlust von Gliedmaßen führt. Doch eigentlich ist Lepra lediglich eine Haut- und Nervenkrankheit die zu hässlichen Hautflecken und zu Schmerzunempfindlichkeit führt. Die Verstümmelungen kommen daher, dass durch das fehlende Schmerzempfinden unbemerkt Verletzungen auftreten, insbesondere Verbrennungen. Da der Erkrankte von alldem nichts spürt, bleiben die Verletzungen oft unbehandelt, was dann zu den schrecklichen Entzündungen führt. Deshalb ist Schmerz eine unserer wichtigsten Empfindungen. Lebewesen, die keinen Schmerz empfinden, sterben früher und werden daher durch die natürliche Selektion aussortiert. Die Empfindung Schmerz lässt sich somit rein mit evolutionären Vorteilen erklären.

Wir wollen bewusst auf Schmerz reagieren

Doch ist das wirklich nötig? Maschinen spüren keinen Schmerz, doch wir können sie mit Sensoren ausrüsten, die sie vor Schäden bewahren und damit fahren sie recht gut. Warum kann sich Schmerz nicht auch als eine deutliche aber eben erträgliche Information beschränken? Warum muss Schmerz bewusst sein? Warum ist das nicht einfach eine Empfindung, die rein unterbewusst wahrgenommen wird und auf die wir automatisch reagieren ohne dabei leiden zu müssen? Das wäre so etwas wie ein Fahrerassistenzsystem, das im Zweifelsfall die Steuerung unseres Autos übernimmt. Wenn der Ölstand zu niedrig ist, wird das Auto an den Rand gefahren und fährt erst weiter, nachdem wir Öl nachgefüllt haben. Wenn Glatteis droht, wird unsere Höchstgeschwindigkeit auf 60 km/h gedrosselt. Wenn beim Einparken der Abstand zum Hintermann geringer als 10 cm ist, startet der Einparkassistent überhaupt keinen Einparkversuch, auch wenn in dem Viertel kein Parkplatz groß genug ist, um diesen Sicherheitsabstand einzuhalten. Rasch müssen wir zugeben, dass wir so etwas nicht wollen. Wenn uns das System einen Hinweis gibt, ist das okay, doch die Entscheidung wollen wir dann schon selbst treffen, denn wir sind nun einmal bewusste Lebewesen, die Herr im eigenen Haus sein wollen. Und genauso läuft es beim Schmerz. Der Schmerz ist nur der Hinweis an unser Bewusstsein. Wir entscheiden selbst, ob wir die heiße Tasse loslassen oder nicht. Ist die Tasse über der Spüle, lassen wir unserem Impuls freien Lauf, ist sie über einer wertvollen Briefmarkensammlung, beißen wir die Zähne vielleicht doch noch etwas zusammen. Und auch hier ist die treibende Kraft wieder mal ein evolutionärer Vorteil.

Nur der Clevere überlebt

Stellen Sie sich drei Steinzeitjäger vor. Der eine ist ein harter Kerl. Wenn er sich einen Stein eintritt ignoriert er einfach den Schmerz. Der zweite ist ein Weichei und bleibt egal in welcher Situation stehen und entfernt den Stein aus seiner Fußsohle und der dritte ist der Clevere und entscheidet abhängig von der Situation, wie er handelt. Alle drei toben im Spiel herum und treten sich Steine ein. Das Weichei und der Clevere bleiben stehen und entfernen den Stein, der harte Kerl läuft weiter. Am nächsten Tag hat der harte Kerl einen entzündeten Fuß. Nun will es das Schicksal, dass die drei von einem Rudel Wölfe verfolgt werden. Der harte Kerl ist am langsamsten weil sein Fuß entzündet ist und wird leider gefressen. Der Clevere und das Weichei freuen sich und fliehen, bis sich beide wieder einen Stein eintreten. Wer von den beiden wird wohl als nächster gefressen?

Es muss eine laute Sirene sein

So einfach ist das mit dem evolutionären Vorteil. Deshalb ist für den bewussten Schmerz das „böse“ deterministische Prinzip verantwortlich und nicht der „liebe“ Gott. Dennoch stellt sich die Frage, warum Schmerz dann so verdammt weh tun muss? Uns genügt ja auch ein blinkendes Warnlicht, um mit dem Auto an den Rand zu fahren, es muss nicht gleich eine ohrenbetäubende Sirene losheulen. Doch betrachten wir einmal die Fülle an Wahrnehmungen die unsere Sinne Sekunde für Sekunde an unser Gehirn liefern. Wenn wir nicht einschlafen können, fällt uns das erst so richtig auf. Dann drückt die Blase obwohl wir gerade von der Toilette kommen, die Bettdecke ist zu warm, das leise Tropfen des Wasserhahns nervt, der Mund ist zu trocken, das linke Nasenloch verstopft, der Pyjama kratzig, der Mückenstich juckt unerträglich und die Matratze ist viel zu hart. Es ist ganz so, als würden wir in einem Auto sitzen in dem an allen möglichen Ecken und Enden bunte Lämpchen blinken und es überall piepst und pfeift. In so einem Chaos hilft uns ein dezent blinkendendes Warnlicht überhaupt nichts. Es ist nun mal so, dass ständig Impulse aus unserer Umwelt, aus unserem Körper und aus unserem Gehirn um die Aufmerksamkeit unseres Bewusstseins buhlen. Da hilft kein leichtes Kribbeln wenn die Tasse heiß ist, da muss eben zur lauten Sirene Schmerz gegriffen werden.

Sorgen bringen uns durch den Winter

Gleiches gilt für Kummer und Sorgen. Dabei geht es meist um Themen denen wir lieber aus dem Weg gehen. Was kümmert uns der Kontostand, solange der Geldautomat noch etwas ausspuckt. Genießen wir das Leben, machen wir Party und gönnen wir uns etwas. Doch dank unserer Sorgen um den nächsten Tag und unsere Zukunft können wir vorausschauend planen und Dinge tun, die uns zwar keinen Spaß im Hier und Jetzt bringen, aber dafür sorgen, dass wir auch in Zukunft noch da sind um Spaß zu haben. Nichts anderes hat die Jäger und Sammler dazu gebracht, Vorräte für den Winter anzulegen. Wer das nicht getan hat, dessen Chancen standen schlecht auch im nächsten Jahr noch sein Erbgut weiterzugeben. Nun sind Spaß und Freude verdammt intensive Gefühle, da müssen eben Kummer und Sorgen einfach noch etwas intensiver sein, damit wir sie nicht ignorieren.

Ohne Rudel droht der Tod

Doch wie erklären wir uns evolutionär das Phänomen des Selbstmords. Warum können uns Kummer und Sorgen umbringen? Das macht doch aus evolutionärer Sicht keinen Sinn! Oder etwa doch? Wenn ein Steinzeitmensch in einer Situation war, die für ihn gefährlich oder bedrohlich war, dann galt es entweder anzugreifen oder zu fliehen. Doch wohin sollen wir fliehen, wenn die Bedrohung, die Angst nicht nachlässt? Wenn dieses Gefühl für uns allgegenwärtig und gleichermaßen nicht greifbar ist? Die Panik zu versagen, gemobbt zu werden, unsere Schulden nicht mehr bedienen zu können ist stets auch eine Angst davor, nicht mehr zur Gemeinschaft zu gehören. Und so zivilisiert wir uns auch geben mögen, genetisch sind wir nahezu identisch mit einem Urmensch. Und damals galt, wer nicht mehr Teil des Rudels war, war dem Untergang geweiht.

Flucht an einen Ort ohne Angst

Und diese Angst ausgestoßen zu sein ist riesig. Im Altertum zählte die Verbannung zu den härtesten Strafen. Wo gibt es einen Ort, an dem uns keine Ängste mehr verfolgen? Wohin sollen wir fliehen, wenn der Feind in unserem Kopf sitzt? Und hier erscheint die Flucht ins Nichts, in die Fühllosigkeit des Todes plötzlich als einzige Alternative. Nicht umsonst heißt es: „Er hat keinen anderen Ausweg mehr gesehen?“ Letztendlich haben wir es beim Selbstmord also mit einem fehlgeleiteten Fluchtinstinkt zu tun. Das ist nichts anderes als ein Mensch, der auf der Flucht vor den Flammen aus einem brennenden Hochhaus in den sicheren Tod springt. Die Selbstmordstatistik unter Jugendlichen liefert ein bitteres Bild über den Zustand unserer Gesellschaft. Statt unseren Nachwuchs aufzufangen, ihm einen Sinn zu geben zerbrechen immer öfter die familiären Strukturen, der Freundeskreis löst sich mit Beginn der Ausbildung auf und der Druck, rasch Leistung zu bringen, steigt von Jahr zu Jahr. Der Steinzeitmensch in uns sieht kein Rudel mehr, das uns schützt, das uns über schwierige Zeiten hinweg trägt. Und plötzlich beginnt die Suche nach einem Ausweg, nach einer Fluchtmöglichkeit. Das Beispiel von dem Mensch, der aus Angst vor den Flammen in den Tod springt, zeigt hierbei auf, wie groß die subjektiv empfundene Not sein muss, damit ein Jugendlicher entgegen seines evolutionären Selbsterhaltungstriebs seinem Leben ein Ende bereitet.

Ausgestoßen aber nie allein

Besonders perfide empfinde ich in diesem Zusammenhang die mittelalterliche Strategie der Kirche, dem Selbstmörder auch noch im Jenseits durch Höllenqualen und Ausstoß aus der Gemeinschaft über den Tod hinaus jegliche Fluchtmöglichkeit zu nehmen. Und wo finden wir bei all dem den mitfühlenden Geist? Genau da, wo das bewusste Gefühl ist. Unser Geist, der Teil des allumfassenden Geists ist, ist erfüllt von all den Gefühlen, die wir in diesen schrecklichen Momenten erleben: Schmerz, Leid, Angst und Panik. Von daher können wir wohl sagen, egal wie ausgestoßen wir uns fühlen, egal wie viel Leid wir empfinden, wir sind nicht allein, denn der Geist, der uns in die Lage versetzt, Gefühle, Freude und Liebe zu empfinden, ist in so einer Situation ganz bei uns, fühlt genauso intensiv mit uns (siehe „Wie real ist unser Geist?“ ). Und je intensiver das Gefühl ist, desto stärker ist der mitfühlende Geist bei uns, in uns. Es macht keinen Sinn, diesen Geist für unser Leid zu verfluchen, er ist nicht dafür verantwortlich, dass die Evolution genau diese Facette unserer Gefühlsmöglichkeiten zur Arterhaltung nutzt (siehe „Ist der allumfassende Geist nun gut oder allmächtig?“). Vielmehr sollte es uns trösten, dass der mitfühlende Geist derjenige ist, der in der Stunde unserer größten Not stets bei uns ist, uns nie verlässt, uns nie aufgibt.

Ist der schöpferische Geist mit der Evolutionstheorie vereinbar?

Das Wichtigste in Kürze

Bereits die Evolution toter Materie lässt ein intelligentes Eingreifen vermuten. Das Prinzip der Variation in der Evolution kommt zwar hervorragend ohne Gott aus, doch bei der evolutionären Innovation scheint ein Geist mitzuwirken. Zweiköpfige Mutationen, Nahtoderfahrungen und universale Schönheit widersprechen der seelenlosen Evolutionslehre. Die parallele Entwicklung unterschiedlicher Arten lässt einen großen Plan vermuten.


Trickreiche Evolution toter Materie

Wenn wir von Evolution sprechen, so denken wir in erster Linie an die Evolution des Lebens. Doch auch die makroskopische Welt der Materie bis hin zu Sternen und Galaxien hat sich evolutionär entwickelt. Doch diese Evolution scheint dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik zu widersprechen. Dieser besagt nämlich, dass alle Systeme zur maximalen Entropie streben. Mit anderen Worten, das Chaos nimmt auf Dauer zu. Geben Sie Milch in den Tee, wird sich diese auch ohne Umrühren mit der Zeit gleichmäßig verteilen. Eine Vase, die zu Boden fällt wird zerbrechen, werfen Sie die Scherben in die Luft, werden diese sich jedoch nicht mehr zu einer Vase zusammensetzen. Offensichtlich verhält sich unser Universum anders, als es sollte. Wenn ich mir so den Urknall anschaue, dann haben wir da eigentlich schon den Zustand von maximalem Chaos: einen unstrukturierten Brei aus unglaublich viel Energie. Und anstatt sich gleichmäßig im Raum zu verlieren, hält sich diese Energie so gar nicht an die Spielregeln. Sie bildet Materie, Nebel, Sonnen, Planeten, es wachsen geometrisch perfekte Kristalle, Leben entsteht, intelligentes Leben, Häuser, Städte, Maschinen, Computer, Raketen und vielleicht sogar Ufos, die heimlich Leben auf fremde Planeten einschleppen. Das alles ist aus einem angeblich stecknadelkopfgroßen Energieimpuls ganz von alleine und in erstaunlich kurzer Zeit entstanden. Die Thermodynamiker machen es sich einfach und sagen: „Das mag schon sein, aber in Summe nimmt die Entropie zu, weil doch alles auseinanderdriftet und die geballte Energie des Urknalls sich immer weiter im Weltall verteilt.“ Aber nichts destotrotz gibt es hier ganz offensichtlich ein Prinzip, das trickreich für Ordnung sorgt, ohne dabei den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik zu verletzen. Im Beitrag „Kann das Universum einen Geist besitzen?“ haben wir die Gravitation als eine Quelle dieser ordnenden Kraft identifiziert, doch es ist zweifelhaft, dass die Ordnung unseres Universums ganz ohne Intelligenz entstanden ist.

Warum haben Mäuse keinen Radioempfang?

Offensichtlich ist das bei der biologischen Evolution einfacher. Hier erklären die Prinzipien Variation und Selektion wunderschön die Entwicklung der Arten ohne dabei göttliche Einmischung zu benötigen. Sie lassen sich gezielt vorantreiben und werden seit Jahrhunderten von Züchtern angewandt. Hätten wir beliebig Zeit, könnten wir ohne Probleme Mäuse züchten, die fett wie Schweine und alt wie Schildkröten würden. Doch eine Maus mit Radioempfänger lässt sich nicht durch Selektion züchten. Denn Variation und Selektion können nur das optimieren, was bereits vorhanden ist. Wirklich Neues lässt sich nicht gezielt steuern, es handelt sich hierbei um Innovation in der Evolution die auf reinem Zufall basiert.

Warum Haie innovativer als Mäuse sind

Wenn Sie jetzt glauben, dass das Beispiel mit dem Radioempfänger in einer Maus unrealistisch ist, dann unterschätzen Sie die Kreativität der Evolution. Beispielsweise besitzen Haie sogenannte Lorenzinische Ampullen. Damit können sie elektrische Felder wahrnehmen, sich am Erdmagnetfeld orientieren und sogar im Sand versteckte Fische aufstöbern. Mit etwas Zucht und Auslese wäre damit sicherlich auch ein Radioempfang möglich, denn das wäre dann nur noch Variation und nicht mehr Innovation. Die Mechanismen, die solchen qualitativen Sprüngen zugrunde liegen, sind noch weitgehend ungeklärt. Mutationen spielen in den Theorien für Innovation in der Evolution eine zentrale Rolle, doch die haben in der Regel eher Erbgutschädigungen anstatt innovativer Verbesserungen zur Folge.

Zwei Köpfe, evolutionärer Vor- oder Nachteil?

Auch der folgende Fall will so gar nicht in die Theorie der Innovation durch nützliche Mutationen passen. Es ist das Vorkommen zweiköpfiger Mutationen, die sich offensichtlich nicht im Tierreich durchsetzen konnten. Doch woran liegt das? Biologen argumentieren, dass diese Mutation keinen evolutionären Vorteil liefert, mit dem Hinweis darauf, dass es zu Streitigkeiten bei der Nahrungssuche komme. Doch diese Argumentation ist extrem schwach, schaffen es doch nahezu alle Rudeltiere hervorragend, Jagdgemeinschaften zu bilden, bei denen es eine ganz klare Fressordnung gibt. Viel mehr bieten zwei Köpfe durchaus deutliche Vorteile. Beispielsweise kann der eine Kopf nach Feinden Ausschau halten, während der andere frisst. Oder ein Kopf schläft und der andere wacht, somit wäre ein solches Wesen nicht mehr an den gefährlichen und untätigen Zyklus von Wachen und Schlafen gebunden. Und langweilig wird es einem mit zwei Köpfen auch nie mehr. Somit müssen wir feststellen, dass durchaus ein evolutionärer Vorteil gegeben wäre.

Ist Leben mit zwei Köpfen möglich?

Als nächstes müssen wir klären, ob diese Form der Mutation oft genug auftritt? Und auch das können wir ganz klar mit ja beantworten. Unabhängig von der Spezies treten zweiköpfige Mutationen relativ häufig auf, nämlich im Schnitt einmal pro einer Million Geburten, bei Abermilliarden Lebewesen passiert das auf der Erde somit tagtäglich. Vielleicht liegt es ja daran, dass diese Wesen nicht lebensfähig sind, doch die folgenden Beispiele belegen etwas anderes:

Mädchen mit zwei Köpfen

Zweiköpfige Schlange

Zweiköpfige Schildkröte

Die Evolution mag keine Fabelwesen

Bleibt nur noch die Vermutung, dass zweiköpfige Tiere nicht fortpflanzungsfähig sind, sondern nur Zwillinge, die im Mutterleib zusammengewachsen sind, also eine Art Unfall und gar keine genetische Mutation. Doch auch das ist mittlerweile widerlegt, nachdem es Forschern gelungen ist, bei Quallen doppelköpfige Wesen zu züchten, indem sie das sogenannte Cnox- Gen blockiert haben (mehr dazu hier). Und jetzt kommt die große Frage, warum gibt es nirgends im gesamten Tierreich eine Art mit zwei Köpfen? Bei keiner einzigen heute lebenden noch bei irgendeiner fossilen Insekten-, Reptilien-, Fisch-, Vogel- oder Säugetierart konnte sich dieses Prinzip durchsetzen. Fast könnte man meinen, dass das Prinzip, das hinter der Innovation in der Evolution steht, etwas gegen zweiköpfige Kreaturen hat.

Kein Patentschutz auf evolutionäre Erfindungen

Umgekehrt gibt es Innovationen, die die Evolution besonders bevorzugt und immer wieder parallel erfindet. Dieses als Konvergenz bekannte Phänomen steht für die Tatsache, dass über alle möglichen Arten hinweg äußere Formen, Organe, Augen, Flügel und Flossen nahezu identisch aber völlig eigenständig entstanden sind. So sind die Flossen von Haien und Delfinen nahezu identisch, genauso wie die Flügel von Fledermäusen und prähistorischen Flugsauriern. Das geht sogar so weit, dass sich beispielsweise Tierläuse gleich zweimal unabhängig voneinander entwickelt haben.

Konvergenz oder Kontingenz, das ist hier die Frage

Selbst unter Verfechtern der Evolutionstheorie herrscht Streit über Erklärungsmodelle zur Konvergenz. So gehen extreme Vertreter der Konvergenztheorie davon aus, dass die Entwicklung der Arten bis hin zum Mensch durch Gesetzmäßigkeiten vorgegeben ist, die bereits beim Urknall festgelegt wurden. Die Entstehung der Arten würde somit unter ähnlichen Bedingungen immer wieder einen ähnlichen Verlauf nehmen. Ganz im Gegensatz dazu stehen die Verfechter der Kontingenztheorie, die die Entwicklung der Arten ausschließlich durch zufällige Ereignisse und Mutationen getrieben sehen, wobei sich irdisches Leben nie zweimal gleich entwickeln würde. Der Haken an der Kontingenztheorie ist, dass sie keine vernünftige Antwort auf die Ausbildung konvergierender Merkmale während der verhältnismäßig kurzen Evolution tierischen Lebens liefert. Es ist schon schwierig genug, anhand rein zufälliger Mutationen die einmalige Entwicklung komplexer Sinnesorgane zu erklären, geschweige denn deren mehrfache Ausbildung. Umgekehrt drängt sich bei der Konvergenztheorie der Gedanke an einen planenden Schöpfer auf, was von der Mehrzahl der Evolutionstheoretiker strikt abgelehnt wird.

Augen, wohin man schaut

Betrachten wir in diesem Zusammenhang einmal genauer die parallele Evolution des Auges, die im Tierreich mindestens 40-mal unabhängig stattgefunden hat und das auch noch in höchst komplexen Varianten, wie den Facettenaugen von Insekten, den sechs Augen von Spinnen, den Lochkameraaugen von Schnecken und den unterschiedlichsten Linsenaugen von Oktopoden, Fischen, Vögeln und Säugetieren. Wir müssen dabei auch noch bedenken, dass Licht genauso wie Radiosignale aus elektromagnetischen Wellen besteht. Das bedeutet, dass die Herausforderung, ein Auge zu erfinden, mindestens genauso groß ist, wie die, eine Maus mit einem Radioempfänger auszustatten.

Ist das Auge der lang gesuchte Gottesbeweis?

Das klingt schon fast wie ein sicherer Gottesbeweis. Hinzu kommt noch, dass viele Kritiker der Evolutionstheorie bezweifeln, dass eine schrittweise Evolution hin zu einem funktionierenden Linsenauge überhaupt möglich ist. Denn erst das perfekte Zusammenspiel aller Komponenten von Hornhaut, Linse, Muskulatur, Glaskörper, Netzhaut, Sehnerv ermöglicht es, dass ein verwertbares Bild das Sehzentrum des Gehirns erreicht. Keine der Komponenten ist verzichtbar für das, was wir Seherlebnis nennen. Und bereits Darwin selbst schrieb in Seinem Buch ‚The Origin of Species‘: „Wenn gezeigt werden könnte, dass es irgend ein komplexes Organ gibt, das unmöglich durch mehrfache, aufeinanderfolgende, geringfügige Abänderungen geformt werden könnte, würde meine Theorie total zusammenbrechen.

Wer Augen in Serie erfindet, kann auch den Rest

Doch so überzeugend das erst einmal klingen mag, gibt es ein gravierendes Problem mit dem schöpferischen Prinzip aus der Quantenwelt, das ich in den vorangegangenen Beiträgen hergeleitet habe. Zwar könnte dieser Schöpfer aus dem Reich der Quanten sich über Quanteneffekte bei Mutationen ohne Verletzung von Naturgesetzen einmischen (siehe Spontanmutationen), doch die ständige Neuentwicklung komplexer Sinnesorgane über eine gezielte Manipulation der evolutionären Prozesse würde bedeuten, dass er letztendlich doch in der Lage sein müsste, Leben nach seinem Plan zu gestalten. Und ein Schöpfer, der alles Leben am Reißbrett vorausplanen kann, trägt auch die volle Verantwortung für Leid und Elend, welches dieses Leben bestimmungsgemäß verbreiten oder erdulden muss. Somit wäre dieser schöpferische Geist auch voll und ganz für das Prinzip Leben-frisst-Leben verantwortlich, was wiederum nicht zu einem guten, alles beseelenden Geist passt.

600 Millionen Jahre können verdammt kurz sein

Höhere Lebewesen gibt es etwa seit 600 Millionen Jahren. Das klingt erst einmal viel, ist aber für das zig-fache, unabhängige Erfinden von Augen durch zufällige Mutationen bei allen möglichen Spezies ein verdammt kurzer Zeitraum. Dies gilt insbesondere deshalb, weil vor ca. 530 Millionen Jahren während der Kambrischen Explosion, also dem Zeitpunkt an dem die Artenvielfalt entstand, schon zahllose Tiere über Augen verfügten. Doch wie lässt sich die parallele Entwicklung von Augen in so kurzer Zeit erklären, wenn offensichtlich die evolutionäre Innovation zu unwahrscheinlich ist und wir auch Zweifel an einer göttlichen Urheberschaft haben? Letztendlich bliebe dann doch nur die evolutionäre Variation. Aber das würde bedeuten, dass alle Lebewesen, die über Augen verfügen, einen gemeinsamen Urvater des Sehens besitzen müssten. Um den zu finden müssen wir zurückgehen bis zu den Einzellern, denn erst hier treffen sich die Stammbäume aller Tierarten die über Augen verfügen. Doch kann es wirklich sein, dass bei derart primitiven Lebensformen wie Einzellern schon die Fähigkeit zu sehen angelegt war?

Das erste Augentierchen war ein Einzeller

Durchaus, denn hier hatte die Evolution weit mehr Zeit, als bei der kurzen Entwicklung höherer Wesen, die gerade einmal in 600 Millionen Jahren vonstattengegangen ist. Für die Entwicklung von Einzellern hatte die Evolution nämlich gut drei Milliarden Jahre, also das Fünffache an Zeit. Und Tatsache, bereits der Einzeller Euglena verfügt über einen Photorezeptor, der sogar ein primitives Richtungssehen erlaubt. Und auch genetisch gibt es einen gemeinsamen Ursprung, denn alle Arten, die des Sehens mächtig sind, verfügen über ein gemeinsames Gen. Dieses Pax6 Gen ist offensichtlich für die grundsätzliche Fähigkeit verantwortlich, Augen unterschiedlichster Bauformen auszubilden. Und was die stufenweise Entwicklung von Augen anbelangt, so zeigt ja gerade die schrittweise steigende Komplexität von Euglenas Photorezeptor über die Napfaugen von Schecken bis hin zu unseren komplexen Sehorganen, dass ein evolutionärer Prozess bei der Entstehung der Augen nicht nur möglich, sondern vielmehr wahrscheinlich ist.

Ist ein schöpferischer Geist jetzt doch wieder unnötig?

Eigentlich könnten wir mit diesem Modell wieder gänzlich auf einen schöpferischer Geist als Erklärung verzichten. Denn dass sich primitive Augen ein einziges Mal innerhalb von drei Milliarden Jahren zufällig entwickelt haben, scheint auch ohne geistige Einmischung machbar. Der Rest ist dann wieder mit klassischer Variation, also mit Darwin erklärbar. Der Grund, warum ich trotzdem an eine geistige Einmischung glaube, ist ein Plan den ich hinter den Einzellern erkennen kann und der eben nicht durch Selektion erklärbar ist. Wie ich ja schon mehrfach betont habe, sind die Einflussmöglichkeiten des schöpferischen Geistes aus der Quantenwelt innerhalb der deterministischen Welt der Materie winzig klein. Hier eine kleine Mutation, dort ein Zufall zugunsten eines bestimmten Ereignisses, doch nie etwas, das einen direkten Verstoß gegen bestehende Naturgesetze darstellt.

Die perfekten Bausteine höheren Lebens

Dabei hatten Einflüsse, die zu einem sehr frühen Zeitpunkt richtungsweisend auf die Evolutionsgeschichte gewirkt haben, einen weitaus größeren Effekt als solche, die am Ende korrigierend entgegenwirken sollen. Somit waren die Auswirkungen kleiner Einmischungen und Mutationen bei den Urzellen weit gravierender als bei einem Vielzeller. Und was mich bei den Einzellern an einen Plan glauben lässt, ist die Tatsache, dass Zellen so perfekte und bereits vollständige Bausteine für höheres Leben darstellen. Mir scheint es, sie haben sich genau auf dieses Ziel hin entwickelt. Auch wenn ein Zellverband viele selektive Vorzüge gegenüber Einzelgängern besitzt, lässt sich damit noch lange nicht die schiere Explosion höherer Lebensformen erklären.

Vorausschauend wie ein Lego-Stein

Ich möchte das mal wieder an so etwas einfachem wie einem Legostein verdeutlichen. Es gibt viele Bauklötzchen, die beliebig miteinander zu Objekten verbunden werden können, doch die meisten eignen sich nicht dafür, stabile, dauerhafte und nahezu beliebig komplexe Gegenstände zu bauen. Der Lego-Erfinder hatte vielleicht noch keine Idee, was irgendwelche Leute später einmal daraus bauen würden, aber er hatte das klare Ziel, einen universalen Baustein zu schaffen und gab ihm Eigenschaften, wie die Steckverbindung, die nötige Passgenauigkeit und Stabilität, die erst bei der Nutzung als leistungsfähiger Baustein Sinn machen. Das ist vorausschauend und lässt sich nicht mit reiner Selektion erklären. Und je intensiver ich mich mit den Fähigkeiten und Anlagen beschäftige, die bereits in den Zellen vorhanden sind, desto größer ist mein Staunen und meine Ehrfurcht vor der Schöpfung.

Woher kommt der Plan für höheres Leben?

So gehe ich davon aus, dass die Entwicklung konvergenter Eigenschaften bei unterschiedlichsten Arten keine Anhäufung gleichartiger Innovationen ist. Vielmehr erscheint es mir wahrscheinlich, dass es hier einen gemeinsamen Plan gibt, der bereits in den Zellen angelegt ist. Die Entwicklung komplexer höherer Lebensformen ist meines Erachtens keineswegs evolutionärer Zufall, sondern evolutionäres Ziel und Plan eines vorausschauenden Geistes. Und das hat nichts mit Kreationismus zu tun, sondern mit einer ernsthaften wissenschaftlichen Theorie, nämlich der Konvergenztheorie, die genau das gleiche annimmt – nur eben ohne ein geistiges Prinzip dafür zu bemühen. Doch selbst überzeugte Atheisten müssen sich im Zusammenhang mit der Konvergenztheorie die Frage gefallen lassen, woher soll dieser ominöse Plan für höheres Leben stammen, wenn nicht von einem planenden Geist?

Leben als logische Konsequenz aus dem Urknall

Dass einzelne Naturkonstanten zufälligerweise Werte annehmen, die die stabile Existenz von Materie erlauben, ist zwar unwahrscheinlich, lässt sich jedoch noch relativ leicht argumentieren. Schwieriger wird es schon beim Periodensystem der Elemente, das eigentlich schon vor der Existenz des ersten Atoms Gültigkeit besessen haben muss. Denn nur so ist es möglich, dass seit Jahrmilliarden an jeder Stelle des Universums die Kernfusion in Sternen stets die gleichen Atome hervorbringt. Und mit diesem Periodensystem der Elemente ist weit mehr verbunden, als nur die Anzahl an Protonen, Neutronen und Elektronen möglicher Atome. Letztendlich sind damit auch alle physikalisch-chemischen Eigenschaften jedes Elements festgelegt, von der Ruhemasse über den Schmelzpunkt bis hin zu chemischen Bindungsmöglichkeiten. All das war Grundvoraussetzung bevor sich überhaupt das erste Wasserstoffatom bilden konnte. Und nun gehen die Konvergenztheoretiker einen gewaltigen Schritt weiter und behaupten, dass nicht nur die Spielregeln für Atome und anorganische Chemie, sondern auch die für die organische Chemie bis hin zur Entwicklung von Leben und Evolution von Anfang an festgelegt waren. Mit anderen Worten, Leben bis hin zur Entwicklung von höheren Wesen wie uns Menschen und komplexen Sinnesorganen wie Augen ist eine logische Konsequenz aus den Startbedingungen bei der Entstehung des Universums.

Wie groß ist der große Plan?

Für mich klingt das nach ganz großem Plan. Um ehrlich zu sein, geht das sogar mir einen Schritt zu weit. Zwar bin ich der Überzeugung, dass die prinzipielle Struktur der Doppelhelix einer DNA bereits durch die Parameter vorgegeben ist, die aus dem Periodensystem hervorgehen. Aber in welcher Reihenfolge die Basenpaare innerhalb der DNA angeordnet sind, ist damit noch lange nicht vorherbestimmt. Ich glaube zwar an einen schöpferischen Plan hin zu höherem Leben, aber um beim Lego-Beispiel zu bleiben, hatte der, der den Legostein entwickelt hat, sicher die Idee, dass daraus beliebig komplexe und dennoch stabile Figuren gebaut werden können. Sicher hatte er aber nicht die leiseste Vorstellung, was Jahrzehnte nach seiner Erfindung die Produktmanager der neuesten Spielzeuggeneration damit anstellen würden. So glaube ich, dass der Schöpfer aus der Quantenwelt zwar die Voraussetzungen für höheres Leben mit herbeigeführt, aber längst nicht das Ergebnis vorgegeben hat.

Wie erkennt man geistiges Eingreifen?

Doch wie soll man kühle nüchterne Evolution von einem lenkenden geistigen Eingreifen unterscheiden? Prinzipiell ist das eigentlich gar nicht so schwer. Wir müssen lediglich zu einem beliebigen Zeitpunkt der Evolutionsgeschichte eine Prognose anstellen, um herauszubekommen, wie sich die Dinge nach Darwins Regeln eigentlich hätten entwickeln müssen. Sollten dabei zwischen der wissenschaftlich fundierten Prognose und der tatsächlichen realen Entwicklung deutliche Abweichungen in Form von nicht nachvollziehbaren Phänomenen auftreten, haben wir ein Indiz für ein mögliches geistiges Lenken identifiziert. Als Menschen, die genau die Fähigkeit des intelligenten Eingreifens besitzen, sollte es uns also durchaus möglich sein, zwischen Erklärungslücken und Indizien intelligenter Einmischung zu unterscheiden.

Die Hummel fliegt auch ohne Gott

Hierzu ein Beispiel. Wenn wir an die Hummel zurückdenken, die eigentlich nach gängigen aerodynamischen Gesetzmäßigkeiten nicht fliegen dürfte, wäre es naiv, anzunehmen, dass dies nur mit intelligentem Eingreifen erklärbar ist. Warum? Weil es vom Prinzip her dem erklärbaren Flugverhalten aller anderer Insekten entspricht, nur die Parameter passen nicht zur aktuellen Theorie.

Kampf und Flucht bis zum letzten Atemzug

Schauen wir uns im Gegensatz dazu einmal das Phänomen der Nahtoderfahrung an. Atheisten versuchen die dabei auftretenden außerkörperlichen Erfahrungen mit Halluzinationen aufgrund der Ausschüttung körpereigener Opiate zu erklären, die den Todeskampf erleichtern sollen. Doch wie lässt sich das mit der Evolutionslehre vereinbaren? Die geht nämlich davon aus, dass sich nur die Eigenschaften durchsetzen, die die Überlebenschancen verbessern. Nichts, was uns das Sterben leichter macht, kann sich evolutionär durchsetzen. Schlichtweg weil ein sterbendes Wesen gar keine Möglichkeit mehr hat, sein Erbgut weiterzugeben. Es müsste genau umgekehrt sein, es hätten sich also nur solche Eigenschaften durchsetzen dürfen, die das Sterben verhindern, also Kämpfen und Flucht bis zum letzten Atemzug. Da ist nicht der geringste Platz für Frieden und Glückseligkeit. Das aber sind genau die Empfindungen, die immer wieder von Menschen berichtet werden, die erfolgreich ins Leben zurückgeholt wurden.

Universale Schönheit nur ein Zeichen für Gesundheit?

Hier noch ein abschließendes Beispiel. Wie erklären wir uns, dass es über alle Arten und Gattungen hinweg ein übereinstimmendes Gefühl für Schönheit und Ästhetik gibt? Sie werden vielleicht sagen, dass wir die Natur und ihre Geschöpfe nur deshalb als schön empfinden, da wir sie gewohnt sind. Nach dem Motto, Schönheit gibt es gar nicht, sondern wir empfinden alle natürlich entstandenen, gesunden Wesen und Strukturen als schön. Doch dann stellt sich die Frage, warum die meisten Tiere, die nie oder nur selten das Tageslicht sehen zum Teil aussehen wie aus unseren schlimmsten Horrorphantasien? Ich denke da nur an Tiefseeanglerfische, diverses Gewürm, Vampirfledermäuse, das Fingertier oder den Nacktmull. Vielleicht weil wir uns durch sie bedroht fühlen? Dann müssten wir aber Löwen, Tiger und andere Raubtiere als besonders hässlich empfinden, doch ganz das Gegenteil ist der Fall, wir empfinden sie als edel und majestätisch. Nein, es gibt offensichtlich durchaus allgemeingültige ästhetische Prinzipien, die aber nur dann zum Tragen kommen, wenn die Tiere das auch wahrnehmen können, ansonsten verschwendet die Natur keine Energie auf solche Äußerlichkeiten. Es gibt von Schmetterlingen über Korallenfische, Echsen, Vögel bis hin zu den großen Säugetieren offensichtlich ähnliche Schönheitsideale. Solange diese Zeichen von Stärke und Gesundheit sind oder zur Tarnung dienen, ist das wunderbar durch die Evolutionstheorie abgedeckt.

Schönheit ist stärker als ein evolutionärer Nachteil

Doch was ist mit all den prächtigen und bunten Farben von Korallenfischen, Schmetterlingen und Paradiesvögeln? Der evolutionäre Vorteil bei der Brautwerbung wird um ein Vielfaches durch den evolutionären Nachteil aufgrund der guten Sichtbarkeit für Fressfeinde zunichte gemacht. Darüber hinaus haben beispielsweise Ratten und Tauben trotz ihres unscheinbaren Äußeren keinerlei Paarungsprobleme. Wie im Beitrag „Gibt es eine Signatur des Schöpfers?“ beschrieben, scheint Schönheit Prinzipien zu unterliegen, die weit über evolutionäre Erklärungen hinausgehen.

Der Geist steckt in der Innovation

Letztendlich verhält es sich mit der Innovation in der Evolution genauso, wie es Thomas Eddison so treffend für menschlichen Erfindergeist beschrieben hat: „Genie ist ein Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration.“ Wobei die 99 Prozent Transpiration Routinetätigkeiten sind, die heute von seelenlosen Computern und Robotern übernommen werden können, doch das eine Prozent Inspiration bleibt dem schöpferischen Geist vorbehalten, der nichts anderes als unser bewusster Geist ist, der uns beseelt und der außerhalb des naturwissenschaftlich Erklärbaren liegt. Und genauso verhält es sich mit der Evolution. 99 Prozent der evolutionären Entwicklung basieren auf dem kausalen Prinzip der Variation und höchstens ein Prozent basiert auf zufälliger Innovation. Und so wie beim menschlichen Erfinder liegt genau darin das Wirken eines schöpferischen Geists.

Gibt es eine Signatur des Schöpfers

Das wichtigste in Kürze

Eine Signatur ist Beleg für ein kreatives Werk. Gottes Signatur muss offensichtlich, unfälschbar und nicht durch Zufall erklärbar sein. Es gibt sie tatsächlich, wir haben sie tagtäglich vor Augen und sie ist das Mysterium der Schönheit, die vollkommene Asymmetrie, das perfekte Chaos, sie steht für das alchimistische Prinzip und verwandelt die Zahl 1 in eine unendlich komplexe Zahl, die vielleicht alle Codes der Welt enthält.


 

Wie bereits in meinem letzten Beitrag „Gibt es einen Gottesbeweis?“ angekündigt, habe ich mich auf die Suche nach einer unverfälschbaren Botschaft eines wie auch immer gearteten schöpferischen Geistes gemacht. Der Gedanke kam mir bei meiner (durchaus kritischen) Auseinandersetzung mit den Argumenten der Kreationisten.

Saß Gott an einem Reißbrett?

Die Kreationisten versuchen mit Analogien zwischen Scheckenhaus und Wohnhaus, Sonnensystem und Uhrwerk, Versteinerung und Skulptur oder genetischem Code und Programmcode einen aktiv agierenden Schöpfergott zu beweisen. Doch wir wissen aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse, unserer Erfahrungen und des gesunden Menschenverstands, dass ein Schneckenhaus auf natürlichem Weg entstanden ist und ein Wohnhaus das Werk eines Architekten ist. Wir wissen, dass sich das Sonnensystem aufgrund physikalischer Gesetze gebildet hat, das ähnlich präzise laufende Werk einer mechanischen Uhr aber von einem Uhrmacher entwickelt wurde. Wir wissen, dass die Versteinerung eines Ammoniten aufgrund erdgeschichtlicher Prozesse entstanden ist, eine griechische Skulptur jedoch von einem Bildhauer geschaffen wurde und heute wissen wir, dass die DNA, also der Programmcode in unseren Zellen evolutionär entstanden ist, die Textverarbeitungssoftware auf der ich diese Zeilen schreibe jedoch von Programmierern entwickelt wurde. Es mag ja sein, dass Gott auch irgendwie seine Finger bei den natürlich entstandenen Dingen im Spiel gehabt hat, aber er saß sicher nicht am Reißbrett und hat am vierten Tag die Form von Galaxien designed und am fünften Tag die Gestalt von Meeresschnecken.

Die Signatur macht den Unterschied

Letztendlich stehen wir Menschen der Schöpfung ähnlich ratlos gegenüber, wie Wesen aus einer anderen Dimension, die plötzlich mit irdischen Gegenständen konfrontiert werden. Es stellt sich also die Frage, worin unterscheiden sich diese doch so ähnlichen Dinge so eindeutig voneinander, dass selbst unsere Wesen aus einer anderen Dimension erkennen können, welche Dinge natürlichen Ursprungs sind und welche künstlich geschaffen wurden? Es ist die Signatur. Unser Architekt hinterlässt bei bedeutenden Bauwerken einen Grundstein mit einer Zeitkapsel und Urkunden zum Bauwerk. Seit dem 16. Jahrhundert tragen mechanische Uhren eine Gravur des Uhrmachers. Bereits griechische Bildhauer wie Praxiteles oder Lysipp versahen ihre Werke mit einer Signatur und im Programmcode einer professionellen Software finden wir ausführliche Versions- und Urheberangaben, oft sind sogar die gesamten Entwicklernamen als sogenanntes Easter Egg im Programmcode verborgen (mehr dazu unter http://eastereggs.svensoltmann.de/uebersicht). Offensichtlich haben seit Menschengedenken kreative Köpfe das Bedürfnis, sich in ihrem Werk zu verewigen. Der Charme daran ist, dass unsere Wesen aus einer anderen Dimension lediglich nach einer Signatur suchen müssen, um sicherzustellen, dass sie es mit dem Werk eines intelligenten Schöpfers zu tun haben.

 Anforderungen an eine schöpferische Signatur

Wenn ein schöpferischer Geist das Universum wie auch immer mitgestaltet und ihm Leben eingehaucht hat, hat er vielleicht auch eine Signatur hinterlassen. Etwas, das jederzeit nur mit Verstand und ohne High-Tech auffindbar ist. Etwas, das sich nicht aufgrund zufälliger Prozesse oder einfacher Naturgesetze erklären lässt und eindeutig auf eine geistige Urheberschaft hinweist. Es muss etwas sein, das wir stets vor Augen haben aber schlichtweg übersehen oder nicht richtig interpretieren. Doch wie kann eine solche Signatur aussehen? Der Schöpfer wird ja wohl kaum auf dem Bein einer Fruchtfliege oder dem genetischen Code eines Einzellers versteckt ein „Made by Gott“ hinterlassen haben.

Sind es die Spuren unserer Kultur?

Betrachten wir aber einmal die menschliche Kultur gibt es da schon einige höchst erstaunliche Hinweise. Denn wenn wir uns die Überbleibsel alter, zum Teil schon untergegangener Kulturen anschauen, ist der Hinweis auf Gott meist das einzige was geblieben ist. Sei es in Form von Tempeln, Kathedralen und Götterstatuen. Aber auch bei den alten Schriften überwiegen die Bücher über Gott, wie die Qumran Rollen, das Giglamesch-Epos, das ägyptische Totenbuch, die hinduistische Bhagavad Gita oder die griechischen Göttersagen. Natürlich werden Sie jetzt sagen, das war eine Epoche der naiven Gottgläubigkeit, heute in unserer aufgeklärten Zeit spielt Geld und nicht mehr Gott eine Rolle. Doch wenn wir einen Blick auf eben diese neue Kraft werfen, die offensichtlich Gott abgelöst hat, dann finden wir auf der wichtigsten Währung der Welt, dem Dollar, groß und unmissverständlich auf jedem Schein „In God we trust“ und auf den 1-Dollar-Noten auch noch das allsehende Auge Gottes. Und selbst unser Grundgesetz beginnt mit den Worten: „Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen…“. Und dennoch, Sie haben natürlich Recht, das ist alles von Menschenhand gemacht und noch lange kein Beweis für einen göttlichen Schöpfer. Es belegt nur, dass die Menschheit vielleicht doch mehr an Gott glaubt, als dies dem einzelnen Individuum so bewusst wird.

Ein ketzerischer Versuch

Wenn, dann muss es sich um eine schöpferische Signatur handeln, die schon lange vor dem Auftauchen von Homo Sapiens auf der Erde da war. Tja und da sind mir erst mal die Ideen ausgegangen. Vielleicht habe ich dann doch etwas zu hohe Ansprüche an den schöpferischen Geist und seine Signatur gestellt. Aber aufgeben wollte ich auch nicht und so dachte ich mir, vielleicht ist der alte Herr (es kann natürlich auch eine nette alte Dame sein) ja so freundlich und hilft mir auf die Sprünge. Also habe ich mir Unterstützung von einer spirituellen Quelle geholt indem ich eine Tarotkarte zog. Ich weiß, für einen Naturwissenschaftler ist das Ketzerei und wahrscheinlich bringt mich das auf den Scheiterhaufen und über meine Arbeiten wird der Bann verhängt. Aber egal, es ging mir lediglich um eine Eingebung, nicht um einen Beweis. Und wenn die Eingebung unter der Dusche, im Traum oder dank eines auf den Kopf fallenden Apfels kommt (Sie erinnern sich Isaak Newton), ist das auch nicht wissenschaftlicher, als eben eine Tarotkarte zu ziehen.

Was zum Teufel ist ein Sternenkelch?!

Warum ich das hier so breit beschreibe ist die Tatsache, dass mir diese Tarotkarte einen wirklich erstaunlichen Ansatz geliefert hat, auf den ich selbst so schnell nicht gekommen wäre. Ob das eine Botschaft, geistige Unterstützung oder sonst ein geistiger Wink war, mag der geneigte Leser selbst interpretieren. Mir hat es auf jeden Fall mächtig weitergeholfen, denn ich zog den Ritter der Kelche. In den meisten Tarotdecks wird diese Figur auf einem Pferd dargestellt, die sehr deutlich einen Kelch mit Blüten oder Sternen darauf präsentiert:
Ritter_der_Kelche2      Ritter_der_Kelche3
Bildquelle: Eigenes Foto, Künstlerin Antonella Castelli

Also schloss ich, die schöpferische Signatur müsste in der Art eines Sternenkelchs verborgen sein. Google versagte mir leider die Unterstützung und lieferte bei der Suche nach dem Begriff Sternenkelch nur Unsinn. Also überlegte ich, was kann das sein, der Sternenkelch? Das Sternengewölbe, die Astrologie? Nein, jetzt bloß nicht ganz in die Esoterik abgleiten! Hier haben wir es mit Himmelsmechanik zu tun, etwas was hervorragend durch die Naturwissenschaften beschrieben ist, nichts wo ich eine Signatur eines Schöpfers erwarten würde, auch wenn Generationen von Astrologen anderes beschwören werden. Um was für einen Kelch könnte es sich handeln? Vielleicht der Gral? Stopp, hier lauern Dan Brown und die Verschwörungstheoretiker.

Vom Pentagramm zum Goldenen Schnitt

Sterne stehen in der Nacht, vielleicht ist es ja ein Kelch der Nacht? Wie wäre es mit dem Blütenkelch eines Nachtschattengewächses? Volltreffer! Die meisten Nachtschattengewächse verfügen über fünfblättrige Blüten, die wie bei vielen Tomatenarten einen wunderschönen fünfzackigen Stern bilden. Moment, fünfzackiger Stern ist das nicht ein Pentagramm? Das klingt ja schon wieder nach Dan Brown, Templerkirchen und Hexerei. Aber diesmal wird es wirklich spannend. Denn dieses Pentagramm ist eine der faszinierendsten geometrischen Formen, die in all ihren Proportionen den Goldenen Schnitt enthält, ein simples Verhältnis zwischen zwei Längen bei denen die kürzere sich zur längeren exakt genauso verhält, wie die längere sich zur Gesamtstrecke. Jeder von uns hat diese Proportion tagtäglich in Händen. Es sind die Seitenlängen der bekannten DIN A-Papierformate, die genau in diesem Verhältnis zueinander stehen. Das hat den Vorteil, dass man DIN A-Blätter immer wieder falten kann und sie haben stets dasselbe Seitenverhältnis. Das geht mit keiner anderen Papiergröße, probieren sie es doch selbst mal aus.

Eine verbotene Struktur

Doch was ist an diesem Goldenen Schnitt so toll, dass er gleich als göttliche Signatur verstanden werden kann? Zum einen steht er für ein Seitenverhältnis, das sich leicht beschreiben aber alles andere als leicht konstruieren lässt (Hier eine Anleitung dazu). Im Gegensatz zu drei-, vier-und sechseckigen Polygonen ist eine periodische Struktur aus Fünfecken nicht möglich. D.h. es kann weder eine regelmäßige Parkettierung noch ein Kristallgitter geben, das eine solche Struktur annimmt, wir können also in der Kristallographie auch von verbotenen Kristallen sprechen (siehe dazu auch den spannenden Wikipedia-Beitrag zu Quasikristallen). Das ist deshalb so wichtig, weil wir somit eine Form haben, die nicht einfach mal so von selbst entsteht. Auch wenn die untenstehende Penrose-Parkettierung nach regelmäßiger Ordnung aussieht, sie ist es nicht. Viel Spaß beim Versuch, eine Musterwiederholung zu finden.500px-Penrose_Tiling_(Rhombi).svgBildquelle: Wikimedia

Das Mysterium der Schönheit

Der Goldene Schnitt steht zudem für das absolute Gegenteil von Symmetrie nämlich für die vollkommene Asymmetrie. Er ist ein Verhältnis, das nicht nur für Papierformate praktisch ist, sondern er gilt als ideale Harmonie, als das Prinzip des Schönen. Deshalb auch der Begriff vom Goldenen Schnitt. Renaissance-Künstler wie Dürer oder Da Vinci haben ihre Bilder nach dem Goldenen Schnitt konzipiert. Darüber hinaus ist er ein Grundprinzip der Natur und das obwohl er sich so gar nicht mit dem Gesetz von Zufall vereinbaren lässt. Wir finden ihn selbst an Stellen, die wir nun wirklich nicht erwarten würden.

Der mystische Apfel

Wer weiß schon, dass der Goldene Schnitt nicht nur in Blüten von Nachtschattengewächsen auftritt, sondern auch im Kernhaus von Äpfeln? Moment mal, war da nicht was? Immer wieder dieser Apfel! Ist das nicht die verbotene Frucht vom Baum der Erkenntnis (lat. Malus, der Schlechte)? Ist das nicht der verräterische Adamsapfel, mit dem wir sicher Mann von Frau unterscheiden können? Ist das nicht der Apfel der wahren Erkenntnis, der Newton auf den Kopf fiel und ihm so die Idee der Gravitationskraft eingebläut hat? Und was ist mit dem Reichsapfel, der für die Macht von Kaisern und Königen steht? Und ist das nicht auch der märchenhafte Apfel, der das arme Schneewittchen vergiftete? Haben Sie ihn nicht vielleicht sogar gerade vor Augen, den angebissenen Apfel, der als Logo so viele Geräte ziert, mit denen mein Blog abgerufen wird? Und was ist mit dem big Apple, dem großen Apfel, der für die wohl wundersamste Stadt unserer Zeit – New York – steht? Also wirklich (k)ein Wunder, dass sich in ihm nun auch noch die Signatur des Schöpfers verstecken soll.

apfel_pentagramm
Quelle: Wikimedia

Ein universales Konstruktionsprinzip

Aber Spaß beiseite, nach dem Goldenen Schnitt sind sowohl Schneckenhäuser als auch Spiralgalaxien aufgebaut. Und selbst unsere menschlichen Proportionen halten sich an den Goldenen Schnitt. In folgender Grafik habe ich mir mal erlaubt, in Da Vincis legendären Vitruvianischen Mensch einzuzeichnen, wo hier überall der Goldene Schnitt auftaucht. Darüber hinaus passt ein Mensch mit idealen Proportionen und entsprechender Haltung exakt in ein Pentagramm. Und der Goldene Schnitt ist sogar das, was Sie morgens beim allerersten Blick in den Spiegel sehen, denn selbst unsere großen Schneidezähne verhalten sich zu den daneben stehenden seitlichen Schneidezähnen im Verhältnis Minor zu Major. (Auf folgender Seite finden Sie eine sehr gute wissenschaftliche Abhandlung zum Goldenen Schnitt: http://www. Golden-section.eu/home.html).

Vitruv+Goldener-Schnitt
Bildquelle: Wikimedia und eigene Ergänzungen

Das perfekte Chaos

Der Goldene Schnitt ist das Grundprinzip der Selbstähnlichkeit, ein Prinzip nach dem sogenannte Fraktale aufgebaut sind. Also Strukturen, die egal in welcher Auflösung wir sie betrachten stets identisch erscheinen. Ein wunderschönes Beispiel aus der Natur ist der Romanesco-Kohl (siehe Bild) aber auch die Küstenlinien eines Landes, die Verästelung von Blutgefäßen oder von Farnblättern. Das Spannendste an Fraktalen ist, dass sie zentrales Element der Chaostheorie sind. Moment, war der Goldene Schnitt nicht schon das absolute Gegenteil von Symmetrie, die vollkommene Asymmetrie? Und nun scheint er auch noch für das perfekte Chaos zu stehen, das absolute Gegenteil von Ordnung!

Romanesco_Kohl
Bildquelle: Wikimedia

 Das alchimistische Prinzip

Letztendlich entspricht der Goldene Schnitt somit dem Grundprinzip der Alchemie das besagt: Wie im Kleinen so im Großen. Denn durch seine unendliche selbstähnliche Teilbarkeit sind alle Strukturen die dem Goldenen Schnitt unterliegen sowohl im Mikrokosmos als auch im Makrokosmos gleich. Das ist natürlich von großer Bedeutung für eine Signatur, die sich an alle intelligenten Wesen quer durchs Universum gleichermaßen richtet. Sehr schön kann das anhand der logarithmischen Spiralform von Schneckenhäusern und von Galaxien verdeutlicht werden, deren jeweils nächstgrößere Windung zur vorangegangen im Verhältnis des Goldenen Schnittes steht. Und auch hier finden wir unser Pentagramm wieder (siehe Grafik).

pentagramm_schnecke
Bildquelle: http://www.buch-der-synergie.de

 Aus Fibonacci wird Phi-bonacci

Es gibt noch ein paar weitere Besonderheiten am Goldenen Schnitt. Das Verhältnis von langer zu kurzer Seite wird durch die Naturkonstante Phi (1,6180339…) beschrieben. Diese Konstante kann durch unterschiedliche zum Teil höchst kuriose mathematische Formeln berechnet werden. Für den mathematischen Laien geht das am einfachsten mit der Fibonaccifolge. Sie fangen bei 1 an und addieren sie zu 1, dann nehmen Sie das Ergebnis (2) und addieren es zur jeweils letzten Zahl (1). Das Ergebnis ist 3, Sie addieren dazu wieder die letzte Zahl (2), das ergibt 5 und so weiter. Sie bekommen somit die Zahlenreihe 1,1,2,3,5,8,13,21,34,55 usw. Je länger die Zahlenreihe wird, desto stärker entsprechen die letzte und die vorletzte Zahl dem Verhältnis Major zu Minor des Goldenen Schnittes. Bei 55:34 kommen wir gerundet auf 1,618, was Phi bereits bis auf die dritte Nachkommastelle berechnet.

 Die einfachsten unendlichen Formeln

Aber es geht noch faszinierender, denn es ist möglich Phi ausschließlich unter der Verwendung der Zahl 1 zu berechnen. Entweder als unendlichen Kettenbruch oder als unendlich verschachtelte Wurzelfunktion:

phi_formeln

Kennt Phi alle Geheimnisse?

Betrachtet man schließlich die Zahl Phi, so ist sie genauso wie die Kreiszahl Pi eine normale Zahl. Das bedeutet, sie kann auf unendlich viele Stellen berechnet werden, ohne dass es eine regelmäßige Wiederholung von Zahlenkombinationen gibt. Dadurch, dass alle Zahlen in beliebiger Reihenfolge unendlich lang nacheinander folgen, gibt es Mathematiker, die behaupten, dass Phi auch jede erdenkliche Zahlenkombination enthalten muss. Das bedeutet, an irgendeiner Stelle werden Sie dort Ihr Geburtsdatum, Ihre Telefonnummer oder Ihre Kontonummer samt PIN-Code finden. Auf der Seite „The Golden Number“ wurde Phi bis auf 100.000 Stellen genau berechnet, vielleicht finden Sie dort bereits Ihr Geburtsdatum oder ähnliches, falls nicht, gibt es dort einen Programmcode mit dem Sie Phi auf millionen Stellen genau berechnen können. Doch es geht noch weiter, da Phi unendlich viele Kombinationen enthält, sind in ihr angeblich auch alle denkbaren Zahlenreihen enthalten, man muss nur lang genug suchen. Nachdem nun Goethes Werk, die Bibel oder unser genetischer Code auch als Zahlenreihen dargestellt werden können, könnten sie alle in der Zahl Phi an irgendeiner ihrer unendlich vielen Stellen vorhanden sein. Mit anderen Worten, Phi könnte alle denkbaren Codes des Universums enthalten. Zur Kreiszahl Pi gibt es dazu bereits mathematische Abhandlungen, die gleichermaßen für Phi gelten (siehe folgenden Beitrag). Sehr amüsant ist auch die Nachkommastellendatenbank für Pi, in der Sie jeden beliebigen Code in der auf satte 13,3 Billionen Nachkommastellen berechneten Kreiszahl suchen können – doch trotz dieser gigantischen Stellenzahl wird Pi wahrscheinlich nicht Ihre Kontonummer im IBAN-Format enthalten.  Sollten Sie trotz aller Berechnungen also nicht das Gewünschte finden, hilft Ihnen unsere göttliche Signatur Phi dennoch weiter, denn an der 28.581sten Nachkommastelle von Phi finden Sie die Auskunft der Telekom 11880 und wie wir alle wissen: „Da werden Sie geholfen!“.

 Unendlich viel Unsinn

Auch wenn in diesem Beispiel unendlich viele Stellen einen göttlichen Plan beweisen sollen, muss ich gestehen, dass mir solche mathematischen Spielereien deutlich zu weit gehen. Üblicherweise flüchten sich Mathematiker und Naturwissenschaftler gerne in unendlich viele Kombinationsmöglichkeiten um das Thema Gott irgendwie zu umschiffen, wie z.B. bei der Viele-Welten-Theorie. In meinem Beitrag „Kann Geist ewig sein?“ habe ich mich etwas genauer mit der leichtfertigen Verwendung von Unendlichkeit auseinandergesetzt. Denn selbst wenn die Zahlen Phi und Pi alle endlich vielen, sinnvollen Codes des Universums enthalten sollten (was ich nicht glaube), so verstecken sich diese zwischen unendlich vielen Zahlenkombinationen, die nichts als Unsinn ergeben. Und um den Sinn vom Unsinn zu trennen bedarf es eines begreifenden Verstands und der bräuchte natürlich unendlich lange, um zum Beispiel die Sequenz zu finden, die Goethes Faust entspricht. Das Ganze erinnert an die Anekdote von Michelangelo, der gefragt wurde, wie es ihm möglich gewesen sei, die perfekte Figur des David aus dem Stein zu hauen. Daraufhin meinte er: „Die Figur war immer schon da, ich musste nur den überflüssigen Marmor um ihn herum entfernen.” Doch selbst wenn jede denkbare Skulptur ist in jedem Marmorblock bereits enthalten ist, bedarf es eines schöpferischen Geistes, sie daraus zu befreien.

 Die Signatur – einfach und unendlich komplex

Und hier schließt sich wieder der Kreis zum Sternenkelch, der uns vom Blütenkelch der Nachtschattengewächse über die Struktur von Galaxien bis hin zu einer Zahl geführt hat, die vielleicht alle Codes des Universums enthält, sozusagen ein Kelch des Universums, ein Kelch der Sterne, ein Sternenkelch. Ich denke, der schöpferische Geist hätte sich keine bessere Signatur einfallen lassen können. Eine Signatur, die uns Tag für Tag in unseren eigenen Proportionen, in den Blüten der Pflanzen oder im Kerngehäuse eines Apfels vor Augen steht, einfach und dennoch unendlich komplex zugleich. Und darüber hinaus das perfekte Gegenteil der deterministischen Prinzipien von Ordnung und Symmetrie.

Natürlich können wir auch diese Signatur des schöpferischen Geistes ignorieren, doch dann verhalten wir uns wie Wesen aus einer anderen Dimension, die jegliche menschliche Schöpferkraft leugnen und lieber nach evolutionären Erklärungen für seltsame Signaturen auf bestimmten irdischen Gegenständen suchen.

 Trotzdem viel Platz für Zufall und Physik

Nur was beweisen solche Signaturen? Sie beweisen lediglich, dass ein schöpferischer Geist hinter einem Werk steht. Welche schöpferische Tiefe dieses Werk hat, können wir anhand der Signatur nicht erkennen. Von daher sollten wir sehr vorsichtig mit unserer neuen Erkenntnis umgehen und nicht zu viel hineininterpretieren. Deshalb spreche ich auch bewusst nicht von Gottesbeweis sondern nur von Indizien für die Beteiligung eines schöpferischen Geistes. Diese Signatur ist ein weiteres Anzeichen dafür, dass unsere Welt alles andere ist, als eine seelenlose Maschine, deren Existenz ausschließlich dem Zufall und den Naturgesetzen zuzuschreiben ist. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass unser Schöpfer auf jedes noch so kleines Detail bewusst Einfluss genommen hat oder nimmt. Das ist genau dasselbe wie bei einem Künstler, der mit dem Pinsel zwar gezielt eine Kontur vorgibt, andererseits jedoch kaum Einfluss darauf nehmen kann, wie sich die Farbpigmente zwischen Pinsel und Leinwand verteilen. Das ist Zufall und Physik.

Zum Abschluss noch einen wunderschönen Kurzfilm in dem die Zahl Phi und ihr Vorkommen in der Natur veranschaulicht wird:

Gibt es einen Gottesbeweis?

Das Wichtigste in Kürze

Bisherige Gottesbeweise taugen nicht viel: die Pascalsche Wette winkt mit dem Paradies, dem spirituellen Beweis genügen Religion und Mystik, der ontologische Beweis glaubt, dass das denkbar Vollkommene auch existieren muss, der kosmologische Beweis braucht Gott als Ursache fürs Universum, der teleologische Beweis setzt Intelligenz für komplexe Ordnung voraus und Kant benötigt Gott als Sinnstifter. Ein naturwissenschaftlicher Ansatz liefert jedoch Belege für die Existenz eines metaphysischen Geistes nachweisen.


Wissen statt glauben

Der Wunsch, seinen stets von Zweifeln geplagten Glauben durch sicheres Wissen zu ersetzen ist keine Erfindung der Neuzeit. Bereits griechische Philosophen versuchten durch eine logische Argumentation die Existenz Gottes zu beweisen. Seit dem Mittelalter wurde insbesondere durch die Scholastiker mit höchst spitzfindigen Argumenten versucht, entsprechende Beweise zu formulieren. Doch all diese Gottesbeweise haben nach heutigen, wissenschaftlichen Maßstäben keine Gültigkeit mehr. Trotzdem möchte ich einen kurzen, zum Teil recht amüsanten Überblick liefern, bevor wir uns auf eine spannende Suche nach wissenschaftlichen Indizien machen.

Die Pascalsche Wette

Auf den ersten Blick ist die sogenannte Pascalsche Wette ein höchst amüsanter Gottesbeweis. Der französische Mathematiker schloss spitzfindig, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt, es gibt einen Gott oder es gibt keinen Gott. Wetten wir nun auf eine dieser Möglichkeiten gibt es drei Optionen:

  1. Es gibt Gott und man glaubt an ihn, so wird man mit dem Himmel belohnt, d.h. man gewinnt.
  2. Es gibt Gott und man glaubt nicht an ihn, so wird mit der Hölle bestraft, d.h. man verliert.
  3. Es gibt keinen Gott, dann gibt es weder Belohnung noch Strafe, egal woran man glaubt.

Wer also an Gott glaubt, kann nur gewinnen, sicher aber nicht bestraft werden. Wer nicht an Gott glaubt, wird im besten Fall nicht bestraft, hat aber das Risiko zu verlieren und muss mit ewiger Verdammnis in der Hölle rechnen. Von daher empfiehlt Pascal in jedem Fall, an Gott zu glauben. Ich bin überzeugt, Blaise Pascal wäre ein hervorragender Versicherungsvertreter gewesen.

Kritik: Wagt man einen zweiten, kritischen Blick, entpuppt sich die Pascalsche Wette als religiös motivierte Seelenfängerei. Denn sie gilt nur für die Religionen, die die Existenz von Himmel und Hölle predigen. Was aber, wenn es zwar Gott, aber weder Himmel noch Hölle gibt? Was, wenn dieser Gott es lieber sieht, wenn ich Spaß im Leben habe, als ihn ständig mit lieblosen Gebetslitaneien zu langweilen und auf Lebensfreude zu verzichten? Dann sieht die Gleichung plötzlich anders aus. Satt einer Gewinnausschüttung im Jenseits gibt es diese nur im Diesseits. Und wer nur aus Angst vor der Hölle handelt und sich sklavisch an die strengen Vorgaben seiner religiösen Führer hält, der wird gleich doppelt bestraft. Zum einen, weil er sich keine Lebensfreude gönnt, zum anderen weil er sicher kein Heiliger ist und somit zwangsläufig die ein oder andere verdammungswürdige Sünde begehen wird, die er zu allem Übel auch noch nicht einmal genießen kann. Somit verzichtet er auf Lebensfreude, muss aber trotzdem in ständiger Angst vor einer Bestrafung in der Hölle leben. Abschließend müssen wir unabhängig vom Ausgang der Wette feststellen, dass Pascal damit keinen Gottesbeweis im eigentlichen Sinne geliefert hat, denn er legt keinerlei Beweise für die tatsächliche Möglichkeit einer Existenz Gottes vor.

Der spirituelle Gottesbeweis

Eigentlich handelt es sich um zwei Beweise. Einen ethnologischen Gottesbeweis, der von der Tatsache ausgeht, dass es keine Kultur ohne Religion gibt. Der römische Philosoph Cicero war einer der ersten, der diesen Beweis angeführt hat. Diese Tatsache geht Hand in Hand mit dem mystischen Gottesbeweis, der davon ausgeht, dass der Ursprung für all diese Religionen in der spirituellen Erleuchtung seiner Religionsgründer liegt. Erst diese mystische Erfahrung, die als Erreichen eines höheren Bewusstseins beschrieben wird, hat die Menschen dazu bewogen, Religionen zu gründen. Es ist also nicht primär der Wunsch, eine personifizierte Erklärung für alle unerklärlichen Naturphänomene zu finden, sondern vielmehr ein individuelles mystisches Erlebnis.

Kritik: Es ist tatsächlich beeindruckend, dass alle bekannten Kulturen über eigene Religionen verfügen und selbst atheistische Systeme wie der Kommunismus in Russland schon nach kurzer Zeit wieder durch religiöse Strukturen ersetzt werden. Andererseits verzichtet die Weltreligion Buddhismus gänzlich auf die Hypothese eines konkreten Gottes und das obwohl gerade der Buddhismus ein Glaube ist, bei dem die individuelle Erleuchtung von größter Bedeutung ist. Doch das bedeutet nicht, dass der Buddhismus prinzipiell gottlos, also atheistisch ist. Es bedeutet vielmehr, dass er über das schweigt, was man nicht mit Worten fassen kann.

Eine alte Zengeschichte verdeutlicht das sehr schön: Eines Tages fragte ein Mann Buddha, ob es stimmt, dass es einen Gott gibt; dieser verneinte. Kurz darauf fragte ein anderer Mann, ob es stimmt, dass es keinen Gott gibt. Und wieder verneinte Buddha. Dann kam ein dritter Mann und fragte, ob er an einen Gott glauben solle oder nicht. Doch Buddha antwortete nicht, sondern lud ihn zum Meditieren ein. Der Mann fand zur Erleuchtung und war voll des Dankes. Ein Schüler, der das alles nicht verstand, bat Buddha um eine Erklärung und dieser antwortete, dass die ersten beiden Männer ein Theist und ein Atheist waren, die nur damit prahlen wollten, dass Buddha ihre vorgefasste Überzeugung bestätigt hätte. Doch wie die Erleuchtung des dritten Mannes gezeigt hatte, sind Worte vollkommen nutzlos, um nach Gott zu suchen.

Alles in allem sind jedoch Religion und mystische Erfahrung noch lange kein Gottesbeweis. Sie belegen nur, dass der Mensch über ein spirituelles Bedürfnis verfügt, das sich als Religion manifestiert. Doch ob dieses Bedürfnis ein rein psychologisches Phänomen oder ein verborgenes Wissen über die tatsächliche Existenz Gottes ist, lässt sich nicht sagen.

Der ontologische Gottesbeweis

Der ontologische Gottesbeweis stammt aus dem Hochmittelalter, hat aber auch neuzeitliche Verfechter, wie René Descartes. Der Ansatz besagt, dass das, worüber hinaus nichts Vollkommeneres gedacht werden kann, in Wirklichkeit existiert und nicht nur im Verstand. Die genaue Beweisführung kann auf Wikipedia nachgelesen werden, ich möchte sie meinen Lesern an dieser Stelle jedoch ersparen.

Kritik: Der ontologische Gottesbeweis entspricht der spitzfindigen Argumentationsweise der Scholastik, bereits Thomas von Aquin versuchte ihn zu widerlegen. Lange Zeit war das jedoch nur schwer möglich, da die Argumente in ihrer eigenen Logik höchst scharfsinnig waren und die Grundannahmen noch nicht durch empirische Beweise widerlegt werden konnten. Heute können wir diese Logik mithilfe naturwissenschaftlicher Erkenntnisse entkräften. So sind weder im Großen, noch im Kleinen beliebig vollkommene Dinge möglich. Blicken wir in die Weiten des Weltalls, so haben wir es nach heutigem Wissensstand aufgrund der Krümmung des Raumes mit einem endlich großen Universum zu tun und das, ohne dabei jemals an eine Grenze zu stoßen. Bei unendlich kleinen Dingen ist die Sache noch klarer. Es ist durchaus möglich, sich einen vollkommenen Kreis vorzustellen und diesen auch auf beliebig viele Nachkommastellen zu berechnen. Wenn wir aber einen solchen Kreis in Form einer Linie auf einem perfekten Untergrund zeichnen, so wird spätestens auf atomarer Ebene aus der glatten Linie eine pixelige unscharfe Struktur, die letztendlich kein Kreis ist, sondern ein Polygon mit endlich vielen Ecken. Das bedeutet, wir können zwar logische Operationen mit beliebig vollkommenen Dingen durchführen, aber wie Kant in seiner Kritik der reinen Vernunft schon feststellte, ist der einzige Beweis für ihre tatsächliche Existenz nur die Erfahrung.

 Der kosmologische Gottesbeweis

Die Vertreter des Kosmologischen Gottesbeweises, allen voran Thomas von Aquin, gehen davon aus, dass alles eine Ursache hat, also muss auch das Universum eine äußere Ursache haben und die muss zwangsläufig Gott als Schöpfer sein.

Kritik: Das Problem an dieser Argumentation ist, dass die logische Kette mit Gott abgebrochen wird. Doch wo ist die Ursache für Gott? Wir haben also nichts gewonnen, außer dass das Unerklärliche durch etwas noch Unerklärlicheres ersetzt wurde. Das ist so, wie in den uralten Mythen in denen die Erde von einem göttlichen Geschöpf wie Atlas oder einer Schildkröte getragen wird. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass das Schildkrötenmotiv in verschiedensten Kulturen vorkommt, als Vishnu-Schildkröte in Indien, als Drachenschildkröte in China und als Mutterschildkröte bei den Indianern Nordamerikas. In der Logik eines Erich von Däniken eigentlich schon ein sicherer Beweis für die Gültigkeit dieser Theorie. Das mythologische Erklärungsmodell stammte aus der Zeit, als das Prinzip Schwerkraft und ihre Ursache noch nicht verstanden waren. Begriffe wie Unten und Oben galten als absolute Grundprinzipien, so dass alles auf einem Untergrund ruhen musste um nicht herabzufallen. Heute wissen wir, dass es im Weltraum kein Unten und kein Oben gibt und die Erde ohne Untergrund durchs All schwebt. Bezüglich der Annahme von Ursache und Wirkung zeigt uns heute die Quantenphysik, dass auch dies kein absolutes Grundprinzip ist. Zahlreiche Quantenprozesse, wie z.B. die spontane Emission finden ohne äußere Einwirkung, also ohne Ursache statt. Darüber hinaus ist es sogar möglich, dass Quanten und ihre Antiteilchen ebenso spontan aus dem Nichts heraus erscheinen und wieder vergehen (siehe dazu Vakuumfluktuation). Es gibt eine Reihe von Physikern, die daher die Vakuumfluktuation als eigentlichen Ursprung des Weltalls und den Urknall lediglich als einen Zwischenschritt betrachten (dazu mehr im Beitrag „Was ist die Ursache für den Geist?“). Ursache und Wirkung ist nach heutigem Stand der Forschung somit ein Effekt, der erst ab einer statistisch relevanten Anzahl von Quanten verlässlich auftritt.

Der teleologische Gottesbeweis

Die Vertreter des teleologischen Gottesbeweises unter anderem bereits Sokrates argumentieren, dass sich unsere Welt stets weiterentwickelt, hin zu mehr Ordnung, hin zu mehr Komplexität und hin zu vollkommeneren, schöneren Wesen. Es muss daher zwingend ein intelligentes Wesen geben, das dieses Ziel vorgibt. Insbesondere die Kreationisten haben mit der Intelligent-Design-Bewegung in den USA diese Argumentation wieder neu belebt. Das Überzeugende am teleologischen Gottesbeweis ist die Analogie zu unserer menschlichen Erfahrungswelt. Unser gesunder Menschenverstand sagt uns, dass sich komplexe Objekte, die eine klare Funktion erfüllen, nicht von selbst entwickeln. Dahinter steht also immer ein Entwickler, ein Architekt oder ein Künstler, also ein kreativer, schöpferischer Geist.

Kritik: Leider kann sich auch der gesunde Menschenverstand täuschen und seit Darwins Evolutionstheorie gibt es ein schlüssiges Erklärungsmodell, das gänzlich ohne Gott auskommt. Sogar die Entwicklung von Schönheit lässt sich mit Selektion und Auslese erklären, denn das, was wir als schön empfinden, ist meist eine Kombination von Gesundheit und Kraft. Auch bei der Entwicklung kosmischer Objekte, wie Sterne, Galaxien und Planeten, als auch bei der Bildung von anorganischer Materie gibt es eine evolutionäre Entwicklung beginnend mit dem Urknall. Somit können wir mit Sicherheit davon ausgehen, dass heute alle religiösen Schöpfungsgeschichten wissenschaftlich widerlegt sind, auch wenn die in den USA einflussreichen Kreationisten das hartnäckig leugnen. Andererseits muss man aber auch zugeben, dass es sowohl bei Darwins Evolutionslehre Erklärungslücken gibt, insbesondere wenn es um die Entstehung völlig neuer Eigenschaften geht, die sich nicht durch Selektion und Variation erklären lassen. Als auch bei der anorganischen Evolution, wo es an zentralen Stellen noch massive Ungereimtheiten gibt wie z.B. eine Verletzung des ersten Hauptsatzes der Thermodynamik im Moment des Urknalls. Für die Gegner ein Grund, die gesamte wissenschaftliche Erklärung in Frage zu stellen, für die Befürworter nur ein kleiner Schönheitsfehler, der über kurz oder lang durch neue Forschungsergebnisse behoben wird. Meines Erachtens machen es sich hier beide Seiten zu einfach, denn ähnlich wie beim Welle-Teilchen-Dualismus haben wir es mit Phänomenen zu tun, die sich weder mit der einen, noch mit der anderen Theorie vollständig erklären lassen. Dazu aber mehr im Beitrag „Ist der schöpferische Geist mit der Evolutionstheorie vereinbar?“. Auch wenn der teleologische Ansatz somit spannende Argumente für eine weitere Diskussion liefert, als verlässlicher Gottesbeweis taugt er nicht.

Der Kantsche Gottesbeweis

Der große Philosoph der Aufklärung Immanuel Kant entwickelte nach seiner Kritik an den damals üblichen Gottesbeweisen einen eigenen Ansatz: „Folglich müssen wir eine moralische Weltursache (einen Welturheber) annehmen, um uns, gemäß dem moralischen Gesetze, einen Endzweck vorzusetzen; und so weit als das letztere notwendig ist, so weit ist auch das erstere anzunehmen: nämlich es sei ein Gott.“ Mit anderen Worten, Gott ist moralisch notwendig um unserem Leben einen Sinn zu geben.

Kritik: Kant hat zwar absolut Recht, ohne eine Gotteshypothese gibt es keinen echten Sinn des Lebens (mehr dazu auch in meinem Beitrag: „Gibt es einen Sinn ohne höheres Wesen?“). Leider zählen aber weder die Moral noch ein wie auch immer gearteter Endzweck zu den Naturgesetzen und so sehr wir uns auch einen Lebenssinn wünschen, gibt es keine Gesetzmäßigkeit für einen Endzweck und somit kann er auch nicht zwingend eine moralische Weltursache (Gott) erfordern.

Der Versuch eines naturwissenschaftlichen Gottesbeweises

Wenn wir also einen tatsächlich validen Gottesbeweis antreten wollen, muss er sich an Standards messen lassen, wie sie auch für naturwissenschaftliche Theorien gelten. Es genügt nicht, ein in sich logisches Gedankengebäude zu entwickeln, die Theorie muss auch anhand experimentell nachvollziehbarer Studien belegbar sein. Gerade bei Untersuchungen im Bereich von transzendenten Phänomenen muss sichergestellt sein, dass jegliche Form von Manipulation sowohl seitens der Studienobjekte aber auch seitens des Experimentators ausgeschlossen ist. Dabei ist stets zu prüfen, ob es nicht auch einen rein naturwissenschaftlichen Ansatz gibt, der ohne spirituelle Erklärung auskommt. Parallel dazu sollte eine Prüfung nach Ockhams Rasiermesser erfolgen, die fordert, im Zweifelsfall die einfachere, geradlinigere Theorie zu bevorzugen. Hierzu ein kurzes Beispiel: Beim mittelalterlichen, geozentrischen Weltbild ergaben sich für die Planetenbahnen komplexe Schleifenstrukturen für deren Verlauf es keine physikalische Erklärung gab. In einem heliozentrischen Weltbild verschwinden diese Schleifen und es bleiben Ellipsen, die sich mit einfachen Anziehungskräften zwischen Sonne und Planeten erklären lassen. Gleiches gilt für Gott als Ursache für das Universum. Solange Gott lediglich eine zusätzliche Hypothese ist, für die es keinerlei Beweise gibt, wird das zu lösende Rätsel nur durch ein noch größeres beantwortet. Wenn wir Gott weglassen, sparen wir uns einen zusätzlichen, nicht beweisbaren Schritt in der Argumentation. Von daher ist aus wissenschaftlicher Sicht die Erklärung ohne Gott zu bevorzugen. Aber in diesem Beitrag wollen wir jetzt den ketzerischen Schritt wagen, einen naturwissenschaftlichen Beweis für die Existenz Gottes zu versuchen.

In meinen bisherigen Beiträgen habe ich bereits ein paar Themen angesprochen, die von der Beweiskraft und Untersuchungsmethodik her den obigen Anforderungen entsprechen und somit als Grundlage für einen möglichen naturwissenschaftlichen Gottesbeweis geeignet sein können. Hinzu kommen noch sehr überzeugende Forschungsergebnisse der Sterbeforschung:

  • Quanteneffekte: Die Phänomene Quantenverschränkung, Tunneleffekt und Vakuumfluktuation beweisen, dass es eine wie auch immer geartete metaphysische Dimension gibt, die einen Informationsaustausch außerhalb unseres bekannten Raum-Zeit-Kontinuums ermöglicht.
  • Systemaufstellungen: die Tatsache, dass völlig unbeteiligte Repräsentanten in einer Aufstellung Eindrücke und Emotionen von Personen wiedergeben, die sie sie nicht kennen und die z.T. bereits verstorben sind, kann als Indiz für die Existenz und den Zugang zu einem kollektiven Unbewussten gelten.
  • Parapsychologische Phänomene: In einer Metastudie im Auftrag des US Kongresses untersuchte die Statistikprofessorin Jessica Utts 154 Experimente mit über 26.000 Einzelversuchen die im Zeitraum von 15 Jahren an der Stanford University durchgeführt wurden. Dabei konnte sie einen statistisch relevanten Beleg für die Existenz parapsychologischer Phänomene liefern.
  • Nahtoderfahrungen: In den letzten 45 Jahren wurden Nahtoderfahrungen systematisch untersucht wobei deren Existenz als wissenschaftlich erwiesen gelten kann. Alternative Erklärungsversuche wie Halluzinationen und nachträgliche Verfälschung der Erinnerung durch Vermischung von Erlebtem z.B. mit Medienberichten konnten durch Hirnstrommessungen und direkte Befragung nach dem Erwachen entkräftet werden. Außerkörperliche Erlebnisse können anhand der Beschreibung von Fakten, die den Betroffenen anders nicht zugänglich waren als real eingestuft werden. Laut dem Sterbeforscher Pim van Lommel sind die aktuellen Forschungserkenntnisse ein Beleg dafür, dass „Menschen ein klares Bewusstsein erfahren können, selbst wenn das Gehirn nachweislich nicht mehr funktioniert“.
  • Gebete: Die missglückte Gebetsstudie STEP belegt eine statistisch signifikante Wirkung von Gebeten, wenngleich diese Wirkung in der Studie negativer Art war. Das macht zwar die Interpretation der Ergebnisse schwierig und widerspricht den Erwartungen der Wissenschaftler, doch gerade deshalb kann sie als überzeugender Beweis dafür gelten, dass Gebete durchaus eine metaphysische Wirkung haben können.

Wenn wir uns die oben genannten Fakten anschauen, erhalten wir zahlreiche Belege dafür, dass es eine Welt gibt, die jenseits unserer physikalisch erlebbaren und beschreibbaren Welt existiert. Wir können auch mit großer Sicherheit annehmen, dass in dieser metaphysischen Welt Informationsübertragung und Informationsspeicherung möglich ist. Es kann gezeigt werden, dass es unserem Geist prinzipiell möglich ist, mit dieser Welt in Kontakt zu treten. Diese Welt kann zudem bewusst und willentlich auf diesen Kontakt reagieren, was darauf schließen lässt, dass diese Welt über einen eigenen Geist verfügt.

Kritik: Was wir nicht beweisen können ist, ob dieser geistige Kontakt tatsächlich mit einem Wesen stattfindet, das unserem Gottesbild entspricht. Denn wir können nichts über die Eigenschaften dieser metaphysischen Welt und des damit verbundenen Geistes aussagen. Wir wissen nicht, ob wir es mit einem einzigen, allumfassenden Geist oder einem Geist unter vielen zu tun haben. Wir wissen nicht, ob dieser Geist tatsächlich der Schöpfer ist oder zumindest am Schöpfungsprozess teilgenommen hat. Wir können noch nicht einmal sagen, ob dieser Geist prinzipiell gut, böse oder allmächtig ist.

Und dennoch bringt uns dieser Ansatz deutlich näher an das Phänomen Gott heran, als alle zuvor beschriebenen philosophischen Gottesbeweise. Denn zum ersten Mal gelingt es uns, nachweisbare Fakten für die Existenz eines metaphysischen Wesens und seiner Welt zu liefern, was uns von dem Zweifel erlöst, dass das alles nur Einbildung, Illusion oder gar Betrug sein könnte.

Wir brauchen eine Botschaft

Ein echter Gottesbeweis ist es aber dennoch nicht. Wesentlich überzeugender wäre es, wenn wir von diesem schöpferischen Geist eine unverfälschbare Botschaft vorfinden würden, die weder durch Zufall oder Evolution noch durch Menschenwerk entstanden sein kann. Damit schließe ich explizit Ansätze der Intelligent-Design-Bewegung aus, die in der Komplexität des Lebens bereits einen Beweis für Gottes Wirken sehen. Das alleine ist zu wenig und kann hinreichend befriedigend durch die Evolutionstheorie erklärt werden. Gleiches gilt für die Bibel und andere religiöse Schriften. Auch wenn ihre Anhänger fest davon überzeugt sind, dass sie teilweise oder gar vollständig durch Gott inspiriert wurden, steht ganz klar fest, dass sie Menschenwerk sind. Als Beweis für göttliches Wirken sind sie daher ungeeignet.

Im nächsten Beitrag möchte ich mich daher auf die Suche nach einer möglichen Botschaft des schöpferischen Geistes machen.

Kann es einen schöpferischen Geist geben?

Das Wichtigste in Kürze

Wir wünschen uns einen Schöpfergott, doch liefert die Wissenschaft eine Schöpfungsgeschichte ohne Gott. Aber statt damit alles widerspruchsfrei zu erklären, verletzt auch sie die Naturgesetze. Nur der Zufall bringt Kreativität in die Schöpfung und dieser Zufall entspringt wie der Geist der Welt der Quanten.


Eine Schöpfungsgeschichte ohne Gott

Ähnlich wie wir von Gott erwarten, er solle das Gute verkörpern, ist uns allen auch das Bedürfnis nach einem Schöpfer zu Eigen. Nicht umsonst erzählen uns alle Religionen eine Schöpfungsgeschichte, an deren Anfang die Götter stehen. Die Wissenschaften liefern uns heute eine recht schlüssige Schöpfungsgeschichte, die ganz ohne Gott auskommt. Ausgehend von reiner Energie und absolutem Chaos beim Urknall haben sich einfache Wasserstoffatome gebildet, die sich zu Gaswolken und Sternen verdichtet haben und in denen durch Fusionsprozesse bis zum Eisen alle Atome des Periodensystems zusammengebacken wurden. Schwerere Elemente entstanden schließlich unter den extremen Bedingungen von Supernova-Explosionen. Gesteinsplaneten, wie unsere Erde, bestehen somit aus dem Staub uralter, zerborstener Sterne. Erst durch den Tod von Sternen wurden Rahmenbedingungen geschaffen, die die Prozesse der anorganischen und besonders der organischen Chemie ermöglichen. Davor waren entweder Druck- und Temperaturbedingungen zu extrem oder es fehlten schlichtweg die schwereren Elemente, die für die Bildung größerer Moleküle bis hin zu den komplexen Grundbausteinen des Lebens nötig sind. Nur durch diese Evolution von Materie und Chemie wurde eine Entstehung von Mikroorganismen überhaupt möglich und erst ab diesem Moment greift Darwins Evolutionstheorie, die ebenfalls auf eine Gotteshypothese verzichtet.

Die größtmögliche Verletzung der Naturgesetze

Es stellt sich somit die berechtigte Frage, wozu wir überhaupt noch einen Schöpfer benötigen? Doch ganz so widerspruchsfrei wie wir Naturwissenschaftler es gerne hätten, ist sie nicht, die moderne Schöpfungsgeschichte, denn es gibt entscheidende Erklärungslücken. Bei der Bildung von Materie aus Energie entsteht zu gleichen Teilen Materie und Antimaterie. Wieso kam es jedoch zu einem Ungleichgewicht, sodass unser materielles Universum übrig blieb, anstatt dass sich Materie und Antimaterie gegenseitig ausgelöscht haben? Wieso hat sich das dabei entstandene Wasserstoffgas nicht gleichmäßig im Weltall verteilt? Stattdessen kam es zu einem Ungleichgewicht und somit zur Bildung von Gaswolken, die letztendlich Geburtsstätten der ersten Sterne waren. Doch auch bei der Geburt der ersten Sterne ist noch ungeklärt, wie es zu solch einer hohen Verdichtung bis hin zum Zünden der Wasserstofffusion kommen konnte, obwohl die Gravitation der Gaswolken dafür gar nicht ausgereicht hätte. Am eklatantesten ist jedoch die Erklärungsnot in die wir kommen, wenn wir beantworten sollen, woher all die Energie für den Urknall gekommen ist. Wer heute ein Patent anmelden möchte, in dem Energie aus Nichts gewonnen wird, dessen Antrag wird ohne Prüfung abgelehnt, denn es handelt sich dabei um einen Verstoß gegen den ersten Hauptsatz der Thermodynamik – den Energieerhaltungssatz. Doch wenn unser Universum mit einem Urknall aus dem Nichts entstanden sein soll, dann handelt es sich hierbei um die größtmögliche Verletzung des wichtigsten Grundsatzes der Naturwissenschaften, des Energieerhaltungssatzes.

Die Evolutionstheorie ist nichts für Erfinder

Und auch bei der biologischen Evolution gibt es noch ungeklärte Fragen. Zwar liefert die Evolutionstheorie hervorragende Erklärungen für Variation und Weiterentwicklung durch Selektion und Auswahl, doch sobald es darum geht, etwas komplett Neues zu erfinden, ist sie auf den Zufall in Form von Mutationen angewiesen. Doch bis heute sind uns in der Praxis ausschließlich Mutationen in Gestalt von Missbildungen bekannt. Es gibt keine wissenschaftliche Studie, in der positive Mutationseffekte bei Laborversuchen oder radioaktiv verstrahlten Gebieten beobachtet wurden.

Schöpfung anders, als wir es uns vorstellen

Diese Erklärungslücken bedeuten aber noch lange nicht, dass wir sofort Gott als Verursacher aus dem Hut zaubern dürfen. Bisher hat sich dann doch immer wieder alles auf naturwissenschaftliche Ursachen zurückführen lassen. Andererseits macht es keinen Sinn, einen Schöpfer dort zu suchen, wo wir bereits heute alles kausal und widerspruchsfrei erklären können. Wenn also der allumfassende Geist in der Schöpfung mitgemischt haben sollte, dann bleibt uns nur das enge Feld der Erklärungslücken. Und auch hier müssen wir im Zweifelsfall davon ausgehen, dass wir es nicht mit Gott sondern mit unserer Unwissenheit zu tun haben. Wenn also der Geist dem schöpferischen Prinzip entsprechen soll, dann sicher ganz anders, als sich das die Menschheit bisher vorgestellt hat. Der Fehler in unserem menschlichen Denken liegt darin, dass wir immer davon ausgehen, dass Gott genauso funktioniert, wie wir es uns mit unserem aktuellen Wissensstand vorstellen können. Heute wäre er der Programmierer einer virtuellen Welt im Stil der Matrix-Trilogie. Vor dreihundert Jahren, als Newton sein deterministisches Weltbild postuliert hatte, hielt man Gott für einen Mechaniker, der das Universum wie ein präzises Uhrwerk geschaffen hat, ohne dabei Platz für den kleinsten Zufall zu lassen. Und vor etwa 3000 Jahren hielt man Gott für einen Töpfer, der seine Welt modelliert und ihr dann Leben eingehaucht hat. Wir müssen uns von solchen Vorstellungen lösen. Ein schöpferischer Geist kann sehr wohl die Welt, wie wir sie heute kennen, aktiv mitgestaltet haben. Doch so wie es aussieht, hält er sich allen Wunderberichten zum Trotz recht konsequent an die Naturgesetze.

Gläubige und Atheisten glauben dasselbe

Doch wo liegen nun die prinzipiellen Unterschiede des geistigen Schöpfungsaktes zu den bisherigen Modellen? Im Universum gibt es zwei große Prinzipien, eines ist das deterministische Prinzip. Das ist die Physik Newtons, es ist das Prinzip des Makrokosmos, das Prinzip der großen Zahl, des statistisch zuverlässigen Mittelwerts, das Prinzip nach dem Maschinen und Programmcodes ablaufen. Es bietet keinen Raum für Ideen, für Kreativität und auch nicht für Gefühle. Auf der anderen Seite haben wir das Prinzip des Zufalls. Wenn wir einen Atheisten fragen, was für die Vielfalt der Schöpfung, also die Innovation der Evolution verantwortlich ist, so wird er den Zufall nennen. Wir können somit festhalten, dass Atheisten an den Zufall glauben. Dem entsprechen die Quantenphysik und die Chaostheorie. Wenn wir aber einen gläubigen Menschen fragen, wer für die Vielfalt der Schöpfung verantwortlich ist, wird er Gott nennen. Und wenn wir ihn fragen, ob Gott gleichbedeutend ist, mit dem Geist, der das gesamte Universum erfüllt, so wird er das bestätigen. Und exakt diesen alles umfassenden Geist des Universums vermuten führende Naturwissenschaftler in der Welt der Quanten (siehe dazu auch „Kann das Universum einen Geist besitzen“). Somit glauben Atheisten und religiöse Menschen letztendlich an dasselbe kreative Schöpfungsprinzip, nämlich an eine Schöpfung aus dem Reich des Zufalls. Der Zufall steht für das Individuelle, ihm entspringen neue Ideen aber auch genetische Mutationen, die die Evolution vorantreiben. Das eine Prinzip kann nicht ohne das andere bestehen. Reiner Zufall führt zwar ständig zu Neuem, doch das hat keinen Bestand, da es nicht wiederholt wird. Das Wiederholen ist Sache der deterministischen Welt. Umgekehrt ist ein deterministisches System nicht in der Lage, Neues zu erfinden. Erst wenn wir beide Prinzipien zusammenbringen, ist Schöpfung möglich.

Und Gott würfelt doch

Zwar war Einstein der festen Überzeugung, dass Gott nicht würfelt, doch wenn wir den Geist in der Welt der Quanten verorten, so dürfte sich sein schöpferischer Einfluss auf das Prinzip des Zufalls beschränken. Hierfür gibt es gleich eine Reihe Gründe. Zum einen ermöglicht der Zufall auf Quantenebene Beeinflussungen der deterministischen Welt ohne dabei gegen Naturgesetze zu verstoßen. Darüber hinaus ist der Zufall weitaus inspirierender, als das emotionslose Ablaufen einer Uhr. Aber das Wichtigste, der Zufall, ist das ältere Prinzip. Verlässliche Gesetzmäßigkeiten, wie Ursache und Wirkung sind erst deutlich später aus dem Prinzip des Zufalls heraus entstanden. Letztendlich haben wir es mit einer Art kosmischer Evolution zu tun, in deren Folge Ursache und Wirkung erst entstanden sind. Uns kann zwar keiner verraten, warum es geknallt hat, aber kurz nach dem Urknall hatten wir eine Welt aus Energie und Quantenfluktuation. Das war eine Welt, in der der Zufall und somit ausschließlich das schöpferische Prinzip regiert hat. Dann erst bildeten sich die ersten Atome und der Determinismus hielt Einzug im Universum. Je größer die Strukturen wurden, desto berechenbarer wurde die Welt. Und es wurde Reproduktion und Ordnung möglich. Doch mit dem Determinismus hat das schöpferische Prinzip massiv an Einfluss verloren, da durch das Entstehen von Materie und deren Verbindung zu Molekülen sowie durch die Verdichtung der Materie hin zu Sternen und Planeten die Freiheitsgrade immer mehr beschränkt wurden. Spontane Änderungen einzelner Quantenzustände haben hier kaum mehr eine Wirkung. Es dominieren statistische Gesetzmäßigkeiten und erst damit entstand das Prinzip von Ursache und Wirkung.

Ursache und Wirkung sind Kinder des Zufalls

Doch was hat Statistik mit Ursache und Wirkung zu tun? Gewisse Quantenprozesse, wie z.B. die spontane Emission finden ohne äußere Einwirkung, also ohne Ursache statt. Ursache und Wirkung sind nach heutigem Stand der Forschung somit ein makroskopischer Effekt, der erst ab einer statistisch relevanten Anzahl von Quanten verlässlich auftritt. Erinnern wir uns das Wolframatom aus dem Beitrag „Wo ist der Übergang zwischen Physik und Metaphysik?“. Wenn ich es erwärme, wird es irgendwann einmal so viel Energie aufgenommen haben, dass es einem seiner Elektronen gelingt, auf eine höhere Ebene zu springen. Kehrt das Elektron auf seine ursprüngliche Bahn zurück, wird ein Quantum Licht in Form eines Photons abgestrahlt. Da wir uns hier jedoch in der Welt der Quantenphysik bewegen, kann niemand vorhersagen, wann dieser Quantensprung stattfindet. Es kann sogar passieren, dass im einen Fall überhaupt kein Auslöser da sein muss und es wird trotzdem ein Photon emittiert und im anderen Fall muss ich das Zehnfache an der sonst üblichen Energie zuführen, bevor etwas passiert. Hier ist beliebig viel Raum für geistige Einmischung, ohne dass dabei ein Naturgesetzt verletzt werden muss. Wenn wir nun aber statt einem Wolframatom einige Billiarden davon zu einem Draht formen und diesem Energie zuführen, dann können wir sehr genau sagen, wann und mit welcher Helligkeit er zu leuchten beginnt. Erst durch die große Zahl entsteht dieser neue Effekt, den wir als Ursache und Wirkung bezeichnen. So toll wir es finden, dass jedes Mal das Licht angeht, wenn wir auf den Schalter drücken, so fatal ist das für unseren kreativen Geist aus der Quantenwelt. Denn der kann eigentlich nur noch in sehr instabilen Systemen mit seinen sprunghaften Ideen etwas bewirken.

Ist der Schöpfer ohnmächtig?

In unserer Welt kann geistige Einmischung somit nur noch so funktionieren, wie der Schmetterlingseffekt bei Tropenstürmen. Während der labilen Entstehungsphase genügt ein winziger Flügelschlag, um über Sturm oder Flaute zu entscheiden, wenn die Entscheidung dann aber gefallen ist, dann können selbst alle Schmetterlinge der Welt nichts mehr daran ändern. Doch das bedeutet nicht, dass der Schöpferin unserer Welt ohnmächtig ist, aber es gehört schon ein bewundernswertes Maß an Geduld und Cleverness dazu, um mit so winzigen Impulsen in der makroskopischen Welt etwas zu bewirken.

Möglichkeiten geistigen Einflusses

Ich persönlich glaube nicht, dass ein schöpferischer Geist aus der Welt der Quanten in der Entstehungsphase eines Sturmes nennenswerte Einflussmöglichkeiten hat. Denken wir aber an die Erklärungslücken unserer heutigen wissenschaftlichen Schöpfungsgeschichte, dann gibt es einige Punkte an denen Zufall und Ungleichgewicht nötig sind, um dem deterministischen Gang der Dinge auf die Sprünge zu helfen. Vielleicht war es ja unser Geist aus der Welt der Quanten, der dafür gesorgt hat, dass sich nicht die gesamte Materie und Antimaterie nach dem Urknall gleich wieder gegenseitig ausgelöscht haben. Vielleicht hat er auch für das nötige Ungleichgewicht gesorgt, dass sich aus einem homogenen Wasserstoffgas lokale Wolken bilden konnten, die als Kristallisationskerne für die spätere Entstehung von Sternen dienten. Ganz bestimmt hatten und haben in der Evolutionsgeschichte Quanteneffekte Einfluss auf genetische Mutationen wie zum Beispiel bei Spontanmutationen in der DNA aufgrund des quantenmechanischen Tunneleffekts. Hier können bereits winzigste Einflussfaktoren fatale Folgen wie Missbildungen oder eben signifikante Entwicklungssprünge nach sich ziehen. Doch auch hierbei dürfen wir nicht vergessen, dass die genetische Evolution nur zu einem sehr geringen Anteil durch den Zufall bestimmt wird. Auch hier dominieren ganz klar deterministische Faktoren wie Zucht und Auslese.

Kann Geist ewig sein?

Das wichtigste in Kürze

Mit ca. 14 Milliarden Jahren ist unser Universum relativ jung, zu uns hat es das gleiche Verhältnis wie 80 Jahre zu 14 Sekunden. Das limitierte „Taschenrechner-Unendlich“ von 10^99 sprengt hingegen alle Dimensionen des Weltalls. Doch selbst ein Universum voller Affen würde nicht ausreichen, um in dieser Zeitspanne Goethes Faust zufällig zu tippen. Im Vergleich zu Unendlich ist Endlich immer Null. Somit ist die Ursache für unser Universum wohl eher in endlicher Dimension zu vermuten.


Unsterbliche sterben früher

Mit der Frage nach ewigem Leben habe ich mich bereits Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts auseinandergesetzt. Ich war noch ein kleiner Junge und durfte mir gelegentlich einen Dracula-Film mit Christopher Lee anschauen. Damals schon war ich ein wenig verwundert, dass die untoten Vampire am Schluss dann doch alle tot waren. Und irgendwie scheint es bis heute die Regel zu sein, dass im Kino die Unsterblichen meist das Ende des Films nicht erleben. Offensichtlich ist das der Umkehrschluss des Spruchs „Totgesagte leben länger“. Nachdem Nietzsche sogar Gott für tot erklärt hat, möchte ich mich in diesem Beitrag etwas ausführlicher mit der Ewigkeit und dem Unendlichen auseinandersetzen. Übrigens impliziert Nietzsches grausames Urteil, dass er prinzipiell die Existenz Gottes anerkannt hat, denn was nicht existiert kann auch nicht sterben.

Ein verdammt junges Universum

Die Argumentation der Kirche lautet, dass Gott ewig ist – also nicht nur unsterblich, sondern bereits immer dagewesen ist. Nun stellt sich aber die Frage, warum soll Gott ewig, seine Schöpfung aber nicht ewig sein? Zunächst dachte ich, naja, das wird wohl wie bei einem Künstler sein, der auch erst ab einem gewissen Alter beginnt, ein Kunstwerk zu schaffen. Aber dann dürfte unser Universum trotzdem nicht so verdammt jung sein – im Vergleich zur Ewigkeit. Wenn der schöpferische Geist ewig wäre, warum hat er dann erst vor lächerlichen 14 Milliarden Jahren die Idee gehabt, unsere Welt zu erschaffen? Sie werden sich fragen, spinnt der jetzt? Im Vergleich zu einem Menschenleben ist unser Universums doch quasi unendlich alt.

14 Sekunden in der Ewigkeit

Im Vergleich zu unserem eigenen Lebensalter, das vielleicht 80 Jahre währt, wäre das so, als würden wir es mit einer Mikrobe zu tun haben, die gerade mal 14 Sekunden lebt. Das mag erst mal kurz erscheinen, aber würden Sie wirklich Ihre 80 Jahre im Vergleich zu 14 Sekunden als Ewigkeit bezeichnen? Okay, es ist eine kurze Zeit, aber wenn Sie 14 Sekunden lang Ihre Hand auf eine heiße Herdplatte legen, werden Sie merken, dass diese Zeitspanne eine kleine Ewigkeit sein kann. 14 Sekunden genügen, um uns einen Menschen vorzustellen und ein paar nette Worte zu wechseln. Viel wichtiger aber ist, bereits in diesen 14 Sekunden entscheiden wir, ob wir eine Person als sympathisch, interessant oder langweilig empfinden. 14 Sekunden genügen, um uns unsterblich (sic!) in einen Menschen zu verlieben. Die Relation zwischen dem Alter unseres Universums und unserer Lebenserwartung würde somit sogar eine bleibende und nachhaltige Interaktion zwischen einem universellen Geist und uns als Individuum möglich machen.

Ein Zeitstrahl quer durch Europa

Für die anschaulichere Betrachtung der weiteren Themen wollen wir unsere 80 Jahre auf einem Zeitstrahl darstellen. Wenn unsere Lebensspanne dort einen Millimeter lang wäre, so müsste unser Maßstab 1.750 km lang sein, um das Alter des Universums darzustellen. Auch das klingt viel, aber beide Größen sind für uns durchaus begreifbar und entsprechen unserer Alltagserfahrung. Holländische Wohnwagentouristen spulen diese Distanz locker mal an einem Tag herunter.

Das Taschenrechner-Unendlich

Doch der Begriff ewig bedeutet, vor unendlich langer Zeit. Nehmen wir mal das, was unser Taschenrechner als größtmögliche Zahl ausspuckt. Das ist 10^99 also eine eins mit 99 Nullen, was aber nicht bedeutet, dass danach wirklich Schluss wäre. 14 Milliarden ist etwas mehr als 10^10, also eine 1 mit 10 Nullen. Wenn wir versuchen, diese beiden zeitlichen Dimensionen auf einem Zeitstrahl gemeinsam darzustellen, werden wir eine kleine Überraschung erleben. Bevor Sie weiterlesen, schätzen Sie doch mal, wie lang der 10^99-Jahre Zeitstrahl sein müsste, wenn die 14 Milliarden Jahre unseres Universums nur einen winzig kleinen Millimeter messen würden.

Kein Zeitstrahl kann es fassen

Selbst die, die jetzt irgendwelche kosmischen Distanzen bis hin zum Durchmesser unseres gesamten Universums genannt haben, liegen quasi unendlich weit daneben. Unser Zeitstrahl müsste 7*10^88 Millimeter lang sein. Diese Zahl ist natürlich völlig unbegreiflich. Also nehmen wir als Einheit statt Millimeter das Lichtjahr, also die Distanz die das Licht in einem Jahr überwindet. Das ist schon mal richtig viel. Würde unser holländischer Wohnwagentourist (das ist die einzige uns bekannte Lebensform, die hierzu in der Lage ist) Tag und Nacht ohne Pause mit Tempo 120 durchfahren, so würde er für diese Strecke exakt 9 Millionen Jahre benötigen. Wenn wir also die 7*10^88 mm in Lichtjahre umrechnen, kommen wir auf 7,5*10^69 Lichtjahre – das ist ja immer noch völlig unbegreiflich. Unser Universum hat einen Durchmesser von knapp 80 Milliarden Lichtjahren, also rechnen wir das mal in die Anzahl an Durchmesser Universen um, und auch da kommen wir wiederum auf eine unfassbar große Zahl, nämlich 9,4*10^58 Universen. Also ist ein Millimeter auf unserem Zeitstrahl für das Alter unseres Universums im Verhältnis zur Taschenrechner-Unendlichkeit viel zu groß.

Das ganze Universum in einem Proton

Was wäre wenn wir sagen, die 14 Milliarden Jahre unseres Universums sind auf dem Zeitstrahl gerade mal so groß wie der Durchmesser eines Protons, das sind 1,7*10^-15 Meter, also eine wirklich winzige Größe. Dann müsste unser Zahlenstrahl immer noch 1,6*10^45 Universen lang sein. Jetzt werde ich rabiat, ich nehme einfach mal an, unser ganzes Universum passt in ein Proton, wie lang wäre dann unser unendlicher Zahlenstrahl? Und jetzt wird es langsam vorstellbar, wir würden „nur“ noch 36 mal den Durchmesser unseres Universums benötigen (das wären dann lächerliche 2,8 Billionen Lichtjahre) die Proton für Proton dicht gepackt sind, wobei jedes Proton wiederum ein 80 Milliarden Lichtjahre großes Universum enthält, in dem dann unsere 14 Milliarden Jahre Alter des Universums wiederum nur den Durchmesser eines Protons besitzen:

Taschenrechner-Unendlich
Bildquelle: eigene Darstellung

Es gibt einfach kein Ende

Und wenn Sie denken, jetzt ein Gefühl für Unendlich bekommen zu haben, dann liegen Sie ganz weit daneben. Denn unser Taschenrechner-Unendlich können Sie ganz einfach auf 10^100 erhöhen. Das hätte zur Folge, dass Sie nun nicht mehr 36 Universen aus „Protonen-Universen“ sondern das Zehnfache, also 360 solcher Universen benötigen. Und dennoch haben wir es mit einer endlichen Zahl zu tun. Wir können damit rechnen und es in irgendeine Relation bringen. Wenn wir Lust hätten, könnten wir unser Unendlich auf 10^199 erhöhen. Dagegen ist das Taschenrechner-Unendlich noch viel bescheidener, als das Alter unseres Universums zum Taschenrechner-Unendlich. Aber was hindert uns daran, eine Zahl zu erfinden, die 10^99999999999999999999999999999999999999999999 lautet? Nichts! Aber diese Zahl ist immer noch nicht Unendlich. Wenn wir wollen, können wir so viele Neuner in den Exponenten packen, wie Protonen auf unseren Zeitstrahl passen. Egal was wir anstellen, wir kommen nicht auf Unendlich, denn irgendein Verrückter kann immer noch ein paar Stellen draufpacken.

Endlich gibt es nicht

Sollte Ihnen jetzt der Kopf so richtig rauchen, dann haben Sie eine ganz bescheidene Ahnung von Unendlich erlangt. Doch wozu das ganze Spiel? Weil daraus ersichtlich wird, dass jede endliche Zeitspanne im Vergleich zur Ewigkeit absolut nichts ist. Deshalb bekommen wir, wenn wir endliche Zahlen (und dazu zählt auch 10^99999999999999999999999999999999999999999999) durch Unendlich teilen als Ergebnis auch immer die Null.

Zweifel an der Ewigkeit des Geistes

Wäre der schöpferische Geist nun unendlich alt, dann wären die 14 Milliarden Jahre unseres Universums für ihn schlichtweg nichts. Dann stellt sich auch die Frage, warum er unendlich lange gewartet hat, um dann aus seiner Sicht vor unendlich kurzer Zeit das Universum zu erschaffen? Oder um es auf den Künstlervergleich zu übertragen, wenn ein Künstler etwas erschafft, dann steht die Dauer seiner Schöpfung stets in einer zeitlich vergleichbaren Dimension zu seinem eigenen Alter. Und selbst wenn unser Künstler nur Seifenblasen produziert. Doch diese vergleichbare Dimension gibt es bei einem ewigen Geist und unserem endlichen Universum nicht. Somit sind Zweifel an der Ewigkeit des schöpferischen Geistes durchaus berechtigt.

Ewigkeit ist auch für Atheisten ein Problem

Und noch eine andere Sache, auch wenn es sich in der Mathematik wunderschön mit unendlichen Zahlen herumspielen lässt, wer als Lösungsansatz statt Gott lieber eine unendlich lange Zeitspanne oder unendlich viele Paralleluniversen bevorzugt, der stößt auf dasselbe Problem wie wir mit einem ewigen Geist. Im Vergleich zu Unendlich ist unsere endliche Realität absolut nichts. Sein Ergebnis ist also stets Null, was bedeutet, eigentlich dürfte es uns gar nicht geben.

Das Infinite-Monkey-Theorem

Auch zeigt die Statistik, dass eine besonders große Menge an Versuchen nicht das Extrem, sondern in der Regel den Durchschnitt hervorbringt. Das entspricht dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik. Wer also glaubt, er muss nur lange genug sinnloses Zeug auf einer Schreibmaschine tippen um damit am Ende auf irgendeinem Stück Papier Goethes Faust zu erhalten, der täuscht sich. Auch wenn es mit dem Infinite-Monkey-Theorem hierzu eine entsprechende mathematische Spielerei gibt. Ein wunderschönes Beispiel ist die Pi-Datenbank in der jede beliebige Zahlenkombination in der bis auf 12 Billionen Nachkommastellen berechneten Kreiszahl Pi gesucht werden kann. 8-stellige Zahlen sind kein Problem doch ab 14 Dezimalstellen wird der Sucherfolg sehr unwahrscheinlich. Und dieses Verhältnis ist nicht linear. Während wir für eine beliebige dreistellige Zahl wenige hundert Nachkommastellen von Pi berechnen müssen, sind es bei 8 Stellen schon bis zu 2 Milliarden und bei 14 Stellen reichen noch nicht einmal 12 Billionen Nachkommastellen. Wir haben es somit hier mit einem exponentiellen Anstieg der Wahrscheinlichkeitsentwicklung zu tun. Um Goethes Faust in Pi zu suchen, müssen wir ihn erst mal in eine Zahlenkombination umrechnen, pro Buchstabe benötigen wir zwei Stellen. So ergeben die knapp 180.000 Buchstaben des Faust I einen Zahlencode mit 360.000 Stellen. In einer ersten groben Schätzung komme ich auf eine Zahl mit 10^90.000 Stellen. Das kommt dann dem echten Unendlich schon wesentlich näher als unser lächerliches Taschenrechner-Unendlich 10^99. Um aber alle Codes des Universums in Pi zu finden, würden wir also wesentlich mehr Stellen benötigen, als das Universum Elementarteilchen enthält. Übrigens kommen die Autoren des Infinite-Monkey-Theorems auf ähnliche Dimensionen für Shakespeares Hamlet. Hier liegt die Wahrscheinlicheit bei 10^-138.000, was also wahrhaft unendlich gering ist. Wenn man dann Zitate liest, dass in einem Raum voller Affen nach ein paar Millionen Jahren vielleicht ein Werk von Shakespeare entstanden sein könnte, dann wird klar, dieser Mensch hat nicht die leiseste Idee davon, was mit Unendlich gemeint ist. Denn diese Wahrscheinlichkeit bedeutet, dass selbst ein Universum voller Affen nicht ausreicht, um in der bereits unfassbaren Zeitspanne der Taschenrechner-Unendlichkeit Goethes Faust zufällig zu tippen.

Unendlich viele fehlerhafte Varianten

Darüber würde das unendlich lange Getippe der Affen nicht nur Goethes Original-Faust hervorbringen, sondern nahezu unendlich viele Variationen davon mit beliebig vielen Rechtschreibfehlern, Kürzungen, Ergänzungen, zusätzlichen und fehlenden Protagonisten, ja vielleicht wäre auch eine Fassung dabei, die sogar mir gefällt. Das Problem liegt darin, dass wir es ab einer gewissen Komplexität eines Codes stets mit quasi unendlich vielen fehlerhaften Varianten davon zu tun bekommen. Auf eine richtige vierstellige Pin-Nummer kommen nun mal 9.999 falsche Pin-Nummern. Wobei natürlich unsere tippenden Affen vielleicht auch mal bereits nach hundert oder aber auch erst nach 20.000 Versuchen Erfolg haben. Auf den Urknall bezogen würde das bedeuten, dass es zu dem unendlich unwahrscheinlichen Fall eines zufällig aus Quantenfluktuationen entstandenen Urknalls mit exakt den Parametern, die wir kennen natürlich noch unendlich mal unendlich viele Urknalle gegeben haben müsste, bei denen jeder beliebige Parameter anders war. Ich glaube, spätestens jetzt wird klar, wie unbrauchbar dieser Ansatz ist.

Rückbesinnung auf Bewährtes

Von daher gehe ich fest davon aus, dass wir es wohl mit endlichen Dimensionen und falls es ihn gibt, mit einem endlichen schöpferischen Geist zu tun haben. Das vor allem, weil nichts im Universum auf eine tatsächliche Unendlichkeit oder Ewigkeit hinweist. Die Erfahrung zeigt, dass stets die Dinge wahrscheinlicher sind, die nachweislich bereits in ähnlicher Form existieren. So ist es wahrscheinlicher, dass ein endliches Universum, das mit uns Menschen auch einen schöpferischen Geist hervorgebracht hat, seinerseits in irgendeiner Form von einem endlichen, schöpferischen Geist gestaltet wurde, als dass es nach unendlich langem Kombinieren von Zufällen aus sich selbst gemeinsam mit unendlich vielen fehlerhaften Paralleluniversen dem Nichts entsprungen ist, was nebenbei bemerkt auch noch in haarsträubender Weise dem ersten Hauptsatz der Thermodynamik widerspricht.

Ist der allumfassende Geist nun gut oder allmächtig?

Das Wichtigste in Kürze

Von göttlicher Allmacht ist im Alltag nichts zu merken. Egal welche Verbrechen Menschen an Gott begehen, er reagiert nicht. Hinzu kommt, dass sich die Naturgesetze nicht mit einem allmächtigen Schöpfer vereinbaren lassen. Auch wenn der allumfassende Geist nicht allmächtig ist, besitzt er Macht über das All, „All-Macht“. Der Gott der monotheistischen Religionen steht nicht wirklich für Güte sondern für Prüfung und Strenge, trotzdem glauben wir an einen guten, mitfühlenden Gott. Ein alles beseelender Gott spürt erst dann kein Leid, wenn kein beseeltes Wesen leidet, er tendiert somit zum Guten, doch steht er damit gleich für das Prinzip des absolut Guten?


Der Gott der Religionen sollte allmächtig sein

Programmierern stehen bereits heute für die Entwicklung virtueller Welten Werkzeuge zur Verfügung, mit denen sie alle denkbaren Formen allmächtigen Handelns realisieren könnten. Sollte Gott der Schöpfer unseres Universums im Sinne der religiösen Schöpfungsgeschichten sein, so müsste auch er über all diese Formen von Allmacht verfügen.

Gott schaut untätig zu

Doch das deckt sich in keiner Weise mit unseren persönlichen Erfahrungen. Zwar berichten alle Religionen von Wundern, aber diese stellen die Ausnahme, nicht die Regel dar. Auf eine gerettete Seele kommen Heerscharen von Märtyrern. Kein göttlicher Blitz schützt Kirchen, Moscheen, Synagogen und Tempel vor Schändung, Plünderung und Zerstörung. Gott schaut untätig zu, wenn in seinem Namen missbraucht, gefoltert und getötet wird und er schaut genauso untätig zu, wenn seine Gläubigen missbraucht, gefoltert und getötet werden. Egal ob Gott nun gut oder böse ist, aber irgendeine Reaktion sollte man von ihm schon erwarten können. Die Menschheit probiert schon seit Jahrtausenden hartnäckig alle denkbaren und undenkbaren Blasphemien aus, doch Gott reagiert nicht. Zumindest reagiert er nicht so, wie man es von einem allmächtigen Gott erwarten könnte.

Schöpfer ja, allmächtig nein

Im Beitrag „Kann es einen schöpferischen Geist geben?“ werden wir zudem sehen, dass ein wie auch immer gearteter Schöpfer nur dann mit den Erkenntnissen der Naturwissenschaften vereinbar ist, wenn er sich rein auf die Welt von Geist und Zufall beschränkt. Ohne Verletzung der Naturgesetze kann er nur dann Einfluss in der physischen Welt von Ursache und Wirkung nehmen, wenn er sich auf winzige Quanteneffekte beschränkt. Somit benötig er extrem lange Zeiträume um nennenswerte Veränderungen zu bewirken. Solch ein schöpferischer Geist kann zwar das Universum und die Evolution auf lange Sicht nach seinen Vorstellungen formen, doch mit dem Begriff von absoluter Allmacht hat das rein gar nichts zu tun.

Die mächtigste Kraft im Universum

Und dennoch, selbst wenn dieses schöpferische Wirken in unserem Alltag nicht wahrnehmbar ist, kann es trotzdem die größte Macht in unserem Universum sein. Es verhält sich hier ähnlich wie bei den Naturkräften. Wenn ich Sie frage, welche Kraft das Universum am stärksten beeinflusst, werden Sie sicherlich die Atomkraft nennen. Sie hält die Materie zusammen. Sie liefert die Fusionsenergie, die Sterne zum Leuchten bringt und mit deren Hilfe aus Wasserstoff alle bekannten Atome des Periodensystems entstehen. Ohne sie wäre es finster und eisig kalt im Weltall und es gäbe keinerlei Leben. Doch in Wirklichkeit wird das Universum von der schwächsten aller Kräfte geprägt, nämlich von der Gravitationskraft. Ohne sie wäre es nie zur Bildung von Gaswolken, Sternen und Galaxien gekommen. Mehr als Wasserstoffmoleküle hätten nicht entstehen können. Ihre Abstoßungskräfte hätten jegliche Fusion verhindert. Es ist diese sanfte Kraft, die unendlich große Gaswolken dazu bringt, sich zu Sternen zu verdichten, die das Gas so extrem komprimiert, dass überhaupt eine Kernfusion zünden kann und die letztendlich verhindert, dass diese Fusion die Sterne gleich wieder zum Explodieren bringt. Sie sorgt dafür, dass sich unser Planet um die Sonne dreht und nicht ins kalte All katapultiert wird, genauso, wie sie unsere Atmosphäre und alles was auf der Erde lebt auf ihr festhält.

Nicht allmächtig sondern „All-mächtig“

Und dennoch haben wir es mit einer Kraft zu tun, die, außer der Erdanziehung, in Ihrem Alltag völlig bedeutungslos ist. Wenn Sie zwei Murmeln in die Hand nehmen, werden diese sicher nicht aufgrund der Gravitation aufeinander zurollen. Nicht einmal die Kapitäne von Ozeanriesen müssen sich Gedanken machen, dass zwei Schiffe, die nebeneinander im Hafen liegen, aufgrund der Gravitation miteinander kollidieren könnten. Die Gravitation spielt im Kleinen nicht die geringste Rolle. Staub schwebt schwerelos durch die Luft, Fliegen krabbeln ohne Kraftanstrengung eine Scheibe hoch. Im Großen aber ist die Gravitationskraft unendlich mächtig. In letzter Konsequenz ist diese Kraft so stark, dass sie den Raum krümmt und wenn genug Materie zusammenkommt, diese zu einem schwarzen Loch zusammenpresst, in dem die Zeit stillsteht und aus dem nicht einmal mehr das Licht entfliehen kann. Und genau so müssen wir uns die Macht des Geistes aus der Welt der Quanten vorstellen; in unserem Alltag ohne echten Einfluss und dennoch beherrscht sie das gesamte Universum. Somit ist es die schwächste aller Naturkräfte die das All beherrscht, sie ist es, die Macht über das All hat, somit ist sie „All-mächtig“.

Prinzipien der „All-Macht“

Besonders spannend ist zudem die Tatsache, dass uns die Gravitation auch in einem anderen Zusammenhang schon einmal begegnet ist, nämlich als wir der Frage nachgegangen sind: „Kann das Universum einen Geist besitzen?“. Dort haben wir festgestellt, dass die Gravitation auch die Kraft ist, die Ordnung ins Chaos bringt, die alles im Universum vernetzt und das gesamte Universum somit in ein logisches System, in eine Art Gravitationscomputer verwandelt. Der Zufall aus der Quantenwelt hingegen ist die zweite, ähnlich schwache und doch zugleich „All-mächtige“ Kraft. Die Quanteneffekte sind es, die Kreativität und Innovation ermöglichen, aber vor allem sind sie es, die den Gravitationscomputer Weltall mit Geist und Seele erfüllen. Somit sind Gravitation und Zufall zwei Seiten ein und derselben Medaille, die gemeinsam für das Prinzip schöpferischer „All-Macht“ stehen.

Leider nicht allmächtig – aber vielleicht gut?

Trotz dieser schöpferischen „All-Macht“ müssen wir also annehmen, dass, ein wie auch immer gearteter schöpferischer Geist mit großer Sicherheit nicht allmächtig ist. Das mag für viele Gläubige schwer zu akzeptieren sein, doch andererseits löst sich damit der größte Widerspruch des Glaubens nämlich: „Wie kann es sein, dass ein guter und allmächtiger Gott das Böse in unserer Welt zulässt?“ Andererseits stellt sich die Frage, warum wir so begierig sind, es mit einem absolut guten Gott zu tun zu haben. Weder wir noch unsere Welt stehen für das Gute noch behaupten die meisten Religionen, dass Gott ausschließlich gut ist. Gerade die monotheistischen Gottheiten zeichnen sich durch Strenge, Rachsucht und Eifersucht aus. Betrachten wir doch unseren christlichen Gott, der alles andere als zimperlich ist und mit erlesener Grausamkeit straft. So löscht er nahezu die gesamte irdische Population mit der Sintflut aus, er vernichtet Sodom und Gomorrha und verlangt von Abraham, seinen Sohn zu opfern. Und in all diesen Fällen trifft es nicht nur Sünder, denn was ist mit all den unschuldigen Kindern, die dem göttlichen Zorn zum Opfer gefallen sind? Und selbst im wesentlich weniger blutrünstigen Neuen Testament, in dem Jesus die Liebe predigt, schickt der nun etwas gütigere Gott immerhin noch seinen leiblichen Sohn los, um ihn gegen dessen eigenen Wunsch („Vater, wenn Du es willst, so lass diesen Kelch an mir vorübergehen…“) aufs Bestialischste am Kreuz hinrichten zu lassen.

Das Paradies, ein einsamer Ort

Und für die Sünder unter uns kennt Gott nur ewige Qualen in der Hölle, die wir uns mit den sieben Todsünden recht zuverlässig einfangen. Und dabei handelt es sich nicht einmal um Kapitalverbrechen, wie Mord und Totschlag, sondern um so alltägliches, wie:

  1. Hochmut und Stolz,
  2. Geiz und Habgier,
  3. Wollust und Ausschweifung,
  4. Zorn und Rachsucht,
  5. Völlerei und Maßlosigkeit,
  6. Neid und Eifersucht,
  7. Trägheit und Ignoranz

Ich weiß nicht, wie es Ihnen dabei geht, aber ich bekomme die Sieben locker voll und muss dazu noch nicht einmal besonders weit in meine Vergangenheit zurückblicken. Meines Erachtens muss das christliche Paradies ein sehr einsamer Ort sein. Nein, es sind beileibe nicht unsere religiösen Wurzeln, die uns daran glauben lassen, Gott sei das absolut Gute. Wir erwarten das, weil irgendetwas tief in uns drinnen spürt, dass, wenn es einen Schöpfer gibt, dieser auch wirklich für das Prinzip des Guten stehen muss.

Selbst die Bösen wollen die Guten sein

Gehen wir zunächst einmal auf Indiziensuche. Was spricht dafür, dass der allumfassende Geist für das Prinzip des Guten steht? Zunächst ist da unser innerstes Bedürfnis selbst zu den Guten zu zählen. Wie wir im vorangegangen Beitrag festgestellt haben, wollen selbst Verbrecher irgendetwas ‚Gutes‘. In der Regel natürlich in Form von Geld, mit dem sie sich dann Anerkennung, Freiheit und selbstverständlich all die tollen Konsumdinge leisten können, die für ein gutes Leben stehen. Selten begehen diese Verbrecher ihre Taten ausschließlich nur für sich, meist soll dieses ‚Gute‘ auch ihrer Geliebten, ihre Familie oder ihrer Gang oder im Fall der Nationalsozialisten, ihrer Rasse zugutekommen. Es geht also nicht darum, böse um des Bösen willen zu sein, sondern das Gute für sich und die seinen zu erreichen, wobei man sich jedoch am Wohlstand oder der Existenz anderer bedient. In einer Welt, in der Politiker, Funktionäre, Finanzjongleure, Versicherungen und Konzernlenker dies zu einem durch Gesetze legalisierten Geschäftsmodell entwickelt haben, verwundert es wenig, dass bei vielen Verbrechnern das Unrechtsbewusstsein nur mangelhaft ausgeprägt ist. Und dennoch wollen wir alle irgendwie gut sein, zumindest zu denen, die uns etwas bedeuten.

Die Ich-bin-gut-Show genügt vollkommen

Natürlich kann man diesen Trieb zum Guten hervorragend mit evolutionären Gesetzmäßigkeiten erklären. Im Rudel, in der Sippe, im eigenen Clan bringt es Vorteile, wenn alle halbwegs gut miteinander umgehen. Man bringt sich nicht gegenseitig um, sorgt dafür, dass Kranke und Verletzte überleben und mit Teamgeist ist man bei Jagd und Krieg einfach erfolgreicher. Doch das erklärt noch lange nicht, warum wir trotzdem dieses innere, irrationale Bedürfnis haben, gut sein zu wollen und nicht einfach nur eine herzlose ‚Ich-bin-gut-Show‘ veranstalten. Sie meinen, man würde das sicher zu schnell merken, so wie bei all den smarten Vorstandsbossen mit Ihrem Haifischgrinsen? Es mag schon sein, dass Sie denen kein Wort glauben, andererseits sind aber gerade die ja trotzdem die Supererfolgreichen. Für mich ist das Beweis genug, dass eine zynische ‚Ich-bin-gut-Show‘ evolutionär völlig ausreichend wäre. Unser innerstes Bedürfnis gut sein zu wollen wird aus einer anderen Quelle gespeist.

Wahre Liebe ist evolutionärer Unsinn

Dann gibt es das Gefühl der reinen, asexuellen Liebe. Ein Gefühl, das weit über den evolutionär begründbaren Schutz von Jungtieren hinausgeht. Ich spreche von diesem warmen, innigen Gefühl, das bis zur Selbstaufgabe geht und bei dem Sex keine Rolle spielt. Das ist ein Luxus, der uns im harten Überlebenskampf eher Nachteile bringt. Dieses Gefühl können wir unseren Partnern, Eltern, Kindern und selbst unseren Haustieren entgegenbringen. Solange dieses Gefühl unseren Zusammenhalt und somit unser Überleben sichert, ist es sinnvoll und kann daher nur bedingt als Beweis für die Güte des allumfassenden Geistes dienen. Doch sobald eines dieser geliebten Wesen stirbt, sind wir von einer unheimlichen Trauer erfüllt, die uns lähmt und uns die Freude am Leben nimmt. Evolutionär ist das ein völliger Unsinn. Statt sich die nächste Sexualpartnerin zu suchen, verweigern wir uns. Statt einfach neuen Nachwuchs zu produzieren, verlieren wir die Lust am Sex. Statt uns ein neues Haustier zu kaufen, brauchen wir Jahre, bis wir uns wieder an dieses Abenteuer wagen. Nein, da ist etwas, das sich nicht rein mit Hilfe der Gesetze Darwins erklären lässt. Dieses Phänomen der reinen Liebe deutet somit auf etwas hin, das dem absolut Guten durchaus nahekommt.

Retten statt Grillen

Ein nächstes Indiz ist das Phänomen des Mitgefühls, des Mitleids auch mit anderen Geschöpfen. So lange Mitgefühl ausschließlich dazu dient, unsere Artgenossen am Leben zu erhalten, bringt das unserer eigenen Spezies einen evolutionären Vorteil. Doch wenn ich Mitgefühl mit den Tieren empfinde, die meine Nahrung darstellen oder ich sogar mit meinen Feinden mitfühle, dann macht das evolutionär überhaupt keinen Sinn. Sie könnten nun behaupten, dies sei alles nur ein fehlgeleiteter Impuls, der aus dem Drang hervorgeht, die eigene Art zu retten. Doch finden Sie es nicht seltsam, dass ein völlig fehlgeleiteter und unnützer Trieb deutlich stärker ist, als einer der beiden evolutionären Grundtriebe, jagen und Nachwuchs zu produzieren? Denn wer von uns wäre imstande, einem verletzten Häschen oder Eichhörnchen am Straßenrand den Garaus zu machen, um es daheim auf den Grill zu schmeißen? Wir kommen ja noch nicht einmal auf so eine Idee, stattdessen fahren wir Kilometerweit zur nächsten Tierklinik um das Kerlchen zu retten. Schon im Beitrag „. Kann ein Geist alle fühlenden Wesen beseelen?“ haben wir dieses Mitgefühl auch bei Ratten entdeckt. Und selbst bei freilebenden Wildtieren wird relativ häufig eine artenübergreifende Hilfsbereitschaft beobachtet. Werfen Sie doch einfach mal einen Blick auf folgende YouTube-Videos:

 Ein Flüstern das uns strahlen lässt

Unser Bedürfnis gut zu sein, das Phänomen der wahren Liebe und die Fähigkeit Mitgefühl zu empfinden, gehen deutlich über das kühle, evolutionäre Kalkül des „Survival of the fittest“ hinaus. Doch woher kommen diese Bedürfnisse? Wie schon im Beitrag „Wie real ist unser Geist?“ vermutet, ist das, was unseren bewusst erlebenden Geist ausmacht, eine Art göttlicher Funke. Gehen wir also davon aus, dass der allumfassende Geist jedes fühlende Wesen beseelt, so könnte dieser Drang zum Guten aus dieser Quelle gespeist sein. Eine, wie wir in einem späteren Beitrag noch sehen werden, leider sehr schwache Quelle, mehr wie ein Flüstern im Sturm als ein starker göttlicher Wille. Nur zu leicht fällt es uns, aufgrund von Gedankenlosigkeit, Gewohnheit, Zwang oder Hektik, dieses leise Flüstern der Güte zu ignorieren und hart und grausam zu sein. Aber dennoch ist es da, dieses Flüstern, das uns, gehen wir auf es ein, in liebenswerte und strahlende Wesen verwandelt. Ein wundervolles Beispiel hierfür ist die Weihnachtsgeschichte des Charles Dickens. Betrachten wir die Mächtigen dieser Welt, so haben die meisten von ihnen schon seit langem aufgehört, auf das Flüstern zu hören. Sie sind hart und stumpf geworden, sie versprühen kein warmes Strahlen sondern nur noch kaltes Grau. Der Funke ist erloschen.

Der mitfühlende Geist spürt unser Leid

Auf der anderen Seite haben wir es wortwörtlich mit einem mitfühlenden Geist zu tun. Jeder Schmerz, jedes Leid, das einem beseelten Wesen zugefügt wird, spürt auch der Geist, der uns beseelt. Hierzu zur Erinnerung noch einmal ein paar Zitate quer durch die Religionen:

  • Matthäus Evangelium: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan“
  • Hinduismus: „Tat Tvam Asi – du und ich: wir sind eins, ich kann dir nicht wehtun ohne mich zu verletzen“
  • Ureinwohner Hawaiis: „Alles was Du der Natur antust, tust Du letztendlich auch Dir selbst an, denn alles ist eins!“

Und wie wir im Beitrag „Wie real ist unser Geist?“ festgestellt haben, ist aktives Bewusstsein ein Zeichen für den göttlichen Funken in uns. Dinge, die unbewusst ablaufen, dringen nicht zu diesem Geistigen das uns beseelt vor. Doch Schmerz und Leid sind so intensive Gefühle, dass sie sich mit Gewalt in unser Bewusstsein drängen, sogar in das Bewusstsein derer, die für das leise Flüstern des Mitgefühls schon lange nicht mehr empfänglich sind. Somit ist der allumfassende Geist ganz bei uns, wenn wir leiden und er leidet mit uns, er leidet durch uns, denn er spürt exakt das, was wir spüren und wie wir es spüren.

Zum Gutsein verdammt

Wenn der allumfassende Geist also mit jedem seiner Geschöpfe mitleidet – mitleiden muss – solange sie beseelt sind, dann kann sein einziges Streben nur das nach Güte sein, denn mit Hass, Gewalt und Vergeltung, vergrößert sich nur das Leid, das er empfindet. Es hilft ihm auch nicht, einzelne Wesen zu bevorzugen und andere dafür leiden zu lassen. Leid wiegt immer schwerer als Wohlgefühl. Wir kennen das am eigenen Leib. Wenn wir einen stacheligen Igel aufheben sollen, ist es am intelligentesten, ihn mit beiden Händen gleichermaßen vorsichtig zuzufassen. Der Druck der Stachel verteilt sich somit auf alle Finger und der Schmerz lässt sich leicht ertragen. Wenn ich aber eine Hand bevorzuge und sie in Watte packe, während ich mit nur drei Fingern der anderen Hand zugreife und mich dabei heftig pikse, dann wird das Wohlgefühl der in Watte gepackten Hand sicher nicht die Schmerzen in der anderen Hand aufwiegen. Und so, wie wir bestrebt sind, Schmerz und Leid an jeder Stelle unseres Körpers zu vermeiden, so wird auch der mitfühlende Geist bestrebt sein, dass es allen von ihm beseelten Wesen gut geht. Somit ist genau das, was wir als das Gute definiert haben, ein Ziel eines alles beseelenden Geistes: Erst wenn alle Wesen die er beseelt und durch die er fühlt kein Leid oder Elend mehr empfinden, erst dann empfindet dieser Geist kein Leid und Elend mehr. Und je mehr Wesen von Freude und Glückseligkeit erfüllt sind, desto stärker ist auch die allumfassende Freude und Glückseligkeit.

Die Auflösung des größten aller Widersprüche

Daraus folgern wir, ein alles beseelender Geist strebt zwangsläufig zum Guten, was aber nicht bedeutet, dass er deshalb zwangsläufig für das absolut Gute stehen muss. Lesen Sie dazu mehr im  Beitrag „Wie sehr verantwortet der Geist das Leid?“. Doch eines steht jetzt schon fest, der Widerspruch „Wie kann es sein, dass ein guter und allmächtiger Gott das Böse in unserer Welt zulässt?“ hat sich aufgelöst. Denn unabhängig davon, wie absolut die Güte des Geistes nun auch sein mag, der schöpferische Geist ist mächtig aber mit Sicherheit nicht allmächtig. Und wenn ein noch so guter Geist nicht allmächtig ist, wird er auch das Böse nicht aus unserer Welt verbannen können.

Kann etwas allmächtig und gut zugleich sein?

Das Wichtigste in Kürze

Das Beispiel eines Programmierers zeigt, dass ein Schöpfer in seinem Universum theoretisch absolute Allmacht haben könnte. Dabei ist er nicht an Logik und Naturgesetze gebunden. Gut ist nicht gleich Gerechtigkeit, Moral, Wahrheit und Liebe, Gut bedeutet, keinem Wesen Leid oder Elend zuzufügen und möglichst allen Geschöpfen Freude und Glückseligkeit zu bringen. Das wohl größte Paradoxon des christlichen Glaubens ist die These, dass der Schöpfer allmächtig sei und gleichzeitig für das absolut Gute stehen soll. Doch wäre dem so, dürfte es das Böse auf dieser Welt überhaupt nicht geben.


Der Schöpfer hat allmächtig zu sein

Allmacht ist eine der Schlüsseleigenschaften, die wir mit dem abendländischen Gottesbild verbinden. Wikipedia nennt drei denkbare Formen göttlicher Allmacht, die kompromissloseste ist folgende:

„Gott kann absolut alles, es gibt für ihn nicht nur keine denkbare, sondern gar keine Handlungsbeschränkung, d. h. er kann auch die Naturgesetze und die Gesetze der Logik (z. B. durch widersprüchliches Handeln) überschreiten.“

Darüber hinaus sind zwei Ebenen allmächtigen Handelns von Bedeutung. Zum einen die Allmacht als göttlicher Schöpfer, zum anderen die Allmacht als Weltenlenker.

Symbolische Schöpfungsgeschichten

Was den Schöpfungsakt anbelangt, haben die Naturwissenschaften alle bekannten Schöpfungsgeschichten widerlegt und außer den unverbesserlichen Kreationisten betrachten die großen Religionen ihre Schöpfungsberichte nur mehr als symbolisch zu verstehende Veranschaulichung.

Töpfer, Uhrmacher oder Programmierer

Dabei unterlief und unterläuft uns auch heute immer derselbe Fehler. Wir gehen stets davon aus, dass ein wie auch immer gearteter Schöpfer genauso funktioniert, wie wir es uns mit unserem aktuellen Wissensstand vorstellen können. Vor etwa 3000 Jahren hielt man den Schöpfer für einen Töpfer, der seine Welt modelliert und ihr dann Leben eingehaucht hat. Vor dreihundert Jahren, als Newton sein deterministisches Weltbild postuliert hatte, hielt man den Schöpfer für einen Mechaniker, der das Universum wie ein präzises Uhrwerk geschaffen hat, ohne dabei Platz für den kleinsten Zufall zu lassen. Und heute tendieren viele dazu, den Schöpfer als eine Art Programmierer zu verstehen, der die Welt wie eine virtuelle Realität erschaffen hat.

Evolution und Allmacht sind schwer vereinbar

Wir müssen zwar davon ausgehen, dass der allumfassende Geist, wohl völlig anders in den Schöpfungsakt eingegriffen hat, denn auch der allmächtige göttliche Programmierer lässt sich nur schwer mit der gängigen Evolutionstheorie vereinbaren (mehr dazu im Beitrag „Ist der schöpferische Geist mit der Evolutionstheorie vereinbar?“).

Der allmächtige Programmierer

Die Vorstellung des Schöpfers als Programmierer hilft uns jedoch sehr bei der Antwort auf die Frage nach der absoluten Allmacht. Denn der Entwickler einer virtuellen Welt besitzt, entsprechend geniale Programmierfähigkeiten vorausgesetzt, absolute Macht. Er kann beliebigen Fabelwesen Leben einhauchen, er kann die Naturgesetze nach seinem Gutdünken verändern, er kann jegliche Form von Magie wirken.

Zeitreisen und Prophezeiungen

Selbst Raum und Zeit spielen für ihn keine Rolle. Wenn er entsprechende Sicherungskopien angelegt hat, kann er an jeden Punkt in der Vergangenheit seines Spiels zurückspringen, dort Dinge verändern und wieder in die aktuelle Zeit vorspringen. Und selbst die Zukunft kann unser Programmierer vorhersagen. Er kann jede beliebige Zukunftsprognose abgeben, selbst wenn er nicht weiß, wie sich jeder einzelne Spieler bis dahin verhalten wird, seine Allmacht versetzt ihn in die Lage, seine Prognose zum gegebenen Zeitpunkt Realität werden zu lassen.

Selbst Unendlichkeit ist möglich

Er kann beliebig große und beliebig kleine Welten erschaffen. Überall da, wo seine Spieler hinblicken, kann er dynamisch neue Details entstehen lassen, ohne dabei gleich ein unendlich großes System erschaffen zu müssen. Für die Spieler wird die virtuelle Welt jedoch unendlich erscheinen, denn sie werden nie an Grenzen stoßen. Nichts, was menschliche Phantasie ersinnen kann, ist ihm unmöglich.

Absolute Macht über alle Wesen

Unser allmächtiger Programmierer kann natürlich auch jederzeit in das laufende Spiel eingreifen, wenn er feststellt, dass sich ein Spieler nicht an die Spielregeln hält. Egal welche Fähigkeiten die Spielfigur eines Anwenders während des Spiels erworben hat, der Programmierer kann ihr jede einzelne zu jedem Zeitpunkt wieder nehmen. Die Spielfigur eines gewaltigen Dämons ist mit ein paar Programmzeilen zum magisch unbefähigten Sterblichen degradiert. Er kann Charaktere nach Belieben sterben lassen und wiederbeleben. Er kann parallele Welten auf verschiedenen Servern laufen lassen und Spielfiguren zwischen den Welten hin und her reisen lassen. Unser Programmierer ist auch an keine logischen Grenzen gebunden, er kann seine Welt sogar wie einen chaotischen Alptraum erscheinen lassen, bei dem Figuren und Naturgesetze sich jederzeit und ohne nachvollziehbare Ursache ändern können.

Genau das ist absolute Allmacht

Weder gut noch böse

Was das Gute anbelangt, ist das gar nicht so einfach zu definieren. Gerechtigkeit, Moral, Wahrheit und Liebe sind Begriffe, die wir oft mit dem Guten gleichsetzen, aber stehen sie wirklich für das absolut Gute? Nein, denn diese Werte werden leider oft missbraucht, um damit sehr böse und grausame Dinge zu rechtfertigen. Für sich selbst sind sie weder gut noch böse.

Grausame Gerechtigkeit

Beginnen wir mit der Gerechtigkeit. Ohne Gerechtigkeit kann keine Gesellschaft dauerhaft bestehen, denn Ungerechtigkeit führt zu Wut und Revolution. Doch absolute Gerechtigkeit bedeutet auch, nicht nur das Gute, sondern auch das Schlechte ohne wenn und aber zu verteilen. Das Alttestamentarische Aug um Aug und Zahn um Zahn steht also für die absolute Gerechtigkeit. Auf diesem Prinzip basieren Todesstrafe und Folter. Und im Einzelfall mag es durchaus unseren Sinn für Gerechtigkeit befriedigen, wenn einem Terroristen, der das Gesicht einer wunderschönen Frau mit Säure zerstört und unendliches Leid über sie gebracht hat, selbst das Augenlicht genommen wird. Doch ist es immer noch gerecht, einem Unfallverursacher dasselbe Leid zuzufügen, das seinen Opfern widerfahren ist? Egal wie gerecht solche Strafen sein mögen, in Summe helfen sie nicht den Opfern, sondern verbreiten nur noch mehr Leid und Elend.

Tödliche Moral

Ebenso fatal ist Moral, die zum Selbstzweck wird. Auch mit ihr kann dann genau das Gegenteil von Gut erreicht werden. Wenn die allgemeine Moralvorstellung gewisse Lebensformen als unmoralisch definiert, dann kann sie damit Glück und Liebe zerstören und somit auch wieder zu Leid und Elend führen. Unsere Welt ist voll von solchen moralischen Zwängen, die zum Bösen führen. Harte Strafen für Ehebruch, Verfolgung Homosexueller, Verbot von Rassenvermischung.  Niemand ist glücklich, wenn ihn sein Partner hintergeht. Doch wenn eine 12-jährige mit einem 75-jährigen zwangsverheiratet wird und dann mit 18 für die zärtliche Liebe zu einem Gleichaltrigen zu Tode gesteinigt wird, mag das durchaus dem Moralbegriff gewisser Kulturen genügen, doch für das absolut Gute steht dies sicher nicht.

Verletzende Wahrheit

Aber auch die Wahrheit steht nicht immer für das Gute, denn aus dem Mund eines Sadisten kann sie weit mehr Schaden anrichten, als so manche Notlüge. Und das Gemeine daran ist, ein solcher Sadist fühlt sich auch noch gut dabei, wenn er jemandem mit seinen Worten richtig wehtun kann, denn er sagt doch bloß die Wahrheit. Nichts anderes gilt für all die Petzen und Verräter, für all diejenigen, die einem ungefragt die eigenen Schwächen entgegen schleudern oder all die Juroren gewisser Talentshows, die mit ihrer gnadenlosen Ehrlichkeit die Seelen naiver Kids zertrümmern.

Mörderische Liebe

Und selbst das wundervolle Phänomen der Liebe ist leider auch einer der häufigsten Gründe für Mord und Selbstmord. Denn wenn die ganz große Liebe nicht erwidert wird, so schlägt sie manchmal in Hass um. Und wenn ich den geliebten Mensch nicht haben kann, dann soll ihn keiner bekommen. Oder ohne meine große Liebe kann und will ich nicht mehr leben.

Das Gute nur eine Frage des Betrachters?

Wenn also all die Grundpfeiler dessen, was wir für Gut halten, auch das Böse zur Folge haben können, kann es dann überhaupt das absolut Gute geben? Halten sich bei einem kriegerischen Konflikt nicht beide Seiten unabhängig voneinander für die Guten? Ist es vielleicht nicht sogar so, dass das Gute nur eine Frage des Betrachterstandpunkts ist? Solange wir von getrennten Einzelindividuen ausgehen, stimmt das. Der Kammerjäger, der uns von der Mäuseplage befreit hat, gehört für uns zu den Guten. Aus Sicht der Mäuse ist er das absolut Böse.

Die Gesamtsicht bringt die Antwort

Erst wenn wir alle fühlenden Wesen gesamtheitlich sehen, lässt sich das absolut Gute definieren. Ganz im Sinne des griechischen Dichters Aesop, der schon vor 2500 Jahren feststellte: „Quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es fühlt wie du den Schmerz.“ Alle Handlungen, die bei irgendeinem fühlenden, beseelten Wesen Leid und Elend zur Folge haben, können nicht gut sein, auch wenn sie uns vielleicht notwendig erscheinen.

Das absolut Gute

So steht also das absolut Gute für ein Handeln, das bei keinem betroffenen Wesen Leid oder Elend verursacht und auf der anderen Seite möglichst allen Freude und Glückseligkeit bringt.

Das absolut Gute steht über allen Prinzipien

Gerechtigkeit, Moral, Wahrhaftigkeit und Liebe sind nicht die Voraussetzung für das absolut Gute, sondern sie resultieren daraus. Denn das Bestreben, niemandem Leid dafür aber möglichst allen Freude zu bringen, ist absolut gerecht. Keiner würde sich so mehr zum Nachteil anderer bereichern. Auch der Moral ist Genüge getan, denn mit einem guten Handeln werden wir Dinge unterlassen, die die Gefühle anderer verletzen, wir nehmen also Rücksicht. Im Gegenzug bedeutet es aber auch, dass wir uns nicht in die intimen Dinge unserer Nächsten einmischen, denn die Moral steht nicht über dem Bedürfnis des Einzelnen nach Freude, Glückseligkeit und Intimität. Die Wahrhaftigkeit kommt auch nicht zu kurz, denn wir würden niemanden belügen, um ihm damit zu schaden. Letztendlich ist das absolut Gute auch die Voraussetzung für die ideale Liebe, die es nur dann geben kann, wenn für beide Seiten daraus Freude und Glückseligkeit entsteht.

Das Gegenteil von Gut

Das absolut Böse ist natürlich das Gegenteil vom absolut Guten. Somit wäre ein absolut böses Handeln ein solches, das ALLEN betroffenen Wesen Leid und Elend bringt und jegliche Freude und Glückseligkeit abtötet.

Nur Befriedigung beim Quälen

In Folge daraus steht das absolut Böse auch für die Negierung aller Prinzipien, die aus dem Guten folgen, wie Gerechtigkeit, Moral, Wahrhaftigkeit und Liebe. Wo ein absolut guter Mensch dann Befriedigung empfindet, wenn er anderen eine Freude bereitet, zieht das absolut Böse seine abartige Befriedigung aus dem Leid anderer. Das absolut Böse ist ungerecht, unmoralisch, verlogen und von Hass erfüllt und es kennt keine reine Freude und Glückseligkeit.

Auch die Bösen wollen das Gute

Diese Definition zeigt,  dass bis auf wenige Psychopaten die meisten bösen Menschen gar nicht das absolut Böse wollen. Denn in der Regel streben sie ja selbst nach Freude und Glückseligkeit, zumindest für sich, ihre Freunde, ihre Familie oder ihre Gang. Es ist ihnen jedoch herzlich egal, ob sie bei ihrem Streben nach dem ‚Guten‘ für sich selbst, anderen schaden. Nur die wenigsten begehen ihre Taten mit dem primären Ziel, sich am Leid ihrer Opfer zu berauschen.

Wir sind leider nicht die Guten

Aus globaler Sicht verhält sich die Menschheit wie ein ganz gewöhnlicher Verbrecher. Wir sind nicht wirklich böse, aber wir streben nach Glück für uns, unsere Familie und unser Volk. Dabei nehmen wir wissentlich in Kauf, dass in anderen Ländern Menschen für unseren Konsum zu Sklavenlöhnen ausgebeutet werden. Wir halten Tiere unter unwürdigsten Bedingungen, berauben sie der Freiheit, lassen sie leiden für einen maximalen Ertrag um sie letztendlich für unseren Genuss zu töten. Und überall da, wo wir Profit erzielen können, zerstören wir die Natur. Langsam kommen wir an den Punkt, wo es so nicht weitergeht, denn die Schäden die wir hinterlassen, beeinträchtigen auch unsere eigene Existenz.

Es ist schon ein wenig ernüchternd festzustellen, dass wir beileibe nicht zu den Guten gehören.

Gott ist gut, nur der Teufel ist böse

Was ist aber nun mit der Kombination aus absoluter Güte und Allmacht? Wie kann ein allmächtiger, guter Gott Leid und Elend zulassen. Die Christen haben als Antwort den Teufel. Somit kommt das Böse nicht von Gott sondern von eben diesem Teufel. Doch auch dieser Ansatz lässt sich nicht mit dem Prinzip der Allmacht vereinbaren. Denn wäre Gott wirklich allmächtig, so könnte er jederzeit dem Bösen Einhalt gebieten. Die Alternative ist, dass er Satans Treiben billigt, dann stünde er aber nicht für das absolute Gute, das ja jegliches Leid und Elend verhindern möchte.

Gott möchte uns prüfen

Und auch hier ist das Christentum nicht um eine Antwort verlegen, nämlich, dass Gott uns mit dem Bösen prüfen möchte. Aber sein wir mal ehrlich, würden Sie einen Vater als das Prinzip des absolut Guten bezeichnen, der seinen Kindern den Konsum von Alkohol, Zigaretten und Pornos verbietet und sie gleichzeitig in einer Wohnung alleine lässt, die voll mit diesen Dingen ist, um dann seine Kinder mit ewiger Verdammnis zu bestrafen, wenn sie der Versuchung erlegen sind?

Gottes Wege sind unergründlich

Doch selbst dieses Argument wird von den Verfechtern des allmächtig Guten beiseite gefegt, indem sie uns darüber aufklären, dass Gottes Wege unergründlich seien. Spätestens dann läuten bei mir jedoch alle Alarmglocken. Das ist nämlich immer dann der Fall, wenn mir jemand weiß machen möchte, ich müsse etwas Widersprüchliches glauben, da man es einfach nur nicht verstehen kann. In so einem Fall ist es meines Erachtens sinnvoller, die Ausgangsthesen in Frage zu stellen, als jemandem gegen jede Vernunft naiv zu vertrauen.

Allmächtig und Gut widersprechen sich

Für uns bedeutet das, der allumfassende Geist kann entweder allmächtig ODER gut sein, beides zugleich ist nicht möglich, sonst müssten wir in einer vollkommenen Welt ohne Leid und Elend leben.

 

 

Kann ein Geist alle fühlenden Wesen beseelen?

Das wichtigste in Kürze

Allein auf der Erde gibt es über 500 Milliarden Lebewesen die über ein komplexes Gefühlsleben verfügen und die man als beseelt bezeichnen kann. Die Entdeckung von Exoplaneten legt nahe, dass es im gesamten Universum ein Milliardenfaches an beseelten Individuen gibt. In einer anderen Dimension gibt es einen Geist, der nachweislich über 50 Billionen fühlende Wesen herrscht. Somit sollte auch der allumfassende Geist in der Lage sein, alle fühlenden Wesen zu beseelen.


Beseelt ist, wer Gefühle empfindet

Auch wenn mithilfe verschränkter Quanten eine Kommunikation quer durchs Universum ohne zeitliche Verzögerung theoretisch denkbar ist (siehe dazu auch „Gibt es einen allumfassenden Geist?„), bedeutet das noch lange nicht, dass ein Geist aus der Quantenwelt in der Lage ist, allen beseelten Wesen innezuwohnen. Wir Menschen haben ja bereits Schwierigkeiten, mehr als 100 Kontakte aktiv zu pflegen. Ein allumfassender Geist hingegen müsste nicht nur die gut 7 Milliarden Menschen auf unserem Planeten beseelen. Wer einen Hund, eine Katze oder aber auch einen Papagei oder Wellensittich sein Eigen nennt, weiß, dass dies keine seelenlosen Reflexmaschinen sind. Das sind Wesen, die genauso wie wir Schmerz und Leid sowie Freude und Liebe empfinden. Es mag sein, dass sie nicht über den gleichen nüchternen Verstand wie wir verfügen, doch eben der ist im Gegensatz zu Gefühlen etwas, das wir völlig ohne Geist mit rein logischen Algorithmen erklären und per Computer nachbilden können (siehe dazu auch „Wie real ist unser Geist?„). Somit müssen wir also davon ausgehen, dass nicht die Vernunft, sondern die Fähigkeit zu fühlen und Liebe zu empfinden, das Indiz für den göttlichen Funken ist. Und dann sprechen wir plötzlich von wesentlich mehr Wesen, denen dieser Geist innewohnen müsste.

 Mehr als 500 Milliarden Seelen auf der Erde

Bei den höheren Säugetieren können wir, wenn wir Hunde, Katzen, Wale, Affen und intelligente Nutztiere (Schweine sind ähnlich intelligent wie Hunde) rechnen noch einmal von 7 Milliarden Individuen ausgehen. Doch was ist mit all den Kleinsäugern und Vögeln? Selbst Ratten besitzen ein ausgeprägtes Sozialverhalten, helfen einander in Not (siehe dazu Versuche an der Universität Chicago) und sind extrem lernfähig.

Ratten helfen einander in Not

Ähnliches gilt für Vögel. Krähen sind hoch intelligent. Sie lösen komplexe Aufgaben, benutzen sogar Werkzeug und erkennen ihr eigenes Spiegelbild, was ein Zeichen für Selbsterkenntnis ist (hierzu mehr im Artikel „Primaten der Lüfte„). Somit müssen wir wohl Kleinsäuger und Vögel zur beseelten Biosphäre zählen. Es kommen also noch einmal über 500 Milliarden Seelen hinzu. Auch bei Reptilien, Fischen und sogar bei Insekten werden immer mehr Zweifel laut, dass es sich hierbei um fühllose Bioautomaten handelt. Doch gehen wir einmal davon aus, dass der allumfassende Geist auf der Erde „lediglich“ etwa 500 Milliarden Wesen beseelen müsste.

 Eine Million belebte Planeten pro Galaxie

Auch wenn wir Menschen gerne davon träumen, einzigartig und die Krönung der Schöpfung zu sein, müssen wir wohl realistisch davon ausgehen, dass unsere Erde nicht der einzige Planet ist, auf dem Leben existiert. Die Entdeckung von Exoplaneten legt nahe, dass in unserer Galaxie Milliarden erdähnliche Planeten existieren (siehe dazu den Artikel „Milliarden bewohnbare Planeten in der Milchstraße„). Da aber nicht jeder bewohnbare Planet tatsächlich Leben hervorbringt,  rechnen wir einmal vorsichtig damit, dass nur in jedem 100.000-ten Sonnensystem ein Planet existiert, auf dem sich tatsächlich beseeltes Leben entwickelt hat. Das klingt jetzt wenig, doch wenn eine durchschnittliche Galaxie aus 100 Milliarden Sternen besteht, müsste es alleine in unserer Milchstraße eine Million belebte Planeten geben.

 Kein Funkkontakt zu Außerirdischen

Doch warum haben wir davon noch nichts mitbekommen? Es liegt alleine an den gewaltigen Dimensionen unserer Galaxie. Die Milchstraße hat einen Durchmesser von 100.000 Lichtjahren. Das bedeutet, dass selbst die Funksignale des nächsten Planeten mit intelligentem Leben wohl viele hundert Lichtjahre überbrücken müssten und somit auch hunderte von Jahren unterwegs wären. Nun sinkt aber die Intensität eines Funksignals im Quadrat zur Entfernung. Wir könnten auf diese Entfernungen also bestenfalls die gezielten Signale eines extrem starken und exakt auf uns ausgerichteten Richtfunksenders vom kosmischen Hintergrundrauschen unterscheiden. Doch nachdem wir erst seit etwas mehr als 100 Jahren Funksignale aussenden, dürfte selbst eine nahegelegene außerirdische Kultur trotz intensiver Suche noch nichts von uns mitbekommen haben. Also haben sie auch keine Veranlassung, gezielt per Richtfunk den dritten Planeten unseres Sonnensystems anzufunken. In Anbetracht der theoretischen Möglichkeit einer instantanen Kommunikation mithilfe verschränkter Quanten dürfte die Nutzung von Elektrosmog verbreitenden, ineffizienten und langsamen Funkwellen für eine Kultur, die der unseren um ein paar Generationen voraus ist, so überholt sein, wie aus unserer Sicht der Betrieb von Dampfmaschinen. Somit ist das zeitliche Fenster, in dem eine Kultur Funkwellen verwendet, auf wenige hundert Jahre beschränkt und das ist kürzer als die Zeit, die zum Senden und Empfangen einer galaktischen Funkbotschaft zum theoretisch nächsten intelligenten Planeten nötig wäre.

 Eine Seelenkette quer durchs Universum

Doch ist auch unsere Galaxie nur eine von vielen. Aktuell wird die Zahl der Galaxien im Universum auf 100 Milliarden geschätzt. Wenn jede von ihnen eine Million belebte Planeten besitzt, kommen wir im Universum auf 100 Billiarden lebensfreundliche Planeten. Nun muss nicht jeder dieser Planeten so von Leben überquellen wie der unsrige. Gehen wir also im Schnitt nur von einem Hundertstel, also von 5 Milliarden Seelen pro Planet aus. Somit müsste der allumfassende Geist im Universum etwa 500 Quadrillionen Geschöpfe beseelen. Das ist eine Zahl, die man sich so gar nicht vorstellen kann. Doch stellen wir uns eine Kette aus diesen beseelten Wesen vor, jeden Meter eines, Hand an Hand, Pfote an Pfote, Flosse an Flosse und Flügel an Flügel. Dann würden all diese Geschöpfe eine Schlange von 120 Milliarden Lichtjahren Länge bilden, also das Eineinhalbfache vom Durchmesser unseres Universums. Ein Geist, der so viele Wesen beseelt, ist einfach unvorstellbar. Doch das ist noch lange kein Gegenbeweis.

 Ein Volk aus einer anderen Dimension

Was uns in unserer menschlichen Vorstellungswelt unbegreiflich ist, ist nämlich in einer anderen Dimension etwas ganz normales. Ich möchte Sie jetzt mit einem fremdartigen Volk bekannt machen, das, so unwahrscheinlich seine Fakten auch klingen mögen, tatsächlich existiert. Zum einen ist dieses Volk unfassbar groß, denn es umfasst 50 Billionen Einzelindividuen. Das entspricht 100-mal der beseelten Erde bzw. 7000-mal der menschlichen Weltbevölkerung. Und dieses Volk hat es in sich. Während die Evolution vom ersten Wirbeltier bis zum Menschen nur eine halbe Milliarde Jahre benötigt hat, hat sie satte 3 Milliarden Jahre gebraucht, um aus dem ersten Lebewesen unser Volk zu entwickeln.

 Wesen, komplex wie eine Großstadt

Und die Evolution hat jedes dieser fremdartigen Wesen mit einer unglaublichen Komplexität ausgestattet. Jedes Individuum besteht aus 30 bis 40 Billionen Grundbausteinen. Eine schier unfassbare Zahl. Stellen wir uns vor, jeder dieser Grundbausteine wäre ein normaler Legostein, also die mit den sechs Noppen oben drauf, so könnte man aus so vielen Steinen eine Millionenmetropole mit allen Gebäuden, Straßen, Autos und Einwohnern bauen.

 Gewaltiges Wissen für tausend Kontakte

Jedes dieser Wesen hat ein unglaubliches Langzeitgedächtnis, das so viel Information wie eine Million Seiten umfasst. Trotzdem besteht das Volk aus hochspezialisierten Individuen. Die Individuen, die man bei diesem Volk als geistige Elite bezeichnen würde, pflegen jeder mindestens 1000 aktive Kontakte. Und das sind nicht nur solche Wischiwaschi-Freunde wie auf Facebook, sondern richtig aktive Beziehungen. Wenn sie eine Zeit lang keinen Austausch mit einem ihrer Partner hatten, kappen sie die Verbindungen und bereinigen so stets ihre Freundesliste.

 Ein allmächtiger, allumfassender Geist

Doch das faszinierendste an diesen Wesen ist, dass sie von einem Geist beherrscht werden, der aus der Summe aller Individuen des Volkes besteht. Dieser Geist hat nahezu absolute Allmacht über das Volk und kann sogar seine vollständige Vernichtung bewirken. Er empfindet, was sein Volk empfindet und jedes einzelne Individuum spürt, in welcher Stimmung sich der Geist des Volkes befindet. Und dennoch ist er für die Individuen in keinster Weise greifbar, er ist unsichtbar, unansprechbar aber trotzdem real. Der Clou daran ist, es handelt sich dabei um den einzigen Geist im Universum, dessen Existenz sicher und bewiesen ist.

 Wer ist dieser Geist?

Sind Sie schon draufgekommen, um welchen Geist es sich handelt? Nein – dann will ich Sie nicht länger quälen. Es sind Sie, es ist Ihr menschlicher Geist, der aus der Summe all Ihrer Zellen gespeist wird. Und die 50 Billionen Einzelindividuen, das sind die Zellen Ihres Körpers. Für uns sind sie winzig, unsichtbar und dennoch ist jede einzelne Ihrer Körperzellen ein hochkomplexes und weit unterschätztes Lebewesen.

Ein Meisterwerk der Evolution

Vor etwa 500 Millionen kam es zur sogenannten kambrischen Explosion. Damals entstanden innerhalb von wenigen Millionen Jahren die Vorfahren aller heutigen Tierstämme. Zwar gab es auch zuvor schon Vielzeller, doch handelte es sich um Zellkolonien ohne sichere Merkmale für das, was wir heute als Organismen bezeichnen. Die Evolution benötigte also gut 3 Milliarden Jahre bis Zellen so weit entwickelt waren, dass sie sich zu höheren Organismen zusammenzuschließen konnten. Erst mit diesem Schritt war die Bildung von tierischem Leben möglich. Dass dann die Evolution nur noch ein Sechstel der Zeit benötigte, um aus diesen ersten Urorganismen den Mensch zu bilden, beweist, wie weit entwickelt, komplex und universell die Zellen in unserem Körper wirklich sind.

Eine Megacity mit Bibliotheken und Lastenträgern

Zwar sind Zellen nur wenige Mikrometer groß und somit nur unter dem Mikroskop sichtbar, aber sie bestehen aus unglaublich vielen Atomen, nämlich 30 bis 40 Billionen. Nur ein kleiner Bruchteil, lediglich ein bis zwei Prozent, ist davon in der DNA enthalten. Die damit gespeicherte Information entspricht dem Inhalt von ca. einer Million Buchseiten womit man eine Bibliothek mit über 3000 Bänden füllen könnte. Doch die DNA ist nicht die Intelligenz der Zelle sondern entspricht eher der Festplatte unseres Computers, deren Hauptaufgabe die Steuerung der Reproduktion ist. Deshalb ist es auch möglich, die Erbinformation zu entfernen ohne dass die Zelle stirbt. Die restliche Zelle ist voll von Sinnesorganen und kleinen Fabriken, die zur Energieversorgung, zur Entgiftung, zur Zellteilung, zur Produktion von Botenstoffen und vielen anderen Funktionen dienen. Mit dem Motorprotein Kinesin verfügen unsere Zellen sogar über kleine Lastenträger, die auf zwei Beinen durch die Zelle stapfen und gewaltige Ladungen bewegen. Daher ist der Vergleich mit einer Großstadt gar nicht so abwegig. Auf Youtube gibt es faszinierende Videos zu den Abläufen innerhalb einer Zelle:

Der Quell aller Gefühle

Jede einzelne Zelle ist ein vollwertiges Lebewesen, das zum Teil Funktionen übernimmt, die wir als Mensch in dieser Komplexität gar nicht bewältigen könnten. Jede unserer Gehirnzellen besitzt zwischen 1000 und 150.000 Synapsen zu anderen Zellen.

Werden diese eine Weile nicht genutzt, werden sie zurückgebildet und durch Kontakte zu anderen Hirnzellen ersetzt. Wer von uns wäre jedoch in der Lage, bis zu 150.000 neuronale Kontakte zum Teil sogar parallel zu pflegen. So scheinen bereits Zellen über einen ersten winzigen Funken Geist, über Gefühle zu verfügen. Das sollte uns aber auch nicht verwundern, denn wir bestehen aus Zellen und alles, was an Vorgängen in uns abläuft, wird durch Zellen verrichtet. Ohne Nervenzellen würden wir nichts spüren. Ohne Gehirnzellen könnten wir nicht denken. Ohne Zellen, die Glückshormone aufnehmen, würden wir keine Freude empfinden. Woher nehmen wir also die Arroganz zu glauben, dass die, aus denen wir bestehen, weniger lebendig sind, als wir selbst? Warum also sollten Zellen keine Gefühle kennen, wo wir Menschen sie doch nur durch sie empfinden können?

 Selbstmord mit 50 Billionen Opfern

Und nun kommt das Spannendste. Aus Sicht der Zellen ist unser Geist, den wir ja als die einzig verlässliche Wahrheit identifiziert haben (siehe dazu der Beitrag: „Wie real ist unser Geist“) etwas völlig ungreifbares. Aus Sicht der Zellen muss er fast so etwas sein, wie ein Gott. Auch wenn unser Geist nur geringen Einfluss auf unsere unbewussten Körperfunktionen hat, steuert er zumindest indirekt unseren Bewegungsapparat. Es ist dieser unser Geist, der auf diesem Weg über das Wohlergehen aller Zellen entscheidet und im Falle eines Suizids nicht nur sich selbst sondern der Existenz von 50 Billionen Einzelindividuen ein Ende setzen kann.

 Ein Gott mit Schmetterlingen im Bauch

Letztendlich ist jeder von uns Menschen eine Art Gottheit, die über ein unglaublich großes und höchst beeindruckendes Volk in einer anderen Dimension herrscht. Und auch wenn wir nicht jede Zelle im Einzelnen beeinflussen können, stehen wir über Botenstoffe doch ständig mit ihnen in Kontakt. Das spüren wir spätestens in den Momenten, in denen wir Großes erleben. Denn dann ist es nicht nur unser Intellekt, der fühlt. Ganz im Gegenteil, jede Faser unseres Körpers ist beteiligt, wenn wir Begeisterung, Freude aber auch Angst und Furcht empfinden, nichts anderes ist es, wenn uns eine Gänsehaut überkommt oder wir meinen, Schmetterlinge im Bauch zu haben. Und auch umgekehrt spüren wir, was unsere Zellen spüren, sei das nun in Form von Licht, Tönen, Geruch, Geschmack, Schmerz, Wärme oder Streicheleinheiten. Denn genau diese Informationen liefern unsere Sinneszellen an unser Gehirn.

Und der Geist kann doch alle Wesen beseelen

Und wenn schon wir Menschen Herrscher über Billionen Individuen sind, mit denen wir ständig in Kontakt stehen, warum soll dann ein alles umfassender Geist nicht in der Lage sein, weitaus mehr Wesen quer durchs gesamte Universum zu beseelen?

 

 

 

Gibt es einen allumfassenden Geist?

Das wichtigste in Kürze

Viele Religionen gehen von einem allumfassenden Geist aus. Aufgrund der großen Distanzen im Universum kann er jedoch nicht über elektromagnetische Wellen kommunizieren. Eine instantane Kommunikation über verschränkte Quanten liefert die Lösung. Dies wird auch seitens der großen Quantenphysiker bestätigt. Doch wir merken nur in ganz besonderen Momenten etwas davon.


Alles ist eins

Viele Religionen glauben weltweit an einen allumfassenden Gott. So finden wir entsprechende Aussagen bei Christen, Hindus, Zen-Buddhisten, den Ureinwohnern Hawaiis bis hin zu den Indianern Nordamerikas:

  • Korintherbrief des Paulus: „Alles ist in allem!“
  • Hildegard von Bingen: „Alles ist mit allem verbunden“
  • Apostelgeschichte des Lukas: „Gott wohnt in jedem Menschen“
  • Matthäus Evangelium: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan“
  • Hinduismus: „Tat Tvam Asi – du und ich: wir sind eins, ich kann dir nicht wehtun ohne mich zu verletzen“
  • Zen-Buddhismus: „Eins ist alles und alles ist eins!“
  • Ureinwohner Hawaiis: „Alles was Du der Natur antust, tust Du letztendlich auch Dir selbst an, denn alles ist eins!“
  • Indianer: „Alle Geschöpfe der Natur sind eins mit dem Großen Geist, Manitou“

Dieses Phänomen ist durchaus erstaunlich und es stellt sich die Frage, wie die Religionen und ihre Mystiker zu dieser Einsicht kommen. Zudem passt es eigentlich sehr schön zu dem Schluss zu dem ich in meinem Beitrag „Wie real ist unser Geist“ gekommen bin, nämlich, dass die Fähigkeit zu erleben nichts anderes ist, als der göttliche Funke, der allem Leben innewohnt. Auch wenn wir nicht wissen, in welcher Beziehung dieser göttliche Funke tatsächlich zu diesem allumfassenden Geist steht, so muss aber irgendeine Verbindung, also eine Kommunikation zwischen uns und dem Geist stattfinden. Eigentlich doch eine schöne Vorstellung, dass wir alle eins, dass wir alle Teil eines großen Geistes sein sollen.

Gott ist wohl kein Schnelldenker

Würde sich Gott nur auf unsere Erde beschränken wäre das mit dem alles ist eins überhaupt kein Problem, doch insbesondere die monotheistischen Religionen erheben Anspruch darauf, dass Gott das gesamte Universum umfasst. Doch damit kommen wir in arge Schwierigkeiten. Denn ein allumfassender, also ein das All umfassender Gott hat ein ernstes Kommunikationsproblem. Denn spätestens seit Einsteins spezieller Relativitätstheorie wissen wir, jede Information, selbst unsere Gedanken können maximal mit Lichtgeschwindigkeit übertragen werden.

Theoretisch müsste dieser Effekt also auch für Gottes Gedanken gelten. Wenn also Gott das gesamte Universum umfasst, dann müssen auch seine Gedanken quer durchs All reichen. Die Dauer dieser göttlichen Gedanken können wir somit einfach anhand der Lichtlaufzeiten ermitteln. Sie benötigen:

  • Quer durch unser Sonnensystem ca. 10 Stunden
  • Quer durch die Milchstraße 100.000 Jahre
  • Quer durchs bekannte Universum ca. 80 Milliarden Jahre
    (Alter des Universums ca. 14 Milliarden Jahre!)

Doch da sich das Universum expandiert genügt es nicht nur, die Distanz von einem Ende zum anderen zu überwinden, sondern der Gedanke müsste auch noch während seiner langen Reise die Expansion überwinden und das hat zur Folge, dass Gottes ganz große All-umfassende Gedanken nie ankommen würden. Somit müsste ich als Naturwissenschaftler folgern, es kann keinen allumfassenden Gott geben, da er zu keinem vernünftigen Gedanken fähig wäre.

Falsche Grundannahmen liefern falsche Ergebnisse

Warum aber der Konjunktiv? Weil wir denselben Fehler begehen, wie die Naturwissenschaftler vor 150 Jahren. Damals war die Kernenergie noch nicht entdeckt und man ging davon aus, dass der Brennstoff der Sonne eigentlich nur Kohle sein könne. Die Forscher berechneten anhand der Sonnenmasse, dass sie damit aber nur für ca. 6.000 Jahre leuchten würde. Das deckte sich hervorragend mit den biblischen Zeitangaben der Schöpfungsgeschichte. Somit waren Wissenschaftler und Kirche zufrieden und keiner stellte weitere Fragen. Erst mit der Entdeckung der Kernfusion änderte sich das Bild. Man stellte fest, dass die Sonne bereits seit 4,6 Milliarden Jahren leuchtet und noch weitere 5 Milliarden Jahre Lebenserwartung hat, bevor sie sich zum Roten Riesen aufblähen und die Erde vernichten wird.

Die Lösung liegt in der Quantenverschränkung

Und auch bei der Kommunikation stehen wir vor einem gewaltigen Durchbruch. Wie beim Übergang von Physik zur Metaphysik beschrieben, gibt es den Effekt der Quantenverschränkung. Miteinander verschränkte Quanten tauschen unsichtbar und instantan Informationen miteinander aus. Bisher galt dieser als spukhafte Fernwirkung benannte Effekt aber nicht wirklich als Informationsübertragung. Doch bei Versuchen am Institut des Wiener Quantenphysikers Anton Zeilinger wurden nicht nur Informationen ohne Zeitverlust zwischen verschränkten Quanten teleportiert, sondern es können mit verschränkten Quanten sogar Dinge sichtbar gemacht werden, die sonst nie das Licht der Welt erblickt hätten.

Eine Katze spukt durchs All

Die Idee dahinter ist simpel aber genial. Vereinfacht beschrieben, wird an einem speziellen Strahlteilerkristall ein grüner Laserstrahl in einen infraroten und einen sichtbar roten Lichtstrahl aufgespalten. Die Photonen beider Strahlen sind nun jedoch miteinander verschränkt, das heißt sie teilen ein gemeinsames Schicksal. In dem Moment, in dem die infraroten Photonen z.B. auf die Silhouette einer Katze treffen, verändern sich zeitgleich die Eigenschaften ihrer sichtbaren roten Zwillingsphotonen. Mit einem speziellen Trick gelingt es, in theoretisch beliebig großer Entfernung nur mit dem roten Lichtstrahl die Silhouette der Katze zu rekonstruieren. Letztendlich könnten die Katze und ihr Abbild Milliarden Lichtjahre voneinander entfernt sein. Zwar benötigen in unserem Bild die Strahlen vom Strahlteiler, der sich in der Mitte befindet, zur Katze und ihrem Abbild jeweils eine halbe Milliarde Jahre, doch sobald diese Strecke überwunden ist, wird die Information zwischen Katze und Abbild instantan übertragen. So weiß der Experimentator, sobald eine Katze auf seinem Schirm erscheint, dass zeitgleich das Original den infraroten Strahl passiert hat (eine genaue Beschreibung des Versuchs inkl. Trick finden Sie hier).

instantane Verschränkung
Bildquelle: Katzensilhoutten Patrizia Enigl, IQOQI, eigene Darstellung

 

Ein reiner Geist der Quantenwelt

Mithilfe der spukhaften Fernwirkung ist in der Informationsübertragung ein ähnlich bahnbrechendes Phänomen entdeckt worden, wie seinerzeit mit der Kernenergie. Da nun Gedanken ohnehin nicht mit elektromagnetischen Wellen übertragen werden, das ließe sich durch Abschirmung und Messungen nachweisen, ist es wahrscheinlich, dass die Verbindung zwischen allumfassenden Geist und den Wesen, die von ihm beseelt sind, auf Quantenebene erfolgt. Auch ermöglicht diese Form der Informationsübertragung einen Geist, der das gesamte Universum umfasst. Wie schon im Beitrag „Kann das Universum einen Geist besitzen“ beschrieben, dürfte sich das Geheimnis des allumfassenden Geistes in der Welt der Quanten verbergen. Das passt sehr gut zur Tatsache, dass die Kommunikation für einen allumfassenden Geist ohne Zeitverlust auch nur in der Welt der Quanten möglich ist.

Was sagen die Quantenphysiker dazu?

Nun stellt sich die Frage, ist das alles nur Wunschdenken eines Sinnsuchenden, der sich da seine eigene Theorie zusammengebastelt hat, oder sitze ich Zwerg auf den Schultern von Riesen, die ein weitaus größeres Verständnis über die Welt der Quanten haben. Deshalb möchte ich hier einige der ganz großen ‚Riesen‘ zu Wort kommen lassen:

  • Albert Einstein: „Alles im Universum hängt mit allem zusammen“
  • John Archibald Wheeler, »Vater« der Schwarzen Löcher: „Alles, aber auch Alles ist mit Allem verbunden“
  • Hans-Peter Dürr: „Materie als auch die Vorstellung von der Getrenntheit sind eine reine Illusion. Alle Atome des Universums sind im Hintergrund miteinander verbunden.“
  • Max Planck: „Es gibt keine Materie, sondern nur ein Gewebe von Energien, dem durch intelligenten Geist Form gegeben wurde.“
  • Erwin Schrödinger: „Bewusstsein gibt es seiner Natur nach nur in der Einzahl. Ich möchte sagen: die Gesamtzahl aller »Bewusstheiten« ist immer bloß »eins«.“ und an anderer Stelle: „Der Grund dafür, daß unser fühlendes wahrnehmendes und denkendes Ich in unserem naturwissenschaftlichen Weltbild nirgends auftritt, kann leicht in fünf Worten ausgedrückt werden: Es ist selbst dieses Weltbild. Es ist mit dem Ganzen identisch und kann deshalb nicht als ein Teil darin enthalten sein.“
  • Anton Zeilinger: „Es stellt sich letztlich heraus, dass Information ein wesentlicher Grundbaustein der Welt ist. Wir müssen uns wohl von dem naiven Realismus, nach dem die Welt an sich existiert, ohne unser Zutun und unabhängig von unserer Beobachtung, irgendwann verabschieden.“

Hier bestätigt die Quantenphysik das Bild vom allumfassenden Bewusstsein des Universums. Es ist schon höchst erstaunlich, wie sehr sich doch die Aussagen dieser nüchternen Wissenschaftler mit den Botschaften der Religionen und Mystiker decken.

Warum merken wir nichts davon?

Doch so schön das alles klingen mag, es hat einen kleinen aber wesentlichen Haken. Die These vom ‚Alles ist in Allem‘ widerspricht unserem täglichen Erleben: „Ich bin nicht Du, Du bist nicht ich. Ich sehe nicht mit Deinen Augen, Du nicht mit meinen.“ Wir können mit unseren Liebsten Arm in Arm sitzen, uns tief in die Augen schauen und dennoch die gemeinsten Dinge denken, ohne dass der andere davon etwas merkt. Wo ist sie denn diese tolle Verbindung? Aber auch die Verbindung zu Gott, wo ist sie? Wie sehnsüchtig zitieren Christen im Gottesdienst die Bibelstelle: „Herr, ich bin nicht würdig, dass Du eingehst unter mein Dach aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.” Doch zu wem hat er schon gesprochen? Als Kind hab ich immer darauf gehofft, dass er mal zu mir spricht, genauso wie Jesus zu Don Camillo. Aber Gott schweigt und der Gesundheitszustand unserer Seelen lässt zu wünschen übrig. Was helfen uns die schlauen Lehren der Religionen und die noch schlaueren Thesen der Quantenphysiker, wenn in der Praxis nichts von alledem zu merken ist?

Alles nur eine Frage der richtigen Sprache

Aber vielleicht merken wir durchaus etwas, nur wir verstehen es nicht, weil der uns beseelende Geist in einer völlig anderen Sprache spricht. Doch welche Sprache soll das sein? Wie schon im Beitrag „Wie real ist unser Geist?“ beschrieben handelt es sich hier um so etwas wie die Ursprache, also eine Sprache, die jeder Mensch, ja sogar jedes beseelte Wesen versteht. Nehmen wir einmal an, dass zumindest all die Wesen beseelt sind, die über ein nachweisbares Selbstbewusstsein verfügen. Doch welche Sprache haben sie alle gemeinsam, Menschen, Affen, Elefanten, Delphine, Raben, Papageien, Hunde, Katzen? Keine, werden Sie vielleicht sagen. Doch das stimmt nicht. Wir können mit ihnen allen kommunizieren. Wären wir dazu nicht in der Lage, könnten wir ihnen nichts beibringen. Ihre Besitzer wissen, wenn sie aggressiv, fröhlich, müde, neugierig, ängstlich, zutraulich oder traurig sind. Aber auch unsere tierischen Freunde spüren, wenn es uns nicht gut geht und versuchen uns sogar aufzumuntern oder zu trösten. Letztendlich sind es Gefühle, die eine Artenübergreifende Kommunikation ermöglichen.

Es sind die ganz großen Momente

Also probieren wir es noch einmal mit Gefühlen aus. Immer noch nichts? Dann denken wir doch mal an diese ganz besonderen Momente; Momente, in denen etwas anders ist:

  • „Beim Anblick der Berge könnte ich die Welt umarmen“
  • „Auf Skiern fühle ich mich wie ein junger Gott“
  • „Die Begegnung mit dem Delfin war das Größte überhaupt“
  • „Unsere Zärtlichkeiten gestern waren einfach göttlich“

Das sind Momente, in denen wir uns eins fühlen mit dem Universum. Wenn wir in tiefer Meditation versunken sind, wenn wir von Liebe erfüllt sind, wenn wir großer Musik lauschen, wenn wir der Natur ganz nahe sind, körperlich über uns hinauswachsen oder außergewöhnliche Ideen und Erkenntnisse haben. Das sind Momente in denen wir unseren Körper, all unsere Probleme, alles um uns herum vergessen. Wenn wir nach stundenlangem Aufstieg unseren Blick glücklich über Berggipfel schweifen lassen, spüren wir das verschwitzte T-Shirt, das uns unangenehm am Rücken klebt, plötzlich nicht mehr. Wir haben dann das Gefühl, rein zu sein, die Welt umarmen zu können, Teil von etwas Großem zu sein, vielleicht sogar eins mit Gott und der Welt zu sein. In diesen Momenten spüren wir, dass es einen allumfassenden Geist gibt, der das gesamte Universum durchdringt.

Alles nur Chemie?

Wesentlich fortgeschrittener sind die Erlebnisse von Menschen mit jahrelanger Meditationspraxis, die vom Gefühl berichten, eins mit Gott zu sein. Weniger zeitaufwändig, dafür ungleich riskanter sind Probanten bei empirischen Versuchen an der Johns Hopkins Universität mithilfe psychedelischer Drogen zu ihrem Gotteserlebnis gekommen. Ein anderer Weg zu künstlich erzeugten spirituellen Visionen ist der sogenannte Persinger-Helm, der durch magnetische Felder das Gehirn entsprechend stimuliert. Nüchterne Hirnforscher lassen so etwas natürlich nicht als Beweis für die Existenz des Übernatürlichen gelten. Vielmehr sehen sie in dieser vielfältigen Möglichkeit, entsprechende Erlebnisse zu erzielen, eher den Beweis, dass unser Gehirn eine neuronale Disposition zu Religiosität aufweist, und wir können es als [Zitat]: „ein evolutionäres, artenspezifisches Merkmal des Menschen betrachten, das vermutlich Vorteile bei der natürlichen oder sexuellen Selektion brachte.“ (hier finden Sie den entsprechenden Quelltext) Letztendlich ist das Phänomen damit aber nicht erklärt, genauso wenig, wie wir das Internet als Illusion und lokales Programm unseres Computers entlarven, nur weil wir auf seiner Festplatte die Dateien unseres Web-Browsers entdeckt haben.

Ein Beweis oder doch nur Zeichensprache?

Was fehlt, ist ein empirischer Beweis für die Einheit mit dem allumfassenden Geist der nicht auf eine Person beschränkt ist. Meines Erachtens gibt es ihn tatsächlich und er wird gezielt in der Psychotherapie und im Coaching eingesetzt. Es handelt sich dabei um Familienaufstellung, Systemaufstellung oder Psychodrama. Dabei übernehmen Teilnehmer die Rolle nicht anwesender Personen eines Systems. Es entstehen bei den Teilnehmern sogenannte „repräsentative Wahrnehmungen“ deren Gültigkeit in empirischen Versuchen an der Universität Witten verifiziert wurde. Dadurch treten z.T. sogar dunkle Geheimnisse bereits Verstorbener an den Tag. Für repräsentative Wahrnehmung gibt es bis heute keine schlüssige Erklärung. Theorien, dass die räumliche Stellung im Raum eine Art Zeichensprache ist, die alle Repräsentanten gleichermaßen interpretieren, greift nur bei typischen Konfliktsituationen in Teams, sobald aber komplexere Sachverhalte treffend geklärt werden, sprengt das den Rahmen einer Zeichensprache. Ich persönlich habe hier schon höchst erstaunliche Effekte erlebt, die sicher nichts mit einer Zeichensprache zu tun haben. Weitaus befriedigender ließen sich repräsentative Wahrnehmungen mit dem Zugang zu einem allumfassenden kollektiven Gedächtnis erklären.

Auch wenn all diese Indizien vor Gericht als überzeugender Beleg für einen allumfassenden Geist gewertet würden, liegt es in der Natur der Sache, dass wir bei psychologischen Phänomenen nie mit absoluter Sicherheit Beweise liefern können. Und so können wir entweder an einen allumfassenden Geist glauben oder eben nicht.

Gibt es höhere Formen von Bewusstsein?

Das Wichtigste in Kürze

Nur das Individuum ist sich seines Bewusstseins sicher. Mit Hilfe von sieben Bewertungskriterien lässt sich jedoch ermitteln, ob ein Wesen über eigenes Bewusstsein verfügt. Das ist bei menschlichen Gemeinschaften tatsächlich der Fall, aber auch unsere Biosphäre wehrt sich höchst selbstbewusst gegen die Zivilisation.


Die Suche nach einem Bewusstsein des Universums konfrontiert uns zwangsläufig mit der Frage, ob es überhaupt höhere Bewusstseinsebenen als die unsrige geben kann.

Eine intelligente Erde

Die wohl berühmteste Theorie diesbezüglich stammt vom Geochemiker James Lovelock, der vor knapp 50 Jahren seine umstrittene Gaia-Hypothese aufgestellt hat, die dem Ökosystem der Erde ein aktives, logisches Handeln zugeschreibt. Hintergrund war, dass er nach Analyse von Langzeitstudien festgestellte, dass das irdische Ökosystem aktiv auf Einflüsse von außen reagiert und dadurch erfolgreich das globale Klima beeinflusst. In einem berühmten Gedankenexperiment stellte er sich den Planeten Daisyworld vor, auf dem weiße und schwarze Blumen wachsen. Die weißen Blumen bevorzugen warmes Klima, die schwarzen kühles Klima. Wenn nun die Sonne sehr stark scheint, blühen die weißen Blumen auf, die schwarzen verdorren. Doch je mehr weiße Blumen blühen, desto mehr Sonnenlicht wird wieder ins All reflektiert, die Erde kühlt aus und die schwarzen Blumen kehren zurück. Gleiches gilt für kühles Klima, es blühen immer mehr schwarze Blumen, die die Strahlung absorbieren und die Erde erwärmt sich wieder. Letztendlich pendelt sich durch die wechselnde Population von schwarzen und weißen Blumen ein klimatisches Gleichgewicht trotz schwankender äußerer Einflüsse ein. Er selbst ging zwar dabei nicht so weit, der Erde ein bewusstes Handeln zu unterstellen – Daisyworld läuft hervorragend als Computerprogramm und benötigt beileibe kein Bewusstsein – aber seine Hypothese fand viele Anhänger, die seine Theorie als Beleg für ein Bewusstsein unseres Planeten ansehen.

Ich-Bewusstsein oder Lüge?

Das Problem mit höheren bzw. anderen Bewusstseinsformen ist, dass es uns nur selten gelingt, in einen Dialog mit diesen Wesen zu treten. Lediglich bei Delphinen, Schimpansen, Hunden und Papageien ist es in den letzten Jahrzehnten gelungen, einen ersten Dialog aufzunehmen. Am berühmtesten ist wohl der Graupapagei Alex, der über 100 Worte beherrschte und erstmals Einblick in tierisches Gefühlsleben lieferte. Und trotzdem bleibt stets ein Zweifel, da individuelles Bewusstsein nur vom Individuum selbst erlebt werden kann. Ein Außenstehender kann so nie mit Sicherheit sagen, ob ein Wesen nun Bewusstsein besitzt oder nur so tut. Wenn ich einen Computer darauf programmiere, dass er menschliche Emotionen zeigt, wird in seinem Inneren trotzdem kein Gefühl entstehen.

Indizien für ein Ich-Bewusstsein

Letztendlich können wir also nur auf Indiziensuche gehen und überlegen, was für Voraussetzungen nötig sind, um von individuellem Bewusstsein sprechen zu können. Zunächst gibt es da eine Reihe informationstechnischer Kriterien. Erstens muss das Wesen über Sinne verfügen um überhaupt Reize von außen wahrnehmen zu können. Zweitens benötigt es ein Gedächtnis, um die Sinneswahrnehmung mit Erfahrungswerten abgleichen und so bewerten zu können. Drittens ist ein System zur Informationsverarbeitung erforderlich, das logische Schlussfolgerungen ziehen kann. Beim biologischen Gehirn handelt es sich um hochvernetzte Nervenzellen, bei Computern um vernetzte logische Schaltkreise, letztendlich ist das also immer eine Vernetzung logischer Teilkomponenten. Und viertens sollte es nach außen in irgendeiner Form auch kommunizieren können und sei es nur, indem es Blumen wachsen lässt. Diese Kriterien sind die absolute Grundvoraussetzung aber noch kein echter Beleg für Bewusstsein, denn all diese Punkte werden auch von seelenlosen Computern und Robotern erfüllt. Was uns letztendlich von einem Computer unterscheidet, sind Emotionen. So folgt das fünfte Kriterium, dass unser Wesen auch Gefühle zeigen muss. Doch wie schon gesagt, Gefühle können auch vorgetäuscht werden.

Ohne Quanten kein Bewusstsein

Was also unterscheidet einen Computer von einem fühlenden Wesen? Wir Menschen besitzten ein eigenes Gefühlszentrum, das Limbische System. Sollen wir also bei Gaia nach einem Gefühlszentrum suchen? Benötigt unser Computer einfach nur einen Gefühlsprozessor? Sicher nicht. Geist ist keine Frage von logischen Komponenten sondern es geht ja um diesen Übergang zu einer metaphysischen Ebene. Solange wir es mit Systemen zu tun haben, deren Informationsverarbeitung deterministisch, logisch wie ein Uhrwerk abläuft, bewegen wir uns rein in der physischen Welt und somit ist da auch keine Chance für einen Übergang ins Metaphysische. Doch wie im Beitrag „Wie real ist unser Geist“ gezeigt, zählt unser Bewusstsein zur Metaphysik. Zwar können wir dieses Metaphysische nicht nachweisen, aber es gibt Möglichkeiten es auszuschließen. So wird ein Computer mit einem klassischen Prozessor für dieselbe Aufgabenstellung bei gleichen Rahmenbedingungen stets dasselbe Ergebnis liefern. Bei biologischen Systemen ist das anders. Sie sind zum Einen zu komplex, zu chaotisch, als dass alle Ausgangsparameter stets gleich sein können, zum anderen gibt es durchaus die Möglichkeit, dass nichtkausale Quanteneffekte ihr Handeln beeinflussen (wie das überhaupt möglich ist, folgt im Beitrag „Wie kann der Geist unseren Körper beeinflussen?“). So erhalten wir ein sechstes Kriterium, das besagt, die Informationsverarbeitung darf nicht rein deterministisch ablaufen, sondern muss Raum für Zufall oder Quanteneffekte bieten.

Selbsterkenntnis ist nur eine Option

In der Biologie wird vornehmlich die Fähigkeit zu reflektieren anhand der Selbsterkenntnis des eigenen Spiegelbilds festgemacht. Das ist sicher ein überzeugendes Kriterium, doch bereits bei Affen ist seine Aussagekraft fragwürdig, wie Versuche an Rhesusaffen zeigen. Und nur, weil ein Hund sein Spiegelbild nicht erkennt, ist das noch lange kein Beweis dafür, dass er sich seiner selbst nicht bewusst ist. Es bestätigt nur, dass Hunde andere Sinneswahrnehmungen haben als wir Menschen. Vielleicht würde er sich in einer Art Geruchsspiegel sofort selbst erkennen. Forscher vom Planet der Hunde müssten, wenn sie uns vor einen Geruchsspiegel stellen, analog davon ausgehen, dass wir Menschen über keine Selbsterkenntnis verfügen, da wir ja nicht in der Lage sind, unser eigenes Geruchsabbild zu erkennen. Umgekehrt ist es kein Problem, einen Roboter so zu programmieren, dass er sich in einem optischen aber auch in einem Geruchsspiegel selbst erkennt. Echte Selbsterkenntnis ist das dennoch nicht. Somit können wir dieses Kriterium nur bedingt in unseren Katalog aufnehmen, aber es darf kein Ausschlusskriterium sein. Da es bei Gaia sicher keinen geeigneten Spiegeltest gibt, sollten wir das Kriterium weiter fassen und nach Anzeichen für Selbstbewusstsein suchen.

Sieben Kriterien für Bewusstsein

Somit ergeben sich also folgende sieben Kriterien anhand derer wir abschätzen können, ob eine völlig andere Existenzform über ein eigenes Bewusstsein verfügen kann.

  1. Sinne zur Informationserfassung
  2. Informationsspeicher
  3. Vernetzte Informationsverarbeitung
  4. Informationsausgabe
  5. Emotionen
  6. Übergang zur Metaphysik
  7. Anzeichen für Selbstbewusstsein

Wie viel Bewusstsein besitzt ein Verein?

Probieren wir diesen Ansatz doch gleich einmal anhand von einem Beispiel aus. Könnte beispielsweise ein großer Sportverein über ein eigenes Bewusstsein verfügen? Nein, das klingt dann doch zu weit hergeholt. Aber egal, versuchen wir es trotzdem. Sinne zur Informationserfassung hat der Verein natürlich in Form seiner Mitglieder und Mitarbeiter sowie über die Kontaktformulare im Internet. Informationsspeicher gibt es ebenfalls genug, in all den Vereinsunterlagen, aber auch in Medien und ihren Archiven, die seit Gründung über den Verein berichten. Die Informationsverarbeitung obliegt natürlich dem Vereinsvorstand und seinen Gremien, sowie der Mitgliederversammlung. Bei der Informationsausgabe spielen nicht nur Pressemitteilungen sondern auch soziale Netzwerke, allen voran Facebook und Twitter sowie Medien mit ihren Redaktionen eine entscheidende Rolle. Beim Thema Emotionen ist ein Sportverein natürlich unumstritten führend. Da jubeln nicht nur die einzelnen Fans, sondern es kann auch schon mal sein, dass die Vereinsseele brodelt, dass es sogar zu Erbfeindschaften zu anderen Vereinen kommt. Doch bei der Metaphysik möchte man erst einmal abwinken. Aber es geht ja auch nicht um großartige spirituelle Erlebnisse, die ein Verein eröffnet, sondern nur darum, dass hier bewusste, emotionale Empfindungen stattfinden, die mit reiner Physik nicht erklärbar sind. Und da passiert bei einem Verein durchaus Erstaunliches.

Fans erreichen eine neue Bewusstseinsebene

Nehmen wir mal einen fiktiven Fußballfan der im realen Leben kurz vor der Scheidung steht und sich in therapeutischer Behandlung befindet. Seine privaten und finanziellen Probleme rauben ihm den Schlaf und die Lebensfreude. Der Therapeut schafft es auch nicht, ihn auf andere Gedanken zu bringen. So leidet seine berufliche Leistungsfähigkeit und sein gesamtes Denken wird von seinen Problemen dominiert. Doch wenn sein Fußballverein ein entscheidendes Spiel gewinnt, dann sind in diesem Moment all seine Sorgen vergessen und er jubelt und freut sich gemeinsam mit allen anderen zigtausend Vereinsfans. Und auch all denen geht es ähnlich und ihre sonst so dominanten Sorgen sind in dem Moment, in dem sie ganz im Verein aufgehen, wie weggeblasen. Es ist die Vernetzung dieser Individuen sowohl als Zuschauermenge als auch über die Medien, die eine völlig andere Form von Bewusstsein entstehen lässt, die nur wenig mit dem Bewusstsein der Einzelindividuen zu tun hat.

Selbstbewusste Vereine mit Persönlichkeit

Und unser Verein hat durchaus auch ein Selbstbewusstsein. So erkennen alle Individuen aus denen der Verein aufgebaut ist sofort, wenn ihr Verein durch Medien oder Promis geschmäht wird, was dank sozialer Netzwerke gleich mit einem heftigen Shitstorm beantwortet wird. Und blickt man mal auf unterschiedliche Vereine, so hat jeder ein anderes Selbstbewusstsein. Der Rekordmeister wird als dominant und überheblich empfunden, der Traditionsverein im unteren Tabellendrittel benimmt sich nicht nur auf dem Platz träge und lethargisch, wohingegen ein Aufsteiger frech und aggressiv auftritt und ein Abstiegskandidat samt Mannschaft und Fans lustlos und depressiv daher gekrochen kommt. So müssen wir also sehr wohl davon ausgehen, dass zumindest größere Vereine über ein individuelles Bewusstsein verfügen, das deutlich von den privaten Bewusstseinsebenen seiner Mitglieder und Fans abweicht.

Nicht nur Vereine haben Bewusstsein

Wenn also schon Vereine über eine Art Bewusstsein verfügen, dann kommen wir zu ähnlichen Ergebnissen bei anderen Gemeinschaften. Es gibt genügend Redewendungen, die auf diese Tatsache hinweisen. Da geht es um Jahrhunderte alte Familienfehden, im Internet haben wir es mit einer begeisterten Netzgemeinde zu tun und so manche Regierung hat sich schon den Volkszorn zugezogen. Natürlich stehen hinter all diesen Gemeinschaften bewusst erlebende Individuen und dennoch haben wir es mit einer höheren Bewusstseinsebene zu tun.

Wie viel Bewusstsein hat die Erde?

So lange Menschen an diesem Phänomen beteiligt sind, ist das noch nichts Außergewöhnliches. Doch wäre es auch denkbar, dass die Biosphäre der Erde ebenfalls ein bewusstes Wesen ist? Um dies festzustellen, wenden wir nun die sieben Bewusstseins-Kriterien auf die Gaia-Hypothese an. Zunächst einmal stellt sich die Frage, was genau ist Gaia überhaupt? Die zivilisierte Menschheit zähle ich explizit NICHT zu Gaia, obwohl wir natürlich zur Biosphäre gehören. Doch wir und unsere Nutztiere und Nutzpflanzen sind längst schon nicht mehr Teil der Natur, wir haben uns dank unserer Zivilisation komplett von ihrem Kreislauf und ihren Gesetzmäßigkeiten losgelöst. Es ist so, als würden sich zwei weitgehend getrennte Systeme unseren Planeten teilen, oder besser gesagt um seine Vorherrschaft ringen. Somit zähle ich nur die Teile der Biosphäre zu Gaia, die auch ohne die Segnungen der Zivilisation überlebensfähig sind. Hinzu kommen all die dynamischen Teile der Erde, die stark mit der Biosphäre wechselwirken. Das sind die obere Erdschicht, Flüsse und Seen, die Weltmeere und die Atmosphäre. Tiefer liegende Gesteinsschichten, menschliche Infrastruktur und Städte zähle ich nicht dazu, auch wenn sie durch Vulkanismus und Umweltverschmutzung Gaia stark beeinflussen.

Die Sinne und das Gedächtnis von Gaia

Was die Sinne von Gaia anbelangt, bestehen diese aus allen Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen. Keines dieser Wesen rennt zu Gaia und beschwert sich über uns Menschen, doch ihr Verhalten ist eine direkte Reaktion auf unseren Umgang mit der Natur. Die dabei gesammelten Informationen gehen über das Gedächtnis der einzelnen Individuen deutlich hinaus. Dies kann in Form des artenspezifischen genetischen Codes erfolgen, eine andere Informationsspeicherung ist die Populationsverteilung der unterschiedlichen Arten. Ähnlich wie bei Daisyworld bildet die Anzahl der jeweiligen Lebensform sehr genau ab, in welchem Zustand sich Gaia gerade befindet. Auch die Atmosphäre, Gewässer und die oberen Bodenschichten speichern eine Menge Information in Form ihrer Ausdehnung, dem Anteil an Nähr- und Schadstoffen sowie die Verbreitung von Mikroorganismen.

Uralte Erinnerungen statt Luftverschmutzung

Andere Informationsspeicher, wie beispielsweise Fossilien sind zwar für Geologen höchst aufschlussreich, doch Gaia selbst kann sie nicht verwerten. Trotzdem spielt gerade im Fall der menschlichen Energieverschwendung die vor Jahrmillionen gespeicherte Biosphäre eine entscheidende Rolle. Denn ohne uns Menschen wäre das Kohlendioxid, das damals die Pflanzen aus der Atmosphäre gefiltert hatten, für immer verloren. Nun ist Kohlendioxyd für Pflanzen das, was Sauerstoff für uns Menschen ist. So zynisch es klingen mag, doch unser Hunger nach fossiler Energie ist in erdgeschichtlichen Dimensionen gedacht durchaus wünschenswert.

Der Biosphären-Computer

Bei der vernetzten Informationsverarbeitung wird es besonders spannend. Bei Daisyworld gibt es auf den ersten Blick keine Vernetzung, doch durch die Reflektionswirkung der einzelnen Blumen kommt es zu einer thermischen Rückkopplung, die eine simple Logikfunktion darstellt. In der Biosphäre gibt es unzählige Abhängigkeiten und Vernetzungen, wir haben es mit einer komplexen Logik wie bei einem Computer zu tun. Jeder Versuch, aktiv einzugreifen hat weitreichende, kaum vorhersehbare Folgen. Eingeschleppte Haustiere, wie dies in Australien mit Katzen und Schafen geschehen ist, stören das seit Jahrtausenden eingespielte Artengleichgewicht empfindlich. Eigentlich müsste man davon ausgehen, dass die Spezies Mensch durch ihr ungebremstes Wachstum und ihrem Hunger nach Ackerland und Weideflächen die Natur immer weiter zurückdrängt. Einmal vom Mensch eroberte Wildnis will er nun einmal nicht mehr aufgeben.

 Gaias Reaktion: Zurückdrängen der Zivilisation

Betrachten wir also das vierte Kriterium, die Informationsausgabe, also die Reaktion Gaias. Und die reagiert in einer höchst effizienten Weise auf unsere Eingriffe. Ihre Populationen verschieben sich, eine vernetzte Rückkopplung auf klimatische Bedingungen findet statt. Seen veralgen, trocknen aus, Wald- und Buschbrände verändern in kürzester Zeit die Vegetation, es kommt zur Verwüstung und zum globalen Temperaturanstieg, der verstärkte Unwetterkatastrophen, Verschiebungen von Monsunregen, des Golfstroms und letztendlich ein weiteres Abtauen der Polkappen zur Folge hat. Es findet dadurch eine Verdrängung der Spezies Mensch aus nun unattraktiven Regionen, wie Wüsten, überfluteten Küstenregionen und großen Teilen unwirtschaftlich gewordener Nutzflächen statt. Auch Gaia leidet unter dieser Entwicklung, doch Wüsten, Küstengewässer, verlassene Dörfer und verwilderte Ackerflächen werden zwar in anderer Form als früher aber immerhin wieder von der Natur übernommen. So können wir derzeit eine der spannendsten Entwicklungen der Naturgeschichte beobachten. Obwohl es so viele Menschen wie nie zuvor auf diesem Planeten gibt, wird unsere Spezies immer erfolgreicher zurückgedrängt und auf Ballungszentren konzentriert, wo wir unter zum Teil unerträglichen Bedingungen dahinvegetieren, wohingegen weite Flächen von einer für uns Menschen unattraktiven Natur zurückerobert werden. So hilf- und wehrlos sich die Natur gegenüber uns Menschen auch geben mag, die Geschwindigkeit, Flexibilität und Cleverness mit der sie sich wehrt, kann es gut und gerne mit unseren schlauesten Strategen aufnehmen.

Gaias Emotionen reiner Antropomorphismus?

Doch was ist mit dem fünften Kriterium, den Emotionen? Natürlich verfügen höhere Tierarten über Emotionen, aber dass die Natur selbst über so etwas verfügt, ist doch eher unwahrscheinlich, oder vielleicht doch nicht? Schauen wir uns doch die Natur an einem tristen Novembertag an. Die Bäume verlieren ihre Blätter, viele Vögel ziehen weg und die, die bleiben, sitzen stumm und aufgeplustert in ihrem Versteck. Auch alle anderen Tiere ziehen sich zurück, bereiten sich auf den Winterschlaf oder die Winterruhe vor, es umfängt uns bei diesem Anblick eine tiefe Schwermut. Ganz anders an einem sonnigen Frühlingstag, überall blüht und gedeiht es, Vögel zwitschern, alle Tiere suchen sich Partner, zeugen Nachwuchs (was, wie wir wissen, durchaus Spaß machen kann), die Luft ist erfüllt vom Summen und Brummen der Insekten, Jungtiere spielen ausgelassen miteinander und auch uns ist es bei diesem Anblick zum Jubeln zumute. Die Skeptiker werden einwenden, dass wir Menschen unsere Gefühle in unzulässiger Weise auf die Natur übertragen, was von der Wissenschaft als Antropomorphismus abgelehnt wird.

Gaias Erbe: Herbstdepression und Frühlingsgefühle

Doch ganz das Gegenteil ist der Fall. Während die Jahreszeiten für uns Menschen aufgrund unserer zivilisatorischen Errungenschaften in Form von beheizten Häusern, Supermärkten und elektrischem Licht immer mehr an Bedeutung verlieren, sind sie für die Natur essenziell. Warum freuen wir uns also über einen sonnigen Frühlingstag, wo wir doch in der Wohnung, der U-Bahn und an unserem Arbeitsplatz kaum etwas davon spüren? Warum macht uns ein regnerischer Novembertrag depressiv, wo es doch in unseren Behausungen und Arbeitsstätten genauso warm und hell wie an einem Frühlingstag ist? Weil davon unser natürliches Erbe angesprochen wird. Es ist also nicht so, dass wir unsere Emotionen auf die Tierwelt übertragen, sondern umgekehrt, dass unsere tierischen Wurzeln hervorbrechen und uralte Emotionen hochkommen. Emotionen, die offensichtlich die gesamte belebte Natur an solchen Tagen durchdringt, Emotionen, die so stark sind, dass sie selbst vor denen nicht Halt machen, die sich schon vor Jahrtausenden von Gaia losgesagt haben.

Naturgeister und die Metaphysik

Nun zu unserem sechsten Kriterium, der Übergang zur Metaphysik. Wer würde es wagen, beim Zauber der Natur, all den Legenden von Naturgeistern, Meeresungeheuern und den Mythen, die sich um dunkle Wälder und tiefe Seen ranken, der Natur den Übergang zur Metaphysik absprechen zu wollen. Doch bleiben wir nüchtern, die Natur ist die Summe aller frei lebenden Tier- und Pflanzenarten. Viele höhere Tierarten besitzen ähnliche Hirnstrukturen wie wir Menschen. Darüber hinaus zeigen Versuche mit Delphinen, Krähen, Papageien und Affen, die ja alle Wildtiere sind, dass auch sie über ein Ich-Bewusstsein verfügen, was wir im Beitrag „Wie real ist unser Geist“ als nicht physikalisch erklärbar und somit der Metaphysik zugeordnet haben. Nachdem also wesentliche Teile aus denen die Natur aufgebaut ist, über einen solchen Übergang zur Metaphysik verfügen, ist dieser Zugang auch der Natur zuzusprechen.

Selbstbewusste Versenkung Venedigs

Anders ist es beim siebten Kriterium, den Anzeichen für Selbstbewusstsein. Nur weil sich eine Krähe ihrer selbst bewusst ist, bedeutet das nicht automatisch, dass auch Gaia über echte Selbsterkenntnis verfügt. Wenn wir mit einem Freund kommunizieren, kommunizieren wir ja auch nicht mit einzelnen Nervenzellen sondern mit seiner Gesamtheit, die ihn als Mensch ausmacht. Weiß die Natur, dass sie eine Einheit ist? Ist sich die Natur ihres Handelns im Kampf gegen die Zivilisation und den Menschen bewusst? So effizient auch die Maßnahmen sind, mit denen sie bis 2050 zwei Drittel der Menschheit in urbane Ballungszentren verdrängt haben wird, ist sie sich dessen wirklich bewusst? Macht sie sich morgens Gedanken, welche Maßnahmen sie im Lauf des Tages gegen die Reisbauern in der Provinz Shangdong ergreifen wird? Hat sie genaue Pläne, wie sie Venedig innerhalb der nächsten zweihundert Jahre von den Landkarten tilgen will? Ich denke, spätestens jetzt laufen wir Gefahr, tatsächlich in einen unzulässigen Antropomorphismus‘ zu verfallen.

Naturvölker als Dolmetscher mit Gaia

Um genaueres herauszufinden, müssten wir mit der Natur als Gesamtheit kommunizieren können. Doch wie kommuniziert man mit etwas so abstraktem, so gigantischem wie Gaia? Es ist sicher keine Lösung, in den Wald zu gehen, Bäume zu umarmen oder es dem heiligen Franziskus gleichzutun und den Vögeln zu predigen. Es gilt, die Sprache der Natur zu erlernen, eine Herausforderung, an der sich Wissenschaftler in ihren sterilen Labors wohl die Zähne ausbeißen werden und die wohl eher Naturvölker lösen können. Und es ist schon erstaunlich, mit wie viel Ehrerbietung sich diese Völker der Natur nähern und mit wie viel Dankbarkeit sie ihre Gaben annehmen. Es gibt kein Naturvolk, das nicht davon überzeugt ist, dass die Natur von Geistwesen beseelt ist. Wir empfinden das als naiv, aber wenn wir uns vor Augen führen, dass die Völker, die mit der Natur im Einklang leben, dort seit Menschengedenken Schutz, Nahrung und Heilmittel finden, während es uns trotz all unserer Technologien nicht gelingt, sie auch nur halbwegs zu beherrschen. Stattdessen werden wir von ihr immer weiter in Ballungsräume gedrängt. Ich zumindest habe den Eindruck, dass wohl eher wir, die modernen, zivilisierten Menschen im Umgang mit Gaia die Naiven sind.

Kann das Universum einen Geist besitzen?

Das Wichtigste in Kürze

Die Evolution käme auch ohne Geist aus. Doch wir sind der Beweis dafür, dass das Universum Geist entwickelt hat. Geist scheint eine Art Naturgesetz zu sein. Das Universum verhält sich wie ein gewaltiger Gravitationscomputer, der durch Geist nur über Jahrmillionen hinweg beeinflusst werden kann.


Geist ist nicht nötig

Bevor wir uns mit einem wie auch immer gearteten allumfassenden Geist auseinandersetzen, möchte ich mich der Frage widmen, ob so etwas wie Geist außerhalb eines menschlichen Gehirns überhaupt möglich ist?

Das Phänomen Geist ist physikalisch weder erklärbar noch nötig. Ein Computer kommt hervorragend ohne Geist, also ohne die Fähigkeit, bewusst zu erleben, aus und heutige Roboter können fast alles, was auch wir Menschen können. Vom Schachspielen bis zum autonomen Autofahren. Auch die Evolution bräuchte so etwas wie Geist nicht. Alles, was das „Survival of the Fittest“ ausmacht, ließe sich in logische Algorithmen packen, die seelenlos auf einem Biocomputer ablaufen könnten. Das ist ja auch der Grund, warum überzeugte Darwinisten so ein Problem mit Gott und einer beseelten Welt haben. Nicht umsonst sind die Behavioristen zu dem Schluss gekommen, dass man in ihren Modellen gänzlich auf die Hypothese der Seele verzichten kann und alles, was damit in Verbindung steht auch als Einbildung abtun kann. Wie im Beitrag “Wie real ist unser Geist?“ schon ausführlich behandelt, erleben wir in jedem bewussten Moment, dass dem nicht so ist, dass unser individuelles Erleben etwas höchst reales, im sprichwörtlichen Sinn des Wortes, wunderbares ist.

Sind wir der Geist des Universums?

Wir können es uns natürlich einfach machen und die Frage nach dem Geist des Universums ganz klar mit ja beantworten. Warum? Weil der Mensch unstrittig einen Geist besitzt und ebenso unstrittig Teil des Universums ist. Wir sind aus dem Universum heraus entstanden. Unser Geist steht nicht außerhalb des Universums, sondern ist ein Teil davon. Durch uns wird sich das Universum seiner selbst bewusst. Und dieses Bewusstsein geht deutlich über das von Einzelindividuen hinaus, denn die Erkenntnis, dass es ein Universum gibt, das aus Quanten, Atomen, Molekülen, Zellen, Pflanzen, Tieren, Planeten, Sternen und Galaxien besteht, ist nichts, was ein Einzelindividuum auf sich alleine gestellt, erkennen könnte. All die Bilder, die wir mit dem Allerkleinsten und dem Allergrößten des Weltalls verbinden, sind eine kollektive Erkenntnis der gesamten Menschheit und somit auch Teil unseres kollektiven Bewusstseins.

Nichts als ein isoliertes Fünkchen

Doch ganz so einfach ist es nun auch wieder nicht. Denn nur weil auf einem winzig kleinen Planeten, verloren in den Weiten des Weltalls, für ein paar Momente – länger dürfte die Existenz unserer Spezies aus Sicht des Universums nicht währen – kurz ein Fünkchen Geist aufblitzt, bedeutet das noch lange nicht, dass sich das gesamte Universum dadurch seiner selbst bewusst wird. Ja, im Universum gibt es Wesen, die einen Geist besitzen, aber erst wenn Geist das Universum durchdringt, können wir davon sprechen, dass das Universum einen eigenen Geist besitzt.

Der Geist ist keine Erfindung des Gehirns

Doch ist das überhaupt denkbar, ein Geist, der das Universum durchdringt und ohne Gehirn existiert? Einen höchst bemerkenswerten Ansatz lieferte der wohl bedeutendste Verhaltensforscher und Nobelpreisträger Konrad Lorenz : „Die Flosse des Fisches ist das Abbild des Wassers und bildet dessen Eigenschaften ab„. Der große Wissenschaftsjournalist Hoimar von Ditfurth hat den Gedanken in seinem Buch „Der Geist fiel nicht vom Himmel“ weiter gesponnen und schloss daraus, dass die biologische Evolution keine neuen Phänomene schafft, sondern lediglich schon gegebene Naturgesetze nutzt. Genauso wenig erfand der Flügel das Fliegen, sondern er ist nur ‚Abbild‘ der Luft, deren aerodynamischer Gesetzmäßigkeiten er sich bedient. Und so ist auch das Gehirn nur ‚Abbild‘ des Geistes, dessen es sich bedient. Da die Evolution offensichtlich nicht in der Lage ist, Dinge zu erfinden, ohne dabei schon existierende Naturgesetze zu nutzen, ist nur der Schluss möglich, dass das Prinzip des Geistes schon vor der Evolution existiert haben muss. Wie im Beitrag zum Übergang von Physik zur Metaphysik diskutiert, lassen die Phänomene der Quantenphysik vermuten, dass hier die Quelle für dieses ‚Lorenzsche‘ Prinzip des Geistes verborgen liegt.

Was sagen die Quantenphysiker dazu?

Das mag jetzt ein bisschen nach Esoterik klingen, doch es sind die größten Quantenphysiker der letzten 100 Jahre, die diese Vermutung durch ganz klare Aussagen stützen. Hier ein paar Zitate dazu:

  • Max Planck, Nobelpreisträger und Begründer der Quantenphysik sagte: „Die Existenz einer kosmischen Schöpferkraft muss auch in der Wissenschaft als eine unanzweifelbare Tatsache akzeptiert werden.“
  • Werner Heisenberg, Nobelpreisträger und der Physiker, dem die mathematische Formulierung der Quantenphysik gelang, sagte: „Das Argument, lebende Organismen seien nur mit den Gesetzen der Physik und Chemie zu erklären und es gäbe keine Vitalitätskraft, stimmt nicht mit der modernen Quantentheorie überein.“
  • Hans-Peter Dürr, Träger des alternativen Nobelpreises und Nachfolger Heisenbergs als Direktor des Max-Planck-Instituts für Physik in München sagte: „Was wir am Ende allen Teilens vorfanden, waren keine unzerstörbaren Teilchen […] sondern ein feuriges Brodeln, ein ständiges Entstehen und Vergehen, etwas, das mehr dem Geistigen ähnelt – ganzheitlich, offen, lebendig.“
  • Eugene Paul Wigner, Nobelpreisträger und Quantenphysiker sagte: „Die Quantentheorie beweist die Existenz eines universellen Bewusstseins im Universum.“

Wie selbstbewusst ist das Universum?

Doch wie viel sagt dieses brodelnde geistige Potential der Quantenwelt über einen bewussten Geist aus, der unser Universum durchdringt. Es könnte sich ja hier einfach nur um ein physikalisches Prinzip handeln, das, wie der Elektromagnetismus in jüngster Zeit entdeckt und erst durch uns Menschen genutzt wird. So wie Elektromagnetismus nicht gleich Elektrotechnik ist, so ist dieses quantenphysikalische Geistesphänomen noch lange kein universeller Geist, der sich seiner selbst bewusst ist. Erst elektronische Schaltkreise machen aus Elektromagnetismus ein funktionierendes elektrisches Gerät. Genauso könnte es sein, dass bewusster Geist erst durch unser Gehirn ermöglicht wird. Wie unser kleiner Selbstversuch gezeigt hat, ist reiner Geist nichts als die Fähigkeit zu empfinden. Er wertet nicht, er hat keine Erinnerungen, er hat keine Ziele, er hat keine Gedanken und auch keine Ideale. Erst die Gaben, sich zu erinnern, logisch zu kombinieren, vorausschauend zu handeln und daraus Werte abzuleiten ergeben einen reflektierenden, selbstbewussten Geist. Und genau das ist es ja, was wir mit der Frage nach dem Geist des Universums suchen.

Aus Geist wird Bewusstsein

Somit suchen wir nicht nur nach der Quelle des Geistes, die wir mit großer Sicherheit in der Welt der Quanten gefunden haben, sondern wir suchen nach physikalischen Belegen für die Voraussetzungen von Bewusstsein des gesamten Universums. Und das sind die Möglichkeit sich zu erinnern, also Information zu speichern, die Fähigkeit, diese Information logisch zu kombinieren und letztendlich auch die Macht dazu, diese Gedanken in die Tat umzusetzen. Und das eben nicht nur lokal in Form von Individuen sondern quer durchs gesamte Universum. Dass es im Universum auch die Möglichkeit gibt, Informationen ohne lokalen, physikalischen Speicher zu bewahren, haben wir im Beitrag Gedächtnis ohne Materie gesehen. Alle Naturgesetze müssen bereits im Universum immateriell abgespeichert gewesen sein, bevor sich überhaupt Materie bilden konnte. Das Licht der Sterne belegt, dass es ist sogar möglich ist, ohne physisches Speichermedium Informationen über Milliarden von Jahren hinweg unverfälscht zu bewahren.

Das Weltall ein einziger Quantencomputer?

Doch ist das Universum auch in der Lage, ohne Biocomputer diese gespeicherte Information logisch zu verarbeiten? Wie wir beim Übergang von Physik zur Metaphysik gesehen haben, haben wir es auf Quantenebene mit sprunghaften, schwer fassbaren Teilchen zu tun, die sich jeglicher Logik entziehen. Erst durch ihre Masse, erst durch das Gesetz der großen Zahl, entsteht Logik, entsteht das Prinzip von Ursache und Wirkung. Und genau das, Ursache und Wirkung, die logische Verarbeitung von Impulsen, entspricht den Transistoren, aus denen Mikroprozessoren aufgebaut sind. Aber einzelne logische Funktionen reichen nicht aus, erst die Vernetzung aller logischen Schalter ergibt ein Elektronengehirn. Und auch hier gibt es mehrere Ebenen der Vernetzung im Universum. Auf Teilchenebene kennen wir die Verschränkung von Quanten, die jedoch sehr instabil ist und kleinste Störungen lassen sie zerfallen. Andererseits arbeiten Quantencomputer genau mit dieser Verschränkung und viele mikroskopische Prozesse bis hin zu Mutationen lassen sich nur mit Quanteneffekten erklären. Auch wenn die Verschränkung von Quanten räumlich unbegrenzt ist, werden in der Natur aufgrund von Störungen selten Verschränkungen über große Distanzen hinweg Bestand haben. Somit ist wohl kaum damit zu rechnen, dass das ganze Weltall ein einziger Quantencomputer ist.

Die Kraft die Ordnung schafft

Quer durchs ganze Universum gibt es ein anderes Prinzip, das für Vernetzung, Logik und Ordnung sorgt. Es ist die Gravitationskraft. Wir können das ganz einfach ausprobieren. Nehmen wir eine Hand voll Murmeln und schütten sie in ein Glas. Ein bisschen Rütteln und die Murmeln ordnen sich in wenigen Sekunden wie von Zauberhand zu einer hexagonalen Kugelstruktur. Von Hand hätten wir dafür ein paar Minuten, also über hundertmal so lange gebraucht. Letztendlich war es die Gravitation, die dafür gesorgt hat, dass die Kugeln sich zu dieser dichtest möglichen Kugelpackung angeordnet haben. Es ist die Gravitation, die unser Sonnensystem mit seinen Planeten in ein perfektes Uhrwerk verwandelt, sie bestimmt die Form von Galaxien und sie sorgt dafür, dass sich aus Gaswolken Sterne bilden. Sie ist es, die das atomare Feuer im Inneren dieser Sterne zündet und gleichzeitig dafür sorgt, dass diese feurigen Gasbälle nicht einfach explodieren und ins All verpuffen. Unser Universum ist ein auf allen Ebenen vernetztes logisches System, das mit Hilfe der Naturgesetze aus dem Chaos des Urknalls eine vielfältige Welt mit intelligentem Leben geschaffen hat.

Die Macht zu handeln

Wir haben nun also in den Quanten das Prinzip für Geist gefunden, wir haben die Möglichkeit entdeckt, Information ohne Speichermedium beliebig lange zu bewahren und wir haben herausgefunden, dass das Universum selbst eine Mischung aus Quantencomputer im Kleinen und eine Art „Gravitationscomputer“ im Großen ist. Doch wenn dieser universale Quantengeist eine bewusste Entscheidung treffen möchte, muss er Einfluss auf den Computer Universum nehmen. So, wie unser Geist Einfluss auf die logischen Prozesse in unserem Gehirn nehmen muss, damit wir von freiem Willen sprechen können. Wie im Beitrag „Wie kann der Geist unseren Körper beeinflussen?“ gezeigt, ist es alles andere als einfach, für einen Geist aus der Quantenwelt, Einfluss in mikroskopische Strukturen unseres Gehirns zu nehmen. Um wie viel schwerer muss es für einen Quantengeist dann sein, Einfluss auf den Gravitationscomputer Universum zu nehmen. Wenn, dann überhaupt nur an den Stellen, an denen Quanten einen Einfluss haben, wie zum Beispiel bei Spontanmutationen in der DNA aufgrund des quantenmechanischen Tunneleffekts oder in extrem instabilen chaotischen Systemen bei denen wir vom Schmetterlingseffekt sprechen. Spontane Wunder werden wir also nicht erwarten können, wenn, dann nur eine sehr, sehr langfristige Beeinflussung im Bereich von Jahrmillionen oder Jahrmilliarden. Das hat zur Folge, dass dieser Geist kaum nachweisbar ist, da sein Handeln im Einklang mit den Naturgesetzen steht. Das bedeutet aber nicht, dass er keinen Einfluss hat. Es ist sogar so, dass er nach dem Motto, steter Tropfen höhlt den Stein, eine der ganz großen Triebfedern in unserem Universum ist. Mehr dazu im Beitrag „Ist Gott wirklich allmächtig?„.

 

Zusammenfassend können wir sagen, es ist durchaus denkbar, dass unser Universum über einen bewussten Geist verfügt. Zumindest sind alle nötigen Voraussetzungen dafür vorhanden. Doch wenn es ihn wirklich gibt, agiert er in völlig anderen Dimensionen, als wir Menschen uns das vorstellen können.

Ist ein Gedächtnis ohne Materie denkbar?

Das Wichtigste in Kürze

Wir kennen nur Information die physisch gespeichert ist. Ohne Information ist keine metaphysische Welt denkbar. Offensichtlich sind aber die Naturgesetze noch vor jeglicher Materie festgelegt  worden. Materielle Speicher sind flüchtig, materielose Speicher unvergänglich.


Ohne Materie keine Information

Mein heutiger Beitrag kreist um eine der grundlegendsten Fragen was spirituelle Dinge anbelangt. Unsere Erfahrung zeigt, um Informationen zu speichern benötigen wir physische Speicher. Alles was wir Tag für Tag an Information nutzen ist irgendwo auf Festplatten, Speicherkarten oder Servern gespeichert. Seit jeher ist Information an Materie gebunden, Schrift wurde in Stein gemeißelt, in Tontafeln geritzt, auf Papyrus, Pergament und Papier geschrieben. Selbst so vergängliche Information wie Musik und Film können wir auf Schellack, Tonbändern, Kassetten, Filmrollen und auf Datenträgern konservieren und sogar das Leben an sich benötigt physikalische Speicher in Form von DNA um seine Erbinformation zu bewahren. Das bedeutet, ohne Materie keine Information.

Ohne Information kein Geist, keine Metaphysik

Wenn das aber zutrifft, so haben wir ein massives Problem in metaphysischen Dingen, die ohne Materie auskommen müssen. Wie soll Gott sein Strafgericht abhalten, wenn am jüngsten Tag all unsere Sünden mit unserer sterblichen Hülle verloren gegangen sind? Wie soll ein Paradies aussehen, dem alle Informationen fehlen? Ist das nicht so, wie eine virtuelle Welt ohne Datenspeicher? Denn was sollen sonst paradiesische Bäume, Äpfel oder Quellen sein als reine Information, wenn sie ohne Materie auskommen müssen, doch die lässt sich ohne Materie nicht speichern. Und wie das traurige Dasein Demenzkranker belegt, ist ohne Gedächtnis selbst der größte Geist nichts als ein hilfloses Etwas. Denn alles, Sprache, Werte, Logik benötigt gespeicherte Information. Ohne Erinnerung können wir noch nicht einmal einen Satz formulieren, denn es fehlen die Worte. Ohne Gedächtnis können wir noch nicht einmal Gut von Böse unterscheiden, denn erst die Erfahrung zeigt, was uns oder anderen schadet und was nicht. Wir könnten ohne Informationsspeicher noch nicht einmal eins und eins zusammenzählen, denn wir hätten bereits die erste Zahl vergessen bevor wir sie zur zweiten addieren könnten. Was ist übrigens addieren? Ach ja, ohne physischen Speicher haben wir selbst das vergessen.

Wo ist das Periodensystem gespeichert?

Also mal wieder Zeit, diesen Blog zu schließen? Nein, ganz im Gegenteil. Denn diese Argumentation stammt aus unserer subjektiven Erfahrung und beweist nicht im Mindesten, dass Materie wirklich Grundvoraussetzung für die Speicherung von Information ist. Denn nicht nur für unser virtuelles Paradies benötigen wir Information, die nicht physisch hinterlegbar ist, auch unsere physische Welt basiert auf Gesetzen, die vor der Materie da waren. Ein wunderschönes Beispiel ist das von Schülern allseits gehasste Periodensystem der Elemente. Wann und wo wurde es erfunden? Vor oder nach dem Urknall? Wenn seine Speicherung an Materie gebunden wäre, so dürfte es erst nach dem Urknall und nach dem Entstehen der ersten Wasserstoffatome entstanden sein.

Zu viel Information für so ein kleines Teilchen?

Doch ist das wirklich so? Tatsache ist, dass alle Materie aus Wasserstoff entstanden ist, aus dem sie in Sternen zusammengebacken wurde. Somit müssen bereits im Wasserstoff alle Informationen enthalten sein, die für das Entstehen höherer Elemente bis hin zur Bildung von Sternen, Galaxien und der Grundbausteine des Lebens nötig sind. Und da hängt eine ganze Menge dran, denn für jedes Element haben wir andere Eigenschaften, Masse, Farbe, gasförmig, flüssig, hart, weich, metallisch, nichtmetallisch, magnetisch, nichtmagnetisch und dann noch die gesamten chemische Bindungsfähigkeiten bis hin zur organische Chemie. Mit anderen Worten, die ersten Wasserstoffatome müssen alle Informationen des gesamten Physik und Chemieunterrichts von der Grundschule bis hin zu neuesten Forschungsergebnissen in sich getragen haben. Ganz schön viel für so ein kleines Teilchen.

Strenge Regeln statt Anarchie

Doch egal, wie und wo der Wasserstoff so viel Information speichern kann, Schüler wären übrigens für das Geheimnis dankbar, haben wir noch ein ganz anderes Problem. Es stammen nämlich nicht alle Wasserstoffatome von einem gemeinsamen Vater ab, sondern sie haben sich an unendlich vielen Stellen parallel aus der gewaltigen Energiesuppe kurz nach dem Urknall gebildet. Hätte es zu diesem materielosen Zeitpunkt noch keine einheitlichen Naturgesetze gegeben, hätten wir es mit Anarchie pur zu tun gehabt. An jeder Stelle hätte sich eine andere, wilde Form von Teilchen gebildet, jedes mit völlig anderen Eigenschaften, denn es hätte ja keine Vorgaben, keine Spielregeln gegeben. Vieles davon wäre nicht stabil gewesen und wäre wieder verschwunden aber dennoch müssten zu unterschiedlichen Zeitpunkten an unterschiedlichen Bereichen des Universums auch unterschiedliche Materieeigenschaften vorgeherrscht haben. Doch neueste Erkenntnisse der Astrophysik belegen, dass egal wohin wir ins Universum blicken, was ja gleichzeitig auch ein Blick in die Vergangenheit ist, wir an jedem Ort und zu jedem Zeitpunkt dieselbe Physik, dieselbe Chemie vorfinden.

Materie besteht aus Information

Von daher können wir mit Sicherheit sagen, all die Information aus dem Physik und Chemieunterricht und wahrscheinlich noch vieler anderer Disziplinen lag bereits zum Zeitpunkt des Urknalls vor. Doch wo? Dazu müssen wir wieder de Broglie und die Quantenmechanik bemühen. Und was wir hier finden ist alles andere als feste Materie. So sehr wir uns den Kopf an einer niedrigen Türe auch stoßen mögen, Materie ist nichts anderes als stehende Wellen im Raum. Für jedes Teilchen sind das zahllose Wellen, die sich theoretisch im gesamten Universum ausdehnen, sich überall gegenseitig auslöschen und nur an einer Stelle so überlagern, dass dort ein Teilchen auftritt. Und was sind Wellen im Raum? Nichts als Information. Somit ist genau das Gegenteil der Fall, es ist nicht die Information die Materie benötigt, sondern die Materie, die Information benötigt.

Materielle Speicher sind vergänglich

Aber wie soll das gehen, Information in Wellen zu speichern, wo doch Wellen viel kurzlebiger sind als Materie? Denn wie schnell sind die Wellen eines Musikstücks verhallt und um wie viel schneller sind die Lichtwellen einer Lampe erloschen, wenn wir sie ausschalten? Auch hier hat unsere Erfahrung nichts mit der physikalischen Realität zu tun. Wenn wir Information in Materie speichern, ist das ein indirekter Vorgang, der höchst vergänglich ist. Optische Datenträger sind meist schon nach 15 Jahren unbrauchbar geworden. Unsere Erinnerungen verlöschen meist schon nach wenigen Tagen, ganz wichtiges hält sich 70 bis 80 Jahre in unserem Gehirn, bevor auch das zerfällt. Bücher bewahren da Informationen schon besser, bis zu 3000 Jahre alte Dokumente sind erhalten. Wenn wir etwas in Stein meißeln oder in Ton ritzen kann das auch schon mal 10.000 Jahre überdauern.

Information, die sich selbst regeneriert

Ganz anders ist es mit der DNA, die zwar mit unserem Tod zerfällt, aber nahezu unverändert Generation für Generation weitervererbt wird. Die DNA des modernen Menschen dürfte etwa 200.000 Jahre alt sein. Das bedeutet, ein Kind von damals würde sich völlig unauffällig in unserer heutigen Gesellschaft entwickeln. Ganz extrem ist es bei lebendigen Fossilien wie Haien, Schildkröten, Quastenflossern oder Pfeilschwänzen, deren DNA sich in den letzten 200 Millionen Jahren kaum verändert hat. Das bedeutet, diese Tiere haben das Zeitalter der Dinosaurier kommen und wieder gehen sehen ohne sich nennenswert zu verändern. Eine phantastische Speicherleistung, wenn man sich überlegt, wie komplex die DNA im Vergleich zu einem Buch ist. Das Geheimnis liegt darin, dass es die Information selbst ist, die sich mit ihren gespeicherten Methoden stets regeneriert und die Materie nur als vergänglichen Zwischenspeicher nutzt.

Unvergängliche, materielose Speicher

Doch es gibt noch viel ältere Informationen, die noch wesentlich besser erhalten sind. Informationen, die sich sogar über Milliarden Jahre hinweg unverändert bewahrt haben, ohne dabei auch nur um einen einzigen Tag zu altern. Nein, damit meine ich keine Versteinerungen, die sind nur ein schwacher Abdruck dessen was sie konserviert haben und nichts im Vergleich zur Leistung der DNA. Nein ich spreche von Informationen, die nicht materiell gespeichert sind, Informationen, auf die wir Nacht für Nacht beliebig zugreifen können. Richtig, es ist das Licht der Sterne, das ohne zu altern über Jahrmilliarden hinweg die Botschaften ferner Galaxien zu uns trägt, wo es erst vergeht, wenn es wirkungslos von Materie absorbiert wird oder wo es uns seine Geheimnisse offenbart, indem es auf den Photosensor eines Teleskops auftrifft. All die Informationen, die wir über das Weltall besitzen, sind uns von uralten, masselosen Wellen zugetragen worden. Es gibt keinen noch so entlegenen Ort in den Weiten des Universums von dem aus nicht Abermilliarden Sterne beobachtet werden können. Das bedeutet, dass jeder Punkt im All zu jedem beliebigen Zeitpunkt von unzähligen Photonen, Radiowellen, Infrarot- Röntgen und sonstigen Strahlen erfüllt ist und all das sind masselose Quanten die alle uralte Informationen mit sich tragen. Somit enthält jeder Kubikzentimeter des scheinbar leeren Weltraums weitaus mehr Informationen als wir auf den meisten gleich großen physischen Medien speichern könnten.

Unbegrenzter, materieloser Speicherplatz

Somit können wir getrost davon ausgehen, dass auch eine materielose, metaphysische Welt durchaus Informationen speichern und abrufen kann. Und wenn Sie mich fragen, wo sich all die metaphysische Information so gut verstecken soll, dass sie von keinem unserer Messgeräte empfangen wird, dann werfen Sie noch einmal einen Blick auf den Beitrag „Gibt es eine metaphysische Welt?“. Nachdem sich 95 Prozent dunkler Energie und dunkler Masse erfolgreich vor unseren Messgeräten verbergen, bietet unser Universum offensichtlich nahezu unbegrenzten Platz für immaterielle Information jeglicher Art.

Wo ist der Übergang von Physik zu Metaphysik?

Das Wichtigste in Kürze

Mit der Quantenmechanik wurden Phänomene entdeckt, die eher dem Geistigen als dem Physischen ähneln. Dies sind Quantensprung, Welle-Teilchen-Dualsimus, Unschärfe, Aufenthaltswahrscheinlichkeit, Tunneleffekt, Vakuum-Fluktuation und Verschränkung.


 Geisterhaftes Verhalten

Im heutigen Blog möchte ich Ihnen meine Lieblinge vorstellen. Es handelt sich dabei um Phänomene, die sich nicht an die grundlegenden Prinzipien unserer Welt halten. Sie sind extrem sprunghaft. Das Prinzip von Ursache und Wirkung spielt für sie keine Rolle. Sie sind Zwitterwesen deren Standort überall und nirgendwo zu sein scheint. Sie können mühelos unüberwindbare Barrieren durchdringen. Sie tauchen aus dem Nichts auf um sogleich wieder spurlos zu verschwinden. Eine spukhafte Fernwirkung verbindet sie untereinander quer durch Raum und Zeit und es gibt Wissenschaftler, die in ihnen die Quelle des Geistes vermuten. Nein, es handelt sich dabei nicht um Geister, Gespenster oder andere Wesen aus dem Reich der Metaphysik sondern um die Grundbausteine unserer Welt, die Quanten, also nüchterne Physik.

Sprunghafter Charakter

Quanten sind winzige Energieträger deren Energiepotentiale nicht kontinuierlich verlaufen sondern diskret, also sprunghaft. Die bekanntesten Vertreter aus dem Reich der Quanten sind Photonen und Elektronen. Wenn wir beispielsweise einem Wolframatom Energie zuführen, wird es diese eine Weile ohne erkennbare Wirkung aufnehmen bis es zu einem Quantensprung kommt. Dieser Quantensprung besteht darin, dass eines der Elektronen aus seiner Hülle auf eine höhere, energiereichere Ebene springt. Nach einiger Zeit will das Elektron aber wieder auf seine angestammte Ebene zurück springen. Das ist aber nur möglich, indem es die zuvor aufgenommene Energie wieder abgibt und dies erfolgt in Form der Emission eines masselosen Photons, also eines Lichtteilchens. (Hier eine schöne Animation dieses Vorgangs).

Dieser sogenannte Quantensprung ist also nichts weltbewegendes, wie es der Sprachgebrauch suggeriert, sondern genau das Gegenteil, nämlich die kleinstmögliche Änderung eines Energiepotentials. Soweit ist das Verhalten unserer Quanten nichts Spektakuläres sondern ist vergleichbar mit einem Rasterschalter, der eben nur endlich viele Positionen kennt. Je mehr Kraft wir aufwenden, umso weiter springt unser Schalter.

Ursache und Wirkung spielen keine Rolle

Doch ganz so einfach machen es uns die Quanten nicht. Denn während wir bei unserem Rasterschalter genau messen können, wie viel Kraft wir benötigen, damit er auf die nächste Stufe springt, ist das unseren Quanten herzlich egal. Während wir bei einem Wolframatom bereits mit einer kleinen Energiemenge einen Quantensprung und somit einen Lichtblitz auslösen können, weigert sich ein anderes selbst bei hoher Energie ein Fünkchen von sich zu geben und dann haben wir da noch ein drittes, das es mal einfach so, ganz ohne Energieeinfluss blitzen lässt. Wir kennen dieses Verhalten auch von radioaktiven Zerfallsprozessen, wo wir nie wissen, wann während der Halbwertszeit eines Elements ein Atom zerfällt. Was aber auch gut so ist, denn würden sie alle zum selben Zeitpunkt zerfallen, hätte dies eine Atomexplosion zur Folge. Erst wenn wir viele Atome gleichzeitig anregen entsteht das, was wir als Ursache und Wirkung kennen. Fügen wir also viele Milliarden Wolframatome zu einem Draht zusammen und schicken Energie hindurch können wir auf die Millisekunde genau sagen, wann und wie viel Licht emittiert wird.

Zwitterwesen

Wie ich bereits im vorangegangenen Beitrag beschrieben habe sind die Grundbausteine der Materie weder Teilchen noch Welle sondern irgendetwas dazwischen. Es gibt dazu einen simplen aber höchst beeindruckenden Versuch. Das sogenannte Doppelspaltexperiment. Wenn wir einen Stein ins Wasser werfen, so breiten sich kreisförmig Wellen auf der Oberfläche aus. Stoßen sie nun auf eine Wand mit zwei Öffnungen – das ist der Doppelspalt – so breitet sich an jeder Öffnung wieder eine kreisförmige Welle aus. Diese beiden Wellen treffen sich in der Mitte und da, wo Wellenberge aufeinander treffen, werden sie doppelt so hoch, Wellentäler werden doppelt so tief und wo ein Berg auf ein Tal trifft, löschen sie sich aus und das Wasser bleibt unbewegt. Trifft das Ganze auf eine Wand ergibt das ein schönes Streifenmuster aus Bergen und Tälern, ein sogenanntes Interferenzmuster. Genau das gleiche passiert, wenn wir Lichtwellen oder Elektronen durch einen Doppelspalt schicken. Das ist der Beweis, dass wir es mit Wellen zu tun haben.

Wenn wir nun einzelne Elektronen durch den Doppelspalt schicken, hinterlassen sie an der Wand aber nur einen Punkt. Sie verhalten sich also wie ein Teilchen. Schicken wir aber viele Elektronen im Abstand von ein paar Sekunden nacheinander durch den Doppelspalt, so ist die Summe aller Pünktchen nicht gleichmäßig verteilt, wie wir es von Teilchen erwarten würden, sondern wir bekommen wieder ein Interferenzmuster. Die Erklärung ist einfach, wir haben es in Wirklichkeit bei jedem einzelnen Elektron mit einer Welle zu tun, die beim Durchgang durch den Doppelspalt mit sich selbst interferiert und da, wo die Welle zuerst die Wand berührt, einen Punkt hinterlässt.

Doch es wird noch verrückter, wenn wir nämlich beobachten durch welchen Spalt die einzelnen Elektronen tatsächlich gehen, dann gibt es am Ende ein gleichverteiltes Punktmuster und keine Interferenz. Mit anderen Worten, schauen wir hin, ist unser Elektron ein Teilchen, fühlt es sich unbeobachtet ist es eine Welle. (Hier finden sie eine schöne Animation des Doppelspalt-Experiments)

Quantenautos bekommen keine Strafzettel

Wären unsere Autos Quanten, dann hätte es die Polizei schwer, uns einen Strafzettel zu erteilen. Denn die Heisenbergsche Unschärferelation besagt, dass ich bei Quanten zeitgleich nie genau ihren Ort und ihre Geschwindigkeit messen kann. Je genauer ich den Ort kenne, desto weniger kann ich über die Geschwindigkeit aussagen und umgekehrt. Das Ganze hat übrigens nichts mit Messungenauigkeiten zu tun sondern ist ein mathematisch berechenbares Grundprinzip. Auf unser Auto übertragen würde es bedeuten, dass ein Blitzer zwar exakt feststellen kann, um wie viel wir eine Höchstgeschwindigkeit überschritten haben, doch er kann nicht sagen, ob wir gerade auf der Nebenstraße mit Tempo 30 Limit fahren oder auf der nahegelegenen Autobahn. Auch dieses Verhalten hat etwas mit dem Welle-Teilchen-Dualismus zu tun. Je genauer wir den Ort eines Elektrons kennen, desto mehr reduzieren wir es auf ein Teilchen. Ganz zum Teilchen wird es, wenn wir es an die Wand knallen lassen und anhand des Einschlagpunkts seine exakte Position bestimmen können, doch dann haben wir alle Information über seine Geschwindigkeit verloren. Um diese messen zu können, müssen wir uns jedoch die Wellenausbreitung anschauen und dann können wir noch nicht einmal sagen, durch welchen Spalt das Elektron nun wirklich geht.

Überall im Universum

Sie werden jetzt vielleicht einwenden, dass wir aber trotzdem sehr genau wissen, in welchem Draht oder auf welcher Leiterbahn sich ein Elektron befindet. Aber selbst darauf lassen sich Quanten nicht festlegen. Wir können nur Aussagen über ihre Aufenthaltswahrscheinlichkeit treffen. Bei unseren Elektronenbahnen ist di e Aufenthaltswahrscheinlichkeit einfach nur größer als in den Bereichen dazwischen. Theoretisch könnte ein Elektron aber auch mal einen kleinen Ausflug ans Ende des Universums unternehmen, das ist zwar unendlich unwahrscheinlich aber nicht unmöglich. Dazu kann man sich auf Wikipedia wunderschöne Formeln angucken: http://de.wikipedia.org/wiki/Aufenthaltswahrscheinlichkeit

Wie ein Geist durch die Wand

Ich persönlich bevorzuge Beispiele, die diese Behauptung mit der Aufenthaltswahrscheinlichkeit verdeutlichen. Und hier eignet sich hervorragend der Tunneleffekt. Dabei handelt es sich um einen Effekt der in der klassischen Physik undenkbar ist. Auch für Elementarteilchen gibt es theoretisch unüberwindbare Hürden, je nach Teilchen sind das z.B. eine dünne Metallfolie oder eine kurze Strecke im Vakuum. Auch wenn die Teilchen die Energiebarriere dieser Hürde nicht überwinden können, sinkt ihre Aufenthaltswahrscheinlichkeit für Bereiche hinter der Barriere nur ab, wird aber nicht Null. So schafft es ein gewisser Anteil von Quanten tatsächlich auf der anderen Seite der Barriere wieder aufzutauchen, so als hätten sie einen Tunnel benutzt. Im Makroskopischen Raum wäre das vergleichbar mit einem Geist, der durch Wände gehen kann. Dass wir das in Wirklichkeit nicht können, liegt daran, dass alle Quanten eines Organismus gleichzeitig auf die Idee kommen müssten, ihr Glück auf der anderen Seite der Wand zu suchen. Nun sind Quanten ohnehin sehr eigenwillig und sträuben sich gegen koordiniertes Handeln. Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Quanten gleichzeitig dieselbe Wand durchtunneln und auf der anderen Seite in der gleichen Konstellation wieder herauskommen geht deutlich gegen Null. Doch haben wir es bei einem menschlichen Körper nicht mit zwei sondern mit geschätzten 100 Quadrilliarden Quanten zu tun, was wiederum in etwa dem Durchmesser des Weltalls in Millimetern entspricht. Wenn Ihnen also jemand erklären möchte, dass der Tunneleffekt ein Beweis dafür ist, dass Gespenster oder Gurus in der Lage sind, durch Wände zu gehen, glauben Sie ihm besser nicht. Deutlich glaubwürdiger ist der Wikipedia-Beitrag zum Tunneleffekt: http://de.wikipedia.org/wiki/Tunneleffekt

Aus dem Nichts auftauchen

Aber es geht noch weiter. Wenn diese Aufenthaltswahrscheinlichkeit für ein Teilchen für das gesamte Universum gilt, so müssten Teilchen sogar irgendwo weit draußen im Weltraum einfach so auftauchen und gleich wieder verschwinden. Man nennt das auch Vakuumfluktuation. Hierzu überlegte sich der Physiker Hendrik Casimir einen trickreichen Versuch. Dabei ging er davon aus, dass zwischen zwei sehr engstehenden Platten im Vakuum weniger Teilchen auftauchen als außerhalb der Platten. Folglich müssten diese virtuellen Teilchen diese beiden Platten mit einer gewissen Kraft zusammenpressen. Diese Kraft nennt sich auch Casimir-Druck. Mehr dazu hier: http://www.chemie.de/lexikon/Casimir-Effekt.html

Die spukhafte Fernwirkung

Die Mathematik der Quantenmechanik hat eine weitere Besonderheit, die Erwin Schrödinger als erster postulierte. Nämlich die Verschränkung von Quanten. Ein typisches Beispiel ist ein Lichtstrahl der an einem halbdurchlässigen Spiegelprisma in zwei unterschiedliche Teilstrahlen aufgespalten wird. So einen Strahlteiler darf man sich nicht als Gitter vorstellen, bei dem einfach nur ein Teil der Teilchen abprallt und der andere durchkommt. Es findet tatsächlich eine Aufspaltung der Photonen statt. Das bedeutet, aus einem Photon mit einer gewissen Energie entstehen zwei Photonen die gemeinsam so viel Energie enthalten, wie das ursprüngliche Photon. Je nach Strahlteiler können die beiden Photonen unterschiedliche Polarität oder auch eine andere Farbe aufweisen. Das Besondere an den Photonen ist nun, dass sie miteinander verschränkt sind. Albert Einstein befand diese These nicht besonders überzeugend, denn, so schloss er, würden Änderungen an dem einen Photon auch einen Einfluss auf seinen Zwillingsbruder haben und das sogar wenn beide räumlich voneinander getrennt sind. Er nannte das ganze spukhafte Fernwirkung und ging davon aus, dass dies unmöglich sei und somit auch die Thesen der Quantenmechanik widerlegt wären. Doch er sollte sich irren. Heute wissen wir, dass es diese spukhafte Fernwirkung gibt und es gibt zahlreiche Experimente mit denen dieses unerklärliche Verhalten bestätigt wurde. Das Paradoxe daran ist, dass die Information zwischen beiden Quanten instantan, also ohne Zeitverzug und somit wahrscheinlich sogar unendlich schnell übertragen wird, was allen physikalischen Gesetzen widerspricht.

Die geheimnisvolle Quelle des Geistes

Viele Esoteriker aber auch durchaus seriöse Wissenschaftler halten die Quanten aufgrund ihrer faszinierenden Eigenschaften als Quelle unseres Geistes. Am schönsten hat es der ehemalige Direktor des Max-Planck-Instituts für Physik und Astrophysik Hans-Peter Dürr formuliert: „Was wir am Ende allen Zerteilens vorfanden, waren keine unzerstörbaren Teilchen, die mit sich selbst identisch bleiben, sondern ein feuriges Brodeln, ein ständiges Entstehen und Vergehen, etwas, das mehr dem Geistigen ähnelt – ganzheitlich, offen, lebendig.”

Eines steht auf jeden Fall fest, die Welt der Quanten steht in ihren Eigenschaften der Welt des Geistigen, des Metaphysischen offensichtlich näher als unserer physischen, materiellen Welt. Somit dürfte hier auch der Übergang zwischen diesen zwei so unvereinbaren Welten liegen.